Kind antwortet nicht zielgerichtet auf Fragen...

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Alexandra2014
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Kind antwortet nicht zielgerichtet auf Fragen...

Beitragvon Alexandra2014 » 14.11.2018, 10:22

Hallo!

Unsere Tochter antwortet bei Fragen durch Außenstehende oft nicht richtig auf Fragen.
Als Beispiel:
Sie wird gefragt, womit sie gerne spielt und sie antwortet „aber unser Hund ist doch tot“.
Nun ist es ja nicht so, dass sie die Frage nicht verstanden hat, sondern gedanklich einfach komplett woanders ist.
Und genau das ist momentan das Problem. Ihr werden massive Sprachverständnisschwierigkeiten unterstellt. In leichtem Maße sind die hier und da sicher vorhanden, aber meist ist es eben so, dass sie schlicht nicht zuhört, nicht antworten will oder nur zu ihrem Thema etwas sagen möchte.

Durch die Dyspraxie hat sie ja sowieso Schwierigkeiten mit dem Sprechen und ich habe sehr oft den Eindruck, dass sie sich gerne auf das Nötigste beschränkt - und auch oft einfach abgelenkt ist, egal ob auditiv, visuell oder einfach gedanklich.

Man kann aber z.B. ganz toll mit ihr sprechen - und bekommt auch vernünftige Antworten - wenn wir uns abends vorm Einschlafen noch zusammen ins Bett kuscheln.

Alle äußeren Ablenkungen aus - Kind an! :lol:

Das glaubt einem aber keiner. Ich sehe mein Kind ja auch, wenn wir woanders sind und denke jedesmal „kein Wunder, dass andere denken, sie versteht nichts“. Kaum sind wir zur Tür bei der Arztpraxis raus, plappert sie munter los.

Zum Glück taut sie in der Schule so langsam auf, aber auch dort ist die Ablenkung natürlich groß.

Ich hatte auch schon mal daran gedacht, so ein Gespräch auf Video aufzunehmen. Aber sobald ich das Handy in der Hand habe, bleibt ihr Mund zu... :roll:

Vielleicht kommt das jemandem bekannt vor und hat einen Gedankenanstoß?

Gruß
Alex
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 14.11.2018, 10:50

Hi, Alex,

das kommt mir nicht nur bekannt vor, dass ist hier Alltag. Diese Fragerei ist für viele Autisten extrem anstrengend. „Gut antworten“ geht ja meistens nach NT-Massstab. Die Kinder stehen vor allerlei verwirrenden Fragen:
Was für Folgen hat es, wenn ich eine „richtige“ Antwort gebe? Zb geht die Fragerei dann weiter? Schätzt mich der Frager dann anders ein? Steckt dahinter eine Bewertung? Was ist „richtig“ und „falsch“?
„Womit spielst Du gerne?“ ist ein gutes Bespiel. Das kann eine Smalltalkfrage sein, oder eine Testfrage, mit jeweils völlig anderen Implikationen ...
Oft interessiert die Antwort auch eh nicht so wirklich, eine ausführliche Antwort wird dann gerne abgebügelt oder ignoriert.
Wenn sie wirklich ernsthaft antworten würde, müsste sie vielleicht erstmal ausgiebig nachdenken ... vielleicht ist ihr das dann aber auch zu persönlich.
Viele Fragen also, auf verschiedenen Ebenen - da gibt es leicht Blockaden oder (einfacher zu bewältigende) Ablenkungen.

Daheim, entspannt und 1:1 kann Junior auch eher konkrete Antworten auf konkrete persönliche Fragen geben.

Wenn es wirklich wichtig ist, das zu belegen, dann mach mal eine Sprachaufnahme mit dem Handy, lass es halt schon lange vorher laufen.
Wenn es nur darum geht, dass sie Dir nicht glauben: Manche merken mit der Zeit eh, dass in dem Kind mehr steckt, als man oberflächlich sieht. Andere merken es eh nie, da hilft dann wahrscheinlich nicht mal ein Video, weil es in IHRER Alltagserfahrung dann ja wieder anders ist. Ich rechtfertige da nichts, und ich versuche auch nicht, zu überzeugen - ich hatte immer das Gefühl, man wird dadurch unglaubwürdiger, und kommt in die Schublade für „unrealistische Mütter“
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

Bika
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Re: Kind antwortet nicht zielgerichtet auf Fragen...

Beitragvon Bika » 14.11.2018, 10:53

Hallo,


Unsere Tochter antwortet bei Fragen durch Außenstehende oft nicht richtig auf Fragen.
Als Beispiel:
Sie wird gefragt, womit sie gerne spielt und sie antwortet „aber unser Hund ist doch tot“.

