Berufsbildungswerk?

Unsere Kinder werden älter, verlassen die Schule und auch oft das Elternhaus. Wie sehen die Perspektiven für behinderte Jugendliche und junge Erwachsene aus? Wo können sie arbeiten? Wo finden sie geeignete Wohnformen? Hier können sich Eltern austauschen und informieren!

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petrah4214
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Berufsbildungswerk?

Beitragvon petrah4214 » 15.11.2018, 18:36

Hallo zusammen,
meine Tochter (17) wird nächstes Jahr die Montessori Gesamtschule nach Klasse 10 abschliessen. Sie hat eine beinbetonte spastische Diparese und leichte motorische Schwierigkeiten, ist langsamer als andere Kinder und braucht für Alles länger. Sie weiss noch überhaupt nicht, wo der berufliche Weg hingehen soll. Langes Laufen und Stehen gestaltet sich schwierig.Die Reha Berufsberaterin und der psychologische Test haben ergeben, dass es wohl dahinaus läuft sie in einem Berufsbildungswerk unterzubringen. Meine Tochter sträubt sich allerdings die Woche über im Internat zu wohnen. Sie möchte lieber zu Hause bleiben. Leider gibt es bei uns in der Nähe keine Möglichkeit, die in der Nähe wäre. Was sind Eure Erfahrungen? Kennt jemand das Berufsbildungsbildungswerk Vollmarstein? Was wäre sonst noch möglich? Wie seid ihr damit umgegangen, wenn die Kinder nicht von zu Hause weg möchten?
Ich sehe gerade in diesem BBW eine Chance.Über Eure Erfahrungen würde ich mich freuen.
Freundliche Grüße
Petra

Senem
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Beitragvon Senem » 15.11.2018, 18:46

Hallo petrah4214,

ich kenne das Berufsbildungsbildungswerk Volmarstein.

Bin dort drei Jahre zur Schule gegangen. Habe allerdings nicht im Internat gelebt, sondern bin jeden Tag mit dem Bus gebracht worden. Wohnte in der Nähe.

Das deine Tochter nicht ins Internat will, kann ich verstehen.
Gruß

Selbstbetroffen mit einigen Baustellen

petrah4214
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Beitragvon petrah4214 » 15.11.2018, 18:51

Ja, jetzt weiss ich daß Du da warst. Aber noch nicht, was ich davon halten kann?

Wär gut, wenn ich die Erfahrungen mitgeteilt bekäme.

:) :D

Lisa Maier
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Beitragvon Lisa Maier » 15.11.2018, 19:02

Hallo Petra,

was hat man nach der zehnten Klasse dieser Schulart für einen Abschluß? Wenn sie noch nicht weiß, was sie eigentlich werden möchte, wäre es auch eine Möglichkeit, noch länger in die Schule zu gehen und den nächst höheren Abschluß anzustreben.
Warum möchte sie zuhause bleiben? Ist es, weil sie sich dort sehr wohl fühlt und Freunde hat, oder hat sie Angst vor mehr Selbständigkeit? Nach meiner persönlichen Erfahrung werden rein körperlich Behinderte, die in ihrer Jugend nicht immer bei ihren Eltern leben, meist um einiges Selbständiger. Für meine Entwicklung jedenfalls war das Internat in meiner Schulzeit ein Segen.

Viele Grüße

Lisa

Petra62
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Beitragvon Petra62 » 15.11.2018, 19:07

Hallo Petra
Ich habe von Vollmarstein nur das beste gehört. Zum BBW kann ich dir die Erfahrungen von uns berichten. Mein Sohn konnte sich vor 2 Jahren auch nicht vorstellen, dort hinzugehen. Gerade nach der Schule ist es für die Kinder nicht leicht. Ich kann euch nur raten, macht einen Termin zur Besichtigung. Vielleicht hilft es ihr, die Ängste ein wenig beiseite zu schieben. Mein Sohn hat sich so wohl gefühlt, das er manchmal an den freien Wochenenden nicht nach Hause wollte ;-)
Deine Tochter kann im BBW verschiedene Berufsfelder ausprobieren. Alles wird mit ihr/euch besprochen. Zur Unterstützung gibt es, Psychologen, Berufsbegleiter und Ärzte sowie einen medizinischen Dienst. Die Mitarbeiter vom Internat stehen auch immer zur Verfügung. So haben wir es empfunden. Je nachdem wie sie mental ist, solltet ihr besprechen, ob sie ein Einzelzimmer haben muss/möchte. Das sollte dann der Rehaberater ins Protokoll schreiben. Es werden regelmäßig Berichte geschrieben und mit dem Teilnehmer besprochen. Ein Förderplan wird erstellt. Am besten ihr macht euch selber ein Bild. Viel Erfolg wünsche ich.
Viele Grüße
Petra
Wenn jeder Tag mit einem Lächeln beginnt
ist es ein guter Tag.
Petra ( 1962 )
Sohn (1998) Asperger Autist ( Diagnose 2016 ), ADS Träumer, Scoliose, Rechtsschenkelblock, fehlender Brustmuskel.
Sohn (2002) Fit
Sohn (2004) Fit

