FED erhöht rückwirkend die €/Std. (Fach-Betreuung)

In dieser Kategorie geht es um rechtliche Dinge, Fragen zur Krankenversicherung, Pflegegeld etc.

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Mama Ursula
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FED erhöht rückwirkend die €/Std. (Fach-Betreuung)

Beitragvon Mama Ursula » 21.11.2018, 10:17

Hallo!

Unser FED hat diese Woche mitgeteilt, dass er rückwirkend zum 1.9. höhere Sätze mit dem hiesigen Landkreis ausgehandelt hat und die nun in gleicher Höhe bei allen Kunden geltend macht.

Dies gilt bei Entlastungsleistungen durch Ehrenämter genauso wie für Fachkräfte.

Ist das rechtlich zulässig?
Eine Dienstleistung zu einem vertraglich vereinbarten Preis anzubieten, diese Leistung zu erbringen und dann hinterher bei Rechnungsstellung den Preis zu erhöhen und somit (in unserem Fall rund 18%) mehr zu verlangen?

Nebenfrage: gibt es eine Möglichkeit diesem Monopol-Wucher rechtlich entgegenzuwirken?
Bei uns haben sich die FED regional aufgeteilt und "wildern" nicht in benachbarten Orten, bzw. sie treffen Preisabsprachen!
So kostet hier eine Betreuungsstunde durch eine Fachkraft (HEP, Pädagoge,...) zukünftig 51€ statt bislang schon teuren 43€.

Entlastungsleistungen der PK und der Eingliederungshilfe kann ich NUR über diesen einen Träger abrufen. Außer ich ginge ins persönliche Budget, wofür aber meine 95 Std./ Monat nicht taugen...

Abgesehen davon würde ich ungern auf meine eingelernten, jahrelangen Betreuungskräfte verzichten.

Danke für Eure Unterstützung!

Grüßle
Ursula

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Ullaskids
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Beitragvon Ullaskids » 21.11.2018, 10:45

Hallo,
du hast mein Mitgefühl. Uns ist vor Jahren dasselbe passiert, wir hatten aber zu der Zeit keine Ressourcen, um dagegen vorzugehen. Haben uns dann damit arrangiert und die Stunden etwas zurückgefahren, sodass wir bis zum Jahresende dann doch mit den Kassenbudgets hingekommen sind. Bei uns betraf es fast ein halbes Jahr, in dem wir nichts vom neuen Stundenpreis wussten! Aufgeregt haben wir uns natürlich ganz enorm...
Hast du denn einen schriftlichen Vertrag mit vereinbartem Stundenpreis, mit unbegrenzter Gültigkeit vorliegen? Bei uns war das alles nicht so bombenfest schriftlich fixiert, ansonsten wäre es ja ein klarer Fall.
Es ist ja auch immerdie Frage, ob man mit jemandem, von dem man abhängig ist, vor Gericht gehen will.
Viele Grüße,
Ulla mit Tochter (14): Gendefekt, Epilepsie etc.

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MichaelK
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Re: FED erhöht rückwirkend die €/Std. (Fach-Betreuung)

Beitragvon MichaelK » 21.11.2018, 11:14

Mama Ursula hat geschrieben:Ist das rechtlich zulässig?
Eine Dienstleistung zu einem vertraglich vereinbarten Preis anzubieten, diese Leistung zu erbringen und dann hinterher bei Rechnungsstellung den Preis zu erhöhen und somit (in unserem Fall rund 18%) mehr zu verlangen?


nein, aber da gibt es bestimmt eine versteckte Klausel in den allgemeinen Geschäftsbedingungen... Das wird bei der Sozialindustrie meist so gemacht.

Mama Ursula hat geschrieben:Nebenfrage: gibt es eine Möglichkeit diesem Monopol-Wucher rechtlich entgegenzuwirken?
Bei uns haben sich die FED regional aufgeteilt und "wildern" nicht in benachbarten Orten, bzw. sie treffen Preisabsprachen!


