MPH retardiert - Kapselgröße

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Mimo
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MPH retardiert - Kapselgröße

Beitragvon Mimo » 16.11.2018, 18:34

Meine Pflegetochter (5, FAS, starke ADHS-Symptomatik mit Aggressionen) bekommt seit einem halben Jahr MPH (Medikinet unretardiert).

Seit längerem ist im Gespräch, ein retardiertes Präparat auszuprobieren (auch vor dem Hintergrund, dass das Kind nächstes Jahr schulpflichtig wird). Aktuell schreckt mich noch die Kapselgröße ab, da ich meiner PT selbst die kleinen Tabletten noch teilen muss, damit sie sie schluckt.

Nun wollte ich mal fragen, wie groß jeweils die Kapseln der unterschiedlichen Präparate sind. Sind diese alle gleich groß? Und so groß wie die Kapseln von "Erwachsenenmedikamenten" oder doch etwas kleiner?

Danke für Eure Hilfe, viele Grüße,
Mimo

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LasseUndJohannes
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Beitragvon LasseUndJohannes » 16.11.2018, 18:47

Hi,
Ich kann mich jetzt irren, da es länger her ist, dass mein großer Ritalin LA bekam. Aber ich meine, die Retardierung steckte in dem Überzug der kleinen Kügelchen die in der Kapsel waren? Eventuell hier nochmal den Arzt fragen und wenn es möglich ist, die Kapsel einfach öffnen.
Johannes 2008, extremes ADHS, Fehldiagnose (?) Autismus
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JohannaG
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Beitragvon JohannaG » 16.11.2018, 19:07

Hallo Mimo,

die Kapseln sind alle ziemlich gleich groß. Und naja, bei Erwachsenenmedikamenten sind ja die Kapselgrößen auch unterschiedlich, aber ja, so ganz klein sind sie nicht.
Aber man kann sie öffnen und die Kügelchen mit einem Löffel Joghurt oder Apfelmus oder so geben. Dabei ist aber wichtig, daß die Kleine die Kügelchen nicht zerkaut, sonst haut das mit dem Retard nicht hin.
Es gibt aber auch retard in Tablettenform - Concerta und dessen Generika sind keine Kapseln, sondern Tabletten, und die sind ziemlich klein, je nach Präparat sogar mit Bruchkerbe.

Wichtig zu wissen ist, daß die Präparate zwar alle MPH als Wirkstoff haben, aber ziemlich unterschiedlich aufgebaut sind - so gibt es z.B. Präparate, die zu zwei verschiedenen Zeiten jeweils 50% des Wirkstoffs freisetzen (z.B. Medikinet retard oder Ritalin LA), andere stezten erst 30, dann 70 % frei (Equasym), bei anderen wiederum ist es ein dauerhafter geringer Nachschub (Concerta). Bei Medikinet retard muß man unbedingt was dazu essen, sonst wird die zweite Charge gleich mit freigesetzt, bei Ritalin LA ist das wiederum egal.... muß man sich also schon bisschen beschäfigten damit.

LG Johanna
Johanna, *73, Morbus Bechterew;
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Mimo
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Beitragvon Mimo » 16.11.2018, 19:59

Danke euch beiden, das hilft mir schon einmal sehr.

Über die Wirkungsweise der Medis habe ich in diesem Thread https://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic13 ... sc-10.html schon nachgelesen.

Und tatsächlich bin ich mir nicht sicher, ob eine 50:50 Wirkung überhaupt ideal wäre.
Meine PT brauch jetzt, bei 17 kg, schon 20 mg Medikinet (auf zwei Gaben), und insgesamt wirkt das nur etwa 6 Stunden. Ich gebe morgens 12,5 mg und mittags nochmal 7,5 mg.
Würde ich gleich große Gaben geben (2 mal 10 mg) würde die Wirkung morgens nicht ausreichen, das Kind käme dann gar nicht richtig zur Ruhe und die Aggressionen wären auch noch da.
Gebe ich morgens gleich recht hoch dosiert, so meine Erfahrung, und wir kommen gar nicht erst in "Kriegsstimmung", so reicht mittags die schwächere Dosis gut aus.

Daher bin ich mir nicht sicher, ob z.B. Medikinet retard (oder auch Ritalin, wenn man da die Kapsel öffnen könnte) überhaupt ideal wären.
Problematisch finde ich eben, dass das Medikinet in der letzten halben Stunde bis Stunde Kindergarten nicht mehr wirkt, und das Kind gegen Ende wieder aufdreht und auch aggressiv gegen andere Kinder ist. Aber DAS wäre mit dem retardierten Präparat vielleicht auch nicht besser, wenn der zweite Wirkungsschub erst nach 4 Stunden einsetzt, oder?

