Bilder erklären

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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HeikeLeo
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Beitragvon HeikeLeo » 18.11.2018, 12:45

Liebe Lisa,

mir ist noch etwas eingefallen: Diese 'Bildbeschreibungen sind ja der Einstieg in Bildergeschichten/Aufsätze. Das hat meiner ja auch nichts gemacht. Die Abhaklisten haben tatsächlich gehlfen - ist ja auch visualisiert.

Ich habe Asterix-hefte mit ihm durchgearbeitet. Pro Tag eine Seite. Dauer 5-10 Minuten. Er hat NIE selbst geschrieben. Wir sind mündlich hingekommen. Mit Gebärden ist das sicherlich schwieriger.
Könnte Alexander tippen? Oder Wortbausteine verwenden?

Liebe Grüße
Heike

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Lisaneu
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Beitragvon Lisaneu » 18.11.2018, 12:53

Hallo HeikeLeo,

Alexander kann sowohl tippen als auch schreiben. Aber es verdreht die Sätze oft so, dass man nicht mehr weiß, was gemeint sein könnte.

Beispiel eines "eigenen" Satzes von Alexander (die Nora ist seine Betreuerin):

Der geht die Nora ist die nich bin buten ist das Hause nicht!

Er schafft auch durchaus richtige Sätze mit korrektem Satzbau und Rechtschreibung, aber das sind meistens Sätze, die er genau so im Zusammenhang kennt und die er sich einfach gemerkt hat.

Beispiele:

Wir gehen Zähne putzen.
Die Familie ist zu Hause.

Asterix Hefte sind (noch) vieeeel zu kompliziert. Von unserer Logopädin habe ich so einfache Bildgeschichten, die aus je 3 Bildern bestehen. Nicht mal da erkennt er selbst den Zusammenhang. Er hat ihn (im Zusammenhang mit DIESEN Bildern) auswendig gelernt.

Daher wäre der Einstieg erst mal EIN Bild zu beschreiben.
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS
Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist
Mama und Papa stark kurzsichtig (Kommentar eines Optikers: Wie habt ihr euch überhaupt gefunden?)

SimoneChristian
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Beitragvon SimoneChristian » 18.11.2018, 13:26

Hallo Lisaneu,

ich sehe da mehrere Baustellen, die im Rahmen des normalen Spracherwerbs auch vorkommen.
Deshalb würde ich zwar schon Dinge anbieten, aber alles noch sehr gelassen sehen.
Und auch noch mal mit den Lehrern Rücksprache halten, wie man z.B. das Grammatik-Thema ÖGS vs. Schriftsprache angehen könnte.

Wichtig erscheint mir, dass Alexander erst mal ganz grundsätzlich den Sinn von Verben erkennt.
Das hat hier auch recht lange gedauert. Die ersten 2 und 3 Wort-Sätze bestanden komplett aus Substantiven. Allerdings ging auch die komplette Weihnachtsgeschichte in der richtigen Abfolge ohne Verben.
Dafür ist bei euch noch wichtiger als bei uns, jeden "Pups" zu kommentieren.
Ich habe mich tatsächlich die ersten 4 Jahre wie ein Hörspiel-Erzähler gefühlt. :roll:
Kind sagte: "da, Auto"
Ich: "Das rote Auto fährt (über die Strasse)"

"Wurst"
"Ich soll Wurst trinken?" :wink:
"Nein, ich will Wurst essen." :lol:

Ganz grundsätzlich ist das sehr anstrengend gewesen, weil man komplett beim Kind sein muss mit seinen Gedanken und für beide Techniken das richtig Maß finden muss.

Beim "Vorlesen" von Büchern scheint tatsächlich Video die einzig sinnvolle Möglichkeit zu sein.
Hat dann auch den Vorteil, dass er sich alleine damit beschäftigen kann. :wink:
Da fallen mir auch spontan die Sachbücher von Was ist was junior ein. Klare Bilder, vielfältige Themen und viel Sachinformation.
Zu Präpositionen finden sich oft gute Bilder in Vorschulheften.
Und da fällt mir noch was an Apps ein, die ganz vielleicht was für euch sind: Lernspass Mathe /Deutsch /Englisch mit den Gruschus kostenlos im App Store.

