Eltern 50+ mit behinderten Kindern, wie belastbar seid ihr?

Eltern, Geschwister, Großeltern - die ganze Familie ist gefordert, wenn es um die Belange des besonderen Kindes geht. Häufig ist das Familienleben durch die besonderen Bedürfnisse von Sohn oder Tochter großen Belastungen ausgesetzt. Ein Austausch mit Familien, die auch ein besonderes Kind haben, tut gut und kann sehr hilfreich sein.

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Anne_mit_2
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Beitragvon Anne_mit_2 » 21.11.2018, 11:52

Hallo GabySP,

ich muss sagen, dass sich bei meinem Mann und mir typische Alters- / Verschleisserscheinungen schon mit Ende 30 eingestellt haben, da wir zu der Zeit durch unsere besondere Tochter und noch zwei pflegebedürftige Großeltern im Haushalt extrem über unsere Verhältnisse leben mussten.

Trotz Baby/Kleinkind und OPs der Tochter war dann die Zeit nach dem Tod der einen Oma (wir Mitte/Ende 40) überraschenderweise wesentlich leichter. Mein Eindruck war, dass der Körper der Eltern auf das Alter des jüngsten Kindes reagiert und Ressourcen bereitstellt, die er dann wieder wegnimmt, wenn das Kind in einem Alter ankommt, in dem es eigentlich deutlich selbständiger sein sollte.

Wie es jetzt mit über 50 aussieht, kann ich schlecht beurteilen, da unsere Tochter inzwischen mitten im Leben steht und mit ihrem Freund zusammenwohnt. Sie sind zwar beide 'besondere Kinder', aber eben kognitiv fit mit nur moderaten sonstigen Einschränkungen, bei denen sie sich gut gegenseitig unterstützen können.

Eine psychologisch schwierige Situation auf der Arbeit oder privat kann andererseits nach meiner Erfahrung in jedem Alter mehr Kraft kosten als jede Art von privatem Terminstress -- und das, ohne dass man den Kraftfresser wirklich benennen kann, ehe er abgestellt ist.

Viele Grüße,
Anne

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Silvia & Iris
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Beitragvon Silvia & Iris » 21.11.2018, 12:09

Hallo Gaby,

auch ich bin in einem Alter, wo die anderen gerade noch einen Wechselbalg zu Hause haben und ihre Kinder, die zu einer normalen Zeit (ich sehe da das Alter der Mutter bei der Geburt zwischen 24 und unter 35) bereits flügge oder gar schon außer Haus sind...


Ja, es ist anstrengend, man lebt anders, man kann nicht mithalten mit jenen, die ganz normale Kinder haben, normale Ferien- und Freizeitgestaltung machen können... - Punktuell kann man, aber nicht dauerhaft...


Dennoch lebe ich mein Leben, mache auch mal "verrückte" Sachen... Doch mit dem Terminplan geht es nicht mehr so... - ob das nur an den besonderen Kindern liegt? - Oder ob das eine Sache ist, die auch andere in dem Alter spüren?


LG

Silvia
Liebe Grüße
Silvia
Tochter *03/2003, PCH, HG-versorgt, ein Sonnenschein
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Andrea5
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Beitragvon Andrea5 » 21.11.2018, 18:09

Hallo alle Zusammen,

vielen Dank für eure Antworten. Da bin ich ja zum Glück nicht die Einzigste, der es geht. Und manche sind sogar noch jünger :shock: .

Ich denke, es spielen auch viele andere Faktoren noch eine Rolle. Da muss man auch wohl auf das Gesamtpaket kucken.

Ich habe sicher auch meine Auszeiten. Ich gehe zum Sport 1x die Woche (ist ein fester Termin, den ich aber sehr gerne mache). Aber wenn ich zu den anderen beiden Terminen (Logopädie und Besuch im Pflegeheim) auch noch viele unvorgesehene Sachen passieren und deswegen noch viele zusätzliche
auf einen zukommen, das stresst mich doch heute mehr als früher. Leider hatte ich auch viel unnötigen Stress in meiner Familie gehabt, wo man dann auch noch einen Kontaktabbruch verarbeiten musste. Und ich noch nicht mal schuldig war lt. meiner Restfamilie (Mutter und Bruder, stehen auf meiner Seite). Was solls, muss ich durch :roll:

LG Andrea
Andrea Bj.1965/ Jan 11/98 KISS(KIDD), Legasthenie mit kormobide AVWS
/Ben 01/04 KISS(KIDD)2 Jahre blockadefrei , frühkindl. Autismus, Wahrnehmungsprobleme, expressive Sprachstörung , Hyperakusis
"WAS NICHT PASST, WIRD PASSEND GEMACHT" (von Peter Thorwarth)

Chaosmarie
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Beitragvon Chaosmarie » 27.11.2018, 05:35

