Förderschule - ja oder nein?

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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Bika
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Beitragvon Bika » 21.11.2018, 09:33

Liebe Mel,

Puh, das ist wirklich eine Herausforderung und wahnsinnig schwer zu entscheiden.
In sehr viel abgeschwächterer Form und sehr viel seltener, kenne ich das kurzzeitige Abdriften in dissoziationsartige Zustände von meinem ADS-Kind.
Das passierte/passiert immer dann, wenn die Überforderung (durch Aussenreize, Anpassungsdruck, Organisationdruck..) sich zu sehr akkumuliert. Dann ist das kurzfristige Ausschalten der “Funktionssysteme“ ihr Instrument, um sich mental zu schützen und wieder Kräfte zu mobilisieren.

Dass das bei einem schwerst traumatisierten Kind in sehr viel ausgeprägterer Form auftritt, klingt für mich plausibel.
Und nicht nur das, es ist ein zur Zeit vielieicht das wirksamste Mittel, was deinem Sohn noch zur Verfügung steht , um seine “psychische Einheit“ zu bewahren.
Hat eure Therapeutin einen konkreten Plan, wie man eurem Sohn hilft, sich psychisch soweit zu stabilisieren, dass er die Dissoziation immer weniger braucht? Hat sie eine Prognose abgegeben?
Ist es realistisch davon auszugehen, dass diese Zustände sich langfristig deutlich reduzieren lassen?

Je kleiner die Klassen und je intensiver die Betreuung, desto besser für deinen Sohn. Andererseits kann die intensive Konfrontation mit Kindern, die alle ebenfallls emotionale Lasten mit sich herumschlepoen, nach hinten losgehen.
Das Risiko wäre mir vermutlich eindeutig zu groß.

Du schreibst, dass er Medikamente bekommt. Ist er gut eingestellt?
Vielleicht reicht die Dosis noch nicht.

Ach, Hut ab, vor dem was ihr leistet und entscheiden müsst!

Ich wünsche euch und vor allem deinem Kind, dass ihr immer wieder die Kraft findet weiterzukämpfen.
Ist eure Psychotherapeutin eigentlich auf Traumatisierungen spezialisiert?
Es kostet so unendlich viel Zeit und Geduld, all die Narben einer verletzten Psyche Schicht für Schicht abzutragen, damit dann der langwierige Heilungsprozess eingeleitet werden kann.

ganz liebe Grüsse
von Bika

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mel1220
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Beitragvon mel1220 » 21.11.2018, 10:55

Liebe Bika,

du sprichst mir aus der Seele. Ganz genau so hat es uns die Therapeutin auch beschrieben. Dass er nur so überleben kann.
Sie würde die Variante Schulbegleitung für ihn favorisieren, aber wir sehen es eben auch mit der Überforderung, den großen Klassen, all das bewegt ihn immer wieder aufs neue in die Dissoziaton. Da hilft auch die Schulbegleitung nicht. Ich merke dies ja auch selbst bei den Hausaufgaben in der 1:1 Situation. Wenn er etwas "kann" oder Spass daran hat ist er schnell und ordentlich dabei.
Geht das Mathebuch auf oder er muss längere Texte schreiben ist der Rolladen unten.
Sie hat gesagt er arbeitet wahnsinnig gut mit, hat viele Themen an denen er ordentlich arbeitet während der Therapie. Was oder mehr erfahren wir ja nicht, es ist ein für ihn geschützter Raum. Zur Prognose hält sie sich bedeckt, sie meint es kann noch Jahre dauern oder sich gar nie ganz verlieren und nur bessern.

Mit den Medikamenten ist das auch so eine Sache. Ich würde sagen ja, er ist gut eingestellt. Wir haben zwischenzeitlich auch einmal gewechselt und kommen so eigentlich gut über den Tag.

