Förderschule - ja oder nein?

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

Moderator: Moderatorengruppe

Bika
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 159
Registriert: 12.04.2017, 13:25

Beitragvon Bika » 03.12.2018, 15:17

Liebe Mel,

Ich kann mir kaum vorstellen, dass bei deinem Sohn die Vorausetzungen für den Förderschwerpunkt sozial-emotionale Entwicklung, nicht eindeutig gegeben sind.
Eindeutiger geht es der Therorie nach ja kaum.

https://www.kmk.org/fileadmin/Dateien/v ... e-Entw.pdf
Hier wird es unter Punkt 2 beschrieben.

Deiner Beschreibung nach, scheint die Förderschule nun genau das zu sein, was dein Sohn braucht.
Die Direktorin beschreibst du als empathisch und vor allem sehr erfahren.
Letzteres ist so wichtig, damit dein Kind rechtzeitig vor der Überforderung, die durch den Kontakt mit anderen schwer labilen Kindern entsehen könnte, geschützt wird.

Du schriebst in einem Beitrag weiter vorne, dass du vermeiden willst, dass dein Sohn sich abgeschoben fühlt. Das kann ich absolut nachempfinden, würde das aber, nach deinen Schilderungen, nicht vermuten.
Mit 7 haben Kinder noch kein präzises Zeitgefühl und ein Schultag kommt ihnen immer ewig vor :lol:.
Sollte er sich dort wohlfühlen, ist der Zeitfaktor vielleicht unerheblich.
Dein Sohn wird 100%ig und verlässlich jeden Tag abgeholt und kann den Abend im familären, ihm zugewandten und liebevollen Umfeld ausklingen lassen. Das nimmt ihm keiner.

Ausserdem wirst du entlastet, was wiederum auch bei deinem Sohn nachhaltig Druck rausnehmen wird. Er ist dann in der Betreuung spezialisierter Pädagogen und du kannst Verantwortung abgeben und mit deinem Sohn vielleicht mehr unbeschwerte, spassbehaftete Momente, fernab vom Schulstress und Entscheidungsdruck, erleben.

Soweit meine laienhafte Gedanken dazu.

Ich wünsche euch ein gutes Gelingen für die weiteren Entscheidungen.
(mein Eindruck beim Lesen war ja, dass du deine Entscheidung schon fast gefällt hast, sollte der Förderbedarf festgestellt werden)

ganz liebe Grüsse von Bika

Werbung
 
Rita2
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 2592
Registriert: 30.09.2004, 09:07
Wohnort: Region Heidelberg-Mannheim

Beitragvon Rita2 » 03.12.2018, 15:36

Hallo Mel,

wenn ihr jetzt die Förderschule ernsthaft überlegt, dann solltest du versuchen, daß er dort möglichst bald Probewochen macht. Das heißt er geht für z.B. 2 Wochen dort in die Schule. Dann seht ihr wie es klappt. Die Lehrer dort können etwas sagen und euer Sohn bekommt einen Eindruck.

Viele Grüße
Rita
Rita mit Sohn *Dezember 1995, ohne Diagnose,
cerebrale Koordinations- und Tonusregulationsstörung mit Zehenspitzengang, kognitive und sprachliche Entwicklungsstörung, süßer Bengel

Lisaneu
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 1741
Registriert: 27.01.2017, 08:24

Beitragvon Lisaneu » 03.12.2018, 19:12

mel1220 hat geschrieben:
Wir sind noch immer so hin und hergerissen. Von einer Schulbegleitung hat sie uns abgeraten. Auch in 1:1 Situation mit der Lehrerin kommt nicht wirklich was von Junior. Wir sehen es mittlerweile leider auch eher

Wenn die Direktorin von einer Schulbegleitung abgeraten hat, würde ich beim nächsten Gespräch "nachbohren" ob zumindest die MÖGLICHKEIT besteht, eine Schulbegleitung zu bekommen, wenn dein Sohn mit der neuen Situation nicht gut zurecht kommen sollte.

Bei uns wurde auch von einer Schulbegleitung abgeraten und bisher klappt es GsD auch ohne (in der Spezial-Kleinklasse) wirklich gut. Dabei wollen wir es belassen. Never change a running system :wink: .

mel1220 hat geschrieben:Alles sehr schwierig. Theoretisch fänden wir die Schule gut, haben nur Zweifel ob dort nicht doch zuviel Druck herrscht für Junior?
Auf der anderen Seite lehnt er sich aber auch immer weiter zurück. Je mehr Druck wir nehmen, desto schlimmer wird es eigentlich.
Nachdem die Hausaufgaben reduziert wurden, will er sie jetzt gar nicht mehr machen.
Anfangs hat er seine Hausaufgaben von der Tafel abgeschrieben. Nachdem er manchmal zu langsam war, hat die Lehrerin für ihn eingetragen. Danach hat er sie gar nie mehr abgeschrieben.... Wisst ihr wie ich meine?