Aber vielleicht wäre es einen Versuch wert.

JohannaG
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Beitragvon JohannaG » 16.11.2018, 20:26

Hallo Mimo,

ich fürchte, da hilft nur probieren :roll:

Wir haben bei unserer Tochter im gleichen Alter angefangen, ebenfalls mit 20 mg. Wir hatten auch das Problem mit dem "Einbruch" um die Mittagszeit. Retardpräparate haben uns auch nicht sehr viel weiter geholfen, weil dann die Wirkung am Nachmittag schon wieder durch war und jeeede Menge Zeit um wieder aufzudrehen, bevor es ins Bett ging.

Unsere Lösung war dann, auf 2x retard auszuweichen. Das hat ganz gut funktioniert, wenn's auch etwas unkonventionell ist. Wir haben uns allerdings auch bisschen durchprobiert... Das Problem bei den Retardmedikamenten ist, daß es die nicht in so feinen Dosierungen gibt. Ich habe eben mal geschaut, Ritalin LA und Equasym fangen mit 10 mg an, nur Medikinet retard gibts schon in 5 mg.

Vielleicht könnte eine Lösung für euch sein, Medikinet retard 15mg - 5 mg - 0 auszuprobieren? Also daß ihr morgens eine 10er und eine 5er Kapsel gebt - frühnachmittags dann noch mal 5 nachgebt?

Oder, auch das haben wir eine Zeitlang gemacht: Morgens 10 mg retard und 5 mg unretardiert dazu?

Alternativ wäre evtl auch noch Concerta 18 mg zu überlegen und dann für morgens noch eine kleine Dosis unretardiert dazu.

Oder, auch das kann sein: Vielleicht braucht sie über den Tag insgesamt eine etwas höhere Dosis. Ja, ich weiß, 20 mg ist bei 17 kg nicht wenig, aber bei FAS-Kindern reichen die niedrigeren Dosierungen oft auch mal nicht aus.

Bei Retardpräparaten sollte eigentlich schon zumindest etwa bis zum Mittagessen eine Wirkung da sein. Bei meiner Großen mit Ritalin LA hält die Wirkung etwa 8 Std an, beim Sohn mit Concerta hält es ca 12 Std. Manchmal gibts das wohl, daß es einen Wirkeinbruch gibt, bevor der zweite Wirkungsschub einsetzt, aber eher selten.

Wir hatten jetzt Glück, wir sind bei Tochter lange mit 30 mg ausgekommen (bei inzwischen ca 45 kg Körpergewicht), aber jetzt reichts nicht mehr. Wir haben es übrigens jetzt über lange Zeit (mindestens 3 Jahre!) so gehandhabt, daß sie Ritalin LA 20-10-0 bekam, das war sehr gut so. Es ist bei uns ähnlich wie bei euch, wenn der Tag schon nicht so gestresst beginnt, braucht es nach hinten raus nicht mehr so viel. Der Start ist entscheidend. Und das gute an der zweifachgabe ist, ich hab nach hinten raus Spielraum - wenn ich weiß, Kind muß mal länger durchhalten an einem Tag, dann kann ich die zweite Dosis einfach auch später geben. (und da sie jetzt schon fast 14 ist, bleibt sie einfach automatisch länger auf)... jetzt müssen wir aber doch auf 20-20 hochgehen.

Wünsch euch was!

Liebe Grüße, Johanna
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Beitragvon Mimo » 16.11.2018, 21:44

JohannaG hat geschrieben:
Vielleicht könnte eine Lösung für euch sein, Medikinet retard 15mg - 5 mg - 0 auszuprobieren? Also daß ihr morgens eine 10er und eine 5er Kapsel gebt - frühnachmittags dann noch mal 5 nachgebt?



Wenn es aber das retardierte Medikinet ist, und ich gebe 15 mg morgens, dann sind diese 15 mg doch auf zwei Gaben verteilt, oder sehe ich das falsch? Dann würden ja nur 7,5 mg sofort wirken? Bei 7,5 mg unretardiertem Medikinet ist aber noch überhaupt keine Wirkung zu erkennen.
Daher denke ich, wäre ein retardiertes Präparat morgens gar nicht ausreichend, es sei denn, wir würden erheblich höher dosieren. Oder habe ich da einen Denkfehler?

JohannaG
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Beitragvon JohannaG » 16.11.2018, 23:09

Hallo Mimo,

nein, kein Denkfehler deinerseits. Das stimmt schon so, daß bei 15 mg retard erst mal nur 7,5 ankommen.

Es kann trotzdem funktionieren, auch wenn es nicht logisch klingt.