Ja. Staatlich festgelegte Preise- ist aber Kommunismus. :lol:

LG Michael
Michael für den Liebling der Familie: Lars, geb 04/03 Lumbale Spina bifida mit HC (v-p-Ableitung), Arnold-Chiari-Malformation Typ 2
"Wir neigen dazu, Erfolg eher nach der Höhe unserer Gehälter oder nach der Größe unserer Autos zu bestimmen als nach dem Grad unserer Hilfsbereitschaft und dem Maß unserer Menschlichkeit."
(Martin Luther King)

kati543
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Beitragvon kati543 » 21.11.2018, 11:59

Hallo,
rechtlich zulässig ist es garantiert nicht. Aber du kannst dich nicht dagegen wehren, es sei denn, du schiebst dem Ganzen einen Riegel vor durch ein Urteil oder eine entsprechende Gesetzesänderung.
Man kann einen geschlossenen Vertrag (=ZWEIseitiges Rechtsgeschäft) nicht von einer Seite ohne Zustimmung der anderen Seite und dann auch noch rückwirkend ändern. Was rein rechtlich hier passiert ist, ist ein reines ANGEBOT für einen neuen Vertrag zu neuen Konditionen ab 1.9.18. Du hast nun die Wahl diesem Angebot zuzustimmen, dann habt ihr einen neuen Vertrag, oder du lehnst es ab - dann darfst du das als Kündigung verstehen, wirst aber bis zum aktuellen Tage noch mit dem alten Preis berechnet, denn DU hast diesen neuen Vertrag nie zugestimmt.
LG
Katrin
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O. (Frühk. Autismus (HFA), Sprachentwicklungsstörung, Ptosis, Hypotonie, AVWS, LRS, Vd. Valproatembryopathie)
D. (geistige Behinderung, Frühk. Autismus, Epilepsie, Esstörung, Trigonoceph., Hypertonie, Opticushypoplasie, Amblyopie, Mikrodeletion 3p26.3, Vd. Valproatembryopathie, Z.n. Schädelbasisfraktur)

Mama Ursula
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Beitragvon Mama Ursula » 21.11.2018, 12:38

Danke für Eure Antworten und Eure Anteilnahme!

kati543 hat geschrieben: Du hast nun die Wahl diesem Angebot zuzustimmen, dann habt ihr einen neuen Vertrag, oder du lehnst es ab - dann darfst du das als Kündigung verstehen, wirst aber bis zum aktuellen Tage noch mit dem alten Preis berechnet, ...


Überlegung - kann ich heute kündigen und ab morgen mit dem gleichen Träger einen neuen Vertrag zu den jetzt teureren Konditionen abschließen?

Ich würde es darauf ankommen lassen, ob sie lieber mich als Kunden behalten wollen oder ich meine Betreuer "verliere".
Notfalls frage ich auch im Januar dort nochmal an. Vielleicht wollen sie uns dann ja wieder.

Theoretisch kann ich auch ganz zu unserem Intensivpflegedienst wechseln. Dort sind wir mit den 43€/Std. die bestzahlensten Kunden. Hätte halt neue Mitarbeiter zur Folge.

Unsere altbewährten Kräfte, die immer toll und engagiert bei uns gearbeitet haben, wären die Leidtragenden.

Hmm, was meint Ihr?

Grüßle Ursula

kati543
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Beitragvon kati543 » 21.11.2018, 13:28