Hallo Andrea,

dass ich keine dreißig mehr bin, macht sich vor allem physisch bemerkbar. Ich bin sehr unsportlich geworden, habe zuviel auf den Hüften - Sch*** Wechseljahre - , die ersten Zipperlein und sehe auch aus wie Anfang fünfzig. Mental fühle ich mich immernoch stark. Ich bin mir sicher, dass ich vieles, was in den vergangenen Jahren auf mich zu kam, mit Mitte zwanzig, dreißig nicht gestemmt hätte, aber die beständige Kämpferei, das Ringen-Müssen um so vieles hat mich müde gemacht: Ich will das alles eigentlich nicht mehr. Auch wenn ich - noch - nicht getrennt oder geschieden bin, bin ich faktisch allein erziehend. Was mich jedoch am meisten ärgert ist, dass ich einfach keinen Job finde, weder in dem angeblichen Mangelberuf, für den ich mich vor ein paar Jahren auf eigene Kosten habe umschulen lassen, noch irgendeinen anderen. Ich würde gerne halbe Tage oder wenigstens auf Minijobbasis arbeiten gehen, und habe unzählige Bewerbungen geschrieben, aber durch die Blume wird mir immer wieder klar gemacht, dass jüngere Mitarbeiter erwünscht sind. Ich weiß, dass ich mit dem Problem gerade in unserer Region nicht alleine da stehe, aber es ändert nichts daran. Wenn ich einen Wunsch frei hätte, würde ich mit den Kindern wegziehen, den Mann und das restliche familiäre Umfeld, das deutlich mehr Last als Unterstützung ist, hinter mir lassen. Immerhin habe ich vielen in meinem Alter gegenüber einen Vorteil: Ich werde meine Erzeugerin nicht auch noch pflegen wenn sie gebrechlich wird.

lg

Marie
"Scheffin" *2006 gesund und topfit, hochbegabt
"Prinzesschen" *2007 fröhliche und charmante Kannerautistin
"kleiner Bruder" *2011 gesund, quietschfidel, Verdacht auf Hochbegabung.

Was glaubt Ihr, was hier los wäre, wenn noch mehr Leute wüssten, was hier los ist!

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Beitragvon finnja » 27.11.2018, 07:57

Hallo,

ich wollte nur schreiben, dass ich obwohl ich noch nicht mal 40 bin, die Anstrengungen der letzten Jahre aber DEUTLICH spüre.
Vor 2 Jahren wurde ich dann ernsthaft krank, eine Erkrankung, die eigentlich erst 20 Jahre später hätte kommen sollen, meine Ärztin meinte, dass es durchaus sein könne, dass mein Körper einfach aufgrund des Stresses früher verschlissen wäre.

Heute kann ich nicht sagen, ob die einzelnen Punkte, bei denen ich nicht mehr so belastbar bin wie vor 5 Jahren an der Behandlung oder im Allgemeinen begründet sind.

Ich versuche so gut es geht auf mich aufzupassen, weil ich doch eigentlich (trotz meinem fast weißen Haupthaar, erste mit 18!) noch ziemlich jung bin.

Ich bewege mich viel, nehm Auszeiten, sage oft nein, ernähr mich gesund und versuch die Dinge gut zu nehmen, die auf uns immer wieder einprasseln. Trotz Gesundschreibung des MDKs nahm ich mir noch ein halbes Jahr völlig frei und hab ALLES zurückgeschraubt, das tat mir sehr gut, inzwischen wirds wieder ein bisschen mehr, aktuell beginne ich wieder zu arbeiten.

Kontaktabbruch habe ich auch hinter mir. Dafür ist meine Ehe ziemlich gut.
Was ich ganz deutlich merke, ist dass meine Regenerationszeit länger wurde/ist: nach Anstrengungen psychischer und physischer Natur brauche ich länger um wieder "normal" zu erreichen.
Dafür ist mein Selbstbewusstsein viel besser geworden, ich weiß, wer ich bin, was ich will, kann und wie ich es erreiche, meine eigenen Grenzen lerne ich immer besser einzuhalten...
By the Way: Wechseljahre hab ich auch....

LG,
Finnja
Sohn 06 ,SBA seit 06 mit 100 GdB und PS II (die nicht seit 06), Mutation, mit Auswirkungen in allen möglichen Bereichen,
PS 06, AVWS, V.a. FAS(D)
PT 07, FAS mit gB, lebt inzwischen in einer Einrichtung
LT 12, so normal, wie bei uns als Eltern möglich ;-)

_Marta
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Beitragvon _Marta » 27.11.2018, 08:19

Ihr Lieben,

ich glaube, das ist gar nicht nur und vorrangig eine Frage des Alters, sondern eine der jahrelangen Belastungen. Pflege zerrt psychisch und physisch, irgendwann macht sich das bemerkbar. Du schreibst ja selber, wie wenig Erholung und Urlaub euch möglich ist. Das summiert sich - da kommt man dann auch mit "Gelassenheit des Alters" (hoffentlich stellt sich die bei mir dann bald mal ein) oder Routine nicht gegen an.

