Tagesklinik neigt sich dem Ende

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Autismus austauschen.

Moderator: Moderatorengruppe

Forumsregeln
rena99
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 1674
Registriert: 28.04.2012, 16:34

Beitragvon rena99 » 19.11.2018, 09:49

HeikeLeo hat geschrieben:Bei der Montessori-Schule habt Ihr in der Zeit ja auch schon gesehen, ob es funktioniert oder nicht. Und Montessori kommt auch immer mit der Werbebotschaft daher - wie Waldorf auch - dass sie pädagogisch besser sind. Aber wenn sich die Kinder nicht an ihr Konzept anpassen können, dann läuft es eben auch nicht. Denn sie passen die Bedingungen leider nicht an die Kinder an, auch wenn sie es behaupten.


Von Pauschalaussagen dieser Art halte ich nichts. Sicher kann man da schlechte Erfahrungen machen, aber eben auch gute. Es kommt auf die konkrete Umsetzung vor Ort an. Ich beispielsweise bin total dankbar für die Erfahrungen, die ich mit der Flexibilität und Anpassungsfähigkeit "unserer" Montessorischule machen durfte.

Gruß
Rena
Rena mit Tochter (V.a. Autismusspektrumsstörung, Zwangsstörung)
"Jeder Zwang ist Gift für die Seele." (Ludwig Börne)

Werbung
 
HeikeLeo
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 723
Registriert: 18.05.2015, 19:34
Wohnort: Baden-Württemberg

Beitragvon HeikeLeo » 19.11.2018, 14:40

HeikeLeo hat geschrieben:Zwei Wochen hospitieren ist ja schon einmal sehr gut. Bei der Montessori-Schule habt Ihr in der Zeit ja auch schon gesehen, ob es funktioniert oder nicht.



rena99 hat geschrieben:Von Pauschalaussagen dieser Art halte ich nichts. Sicher kann man da schlechte Erfahrungen machen, aber eben auch gute.

Simone hat da schlechte Erfahrungen gemacht. Ich habe auch schlechte Erfahrungen gemacht. Es ist aber schön, dass Du gute Erfahrungen gemacht hast.
Hier geht es aber um Simone. Und ihren eigenen Erfahrungen darf sie ganz sicher vertrauen.

Ich habe auch nirgends geschrieben, dass sie unbedingt schwarzsehen soll. Aber übertriebener Optimismus ist ja ganz sicher keine Alternative.
Mit der Tagesklinik hat Simone auch größte Bedenken gehabt und trotzdem hat es sehr gut funktioniert. Deshalb meine ich, diese Self-fulfilling prophecy muss man auch bei autistischen Kindern nicht überschätzen.

Und gerade, wenn es kompliziert ist, wie in diesem Fall, ist ein gesundes Misstrauen notwendig. Denn manchmal gibt es tatsächlich bessere Möglichkeiten - aber die laufen einem leider nicht nach, sondern die muss man sehr aktiv suchen. Und ein ungutes Gefühl kann durchaus ein Motivator sein, nach besseren Lösungen zu suchen.

Liebe Grüße
Heike

Benutzeravatar
Regina Regenbogen
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 7011
Registriert: 12.07.2008, 18:37
Wohnort: Ostfriesland

Beitragvon Regina Regenbogen » 19.11.2018, 15:00

HeikeLeo hat geschrieben:Mit der Tagesklinik hat Simone auch größte Bedenken gehabt


Simone hat immer größte Bedenken, das geht weit über die übliche elterliche Besorgnis hinaus und grenzt schon fast an Schwarzseherei. Ein gesunder Optimismus und Selbstvertrauen gehören nicht zu ihren Stärken, das hat ihr Kind schon früh zu spüren bekommen. Hier schreiben nicht umsonst mehrere User davon, dass gerade Simones Kind extrem gute Antennen für die Gefühle der Mutter hat.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
Sohn * 09/2001 - ADS
Tochter * 04/1998 - nix
Tochter * 08/1989 - Peronaeusparese

Benutzeravatar
Engrid
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 13791
Registriert: 24.10.2011, 10:36

Beitragvon Engrid » 19.11.2018, 17:11

Hallo,

Simone, ich hoffe, Ihr hattet einen guten Einstand?!