Liebe Grüße
Simone, die sich sehr freut, auf die Sprachentwicklung von ihrem Sohn auch noch mal einen Blick aus einer ganz anderen Perspektive zu werfen. :D
C. (*9/11) Sprachentwicklungsverzögerung, Regulationsstörungen des Kindesalters
atypischer Autismus (Diagnose 07/15)

Lisaneu
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Beitragvon Lisaneu » 18.11.2018, 17:32

Hallo SimoneChristian,

die "Was ist Was Junior" Reihe mag Alexander sehr, weil er die Klappen, hinter die man schauen kann, so toll findet. Im Moment kann er sich ganz allein locker 30min mit so einem Buch beschäftigen (wobei er auch einiges, aber eben nicht alles, schon lesen kann). Nur kommentieren darf ich nicht.

Er hat generell ein Problem damit, kommentiert zu werden. Gebärde ich z.B. "JA" kommt sofort "Ich mag nicht JA!". Gebärde ich "Stimmt!" kommt "Ich mag nicht STIMMT!". Schüttle ich den Kopf ist die Reaktion "Ich mag nicht KOPFSCHÜTTELN!".

Abgesehen davon braucht man zum kommentieren auch Blickkontakt, der bei Alexander nur dann gegeben ist, wenn ER will. Daher ist mMn der Weg mit den Videos noch der sinnvollste.

Mit den Verben ist das auch so eine Sache. Es gibt sie zwar durchaus auch in ÖGS, aber da werden sie oft weggelassen.

"Ich fahre mit dem Bus in die Schule!" heißt in ÖGS "ICH BUS SCHULE" oder nur "BUS SCHULE". Von WEM die Rede ist wird oft nur dann gebärdet, wenn man sich NICHT selbst meint.

"Ich bin einkaufen gegangen" heißt z.B. "EINKAUFEN FERTIG". Wenn der Papa einkaufen gegangen ist heißt es "PAPA EINKAUFEN FERTIG". "Max ist mit dem Fahrrad hierher gefahren" bedeutet "MAX FAHRRAD DA".

Mit Präpositionen ist es einfacher, die gibt es auch in Gebärdensprache. Trotzdem hat Alexander seine Probleme damit. Mittlerweile versteht der die meisten Präpositionen passiv, verwendet sie aber selbst nicht. Daher "fehlen" sie ihm auch bei Bildbeschreibungen.

Geschichten erzählen geht (noch) gar nicht, auch nicht in ÖGS. Ich habe es bis jetzt noch nicht mal geschafft, Alexander zu erklären, dass die Milch von der Kuh kommt, weil der Handlungsstrang für seine Aufmerksamkeitsspanne (mit direktem Blickkontakt) einfach zu lang ist.

Das macht die Sache ja so schwierig. Alexander ist einerseits super-schlau und seinen Altersgenossen weit voraus, andererseits kann er Dinge nicht, die 3jährige locker hinkriegen. Und das liegt NICHT an der Gehörlosigkeit, sondern sehr wahrscheinlich am Autismus. Die Gehörlosigkeit kommt halt noch erschwerend hinzu und macht vieles, was im Umgang mit Autisten empfohlen wird, schwer bis unmöglich.

Trotzdem ganz vielen lieben Dank für die vielen Inputs :D !
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS

Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist

Mama und Papa stark kurzsichtig (Kommentar eines Optikers: Wie habt ihr euch überhaupt gefunden?)

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Beitragvon HeikeLeo » 18.11.2018, 17:59

Liebe Lisa,

vielleicht ist dann der Weg über das Auswendiglernen wirklich nicht die schlechteste Lösung?

Manche müssen Vokabeln lernen und manche mäüssen dann eben ganze Sätze lernen.

Liebe Grüße
Heike


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