Ich habe eben mit der Schulleiterin der Förderschule telefoniert um einen Besichtigungstermin zu vereinbaren. Einfach unverbindlich schauen. Da ist mir nun aber die Kinnlade abgestürzt, die Betreuung ist dort wirklich bis 17.00 Uhr. Eigentlich sagt mein Bauch hier ganz laut nein, das möchte ich nicht.
Das zweite war ihre Aussage dass es für sie keinen Unterschied macht warum ein Kind sich verweigert, sondern dass wir schauen müssen dass er das nicht mehr tut. Es ist für mich aber schon ein Unterschied ob ein Kind wirklich verweigert oder ob es nicht kann! Oder sehe ich das jetzt auch schon wieder falsch? Das hat gerade einen sehr bitteren Beigeschmack bei mir hinterlassen.

Wir werden uns das jetzt alles nächste Woche einmal anhören. Sie gibt uns auch weitere Informationen was es noch alles an Hilfe / Lösungen gäbe. Sie ist sehr nett und bemüht und hat uns auch gesagt wir finden einen Weg. Wenn eine Ganztagsbetreuung nicht in Frage käme könnten wir auch schauen ob doch Förderschwerpunkt lernen besser für ihn ist weil dort der Druck komplett rausgenommen wird.
Einen Termin beim SPZ habe ich jetzt auch nochmal angefordert.

Das frustrierende ist, dass unser Junior nirgendwo hinpasst. Er fällt einfach so durchs Raster. Auch andere Schulformen sind nicht wirklich etwas für ihn, da haben wir auch schon alles durchgespielt.

Es ist wirklich furchtbar traurig und frustrierend ihm nicht ordentlich helfen zu können :-(

Viele Grüße
Mel

heidipet
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Beitragvon heidipet » 21.11.2018, 11:28

Hallo Mel,
probieren (Hospitationstage?) verpflichtet zu nichts.

Wenn die Förderschule nicht grade in Laufweite ist, muss Dein Sohn auch noch Busfahren. Die nehmen selten den direkten Weg. Es gibt sogar Schule, wo die Kinder selbst in Laufweite nicht allein nach Hause dürfen. Fragen!!

Bei "Lernen" wäre der Druck raus, aber Intelligenz ist ja nicht sein Problem? Vielleicht wäre er dauernd unterfordert. Das ist auf Dauer genauso schlimm wie überfordert. Was für Klassenkameraden hätte er da? Hospitieren in der möglichen Klasse könnte ein paar Fragen klären.

Meine Empfehlung ist auch I-Helfer. Förderschule geht immer noch.

Gruß
Heidi
Gruß
Heidi

Anne_mit_2
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Beitragvon Anne_mit_2 » 21.11.2018, 12:10

Hallo Mel,

nach dem, was Du von dem Telefonat erzählt hast, halte ich diese Förderschule schon von vornherein für disqualifiziert. Sie scheinen die Situation nicht verstehen zu können/zu wollen oder sind mit den bereits dort befindlichen Schülern so in Druck, dass sie weniger auf Deinen Sohn eingehen können als seine gegenwärtige Schule.

Mein Eindruck von Deinen Erzählungen ist, dass sich der folgende Weg anbietet:
- Schulbegelitung an der Schule, um Dissoziationen -- nur wo sinnvoll!!! -- zu unterbrechen, aber auch um das Kind bei belastenden/belasteten Situationen herausnehmen zu können (Thema 'Nebenraum -- Aufsichtsplicht')
- klare Vorgaben der Therapeutin für die Schulbegleitung, wie sie hier helfen soll/kann und worauf sie achten muss (Infos können und sollen natürlich über Dich gehen, aber dieser Informationsfluss an sich ist entscheidend)
- Schulbegleitung sollte bei Einzelarbeiten in Absprache mit der Lehrerin die Aufgabe in kleineren Einzelportionen anbieten können/die Aufgabe vorstrukturiert anbieten dürfen
- Stoff zu Hause in geschütztem Rahmen sehr kleinschrittig aufarbeiten mit Material, das immer durchaus ein wenig fordert und aber viel Erfolgserlebnisse bringt
- Wechsel auf Förderschwerpunkt L oder ES derzeit im Hinterkopf behalten, falls die Situation eskaliert, aber im Moment nicht forcieren
- Wiederholung eines Schuljahres ebenfalls im Hinterkopf behalten, falls die Situation es erfordern sollte, aber im Moment nicht forcieren

