Bilder erklären

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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Lisaneu
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Bilder erklären

Beitragvon Lisaneu » 14.11.2018, 16:18

Hallo,

ich hatte heute ein interessantes Gespräch mit Alexanders Lehrer. Er macht sich sehr gut in der Schule und hat viele Stärken, aber eben auch einige Schwächen. Eine davon ist, dass er sich mit Bildbeschreibungen schwer tut.

Also wenn er ein Bild sieht, dann kann er (auch in Gebärdensprache) nicht gut erklären, was er darauf sieht. Kennt wer diese Schwierigkeit?

Ich habe vor, ihm diese Bilder dann auf Videos zu erklären. Wenn das lesen noch ein bißchen besser ist kann ich mir auch muliple choice vorstellen, also dass er ankreuzt, was er sieht, einfach, um zu merken, ob er es verstanden hat. (ICH bin mir ja sicher, dass er es versteht, aber in der Schule wollen sie halt "Beweise".)

Hat wer auch einen Tipp, wo man Bilder oder kurze Bildgeschichten zum "üben" finden kann? Bitte keine Wimmelbilder mit vielen Details sondern erst mal eher einfache :wink: !
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS
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Mama und Papa stark kurzsichtig (Kommentar eines Optikers: Wie habt ihr euch überhaupt gefunden?)

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HeikeLeo
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Beitragvon HeikeLeo » 14.11.2018, 16:41

Liebe Lisaneu,

mein großer Sohn hat ursprünglich auf Bildern NICHTS erkannt. Ich habe ihm Bilderbücher kopiert, die wichtigen Dinge ausgeschnitten, laminiert und die wichtigen Dinge drauflegen lassen. Das hat ihm großen Spaß gemacht und ich konnte ihm zeigen, was Neurotypische sehen. Bilder muss man ja auch erst sehen lernen. Da gibt es diese ganzen optischen Sinnestäuschungen z.B. Freud und die nackte junge Frau. Man erkennt das jeweilige nur, wenn man es schon einmal gesehen hat. So ist das auch bei Bildern.

Und ich habe mich tatsächlich auch an Wimmelbilder rangewagt. Da gab es eines mit einer Feuerwehr und etwa 25 Feuerwehrmännern. Das war eine sehr fummelige Ausschneiderei. Aber meiner hat sich die Dinge anhand von ihrem Platz gemerkt. Dadurch hat er ganz sicher Kontext aufgebaut.

Liebe Grüße
Heike

kati543
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Beitragvon kati543 » 14.11.2018, 19:35

Hallo,
das Problem hatte ich bei meinem Jüngsten auch.
Du kannst ganz einfach mit „Babybilderbüchern“ anfangen. Je jünger die Zielgruppe, desto einfacher ist das Buch gestaltet. Gerade bei den allereinfachsten Pappbüchern kann man das super üben. Du kennst sicher auch noch die Bücher, wo wirklich nur ein Gegenstand auf einfarbigen Hintergrund zu sehen ist.
LG
Katrin
Katrin (Epilepsie)
O. (Frühk. Autismus (HFA), Sprachentwicklungsstörung, Ptosis, Hypotonie, AVWS, LRS, Vd. Valproatembryopathie)
D. (geistige Behinderung, Frühk. Autismus, Epilepsie, Esstörung, Trigonoceph., Hypertonie, Opticushypoplasie, Amblyopie, Mikrodeletion 3p26.3, Vd. Valproatembryopathie, Z.n. Schädelbasisfraktur)

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Beitragvon Ayden » 15.11.2018, 00:01

Liebe Lisaneu,

ja, auch unsere Kleine hat da ihre Probleme, da das optische rechtshirnesche Bilderkennungsareal bei ihr 3 Jahre hinterherhinkt. (Sie ist jetzt 9).

Versuch es mal mit Bilderbüchern aus den siebziger Jahren. Da sieht eine Kuh noch aus wie eine Kuh und fordert nicht noch zusätzlich eine optische Abstraktionsleistung. Das hat bei unserer Kleinen zu Anfang gut funktioniert.

Für Bildergeschichten eignen sich gut die Vater und Sohn Geschichten. Die sind in HH auch Standard für das schriftliche Nacherzählen. Aber es geht um Deinen jüngeren Sohn, oder? Dafür finde ich die detailreichen Bilder etwas komplex.

Zu Anfang habe ich Bilder selber gemalt:

und einfache Beschreibungen geben lassen, Beschreibnung nach Farbe, Menge, Größe, Präpositionen. Immer ein einfacher kurzer Satz a la: Der Apfel ist auf dem Teller. Er ist grün.

Als die Bildbeziehungen funktionierten, bin ich damals auf einfache Geschichten umgestiegen: Der Teller fällt runter und zerbricht, die Maus frisst den Käse auf. etc.

Danach wird der Rest kommen!

LG, Ayden

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Beitragvon Engrid » 15.11.2018, 01:14

Hallo,

google mal nach den Bildgeschichten über „Papa Moll“ bzw von E.A. Plauen „Vater und Sohn“. Das sind kurze Bildgeschichten, die ganz gerne in der Didaktik verwendet werden, gibts also zb von Schubi (teuer), aber auch anderweitig.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

Anjali
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Re: Bilder erklären

Beitragvon Anjali » 15.11.2018, 08:13

Lisaneu hat geschrieben:Hallo,



Also wenn er ein Bild sieht, dann kann er (auch in Gebärdensprache) nicht gut erklären, was er darauf sieht. Kennt wer diese Schwierigkeit?
!