LG, Marta
Sohn *09/10, Frühgeburt
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Beitragvon Michaela.Sandro » 27.11.2018, 11:10

Hallo Ihr Lieben, ich denke, das Alter allein macht es nicht aus, aber mit Ü50 braucht man länger zum Regenerieren, hat aber nicht mehr Zeit als früher, genau das auch zu schaffen. Hinzu kommt oft, dass Pubertät und Wechseljahre aufeinander treffen und das macht es dann noch mal schwierig. Was mir aufgefallen ist, dass bei vielen die Probleme nach ca. 10 Jahren anfangen und das ist eigentlich auch nachvollziehbar, weil gesunde Kinder dann deutlich eigenständiger sind und so für die Eltern mehr Zeit für Auszeiten entsteht, das ist ja bei besonderen Kindern eher nicht der Fall. L. G. Michaela
Michaela alleinerziehend, Teilzeit berufstätig (Bj. 12/67) und Sohn Sandro (19.01.07.) Herz-OP nach Geburt, geistige Behinderung, Diagnose, evtl. ein unbekanntes Syndrom. Er kann laufen, einigermaßen sprechen, PG 4 , 100% SB aber ein Schatz!

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Beitragvon GretchenM » 27.11.2018, 13:25

Hallo,

Ich habe lange überlegt, ob ich hier reinschreiben sollte, weil ich erst 43 bin.

Durch meine eigene Epilepsie (die während der ersten LJ meines Sohnes ständig als Damoklesschwert über mir hing und eine Gefahr war), Migräne mit Ohnmachten und das als Alleinerziehende und die Dauer-Überanstrengung habe ich mich mit Mitte 30 älter gefühlt als jetzt.

Mein Sohn ist natürlich nicht pflege- aber hochgradig aufmerksamkeitsintensiv. Gerade jetzt wird es wieder schlimmer und ich bin einfach die Einzige, die ihn richtig auffangen kann. Ich staune darüber, dass ich tatsächlich trotzdem arbeiten kann, was vor zehn Jahren absolut undenkbar gewesen wäre.

Ich glaube, meine Kraft ist weniger altersabhängig als gesundheitsabhängig. Ich habe schon oft festgestellt,das wesentlich ältere deutlich mehr Kraft haben ohne gleich krank zu werden.

LG

GretchenM
Gretchen JG 76 Epilepsie (Grandmalserien, jetzt anfallfrei), Zwänge, Migräne, alleinerziehend und im Augenblick völlig symptomfrei :-) :-) :-)
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Andrea5
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Beitragvon Andrea5 » 28.11.2018, 20:25

_Marta hat geschrieben: Das summiert sich - da kommt man dann auch mit "Gelassenheit des Alters" (hoffentlich stellt sich die bei mir dann bald mal ein) oder Routine nicht gegen an.


Hallo Ihr Lieben,

die "Gelassenheit des Alters", dass würde ich mir auch wünschen. Aber irgendwie stellt sich das bei mir nicht ein. Weil man einfach doch noch zuviele Belastungen hat. Das ist bei mir ja nicht nur Ben, sondern auch die Gesundheit von meinem Mann (Gicht lässt grüßen und erhöhter Zucker im Blut, also der Schuss vor dem Bug, es muss etwas dagegen getan werden). Und ich begleite ja auch noch irgendwie meine Mutter, die im Pflegeheim lebt. Und so ein Besuch kann auch belastend sein. Manchmal kommt man sich vor, als ob man ein wenig den schon sehr geschwundenen Freundeskreis ersetzt von der Ma. Ich mache es schon gerne, die Mama besuchen. Aber irgendwie kommen immer weitere Belastungen dazu.

Und ich kann jetzt auch nicht sagen, dass ich sehr viel mehr Zeit habe. Es ist zwar etwas entspannter. Die Zeit vergeht aber wie im Fluge. Ein weiteres Hobby außer Mo Gymnastik ist leider im Moment nicht drinne.


LG Andrea
Andrea Bj.1965/ Jan 11/98 KISS(KIDD), Legasthenie mit kormobide AVWS

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Beitragvon Michaela.Sandro » 28.11.2018, 20:39

Hallo Andrea, wenn du so viele "Baustellen" hast, ist das mit der Gelassenheit auch mehr als schwierig, selbst wenn die zusätzlichen Dinge eigentlich gerne gemacht werden. Ich glaube, wenn zu viel kommt, ist auch das mit dem Alter zweitrangig, Kind, Mann, Mutter usw. ist ja auch echt viel, ich kenne solche Phasen auch, dann ist nix mit Gelassenheit! Wichtig ist, dass du trotz allem versucht, auch an dich zu denken, es hilft nämlich keinem weiter, wenn du auch noch "ausfällst"! L.G. Michaela
Michaela alleinerziehend, Teilzeit berufstätig (Bj. 12/67) und Sohn Sandro (19.01.07.) Herz-OP nach Geburt, geistige Behinderung, Diagnose, evtl. ein unbekanntes Syndrom. Er kann laufen, einigermaßen sprechen, PG 4 , 100% SB aber ein Schatz!


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