Ganz wichtig: Auch die anderen Lehrer müssen von der Tatsache der schweren Traumatisierung wissen und dem daraus resultierenden Nicht-Können. Gerade Religions-, Musik- und Kunstlehrer sehen oft Verweigerung, wo echtes 'Sich-Nicht-Öffnen-Können' dahinter steckt. Dadurch kann gerade in solchen Fächern enormer zusätzlicher Druck aufgebaut werden, der völlig unnötig und sehr kontraproduktiv ist.

Viele Grüße,
Anne

Bika
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Beitragvon Bika » 21.11.2018, 13:05

Liebe Mel,

Eine Traumatisierung mit begleitender, klassisch ausgeprägter ADHS- Symptomatik, stellt, so glaube ich, für alle Beteilligten eine echte Überforderung dar.
So nach dem Motto „man man es eh nicht richtig machen“.
Diese Erkenntnis kann aber Druck rausnehmen und die Möglichkeit bieten, den Fokus auf die kleinen Teilerfolge zu richten.

Geistiger Rückzug ist Schutzmechanismus (bezogen auf die seelische Versehrtheit) und Vermeidungsstrategie (bezogen auf die Abwehr gegenüber verhasster Konzentrationsleisung) in einem.
Und genau das macht es so unglaublich schwierig diesen Kindern zu helfen.
Wann muss ich den Schutzmechanismus akzeptieren und wann darf ich fordern und drängen?
Um es bei euch auf die Spitze zu treiben, kommt dann noch die gute Begabung deines Sohnes hinzu.
D.h. er kann auf der einen Seite (Vermeidungs)-Strategien bewusst einsetzen und auf der anderen Seite aber auch bewusst über seine Situation reflektieren, (er kann z.b “wenn..dann-Szenarien“ entwerfen), sein Leidensdruck wird durch die Begabung verstärkt (und gemindert).

Diese Ambivalenzen sind quälend und doch liest man aus deinen Worten so viel Mut, Liebe und Vertrauen (in dein Kind).
Das ist eure größte und kostbarste Ressource und egal welche Entscheidung ihr trefft (die Förderschule würde ich auf jeden Fall anschauen), kannst du auf dieser tollen Basis aufbauen und auf deine Intuition vertrauen.

Du weißt, dass dein Sohn über verdecktes Potential verfügt, was er nur zeigt, wenn er will UND kann.
Man kann von einem normalen Grundschulpädagogen kaum erwarten, das zu leisten, vielleicht gelingt das eher im beschaulichen Rahmen der Förderschule.

Oh je, jetzt schwafel ich hier rum :oops: ,
eigentlich will ich dir nur Mut machen.

So richtig falsch entscheiden, könnt ihr gar nicht.
Die Entscheidung eurem Sohn das wichtigste zu geben was er braucht, ist ja schon gefallen.

LG

Silvia & Iris
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Beitragvon Silvia & Iris » 21.11.2018, 13:33

Liebe Bika,

ich weiß auch, was du sagen möchtest, habe ja auch so ein Exemplar da sitzen...

Wir hatten das so gelöst, dass er als I-Kind in eine Dapandanceklasse der Förderschule kam... Er hat es geschafft... - Jetzt war ich so mutig und habe ihn aus der Integration rausgenommen, da ich der Meinung bin, er muss ja mal im normalen Leben stehen... - und nun rudere ich, da jetzt noch dazu die Pubertät dazu kommt und man manchmal wirklich nicht sieht: Ist das jetzt ein Konzentrationsproblem oder ist es jetzt so, dass nun der verrückte Hormonhaushalt noch dazu kommt... leicht ist es nicht... Ich habe auch lange gesucht und genau geschaut, dass ich eine passende Schule finde, die hier bereit ist zu tun... - und ihn wie ein normales Kind zu behandeln... - Denn es hinterlässt ja auch Spuren am Kind, wenn es mal mitbekommt, dass es "anders" behandelt wird... Hier sind wirklich qualifizierte Sonderpädagogen ein Segen... - Sie erhalten schon während der Ausbildung auch so manche Strategien mit... - normale Pädagogin können das teilweise über Empathie kompensieren... aber genaus dasselbe ist es nicht... - und - wie du schon sagst, wenn sie nicht dumm sind, dann spielen sie das aus... - aber es ist wirklich nicht leicht den Weg zu finden zwischen Fordern und Überfordern... - oder auch Unterfordern und damit auf der Strecke lassen...


Das zentrale Problem mit dem ich gerade Kämpfe ist die Merkfähigkeit... Man lernt, man übt... - und 2 Monate später ist alles wie weg... :roll:


"Das habe ich noch nie gehört" und das ganze noch gepaart mit einer scheinbaren Motivations- und Antriebslosigkeit - die jetzt natürlich auch durch das Alter bedingt sein kann... ich bin auch etwas ... und nehme inzwischen Rescuetropfen, damit nich ich explodiere... :roll:

Aber zurück zum Thema: Ich habe auch aus dem Bauchgefühl heraus gehandelt... - und auch abgewogen, allen Löcher in den Bauch gefragt... und bin dann meinen Weg gegangen - habe auch nicht immer alles wirklich verstanden... - leicht war es nicht... leicht ist es nicht...


Und es ist ein mühsamer Weg die Kinder duch die "Pflicht" zu treiben... -

Ich gehe den Weg den wir gehen und hole mir dann einmal im Jahr auch Streicheleinheiten.. Reflektiere und informiere mich regelmäßig, bin darauf bedacht, dass auch die Rahmenbedingungen passen und habe manches Mal Angst, dass ich eine "lästige" Mutter sein könnte... - einerseits schaut es dumm aus so präsent zu sein, andererseits wollen die Lehrer doch auch engagierte Mütter, gleichzeitig soll der Sprössling aber selbständig werden... :roll: Ein Drahtseilakt...

Es gibt nicht den Weg... man muss ihn sich auch immer wieder richten...

LG
Silvia
Liebe Grüße
Silvia
Tochter *03/2003, PCH, HG-versorgt, ein Sonnenschein
Sohn *03/2006 AVWS + was so dazu gehört

mel1220
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Beitragvon mel1220 » 21.11.2018, 13:56

Oh Mann,

da bekomme ich Pipi in die Augen :D
Vielen lieben Dank Euch allen für Eure Antworten. Es tut immer wieder soooo gut wenn man sich mit Menschen austauschen kann, die wissen was eine Special Edition ist :wink:

Wir schauen uns die Schule auf alle Fälle an, hin müssen wir ja ehe um uns auch mal ausführlich über ALLE Möglichkeiten beraten zu lasen.

Leider wohnen wir etwas "ländlicher" und die Auswahl an Schulen ist schon deshalb von vorneherein eingeschränkter.

Was ich jetzt aber schon nach ein paar Stunden denken ausschließe ist eine Förderschule bis 17.00 Uhr.
Auch die Tatsache, dass die Leiterin am Telefon sagte: "es wird eine Entlastung für Sie sein" ist eigentlich schon das K.O. Kriterium. Ich suche doch keine Entlastung für mich! Natürlich denke ich an manchen Tagen auch etwas normaler wäre auch schön.... aber Junior ist alles.... nur keine Belastung!!!
Unsere Situation in der Gesellschaft / Schulsystem ist eine Belastung!
Junior ist so ein herzensguter lieber Mensch, er macht durch sein sonniges Wesen alles wett was an Stress aufkommt.