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Beitragvon r.bircher » 15.11.2018, 20:04

Hallo Petra

Versuche doch erst mal die Hintergründe für das Sträuben zu erkunden. Es muss ja nicht sein, dass das internat der Hauptgrund ist, vielleicht schiebt sie den einfach nur vor.

Ich konnte mich zum Beispiel einfach nicht mit Behinderteninstitutionen anfreunden. Das war mir dort alles "zu Behindert." Dort waren einfach zu viele Menschen von denen ich das Gefühl hatte, sie betrachten mich als "armer Behinderter." Mich hätten auch keine zehn Pferde in so eine Institution gebracht. Ich hatte einen sehr gut funktionierenden Freundeskreis in meinem Dorf, der für mich heilig war. Ein Internat zerstört sowas meist ziemlich schnell.

Wenn das die Gründe sind, kann ich dir nur empfehlen, auf die Suche nach alternativen Wege zu gehen. Diese Gibt es... allerdings werden da zumindest am Anfang Lastwagenweise Steine in den Weg gekippt.

Gruss Raphael
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Beitragvon Tatze1977 » 16.11.2018, 14:05

Hallo Petra,

wir standen bzw stehen auch weiterhin vor dem selben Problem. Tochter will nicht weg von zuhause, und akzeptiert auch keine Internatsunterbringung.

Die Gründe warum Sie nicht will die weis ich und kann ich auch gut nachvollziehen!

Alternativen zu solch einer Einrichtung gibt es definitiv, jedoch sehr schwirig da dran zu kommen bzw. dafür Hilfestellung vom Arbeitsamt zu bekommen

kann man knicken.

Hier bei uns zumindestens.

Wir sind nun die alternative eingegangen das Sie ein FSJ macht mit Unterstützung einer persönlichen Arbeitsassistenz, die sie bei Ihrere Arbeit begleitet und unterstützt.

Vieleicht wäre das eine möglichkeit für euch?
Meine Tochter kann auch nicht lange stehen, oder gar laufen und ist auch zeitweise auf einen Rollstuhl angewiesen.

Aber durch die Assistenz die den ganzen Tag bei Ihr ist, kann sie ihre arbeit recht gut machen.

lg Tanja
Lisa-Marie (18) Epidermolysis Bullosa,von Willebrandsyndrom, Seelische Behinderung und andere Baustellen. Rolli fahrerin. www.Schmetterlingskind.eu
Leonie-Sofie 12 jahre schwere Laktoseintoleranz
Alleinerziehende Mama 41 J. Peroneusparese,Wurzelreizsyndrom,BSV,BSVW, Beinlämung,Rollifahrerin.

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Beitragvon SandraM. » 16.11.2018, 16:12

Hallo,
wenn deine Tochter kognitiv fit ist, kann sie mit einer Diparese alle Berufe ausüben, wo keine schwere Arbeit geleistet werden muß.

Wenn sie kognitiv fit ist, würde ich auch empfehlen, den nächst höheren Schulabschluß zu machen. Dies kann sie in einer Schule vor Ort machen.

Wenn sie eine Berufsausbildung machen möchte, ist es nicht einfach einen aufgeschlossenen Ausbildungsbetrieb und die Berufsschule zu finden.

Ich habe eine leichte Form der Diparese und habe nach dem Fachabitur Sozialarbeit studiert. Heute arbeite ich als Sozialabeiterin im Gesundheitsbereich.

Gruß Sandra
Sandra *1977, ICP mit leichter Tetraspastik, leichte Gangataxie, Fußgängerin

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Beitragvon petrah4214 » 17.11.2018, 16:54

Vielen Dank für Eure Antworten. Den höheren Schulabschluss zu erwerben hält die Rehaberaterin anhand des Tests nicht für wahrscheinlich. Deshalb würde sie davon abraten noch weiter zur Schule zu gehen.
Mal sehen. Wir gucken uns am 27.11. erstmal BBW Volmarstein an. Ich persönlich finde, dass es ihr gut tut ein bischen selbständiger zu werden.
Viele Grüße


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