Hallo Ursula,
der FED hat diese Preise, weil er sie so hoch treiben kann. Es gibt genügend behinderte Kinder, die nur auf diesen Platz warten. Ich glaube nicht, dass sie eurer Kündigung hinterherweinen.
Falls du das mit dem FED und den Preisabsprachen nachweisen kannst, wäre das übrigens illegal - das sind Kartelle. Wenn du also zumindest dem FED mal ein paar Kopfschmerzen bereiten willst, kannst du dem Kartellamt ja mal einen Tipp geben. Monopole mögen die gar nicht.
Ansonsten ist es so, dass du gar nicht kündigen musst. Du hast ja einen Vertrag (den Alten) und willst ihn gern weiterlaufen lassen. Es ist ja der FED, der diesen Vertrag nicht mehr so aufrechthalten will. Wer muss dann kündigen - natürlich der FED! Wenn du wirklich gewillt bist, den Vertrag auch eventuell zu kündigen, dann schreibe dem FED doch einfach, dass du das Angebot vom .... erhalten hast, aber diesem auf gar keinem Fall zustimmst, schon gar nicht rückwirkend. Du betrachtest den am .... geschlossenen Vertrag mit den dort genannten Preisen nach wie vor für gültig.
Die altbewährten Kräfte können übrigens auch bei einem anderen Dienstleister arbeiten. Der FED hat nicht wirklich ein Monopol. Jeder Pflegedienst darf das auch. Manchmal ist das ganz hilfreich mit der betreffenden Kraft zu reden. Es ist übel, wenn man über 50€ pro Stunde zahlt und bei der Kraft kommt noch nicht einmal die Hälfte an. Ich sehe das jetzt bei meinem Jüngsten in der Schule. Ich könnte mich nur aufregen. Der Träger organisiert ausschließlich Bufdis (zum Glück ist derjenige sehr engagiert) und das Sozialamt zahlt 21€/Stunde.
LG
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Beitragvon Martina78 » 21.11.2018, 18:43

Hallo,
das sind ja Wahnsinnspreise! Dann hat man ja gerade 2,5 stunden im Monat! Es sei senn, man bezieht da noch die verhinderungspflege mit ein. Wir zahlen bei unserem FUd 16 euro, sind aber keine Fachkräfte. Und mal ein gedanke: kannst du vielleicht mit der einen oder andren bewährten Kraft so gut, dass du sie nicht über den Dienst, sondern privat buchst und dann über Verhinderungspflege bezahlst? Muss der Dienst ja nicht wissen... :lol:
LG und viel Erfolg!
Martina
Martina mit Julia (*1/2012), Pachygyrie und Epilepsie, Pflegegrad 5. Seit 6/15 sehr erfolgreich Ketogene Diät. Kann kurze Strecken laufen. Plus Neuankömmling Franziska (*12/16).
"Das Schicksal mischt die Karten, und wir spielen." (Schopenhauer)

Unsere Vorstellung: http://www.REHAkids.de/phpBB2/viewtopic ... highlight=

Mama Ursula
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Beitragvon Mama Ursula » 21.11.2018, 20:08

Danke für Eure Rückmeldungen!

Ich schau Mal, wie weit mein Mann mittraut. :twisted: :lol:

Grüßle
Ursula
Kinderkrankenschwester mit Fachweiterbildung Palliativ Care und Außerklinische Beatmung.
Pflegemutter von Jessy (16 J., schwerster Hirnschädigung wegen Sauerstoffmangel), kl.Bub (1 Jahr mit schwerster Hirnschädigung, Reflux, Spastisch-steife Knie), 2 gr. Jungs - ausgezogen.

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Beitragvon Annika1 » 21.11.2018, 20:59

Hallo Ursula,

viel Glück und Kampfgeist! Gibt es nicht eine Möglichkeit "Eure" Kräfte mit zum Pflegedienst zu nehmen?

Gruß,
Annika

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Mama Ursula
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Beitragvon Mama Ursula » 21.11.2018, 21:01

Mein Mann berichtet gerade, dass der FED-Vorstand in einem ersten Telefonat heute schon bestätigt hat, dass die rückwirkende Erhöhung unhaltbar ist und geändert wird.

Erhöhung gilt (für uns) ab 1.12.

Dass wir uns mit dem Gedanken tragen, ganz zu einem preisgünstigeren Intensivpflegedienst zu wechseln, versteht und bedauert er.

Mal sehen, wie wir weitermachen.

Aber immerhin mein größter Aufreger ist vom Tisch. Keine rückwirkende Erhöhung!

Danke!
Grüßle
Ursula


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