Tagesklinik neigt sich dem Ende

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Autismus austauschen.

Moderator: Moderatorengruppe

SimoneD.
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 755
Registriert: 01.02.2016, 17:55

Tagesklinik neigt sich dem Ende

Beitragvon SimoneD. » 17.11.2018, 11:24

Wollte mal wieder von uns berichten.
N. ist nun seit 6 Wochen in der Tagesklinik und es gehört zu seinem Alltag.
Ab Montag findet eine 2 wöchige Hospitation in einer Waldorfförderschule statt.
Der Lehrer (ja, diesmal männlich *g*) hat derweil nur 5 Kinder in der Klasse und eine I-Kraft für alle. Daher möchte er es mit N. erstmal ohne eigene I-kraft versuchen. In der TK klappt es ja auch....

Es wurde in den Testungen eine LRS bestätigt. Jedoch ein Aufmerksamkeitsproblem hat er nicht.

Ich bin sehr gespannt. Vor allem bezgl des Waldorfkonzepts.
Ab Januar müssen die Kinder choroi Flöte lernen (falls er dort bleiben sollte)....das wird mein sohn verweigern....
Russisch haben sie auch....wird auch schwierig mit ihm....
Ok, es sind nur mutmaßungen von mir basierend auf die Vergangenheit...trotzdem mache ich mir da so meine Gedanken, ob er langfristig auf Waldorf klarkommt....
Liebe Grüße von Mönchen :-)
Sohn (9 Jahre) Asperger Autist

Werbung
 
JohannaG
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 2307
Registriert: 03.07.2013, 21:33
Wohnort: Bayern

Beitragvon JohannaG » 17.11.2018, 11:49

Hallo Simone,

jetzt wart doch mal ab.... mein Sohn HASST die Blockflöte, aber er nimmt sie in Kauf, weil es ihm sonst einfach so gut geht auf der Waldorfschule. ;-)

5 Kinder, 2 Kräfte in der Klasse - das klingt doch erst mal gut.

Liebe Grüße, Johanna
Johanna, *73, Morbus Bechterew;
C., (w), 11/2004, adoptiert, FASD, Bindungsstörung, lernbehindert, juvenile Polyarthritis;
J. (m) 01/2008, adoptiert, ADHS; Depressionen und ???,
M. (w) 01/2012 FG bei 23+6 SSW, Kleinwuchs, GÖR, Nahrungsmittelallergien, leichte ICP, Schielen, Weitsichtigkeit, allg Entwicklungsverzögerung

rena99
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 1674
Registriert: 28.04.2012, 16:34

Beitragvon rena99 » 17.11.2018, 16:57

Da schließe ich mich Johanna gerne an. Ob Blockflöte oder nicht, wichtig ist, dass er einen Schulplatz findet, mit dem es ihm gut geht. Und woher willst du wissen, was er verweigern wird. Pass ein wenig auf, dass du keine sich selbst bewahrheiteten Vorhersagen triffst (self fulfilling prophecies).

Hospitiert, haltet die Augen und Ohren offen, schau, wie es deinem Sohn dort geht und dann seht ihr weiter. Und was langfristig ist, sollte erst mal gar nicht deine Sorge sein. Er muss erst mal kurz- und mittelfristig klar kommen.

Alles Gute für den Start!

Rena
Rena mit Tochter (V.a. Autismusspektrumsstörung, Zwangsstörung)
"Jeder Zwang ist Gift für die Seele." (Ludwig Börne)

Christiane81
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 131
Registriert: 27.01.2016, 08:11

Beitragvon Christiane81 » 17.11.2018, 18:26

Hallo Simone,
Wie soll es denn funktionieren, wenn Du Deinem feinfühligem Sohn jetzt schon mit Deinen Zweifeln signalisierst, dass es nicht klappen wird? Wenn Du jetzt schon wieder weißt, wann er was verweigern wird, dann wird es auch so kommen. Sei doch einmal positiv - Deinem Sohn zuliebe!
Fremdsprachen werden in der Waldorfschule in den ersten Klassen völlig anders vermittelt als an einer Regelschule. Vermutlich wirst Du auch einen intensiveren Kontakt zwischen Dir und den Lehrern bemerken. Gib dem Ganzen eine positive Chance! Denk nicht "Flöte - er wird verweigern". Denk doch "nein, Stop. Er wird nicht verweigern,er wird es lernen und wird mitmachen".

Nur Mut! Den musst zuerst DU haben,damit Dein Sohn ihn haben kann.

