Widerspruch im Gutachten der AfA

Unsere Kinder werden älter, verlassen die Schule und auch oft das Elternhaus. Wie sehen die Perspektiven für behinderte Jugendliche und junge Erwachsene aus? Wo können sie arbeiten? Wo finden sie geeignete Wohnformen? Hier können sich Eltern austauschen und informieren!

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Petra62
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Widerspruch im Gutachten der AfA

Beitragvon Petra62 » 15.11.2018, 12:10

Hallo zusammen
Da mein Sohn ja im BBW nicht weiterkam, geht er jetzt ab 3.12. in die WfbM. Dafür wurde von der AfA ein Ärztliches Gutachten angefordert. Es wurde nach Aktenlage entschieden. Dieses Gutachten wurde vor 4 Jahren schon gemacht, als er aus der Schule kam. Damals hielt man ihn noch für vollschichtig arbeitsfähig. Nun das neue Gutachten.
Zitat : Eine Erwerbsminderung wird angenommen für mehr als 6 Monate aber nicht dauerhaft. Er ist täglich weniger als 3 Stunden ( 15 Std. wöchentlich ) leistungsfähig. Er kann ein Mindestmaß an wirtschaftlich verwertbarer Arbeit erbringen.: Zitat Ende: Das ist doch widersprüchlich. Ich will Grundsicherung beantragen. Das klappt doch nicht ? Obwohl ich weiß, das auch im Eingangsbereich die volle Erwerbsminderung angenommen werden kann.
Soll ich das Gutachten zusammen mit dem Antrag abgeben, oder lieber
nicht ?
Viele Grüße
Petra
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Petra ( 1962 )
Sohn (1998) Asperger ( Diagnose 2016 ), ADS Träumer, Scoliose, Rechtsschenkelblock, fehlender Brustmuskel.
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monika61
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Re: Widerspruch im Gutachten der AfA

Beitragvon monika61 » 15.11.2018, 12:37

Petra62 hat geschrieben:
Zitat : Eine Erwerbsminderung wird angenommen für mehr als 6 Monate aber nicht dauerhaft. Er ist täglich weniger als 3 Stunden ( 15 Std. wöchentlich ) leistungsfähig. Er kann ein Mindestmaß an wirtschaftlich verwertbarer Arbeit erbringen.: Zitat Ende: Das ist doch widersprüchlich. Ich will Grundsicherung beantragen. Das klappt doch nicht?


Hallo Petra,

ich denke auch, so gibt es keine Grundsicherung (SGB XII) :

…"2. Wer ist anspruchsberechtigt?

Menschen mit Behinderung haben
einen Anspruch auf Grundsicherung,
wenn sie das 18. Lebensjahr vollendet
haben und voll erwerbsgemindert
sind. Voll erwerbsgemindert sind
Menschen, die wegen einer Krankheit
oder Behinderung außer Stande sind,
mindestens drei Stunden täglich auf
dem allgemeinen Arbeitsmarkt erwerbstätig
zu sein.
Die volle Erwerbsminderung
muss ferner dauerhaft
sein
.
Es muss also unwahrscheinlich
sein, dass sie behoben werden kann."...

https://bvkm.de/wp-content/uploads/Merk ... ng_Web.pdf

LG
Monika

Petra62
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Beitragvon Petra62 » 15.11.2018, 13:08

Danke Monika. Ich hatte mich auch schon durchgewühlt. Allerdings gibt es Urteile von 4 Sozialgerichten, die besagen, das auch schon im Eingangsverfahren oder Berufsbildungsbereich eine volle Erwerbsminderung angenommen werden kann. Mehr als den Antrag stellen, kann ich im Moment ja nicht. Notfalls gehe ich in den Widerspruch.
Wie ist das eigendlich, holt sich die RV das Gutachten von der Arbeitsagentur ein ?
Viele Grüße

Petra

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monika61
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Beitragvon monika61 » 15.11.2018, 14:12

Petra62 hat geschrieben:
. Allerdings gibt es Urteile von 4 Sozialgerichten, die besagen, das auch schon im Eingangsverfahren oder Berufsbildungsbereich eine volle Erwerbsminderung angenommen werden kann.


Hallo Petra,

richtig.
In den Urteilen stand das im Eingangsbereich schon eine volle Erwerbsminderung auf Dauer angenommen werden kann...

Die Probleme im Eingangsbereich der WfbM sind aber durch eine Gesetzesänderung aufgetreten.
Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales ist der Auffassung, dass die Dauerhaftigkeit einer vollen Erwerbsminderung erst nach Beendigung des Berufsbildungsbereichs durch den Fachausschuss der WfbM fest-gestellt werden könne. Aus diesem Grund sei für Menschen mit Behinderung, die den Ein-gangs- oder Berufsbildungsbereich einer WfbM durchlaufen, kein Ersuchen um Begutach-tung an einen Träger der Rentenversicherung zu stellen."....

Dazu gibt es hier eine Argumentationshilfe vom bvkm:

Argumentationshilfe,
wenn das Sozialamt die dauerhafte volle Erwerbsminderung
bei Menschen, die den Eingangs- oder Berufsbildungsbereich
einer WfbM durchlaufen, nicht anerkennt
(Musterwiderspruch)
https://bvkm.de/wp-content/uploads/Must ... r-2018.pdf

Das Dir vorliegende Gutachten ist da jetzt nicht wirklich hilfreich.

…"Das Sozialamt
veranlasst die Prüfung, wenn es aufgrund
der Angaben und Nachweise
des Antragstellers wahrscheinlich ist,
dass er dauerhaft nicht imstande ist
,
mindestens drei Stunden täglich zu
arbeiten."....

https://bvkm.de/wp-content/uploads/Merk ... ng_Web.pdf

LG
Monika

Petra62
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Beitragvon Petra62 » 15.11.2018, 15:23

Danke Monika
Ich finde es nur sehr widersprüchlich, wenn man einerseits schreibt, er kann täglich nur weniger als 3 Sd. arbeiten, dann aber nur die teilweise Erwerbsunfähigkeit attestiert. Die Frage ist ja, kann er im Anschluss an den BBB mehr als 3 Stunden arbeiten ? Aber das Sozialamt zielt darauf, diese 2 Jahre zu überbrücken, anstatt auch bei teilweiser Erwerbsunfähigkeit etwas zu zahlen. Schade eigentlich.
Viele Grüße

Petra

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Susanne Th.
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Beitragvon Susanne Th. » 15.11.2018, 16:50

Hallo Petra,

das Gutachten der AfA ist für die RV uninteressant, es kann bei die Begutachtung der RV ein ganz anderes Ergebnis herauskommen...so war es auch bei meiner Tochter. AfA sagte ebenfalls Erwerbsminderung mind. 6 Monate aber nicht von Dauer, RV erkannte die volle Erwerbsminderung nach eigener Begutachtung an.
Stelle den Antrag auf Grundsicherung vor Beginn der WfbM und lege kein Gutachten bei.
Zur Schweigepflichtsentbindung ist der Antragsteller ja sowieso verpflichtet.

LG
Susanne

Petra62
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Beitragvon Petra62 » 15.11.2018, 18:16

Hallo Susanne
Das ist ja super. So könnte es laufen, vor allem, weil mein Sohn ja das BBW nicht geschafft hat und keine Aussicht auf Ausbildung hat. Ich mache es auf jeden Fall so. Im Zweifel gehe ich in den Widerspruch, Urteile gibt es ja genug.... :D
Viele Grüße

Petra

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