Viele Grüsse
Mel


Ja, ich kenne das von meinem älteren Sohn. Aber du kannst nicht in die Zukunft sehen und daher macht es keinen Sinn, jetzt schon Probleme wo auszumachen, wo noch keine sind und wo vielleicht nie welche sein werden. Sollte dein Sohn deiner Ansicht nach später mal über- oder unterfordert werden, kannst du das ohnehin nur IN DER SITUATION klären.

Ich hatte bei Alexander massive Bedenken, dass die Kindergarten-Eingewöhnung zu schnell und zu vehement sein könnte. Habe Horrorgeschichten gehört von Kindern, die sich am Treppengeländer des Eingangs angeklammert hatten und von 3 Pädagoginnen schreiend und um-sich-schlagend gegen den Willen in die Gruppe gezerrt wurden!

Tja, und dann war es so laaaaangsam und vorsichtig, dass ICH schon überlegt habe, zu sagen, dass man nach 3 Wochen doch mal auf mehr als 3 Stunden pro Tag steigern könnte, wenn er ohnehin sehr gerne dort ist, und es nie Probleme gab :P .

Also einfach mal aus dem Bauch heraus eine Entscheidung treffen und auf euch zukommen lassen! Ich bin mir sicher, dass du nicht stur bei deiner Entscheidung bleibst oder schweigend zusiehst, wenn es deinem Sohn schlechter und schlechter geht. Du kannst dann, wenn Probleme auftreten SOLLTEN immer noch agieren. Das solltest du Dir einfach vor Augen halten!
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS
Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist
Mama und Papa stark kurzsichtig (Kommentar eines Optikers: Wie habt ihr euch überhaupt gefunden?)

maikeb
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 132
Registriert: 20.11.2010, 12:47

Beitragvon maikeb » 03.12.2018, 19:20

Ich habe mit einer Hospitationswoche an der Förderschule sehr gute Erfahrungen gemacht. Ich war nämlich auch skeptisch, ob die Schule für meinen Sohn die richtige sein würde. (Wechsel von Regelgrundschule in die 5. Klasse Förderschule) Fazit nach einer Woche: Kind war superglücklich und wollte gleich ganz dort bleiben. Probiert es einfach aus.

veroma
Neumitglied
Neumitglied
Beiträge: 8
Registriert: 08.06.2018, 07:47

Beitragvon veroma » 04.12.2018, 15:35

Hallo liebe Mel,
mein Sohn ist auch ein Adoptivkind und kam auch mit fast zwei Jahren zu uns. Er ist jetzt 9 Jahre alt. Die ersten zwei Jahre bei uns auf der Regelgrundschule waren sehr schwierig. Erst im 2.Schuljahr wurde eine Hörschädigung diagnostiziert, die einiges erklärt hat. Leider sind wir an eine Lehrerin geraten, die einfach null! Verständnis für unsere Situation hatte ( bei Pflege/Adoptivkindern gibt es ja noch ganz andere Themen obendrauf) und nicht bereit war, Fördermöglichkeiten umzusetzen ( bei uns die Bereitschaft einer FM Anlage zuzustimmen....). Da hatten wir den Salat, einen super unglücklichen Sohn und noch mehr Schwierigkeiten. Wir haben dann alle 3 ( mein Mann, Sohn und ich) an einer Förderschule für Hörgeschädigte hospitiert. Diese Schule ist 70! Km von uns entfernt. Als mein Sohn vom Hospitieren zurück kam, sagte er: Mama hier will ich bin! Das war für uns ausschlaggebend! Seit Sommer geht er nun dorthin und fühlt sich sehr wohl, angenommen und dazu gehörig. Ja, er hat auch wenig Möglichkeiten soziale Kontakte/Freundschaften bei uns zu pflegen, er ist sehr spät am Nachmittag zu Hause aber! und dass ist für uns das wichtigste. Es wird sich dort gekümmert, es ist keiner überfordert, es sind Fachleute am Ort, die Voraussetzungen dort sind super und am allerwichtigsten: unser Sohn ist glücklich und fühlt sich sehr wohl. Ein Stück weit zieht die Leichtigkeit und Unbeschwertheit wieder ein und dass genießen wir alle sehr. Und letztendlich ist er dort den ganzen Tag unter Kindern, die alle eins gemeinsam haben, eine Hörschädigung. Das bestärkt ihn ungemein, nicht der einzige auf dieser Welt mit dieser Problematik zu sein.
Ich wünsche euch viel Kraft und eine gute Entscheidungsfindung. Ich kann sehr gut nachempfinden wie du dich fühlst, das waren auch alles unsere Fragen und wir haben die Entscheidung lange vor uns hergeschoben. Letztendlich fiel sie uns dann leicht weil unser Sohn sich selbst für diese Schule entschieden hat, daher rate ich euch auch zu einer Hospitation.
Ich sende dir solidarische Grüße! Du kannst mich auch gerne per PN anschreiben.
Herzliche Grüße von veroma


Zurück zu „Kindergarten und Schule“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast