Habt ihr einen SB in der Förderschule (NRW)?

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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PaulaW
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Habt ihr einen SB in der Förderschule (NRW)?

Beitragvon PaulaW » 19.11.2018, 08:54

Ihr Lieben,

der nächste Kampf steht an.

Unser Sohn benötigt eine 1:1 Betreuung zum Lernen. Stichworte: Massive Probleme mit Ablenkung, Konzentration, Wahrnehmung.
Es gibt einen grossen Unterschied zu dem was er hier zuhause im reizarmen Umfeld schafft (ohne Stress und Druck) und dem was in der Schule geleistet werden kann.

Wir haben kein fachärztliches Attest, sind auf der Liste für eine Autismus Testung. Kinderarzt und Ergo würden uns was schreiben.

Die Schule möchte nur SB für Kinder die schwer körperlich beeinträchtigt sind und macht auch einer anderen Mutter (Sohn mit ADHS Thematik) trotz anwaltlicher Hilfe Probleme, einen SB zu bekommen.

Habt Ihr Tipps für uns ? Wie habt Ihr es geschafft ?

Bundesland ist NRW.


Herzlichen Dank und
liebe Grüsse

Paula
Muskelschwäche, Entwicklungsverzögerung, Wahrnehmungsstörung, Feinmotorische Probleme, Konzentration, PG3, 70% GdB, GBH

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 19.11.2018, 09:21

Hallo Paula,

egal welches Bundesland: mit Kinderarzt und Ergo alleine, ohne fachärztliches Gutachten, wird das mehr als schwierig. Auch eine Befürwortung durch die Schule ist sehr wichtig.

Was tatsächlich ein Punkt ist, von Schulseite: es macht keinen Sinn, im einer Klasse mit zb acht Kindern und zwei pädagogischen Kräften noch vier SB sitzen zu haben, es werden dann einfach zu viele Erwachsene. Kann das von Schulseite aus der Grund für die Ablehnung sein?

Wenn die Autismus-Diagnostik durch ist, und das Ergebnis entsprechend, die KJP die SB befürwortet, stehen die Chancen besser.

In der Zwischenzeit könnte man vielleicht mit der Schule mal andere Maßnahmen besprechen, zb die Einrichtung eines TEACCH-Arbeitsplatzes o.ä. für Deinen Sohn, Abschirmung durch Kopfhörer und Sichtschutz, Arbeitsmaterial nach TEACCH, ...

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

PaulaW
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Beitragvon PaulaW » 19.11.2018, 09:31

Danke Dir sehr Engrid!

TEACH Arbeitsplatz ist vorhanden, Kopfhörer und Weste auch.

Liebe Grüsse

Paula
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Tanja2014
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Beitragvon Tanja2014 » 19.11.2018, 10:28

Hallo Paula,

denkst Du denn an eine reguläre SB (FSJler o.ä.) oder an eine fachliche SB (pädagogische Ausbildung)? Die fachlichen bekommt man meines Wissens nur mit Autismus-/ADHS-Diagnose bzw. bei gravierenden Verhaltensauffälligkeiten.

Bei den regulären SBs könnte das Problem sein, dass einige Städte in NRW so genannte Poollösungen eingeführt haben in den letzten Jahren. Da wird quasi jeder Schule ein bestimmtes Kontingent SBs zugewiesen und die Schule koordiniert dann selbst, in welchen Klassen diese eingesetzt werden. Das heißt, an diesen Schulen teilen sich meist mehrere Kinder eine Schulbegleitung. Vielleicht solltest Du erstmal in Erfahrung bringen, wie das bei Euch in der Stadt organisiert ist, bevor Du Dir viel Arbeit machst und am Ende gibt es bei Euch an der Schule gar nicht die Möglichkeit, weil sie eben über einen Pool versorgt wird. Das ist, wie gesagt, von Stadt zu Stadt anders organisiert, deshalb wird es auch nicht viel helfen, zu wissen, was in anderen Städten in NRW möglich ist.

Was ich grundsätzlich - so von außen betrachtet - überhaupt nicht richtig einordnen kann: Ist denn die gesamte Klasse aktuell auf dem Stand der 1. Klasse? Das scheint mir dann aber selbst für Bildungsgang Lernen eher langsam?! Vielleicht würde da auch ein Wechsel in eine etwas "stärkere" Parallelklasse helfen?

Du hattest mal geschrieben, dass sie zwei oder sogar drei Lehrerinnen bei sieben Kindern haben. Sind die denn meist zeitgleich in der Klasse?! Denn dann müsste es doch rein rechnerisch möglich sein, dass jedes Kind täglich für ca. 10 Minuten einzeln (im Klassenraum) einmal in Lesen/Schreiben und einmal in Rechnen gefördert wird. Und das wiederum müsste dann ausreichen, um quasi mit der ganzen Klasse im "Zeitplan" zu bleiben. (Das würde aber wohl voraussetzen, dass auch alle Kinder auf Lernen-Niveau unterrichtet werden können...)
Viele Grüße
Tanja
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kati543
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Beitragvon kati543 » 19.11.2018, 13:52

Hallo Paula,
ich kann dir gleich sagen, dass du gegen die Schule nicht ankommst. Auch nicht mit Anwalt. Die Schule hat Hausrecht. Selbst wenn der Anwalt vor Gericht irgendwie durchboxen sollte, dass dem Kind eine 1:1 SB in der Schule zusteht, dann hat die Schule immernoch Hausrecht und kann wahrhaftig JEDE SB der Tür verweisen aus allen möglichen und unmöglichen Gründen.

Grundsätzlich muss ich dir allerdings eines sagen: Ich kenne kein einzigstes Kind, welches nicht zu Hause in perfekt angepasster Umgebung besser und schneller lernt, als in der Schule. Das ist normal.

Ansonsten würde ich mich an deiner Stelle einfach nach Alternativen umschauen. In dieser Klasse wird dein Kind offenbar nicht weiterkommen und du wirst so nicht glücklich.

LG
Katrin
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D. (geistige Behinderung, Frühk. Autismus, Epilepsie, Esstörung, Trigonoceph., Hypertonie, Opticushypoplasie, Amblyopie, Mikrodeletion 3p26.3, Vd. Valproatembryopathie, Z.n. Schädelbasisfraktur)

HeikeLeo
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Beitragvon HeikeLeo » 19.11.2018, 14:17

Liebe Paula,.

wir hatten eine Schulbelgeitung in einer Sonderschule für Geistigbehinderte. Bei uns waren sogar nur 6 Kinder in der Klasse. Wir hatten keine saubere Diagnose.

Bei uns war die Argumentation Selbstgefährdung und Fremdgefährdung (im Kindergarten hatte er ein anderes Kind gebissen). Einmal ist er aufs Schuldach entwischt, ein anderes Mal hat die Lehrerin ihn geschlagen (das hat die Bewilligung dann letztlich ermöglicht). Von der Beantragung bis zur Bewilligung hat es 1,5 Jahre gedauert. Mit der Schulbegleitung sind die Probleme aber nicht besser geworden. Die Schulbegleitung hat zwar einiges abgefangen (die Arme, sie ist ständig von irgendjemandem in der Schule dumm angemacht worden, weil Kind im Treppenhaus war - wurde aber aus der Klasse rausgeschickt), für meinen Sohn hat sich die Situation aber mit der Schulbelgeitung eher verschlechtert, weil sich die Schule dann noch weniger in der Pflicht gesehen hat.

Mit der Argumentation Recht auf Bildung kommt man wahrscheinlich nicht weiter, fürchte ich.
Handfeste Gründe wie konkrete Gefährdungen können aber hilfreich sein. Habt Ihr nicht schon üble disziplinarische Maßnahmen mitgenommen, die Ihr dafür argumentationstechnisch einsetzen könntet? Oder hat Euer Sohn nicht schon gaaaanz, gaaanz schlimme Dinge ausgefressen, so dass er zur Bändigung eine Schulbegleitung bräuchte. Wenn es um das Kind selbst geht, sind sie sehr zimperlich, wenn aber plötzlich Haftungsfragen aufgeworfen werden, dann bewegt sich manchmal etwas - auch die Schule an sich. Wobei die Schulen bei solchen Dingen manchmal schwarze Löcher sind.

Liebe Grüße
Heike

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 19.11.2018, 17:22

Hallo,

Zum Thema „gegen die Schule“, Anwalt usw.

Ich halte nicht viel davon, zur Schule gleich in Opposition zu gehen. Wenn er zb einen TEACCH-Arbeitsplatz hat, dann zeigt das doch, die Schule versucht, Lösungen zu finden.
Ich fahre von Anfang an gut damit, auf Zusammenarbeit zu setzen und einvernehmliche Lösungen anzupeilen. Dabei kann man ja durchaus so auftreten, mit freundlicher Souveränität, dass klar ist, man vertritt konsequent die Interessen des Kindes.
Insofern würde ich jetzt nicht zum Anwalt gehen, sondern das Gespräch suchen und nachfragen, wie denn die angemessene Schulbildung beim Kind aussehen kann, wie man die Ablenkbarkeit und Reizüberflutung in den Griff bekommen kann.