@Heike:
Simone hat da schlechte Erfahrungen gemacht.
Was genau meinst Du mit „da“? Ist mir was entgangen, war Simones Sohn schon mal auf dieser Waldorfschule?

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

AnnalenaO
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 371
Registriert: 08.02.2018, 17:32

Beitragvon AnnalenaO » 19.11.2018, 19:03

Hallo!
Also ich komme hier langsam nicht mehr mit....
Heike du schriebst doch selber Simone hatte Bedenken wegen der Tagesklinik und diese haben sich nicht erfüllt. Die Tagesklinik arbeitet anthroposophisch. Diese Waldorfschule ist anthroposophisch. Was genau ist jetzt der Grund zur Schwarzmalerei? Weil Simone und Sohn an anderen Schulen schlechte Erfahrungen gemacht haben?
Ich kann überhaupt kein bisschen nachvollziehen was Bedenken und Skepsis einem da bringen sollen. Ich gehe grundsätzlich offen in neue Angebote rein und gehe erstmal davon aus dass man meinem Kind dort gutes tun will. Trotzdem bin ich ja nicht vollkommen naiv. Mit so negativen Gedanken an eine Sache ran gehen, annehmend dass es sowieso wieder scheitern wird, das hilft wirklich keinem weiter. Bestenfalls schadet es nicht, so wie in der Tagesklinik, das ist aber auch schon alles was man dem positives abgewinnen kann.
Ich denke man strahlt die Innere Haltung auch irgendwo aus. Selbst wenn es das Kind nicht beeinflusst (was ich allerdings nicht glauben kann), so belastet solch eine Einstellung doch von vornherein die Zusammenarbeit mit Schulleitung und Lehrkräften.
Ziel sollte es doch irgendwo sein gemeinsam etwas gutes für das Kind zu erreichen. Mit so einer "Dagegen" Einstellung ist eine gute Zusammenarbeit von vorneherein zum scheitern verurteilt. Das finde ich ganz schade und traurig.
Liebe Simone, ich hoffe sehr und drücke die Daumen dass ihr die Erfolge aus der Tagesklinik in der Waldorfschule umsetzen könnt!
Liebe Grüße, AnnalenaO
Sohn 5/2009 Asperger Syndrom
Tochter 10/2012 Topfit

HeikeLeo
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 723
Registriert: 18.05.2015, 19:34
Wohnort: Baden-Württemberg

Schule

Beitragvon HeikeLeo » 19.11.2018, 20:01

AnnalenaO hat geschrieben: Mit so negativen Gedanken an eine Sache ran gehen, annehmend dass es sowieso wieder scheitern wird, das hilft wirklich keinem weiter.

Das kann schon sein, dass es niemandem hilft. Aber trotzdem hat Simone diese Gefühle. Ihr verlangt allen Ernstes, dass sie ihre Gefühle nicht so haben darf, damit das Kind sie nicht sieht. Aber genau das produziert doch die größte Verwirrung bei einem Kind mit feinen Antennen: Man hat ein ungutes Gefühl und spielt dem Kind heile Welt vor. Es ist besser die Gefühle ehrlich zu leben und dann gegebenenfalls aktiv Lösungen zu suchen.

Und ich habe mich ja auch gefreut, dass Simones Sohn zwei Wochen lang in der Waldorfschule hospitieren kann. Aber dieses Simone-Bashing stört mich auch schon in anderen Threads, in denen ich bisher nur mitgelesen hatte.
Simone hat immer größte Bedenken, das geht weit über die übliche elterliche Besorgnis hinaus und grenzt schon fast an Schwarzseherei.