Aber eben wegen deiner Bedenken, auch die Idee: 10 mg retard, 5 mg nicht retardiert geben morgens - könnte auch gehen. (Und dann nachmittags noch was nachgeben, denke ich).

Nochmal: Jepp, hab schon verstanden, bei euch ist eine höhere Anfangsdosis nötig beim unretardierten.

Das muß aber beim Retardierten nicht genau so sein, merkwürdigerweise. Bin keine Chemikerin, daher hab ich keine Ahnung warum, aber der Feldversuch im eigenen Hause zeigt: Das kann trotzdem gehen. Meine Tochter hat zu Beginn (mit 5 Jahren) 10-10-0 unretardiert bekommen, da war die Wirkung am frühen Nachmittag durch. Dann haben wir sie auf 10-10-0 retardiert umgestellt, es war morgens trotzdem ok, hielt aber deutlich länger vor. Bei uns hat sich nur rausgestellt, daß Equasym nicht das Mittel der Wahl war (30/70 Freisetzung), mit Ritalin LA war es dann ok.

LG Johanna
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Beitragvon Mimo » 17.11.2018, 22:15

ok super Johanna, und danke nochmal für die Erklärung.

Dann könnten wir es wagen und ein retardiertes Präparat zumindest mal versuchen.

LG Mimo

Kerstin74
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Beitragvon Kerstin74 » 21.11.2018, 12:29

Mimo,

unser 7-jähriger FASi mit ADHS ist auch 20 kg schwer. Seit 6 Monaten bekommt er 10 mg Equasym ret. morgens (geöffnent, auf einem Löffel Pudding verabreicht), was im Kindergarten wunderbar gereicht hat, da sie mittags raus sind und er sich seine Beschäftigung nach Gutdünken aussuchen konnte. In der Schule recht es nicht mehr.

Seit einigen Wochen haben wir nachdosiert. Die 10 mg. retadiert reichen bis etwa 12 Uhr und damit keine 5 Stunden. Also gibt's vor dem Mittagessen noch eine zweite 10 mg. ret. Dann hält er die Nachmittags-AGs gut durch und kann immerhin noch halbwegs Hausaufgaben machen, wenn er nach Hause kommt.

Allerdings hindern ihn die Medis nicht daran, auch in der Schule regelmäßig seine Ausraster zu bekommen (die er übrigens erst seit Einschulung hat, vorher war er eher sozial, aber das Klientel bei Förderschwerpunkt SE scheint ihm nicht so wirklich gut zu bekommen). Auch Medis helfen eben nicht gegen FAS sondern versetzen die Kinder nur in die Lage, die AD(H)S-bedingten Schwierigkeiten in den Griff zu bekommen - wenn sie wollen.

LG und gutes Gelingen
Kerstin
der Große (10/06) mit ADS, LRS und senso-/graphomotorischer Schwäche

der Kleine (10/11) mit pFAS, ADHS, SIS, Hyperakusis, Hypermobilität, Beckenschiefstand mit skoliotischer Fehlhaltung, Vorhofseptumdefekt (ASD II), Fruktoseintoleranz, globale Entwicklungsverzögerung, Hypomotilität des Ösophagus, V.a. ASS => PG 3, GdB 70%

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SandraO
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Retardiert oder unretardiert?

Beitragvon SandraO » 06.12.2018, 13:41

Hallo!

Ich wollte nur mal kurz unsere Erfahrung mit Medikinet retardiert und unretardiert teilen:
Unser Sohn ist 7 Jahre alt und wiegt etwas über 26 Kilo. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass bei ihm Medikinet Retard - warum auch immer - weit weniger hilft als das unretardierte Medikinet.
Er bekommt nun morgens 15 mg Medi und in der Schule nach dem Mittagessen nochmals 10 mg unretardiert. Das ist derzeit auch die Höchstdosis. Natürlich merkt man (also i.d.R. die Schule) gegen Mittag, dass die Wirkung nachlässt, aber durch Mittagessen und anschließender Pausenzeit lässt sich dies wohl ganz gut überbrücken.
Klar, wenn er nach Hause kommt (gegen 16.00 Uhr, er ist so gerne in der Schulbetreuung, obwohl ich zuhause bin... :D ) merken wir nicht mehr soooo viel von den Medis, aber zur Zeit klappt es bei uns wirklich gut.
Ich fürchte, das ist tatsächlich ein Ausprobieren mit diesen Medikamenten.

Ganz liebe Grüße und viel Durchhaltevermögen für euch!

Sandra
Tochter, geb. 2007, globale Entwicklungsstörung mit Sprachentwicklungsstörung, kleinere Herzfehler, Geist. Behinderung,
Sohn, geb. 2011, Powermännchen, ADHS-Diagnose Ende 2015


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