Und eines haben wir uns auch geschworen als er damals zu uns kam. Er soll nie, aber auch gar nie mehr auch nur ansatzweise wieder das Gefühl haben abgeschoben zu werden. Das hatte er in seinen ersten beiden Lebensjahren oft genug.
Genau das wäre es jetzt aber schon für mich mit dieser Schule. Ein abschieben. Mensch, ich hätte ja das schönste Leben? Ich wüsste ja gar nicht mehr wohin mit meiner freien Zeit. Beim schreiben merke ich gerade wieder wie sauer mich das jetzt sogar macht.

Wir hören uns jetzt alles an, kämpfen zur Not auch mit Anwalt vielleicht erstmal für eine Schulbegleitung. Arbeiten jetzt unsere Termin und Treffen mit Lehrern und Förderschullehren ab und schauen was wir beim SPZ bezgl. benötigtem GUtachten für eine Schulbegleitung erreichen können.

Eins nach dem anderen, aber Schule sozial emotional ist raus.

Danke nochmal euch allen, von Herzen!

Mel

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Alexandra2014
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Beitragvon Alexandra2014 » 21.11.2018, 17:17

Hallo Mel,

ich verstehe dich sehr gut! Bei uns war es genau das gleiche mit der „Entlastung“ für mich.
Mir wurde sogar unterstellt, zu klammern, weil ICH mich nicht vom Kind lösen könne, als ich damit argumentierte, dass meine Tochter mit 6 Jahren keinen Ganztag + 2,5 Stunden Busfahrten/Tag schafft. Ich wurde belächelt, obwohl der Kindergarten mir beipflichtete.
Ja klar, die Schulrätin vom Schulamt kann das sicher besser beurteilen, wo sie das Kind ja noch nie gesehen hat. Ironie aus... :?
Als dann die Schulleitung dieser Förderschule auch noch in unserem Beisein äußerte, dass sie sich dann wohl in den ersten Schulwochen auf „Theater“ einstellen müsste, war der Drops für mich gelutscht.

Im April diesen Jahres (Kind inzwischen schon 10 Jahre alt) waren wir auf diese Förderschule angewiesen und schulten unser Kind dort ein. Ganztag mit immer noch 2,5 Stunden Busfahrt am Tag.
Und Überraschung: es klappte nicht, obwohl sie bereits vorher einen Tag bis 15:30 Uhr in der früheren Schule war und das Prozedere kannte.
Nach 4 Wochen wurden wir zum Gespräch gebeten, da das Kind den ganzen Schultag hindurch immer wieder geweint hat.
Das Ende vom Lied: mit Genehmigung der Schulleitung habe ich meine Tochter jeden Tag mittags abgeholt. Nun saß also auch noch ich 2 Stunden im Auto... :roll:
Ich wollte ja nicht sagen „ich hab‘s doch gesagt“ - aber nun lachte keiner mehr.

Ich hab dann die wohnortnächste Förderschule ausgewählt und Kind hat zum Sommer nochmal gewechselt. Ich hole sie immer noch mittags ab - aber ich fahre nur noch 10 Minuten (und Kind entsprechend auch) und sie geht inzwischen sogar recht gerne und ohne zu weinen.
Ganz langsam steigern wir die Länge der Schultage. Ab nächstem Jahr wird sie an drei Tagen lange gehen (bis 15:30), ein Tag geht eh nur bis Mittag und an einem weiteren Tag wird sie zur Autismustherapie gehen.

Wir sind inzwischen sehr erleichtert, dass es klappt und wir nochmal gewechselt haben.

Hör auf deinen Bauch, du kennst dein Kind am besten!

Gruß
Alex
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral

maikeb
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Beitragvon maikeb » 21.11.2018, 18:21

Es gibt bei uns in NRW "Schulen für Kranke". Dort solte das Verständnis am größen sein. https://www.schulministerium.nrw.de/doc ... index.html
In eurem Falle könnte die Therapeutin in einer Stellungnahme kundtun, dass ein regulärer Schulbesuch für längere Zeit unterbrochen werden muss. (Natürlich bräuchtet ihr dann aber eine Stammschule, auf die er "zurückkehren" könnte, wenn er stabiler ist.

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mel1220
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Beitragvon mel1220 » 03.12.2018, 10:19

So, da bin ich wieder, zurück mit den Eindrücken der Förderschule.

Alles ist jetzt irgendwie noch schwieriger als zuvor.
Ich ging mit Tränen in den Augen von der Schule weg. Eigentlich,... wäre das genau Juniors Ding.
6 Schüler in der Klasse, 2 Lehrer.
Wunderschöne kleine Schule mit insgesamt 58 Kindern.
Rießiger Waldspielplatz und zugehöriger Bauernhof mit Pferd, Hühnern, Hasen, Meerschweinchen.... Ein Mekka für unseren Naturliebhaber.
Nachmittagsbetreeung findet in der Gruppe durch 2 Erzieher in einer schönen zugeordneten "Wohnung" statt.
Esszimmer, Spielzimmer, Küche.... großer Esstisch für alle, Spielmöglichkeiten.
Im Dialog mit der Leiterin der Einrichtung hat sich auch das "er muss ob er will oder nicht" relativiert.
Sie meint zuerst steht die Liebe zu Kindern, dann kommt das Fordern.
Kinder werden auf keinen Fall gebrochen, das Verhaltensmuster muss aber "aufgebrochen" werden.

Wir sind total hin und hergerissen. Absolut negativ ist für mich noch immer die Tatsache, dass es eine Ganztagsbetreuung ist und Junior erst abends zu Hause wäre.
Nehme ich aber unsere jetztige Situation und gehe von seinem aktuellen Leben aus wäre es für ihn evtl. sogar besser. Er hätte qualifizierte Betreeung bei den Hausaufgaben und seine Kameraden zum spielen. Jeden Tag. Heute schaffen wir das meist schlecht als recht. Bis wir mit allem fertig sind ist an spielen mit anderen oft nicht mehr zu denken.
Ich befürchte auch dass es ihm Spass machen würde jeden Tag in der Gruppe, mit den Kinder zu essen. Er quietscht jetzt bestimmt 1 x die Woche dass er doch auch im Hort essen und mittags auch dort bleiben möchte wie (manche) andere.

Die eventuelle zukünftige Klasse durften wir auch besuchen. DA saßen 6 Kinder die allesamt einen sehr guten Eindruck machten. Stellten sich lieb vor und erzählten wie alt sie sind und in welcher Klasse.
Dort sind die Kinder wild gemischt. Die Leiterin erklärte dies so, dass sie es am Lehrpersonal und den Kindern fest machen. DAs wichtigste ist die Bindung zum Lehrer. Wenn die Wellenlänge nicht stimmt und für das Kind nichts ist, wird eine andere Bezugsperson ausprobiert.

Wir sind noch immer so hin und hergerissen. Von einer Schulbegleitung hat sie uns abgeraten. Auch in 1:1 Situation mit der Lehrerin kommt nicht wirklich was von Junior. Wir sehen es mittlerweile leider auch eher skeptisch :-( Obwohl uns das die liebste Löstung gewesen wäre.

Wir warten jetzt die Empfehlung ab, ob Förderbedarf besteht. Anschließend werden wir ja einen Termin mit Schule, Jugendamt und Schulamt haben.
Es muss ja noch weitere Möglichkeiten geben. Diese hören wir uns dann einfach mal an.

Alles sehr schwierig. Theoretisch fänden wir die Schule gut, haben nur Zweifel ob dort nicht doch zuviel Druck herrscht für Junior?
Auf der anderen Seite lehnt er sich aber auch immer weiter zurück. Je mehr Druck wir nehmen, desto schlimmer wird es eigentlich.
Nachdem die Hausaufgaben reduziert wurden, will er sie jetzt gar nicht mehr machen.
Anfangs hat er seine Hausaufgaben von der Tafel abgeschrieben. Nachdem er manchmal zu langsam war, hat die Lehrerin für ihn eingetragen. Danach hat er sie gar nie mehr abgeschrieben.... Wisst ihr wie ich meine?

Viele Grüsse
Mel


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