Und genau das denke ich nicht. Und ich denke auch nicht, dass es uns zusteht darüber so zu urteilen. In manchen Gegenden läuft es tatsächlich so schlecht, dass sich das andere gar nicht vorstellen können, bei denen es gut läuft. Das ist genau so wenig verschuldet, wie es der Umstand ist, wenn man ein autistisches Kind hat. Und es hat auch nichts mit positiver Einstellung oder Optimismus zu tun.

https://www.zvw.de/inhalt.waiblingen-inklusion-im-system-so-nicht-vorgesehen-page1.ea2931d3-b49a-4aad-bcd4-3802cfb7a6c1.html


Liebe Grüße
Heike

Benutzeravatar
Engrid
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 13791
Registriert: 24.10.2011, 10:36

Beitragvon Engrid » 19.11.2018, 20:23

Liebe Heike,

ich glaube, Du verrennst Dich da. Niemand soll seine Gefühle unterdrücken, richtig, das merken die Kinder eh. Aber unsere Kinder haben ein Recht darauf, dass wir sie nicht mit einem "das wird eh nix" begleiten, oder mit einem "die sind alle doof/böse/unfähig da draußen", sondern mit Zuversicht. Kein "übertriebener Optimismus", nein, sondern Zuversicht. Wenn ich die bei mir selber nicht mehr entdecken kann, wenn ich alles schwarz sehe, dann versuche ich, MEINE Ressourcen wieder aufzufüllen. Dann versuche ich, mir Stärkung zu holen, damit ich wieder Chancen erkennen kann, und nicht mehr bloß Gefahren sehe.

May your choices reflect your hopes, not your fears, sagte Mandela.

Wir sind hier alle schon durch tiefe Täler gegangen. Aber es geht immer wieder weiter, und es gibt immer wieder Chancen.
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

AnnalenaO
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 371
Registriert: 08.02.2018, 17:32

Beitragvon AnnalenaO » 19.11.2018, 20:33

Hallo Heike!
Mir persönlich ging es jetzt gar nicht um Simones Bedenken sondern um Aussagen von dir wie dass an einer Waldorfschule Fremdsprachen leider nicht so vermittelt werden wie Autisten es brauchen oder auch dass es ein gesundes Misstrauen braucht.
Du kannst doch gar nicht wissen wie an dieser Schule Fremdsprachen vermittelt werden. Und du kannst auch nicht wissen dass sie in der Waldorfschule genau so wie in der Montessorischule das Konzept nicht anpassen können. Das ist meiner Meinung nach eben kein gesundes Misstrauen sondern Schwarzmalerei die einen offenen Umgang mit der Schule von vornherein behindert.
Dass Simone Sorgen hat kann ich schon nachvollziehen. Und wo wenn nicht hier kann sie diese Sorgen äußern. Ich weiß aber nicht ob es hilfreich für sie oder ihr Kind ist wenn man diese Sorgen aus eigenen schlechten Erfahrungen heraus noch untermauert. Das hat mit unrealistischem Optimismus auch nichts zu tun, in der Tagesklinik lief es schließlich gut also war der Optimismus nicht unrealistisch. Und auch bei dieser Waldorf Förderschule finde ich es nicht unrealistisch positiv ran zu gehen.
Das soll nicht heißen dass man keine negativen Erfahrungen schildern darf, man sollte aber so fair bleiben dieser Schule an der weder du noch Simone schlechte Erfahrungen gemacht habt eine Chance zu geben anstatt pauschal zu sagen an solchen Schulen werden Fremdsprachen so unterrichtet dass es für Autisten nicht geeignet ist und diese Schulen können ihr Konzept alle nicht an die Bedürfnisse eines autistischen Kindes anpassen.
Wie auch immer, ich bleibe dabei dass ich dir liebe Simone dieaumen drücke dass ihr die gutE Erfahrung die ihr gerade mit der Tagesklinik gemacht habt in die Waldorfschule mitnehmen könnt und dass es dort ähnlich positiv weitergeht.
Liebe Grüße, AnnalenaO