Viele Grüße
Christiane

HeikeLeo
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 729
Registriert: 18.05.2015, 19:34
Wohnort: Baden-Württemberg

Beitragvon HeikeLeo » 18.11.2018, 12:40

Wie soll es denn funktionieren, wenn Du Deinem feinfühligem Sohn jetzt schon mit Deinen Zweifeln signalisierst, dass es nicht klappen wird?
Liebe Christiane, Simone hat schon viel erlebt und auf diese Erfahrungen kann sie bauen. Das nennt man Prognose.
Fremdsprachen werden in der Waldorfschule in den ersten Klassen völlig anders vermittelt als an einer Regelschule.
Ja, aber leider nicht so, wie autistische Kinder es brauchen.

Was gibt es denn für Alternativen? Zwei Wochen hospitieren ist ja schon einmal sehr gut. Bei der Montessori-Schule habt Ihr in der Zeit ja auch schon gesehen, ob es funktioniert oder nicht. Und Montessori kommt auch immer mit der Werbebotschaft daher - wie Waldorf auch - dass sie pädagogisch besser sind. Aber wenn sich die Kinder nicht an ihr Konzept anpassen können, dann läuft es eben auch nicht. Denn sie passen die Bedingungen leider nicht an die Kinder an, auch wenn sie es behaupten.
Mein Sohn war fünf Jahre lang in einer Walddorfschule. Uns als Eltern hat es prima gefallen. Aber für ihn als Schüler war es so-la-la. Es war besser als in der staatlichen Schule, aber für ihn war es trotzdem auch nur gerade so zum Aushalten. Immerhin ist er ein paar Mal aus der Schule davongelaufen und hat es fast bis auf die Schnellstraße geschafft! Immerhin war er schon ziemlich groß und Autofahrer haben auch Augen im Kopf.

Wenn es funktioniert ist es prima. Was geben sie Euch für Möglichkeiten, wenn es schief geht? Die Tagesklinik sieht die Waldorfschule als alternativlos an. Aber es ist ja auch eine anthroposophische Tagesklinik und sie haben ja selber gesagt, dass sie über den anthroposophische Tellerrand nicht hinausschauen können.
Das Schulamt stellt sich tot - wie ich verstehe. Was hat die pädagogische Beraterin/Autismusbeauftragte noch auf der Pfanne? Web-Schule geht erst ab Klasse 5. Kann man die Tagesklinik verlängern - dort hat es ja funktioniert.

Ich drück Euch die Daumen, dass er Russisch und Flöte aushalten kann.

Liebe Grüße
Heike

Benutzeravatar
Regina Regenbogen
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 7032
Registriert: 12.07.2008, 18:37
Wohnort: Ostfriesland

Beitragvon Regina Regenbogen » 18.11.2018, 13:55

Wie soll es denn funktionieren, wenn Du Deinem feinfühligem Sohn jetzt schon mit Deinen Zweifeln signalisierst, dass es nicht klappen wird?
Liebe Christiane, Simone hat schon viel erlebt und auf diese Erfahrungen kann sie bauen. Das nennt man Prognose.
Oder selbsterfüllende Prophezeiung.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
Sohn * 09/2001 - ADS
Tochter * 04/1998 - nix
Tochter * 08/1989 - Peronaeusparese

HeikeLeo
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 729
Registriert: 18.05.2015, 19:34
Wohnort: Baden-Württemberg

Beitragvon HeikeLeo » 18.11.2018, 19:51

selbsterfüllende Prophezeiung.

Die self-fulfilling prophecy greift zwar immer, aber es ist nicht der einzige Einflussfaktor und möglicherweise sind andere Einflussfaktoren stärker. Und diesbezüglich haben wir bei Simone mit Sicherheit eben auch stärkere Einflussfaktoren gesehen.

Die selbsterfüllende Prophezeiung darf man auch nicht überschätzen. Dann verliert man die anderen Aspekte eben auch aus dem Blick. Und das wiederum ist dann zum Beispiel unangebrachte Mutigkeit. Das hilft auch nicht...
Prognose ist nüchterner. Und vernünftig ist eben nicht nur eine Best-case-Analyse/Bewertung sondern eben auch ein Worst-case-Scenario, gerade wenn schon einiges in die Binsen gegangen ist. Oder wie viele Fehlversuche soll man einem belasteten Kind zumuten, nur weil man zuuuu optimistisch an die Sache rangeht. Die Anbieter interessiert das weniger. Die sehen ja nur den Querschnitt. Die Mutter aber sieht den ganzen Verlauf.

Liebe Grüße
Heike

Christiane81
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 131
Registriert: 27.01.2016, 08:11

Beitragvon Christiane81 » 18.11.2018, 20:24

Hallo Heike,

Was schlägst Du stattdessen vor? So an die Sache rangehen wie Du? Findest Du das ehrlich erfolgversprechend? Wie soll N. denn vertrauen in sich haben können, wenn nichtmal die Mutter vertraut? Die Kinder spüren das. Und natürlich wird es nicht funktionieren. Für N. und Simone eine Katastrophe! Wie soll denn ohne positive Grundeinstellung jemals ein Schulbesuch für N positiv sein?

Vielr Grüße
Christiane

Benutzeravatar
Engrid
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 13832
Registriert: 24.10.2011, 10:36

Beitragvon Engrid » 18.11.2018, 21:09

Hallo,

ich möchte mal bestätigen, was die Mehrheit hier schreibt. Autistische Kinder haben häufig eine Art „Gefühlsansteckung“ (das ist kein esoterischer Quatsch, sondern ein Teil von Empathie, bevor die Kognition ins Spiel kommt), eine hochsensible Art, die „Schwingungen“ ihrer Umwelt wahrzunehmen. Bei engen Bezugspersonen ist das manchmal sehr ausgeprägt.
Das heißt, definitiv, dass negative Erwartungen zb von Müttern aufs Kind übertragen werden. Da müssen wir uns manchmal sehr selbstkritisch an die eigene Nase fassen.

Den Kindern etwas zutrauen, und nicht nur die eigene Ansicht, die eigene Perspektive gelten lassen.
N. hat es in der Tagesklinik prima geschafft, die Tagesklinik empfiehlt diese Schule, Alternative gibts erstmal eh keine - warum also nicht positiv denken, das Vergangene hintenan stellen, und einfach mal drauf bauen, dass es passt.
Flöte hier, Ausflug da, irgendwas ist immer ... Unsere Kinder sind Stehaufmännchen. So oft schon Misserfolge eingesteckt, und sie probieren es immer wieder.
Und wenn dann einigermaßen die Umstände stimmen, dann packen sie das auch. Aber sie brauchen unser Vertrauen, unser Loslassen.

Prognose macht Sinn, wenn man die Bedingungen alle kennt. Ist hier aber nicht. Prognose darf nicht heißen, Erfahrungen von früher 1:1 zu übertragen, wo sie gar nicht passen. Da sind so viele Variablen ... Die Waldorfschulen sind untereinander sehr unterschiedlich.

Das hat ja nix damit zu tun, dass man auch einen Plan B für den Notfall (!) überlegt. Das tun wir alle.


Alles Gute für den Start morgen, und die nächsten zwei Wochen!

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

Werbung
 
rena99
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 1674
Registriert: 28.04.2012, 16:34

Beitragvon rena99 » 19.11.2018, 09:42

Hallo HeikeLeo,

mir ist nicht ganz klar, was du denn in Simones Situation tun würdest. Erst einmal ist Simone bereits mit dem Schulamt in Kontakt (gewesen). Sie hat die möglichen anderen Förderschulen genannt bekommen und ist dort auch vor Ort gewesen. Der Leiter der Förderschule für emotionale und soziale Entwicklung (und das ist der Förderschwerpunkt von Simones Sohn) sieht ihn nicht auf seiner Schule. Die Tagesklinik hat herausgefunden, dass es in kleinen Gruppen mit Simones Sohn funktioniert. Das macht es in Regelklassen schwierig und damit ist Simone ja auch schon an 2 Schulen gescheitert.

In der Situation finde ich den Rat, die Waldorf-Förderschule einmal anzuschauen und dort zu hospitieren durchaus sinnvoll. Und 2 Wochen finde ich dafür auch eine angemessene Zeit. Ich selber bin so gar keine Waldorf-Anhängerin, aber man muss sich das Konzept immer konkret vor Ort anschauen. Ich würde das daher auch selbst nicht von vornherein ausschließen. Wenn es dort funktioniert: gut (und Simones Sohn lässt das ja nach relativ kurzer Zeit erkennen, wie es ihm geht, wenn man den ersten immer guten Tag mal außen vorlässt). Und wenn es nicht funktioniert wird es (s.o.) sehr schnell sehr schwierig. Dann wird man weitersuchen müssen und schauen, ob man Förderschulen mit anderen Schwerpunkten und kleinen Klassen findet. Dafür braucht man sicher noch mal das Schulamt im Boot. Das wird aber erst handeln, wenn es keine geeignete E-Schule gibt.

Und Simone muss ausstrahlen können, dass sie hinter dem Hospitationsversuch steht. Denn da bin ich bei Engrid: Simones Sohn hat sehr feine Antennen und die sind weit ausgefahren.

Simone, ich wünsche euch einen guten Start!

LG
Rena

PS:@HeikeLeo:
Ja, aber leider nicht so, wie autistische Kinder es brauchen.
Auch bei Autisten gibt es unterschiedliche Lerntypen. Woher willst du wissen, wie das Erlernen von Fremdsprachen beim einzelnen Kind am besten funktioniert?
Rena mit Tochter (V.a. Autismusspektrumsstörung, Zwangsstörung)
"Jeder Zwang ist Gift für die Seele." (Ludwig Börne)


Zurück zu „Krankheitsbilder - Autismus“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: Jolichen und 13 Gäste