Hallo Lisa neu,

w a s genau soll dein Sohn denn erklären?
Die einzelnen Personen und Gegenstände, die auf den Bildern zu sehen sind, oder die komplexen Sachverhalte, die durch die Bilder dargestellt werden? Also z.B. die dargestellten Situationen oder die Beziehungen der Personen untereinander?

Ich frage deshalb, weil man in der Schule auf das Problem aufmerksam wurde. Wahrscheinlich sollen Bildergeschichten nacherzählt werden?

Damit hatte sich mein Sohn in der Grundschule auch sehr schwer getan.
Bei ihm lag es ua. daran, dass er die abbgebildeten Gegenstände und Personen einzeln wahrnahm, aber nicht in Beziehung zueinander setzte oder eben in eine andere Beziehung, als eigentlich vorgesehen.
Er konnte deshalb den Inhalt der Bilder nicht deuten bzw. die dargestellten Sachverhalte nicht verstehen.
Ich habe ihm dann, so wie du es auch vorhast, anhand von Bildern und Bildergeschichten (auch mithilfe des Schulmaterials) geübt. Üben ist vielleicht zuviel gesagt, ich habe einfach kleinschrittig die Bildinhalte und Sachverhalte erklärt.

Falls diese Komponente bei deinem Sohn auch mit hineinspielen sollte, könntet ihr vielleicht auch mit Material, das für Social-Stories verwendet wird, üben und damit ggf. zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.
Viele Grüße
Anja


Mutter mit Sohn (17 Jahre / Asperger-Autist)

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Beitragvon Jakob05 » 15.11.2018, 09:45

Zum Bilder erklären braucht es die Erkenntnis, dass Bild, Wort (Sprache, Schrift) und Original zusammengehören. Bei meinem Grossen ging das erst, als ich anfing die Abstraktionen (Bild, Wort) schon beim Kennenlernen des Originals mit anzubieten. Seitdem gibt es schon vor dem Zoo- oder Museumsbesuch den Führer mit Fotos und Texten. Wenn wir dann beim Rundgang immer wieder Original, Wort und Bild zusammenbringen, klappt danach auch das Wiedererzählen anhand der Bilder ziemlich gut.
Was bis heute nicht klappt, ist die Absichten oder zu erwartende Ereignisse von Personen auf Bildern zu deuten.
Cordula (65) mit I. (86), M. (88 mehrfachbehindert, HF-Autist), J. (†28.07.05,*02.08.05,37.SSW) + K. 10/07 (GS, HD, Rachenfehlbildung,Tracheostoma)

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Beitragvon Mellie » 15.11.2018, 11:00

Hallo,

die Bildergeschichten "Der kleine Herr Jakob" sind auch gut und wurden auch immer bei der Ergotherapie hervorgeholt. Das sind pro Geschichte vier Bilder.
Viele Grüße,
Mellie

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Beitragvon Anjali » 15.11.2018, 13:40

*reinschleich*
Jakob05 hat geschrieben:Was bis heute nicht klappt, ist die Absichten oder zu erwartende Ereignisse von Personen auf Bildern zu deuten.


Cordula, ich leihe mir mal deine (fettgedruckte) Formulierung aus.
Du hast damit die (früheren) Probleme meines Sohnes beim Deuten von Bildergeschichten auf den Punkt gebracht. Danke!
*rausschleich*
Viele Grüße

Anja





Mutter mit Sohn (17 Jahre / Asperger-Autist)

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Lisaneu
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Beitragvon Lisaneu » 15.11.2018, 15:36

kati543 hat geschrieben:Hallo,
das Problem hatte ich bei meinem Jüngsten auch.
Du kannst ganz einfach mit „Babybilderbüchern“ anfangen. Je jünger die Zielgruppe, desto einfacher ist das Buch gestaltet. Gerade bei den allereinfachsten Pappbüchern kann man das super üben. Du kennst sicher auch noch die Bücher, wo wirklich nur ein Gegenstand auf einfarbigen Hintergrund zu sehen ist.
LG
Katrin


Hallo Katrin,

die Babybücher sind zu einfach. Er hat kein Problem EINE Sache zu benennen, also eine Ente oder einen Schuh,... Auf komplexeren Bildern kann er problemlos mehrere Dinge benennen, durchaus auch Gefühle.

Aber er gebärdet beim benennen nie in Sätzen. Er zeigt z.B. auf ein weinendes Kind, mit blutendem Finger mit der Gebärde "Aua" oder auf ein Pferd mit der Gebärde "Pferd!". Wenn aber z.B. ein Pferd auf einem Tisch steht dann gebärdet er nur "Pferd" oder nur "Tisch".

Sein Wortschatz wäre bei weitem groß genug um "Das Pferd steht auf dem Tisch" (in ÖGS nur 3 Gebärden) zu sagen. Aber er tut es nicht. Darum suche ich Bilder, wo eben so ähnliche Dinge gezeigt werden.
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS

Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist

Mama und Papa stark kurzsichtig (Kommentar eines Optikers: Wie habt ihr euch überhaupt gefunden?)


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