SimoneD.
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 755
Registriert: 01.02.2016, 17:55

Beitragvon SimoneD. » 19.11.2018, 21:39

Ich möchte mich kurz melden, wie es heute gelaufen ist. Viel kann ich allerdings noch nicht schreiben. Es war laut meinem Sohn gut. Viel hat er sich nicht geäußert. Heute wurde er von einem Pädagogen der TK begleitet. Morgen ist er für 2 Stunden allein dort.
Er hatte sogar heute russisch. Ich denke gegen Ende der Woche kann ich schon mehr einschätzen.

Ich möchte auch gerne noch etwas zu meiner "schwarzmalerei" schreiben.
Ich sehe bestimmt nicht alles schwarz und negativ, obwohl wir viel mitgemacht haben die letzten Monate/Jahre seit der Einschulung. Auch wenn es so rüberkommt...
Natürlich habe ich eine gewisse Sorge, dass N. die waldorfschule auseinander nehmen könnte, durch was auch immer für Umstände. Es kann immer irgendwas vorkommen, wo er nicht mit klarkommt und dann wütend wird...auch wenn es im geeigneten Rahmen wenig bis gar nicht vorkommt - kann aber...
Und worüber ich mir Gedanken mache, ist das Lernniveau. N. ist schon wesentlich weiter auch wenn er durch die LRS Schwierigkeiten hat ist er dennoch vom Lesen, Schreiben und rechnen schon weiter. Ich hoffe der Lehrer kann da individuell drauf eingehen. Dann wäre das super.
Ich finde zwischen sich Gedanken machen (ja das tue ich, leider oft zu viel) und Schwarzmalerei besteht ein Unterschied! Ich gehe nicht mit dem Gefühl daran, dass es scheitern könnte, jedoch ist die Sorge da. Jetzt gehen wir aber erstmal einen Schritt nach dem anderen und schauen, wie die 2 Wochen verlaufen und wie es der Lehrer einschätzt. Es wird ja dann auch noch ein Gespräch mit TK und Lehrer geben, um alles weitere und Planung zu besprechen.
Liebe Grüße von Mönchen :-)
Sohn (9 Jahre) Asperger Autist

Werbung
 
rena99
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 1674
Registriert: 28.04.2012, 16:34

Beitragvon rena99 » 19.11.2018, 22:44

SimoneD. hat geschrieben:Jetzt gehen wir aber erstmal einen Schritt nach dem anderen und schauen, wie die 2 Wochen verlaufen und wie es der Lehrer einschätzt. Es wird ja dann auch noch ein Gespräch mit TK und Lehrer geben, um alles weitere und Planung zu besprechen.


Hallo Simone,

das klingt doch, wie ein Plan. Ich drücke ganz fest die Daumen.

Der Waldorf-Lehrplan führt erst nach 11 Jahren zum mittleren Schulabschluss, also 1 Jahr später als normal. Das Abi schaffen sie dann aber in weiteren 2 Jahren, als zur normalen G9-Zeit.

Insofern sind die am Anfang auf jeden Fall langsamer. Mach dir also nicht zuviel Sorgen deswegen. Ich hoffe einfach, dass der Lehrer sich da etwas einallen lässt.

Noch ein Filmtipp für dich:
Guten Morgen, liebe Kinder: die ersten 3 Jahre an einer Waldorfschule
Aber: Dies ist eine Großklasse und dies ist nur eine Schule. Das können andere Waldorfschulen auch anders handhaben. Aber ich denke, man bekommt eine Idee. Die Filme gehen in 3 Teile bis zur 8. Klasse.


LG
Rena
Rena mit Tochter (V.a. Autismusspektrumsstörung, Zwangsstörung)

"Jeder Zwang ist Gift für die Seele." (Ludwig Börne)


Zurück zu „Krankheitsbilder - Autismus“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 10 Gäste