Grüße
Engrid
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Beitragvon Emma1909 » 19.11.2018, 19:26

Hallo,

Bezüglich SB an Förderschulen. Ich kenne 3 Förderschulen (2 für geistige Entwicklung und eine freie waldorfschule die inklusiv arbeitet) an denen es Pool Lösungen gibt. Das heisst das ca. 19 Stunden (Max. Kontinent im Pool an Stunden fürs kind) vorhanden sind. Je nach Stunden der einzelnen SB kann ein Kind auch 2 oder drei SB haben. Je nach Förderbedarf gibt es natürlich auch 2 Kinder für einen SB. Das wird individuell nach dem Bedarf fürs Kind entschieden.

Keine Regel ohne Ausnahme. Sollte ein Kind größeren Hilfebedarf als 19 Stunden haben,gibt es auch die Möglichkeit mehr Stunden mit einem eigenen SB zu haben.

Stell erst einmal den Antrag. Mehr wie nein sagen kann das Amt auch nicht. Dann hol dir Hilfe ins Boot, die es so wie du sehen. Also die Therapeuten, die ärzte, Lehrer usw. Versuch dass diese ein positiven Bericht verfassen den fügst du deinem Antrag bei. Je mehr desto besser.
Auch unsere Schule war nicht erbaut von einem SB für unser Kind. Als alles dann genehmigt war, wollten sie die Hilfe gar nicht mehr missen.

Wir haben so argumentiert, dass wir die Lehrer unterstützen und entlasten möchten und natürlich Hilfe für unser Kind. Das hat auch unseren Lehrer vom Gegenteil überzeugt.

Viel Erfolg!

LG

Claudia33
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Beitragvon Claudia33 » 20.11.2018, 22:13

Hallo Paula,

meine Jungs sind auf unterschiedlichen Förderschulen und haben beide "persönliche" SBs, also keine Poollösung, weil es die in unserem Kreis zum Glück nicht gibt. Der Große ist schwermehrfachbehindert, hier war die Bewilligung des SBs gar kein Problem.

Beim Kleinen habe ich vor ein paar Wochen endlich eine höhere Stundenzahl des SBs zumindest für fünf Monate bewilligt bekommen-, er hatte vorher zehn Stunden, jetzt immerhin 20. Das war schwierig, aber der Bericht vom SPZ und ganz anschauliches Material, wie er alleine arbeitet und wie in 1:1-Situation und natürlich ganz viele Begründungen und Beispiele, warum er Konzentrationsschwierigkeiten und andere Baustellen hat, haben offensichtlich den Ausschlag für eine kurzzeitige Erhöhung gebracht.

Wenn Du den Antrag stellst, solltest Du schon handfeste Beispiele und Fälle aufführen, warum es ohne SB nicht geht, sonst hast Du viel Arbeit und Energie für eine direkte Ablehnung investiert.

Viel Erfolg!

Lieben Gruß, Claudia
J. & Claudia mit zwei Jungs *03/06 CP, Tetraspastik, spricht nicht, läuft und sitzt nicht, Rollstuhlfahrer
und *06/09 beide FraX

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Angela77
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Beitragvon Angela77 » 21.11.2018, 09:34

Hallo Paula,
Sohnemann hat an seiner KB-Förderschule wegen seines Autismus von Anfang an eine SB in Vollzeit.
Trotzdem zeigt er auch in der Schule wirklich nur einen Bruchtteil seines Könnens. Es kann auch sein, dass er eine Aufgabe blitzschnell löst und alle anderen dann verweigert.
Warum ist nicht ganz klar. In den Jahren davor mag es einige gute Gründe dafür gegeben haben :twisted: .
Aktuell ist es nur die Tatsache, dass es in der Schule nicht genug gute Motivationen geben kann (da Bene nur wenige Dinge sehr gerne mag und die gehören nicht in die Schule z.B. diverser Medienkonsum) bzw. dass Bene auch zu Hause nur arbeitet, wenn er gute Belohnungen in Aussicht hat. Auch hat er sich wohl an meinen Lehrstil gewöhnt :?
Aber das ist langfristig auch keinesfalls Sinn der Sache, denn er muss sich - auch hinsichtlich einer langfristigen beruflichen Perspetive in Werkstatt und Wohnheim - auch auf Dinge einlassen können, die ihn nicht interessieren bzw. für die es keine direkten Belohnungen gibt. Alles nicht so einfach bei einem Kind wie Bene, dem eher sein Autismus als sein Intellekt im Wege stehen ...

Liebe Grüße
Angie
Bene (2008): regressiver Autismus, schwerste expressive Sprachentwicklungsstörung (bei sehr gutem Sprachverständnis!), Bildung von Casiomorphin und Gliadorphin
Vorstellung plus Diäteffekte:
http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic73493.html

Primär nächtliche Epilepsie im motorischen Sprachzentrum (leider erst erkannt im März 2015!!!)


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