Und genau das ist momentan das Problem. Ihr werden massive Sprachverständnisschwierigkeiten unterstellt.

Gruß
Alex
Ich finde, dass deine Tochter in dem Beispiel aber durchaus zeigt, dass sie die Frage verstanden hat. Vermutlich ist euer Hund ihr emotional sehr wichtig gewesen und sie assoziiert “Spielen“ sofort mit ihm und da er tot ist, ergibt die Frage aktuell für sie vielleicht wenig Sinn.

Nach dem Motto: „Was für eine doofe Frage, du musst doch wissen, dass mein Hiund tot ist, daher spiele ich zur Zeit nicht!“

Mein Asperger gibt auch manchmal verwirrende Antworten, weil er vergisst, dass sein fragendes Gegenüber seine unausgesprochenen Gedanken (die zur Etklärung nötig wären) nicht lesen kann. :lol:
Für ihn ist sein Denken derart logisch, dass er davon ausgeht, dass andere genauso denken.
Da kommen ein wenig die Defizite im Perspektivwechsel durch, was für viele Autisten typisch ist. Vor allem wenn sie sich nicht konzentriert auf den Gesprächspartner einlassen.
LG

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 14.11.2018, 10:59

Nachtrag (Bika war schneller mit Schreiben als ich mit Editieren :P ): User MarkusB. (absolute Forumssuche-Buddel-Empfehlung von mir!) hat dazu wunderbar erklärt:
phpBB2/viewtopic.php?p=1655618#1655618
Der ganze Thread ist interessant.
Engrid
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Michaela44
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Re: Kind antwortet nicht zielgerichtet auf Fragen...

Beitragvon Michaela44 » 14.11.2018, 12:50

Hallo,


Unsere Tochter antwortet bei Fragen durch Außenstehende oft nicht richtig auf Fragen.
Als Beispiel:
Sie wird gefragt, womit sie gerne spielt und sie antwortet „aber unser Hund ist doch tot“.

Und genau das ist momentan das Problem. Ihr werden massive Sprachverständnisschwierigkeiten unterstellt.

Gruß
Alex
Ich finde, dass deine Tochter in dem Beispiel aber durchaus zeigt, dass sie die Frage verstanden hat. Vermutlich ist euer Hund ihr emotional sehr wichtig gewesen und sie assoziiert “Spielen“ sofort mit ihm und da er tot ist, ergibt die Frage aktuell für sie vielleicht wenig Sinn.

Nach dem Motto: „Was für eine doofe Frage, du musst doch wissen, dass mein Hiund tot ist, daher spiele ich zur Zeit nicht!“

Mein Asperger gibt auch manchmal verwirrende Antworten, weil er vergisst, dass sein fragendes Gegenüber seine unausgesprochenen Gedanken (die zur Etklärung nötig wären) nicht lesen kann. :lol:
Für ihn ist sein Denken derart logisch, dass er davon ausgeht, dass andere genauso denken.
Da kommen ein wenig die Defizite im Perspektivwechsel durch, was für viele Autisten typisch ist. Vor allem wenn sie sich nicht konzentriert auf den Gesprächspartner einlassen.
LG
Genau das habe ich auch gedacht! :!:
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Beitragvon Michaela44 » 14.11.2018, 12:54

Nachtrag (Bika war schneller mit Schreiben als ich mit Editieren :P ): User MarkusB. (absolute Forumssuche-Buddel-Empfehlung von mir!) hat dazu wunderbar erklärt:
phpBB2/viewtopic.php?p=1655618#1655618
Der ganze Thread ist interessant.
:!: :!: :!:

Das betrifft insbesondere offene Fragen wie auch in dem Beispiel, was man gerne spielt. Da können gleich weitere Fragen auftauchen: wann, morgens vor der Schule oder am WE? Mit Mama oder mit Papa?...

Wobei ich hier gaube, dass das Kind am liebsten mit dem Hund gespielt hat und der ist tot....
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Beitragvon Alexandra2014 » 14.11.2018, 13:28

Hi Engrid,

danke Dir, ich weiß was Du meinst. Diese bemitleidenden Blicke „die Mutter will es nicht wahrhaben“... :roll:
Alle, die häufiger mit ihr zu tun haben und sie in ungezwungenem Umfeld (also vornehmlich Zuhause) erleben, verstehen was ich meine, bzw. sagen das von sich aus.
Manchmal zweifelt man ja auch an sich selbst, ob man nicht doch völlig daneben liegt.
Aber wir als Eltern erleben unser Kind ja ganz anders und vor allem nonstop.
Eine Logopädin hat es damals mal treffend formuliert, dass man sich oft fragt, ob Kind etwas nicht versteht oder etwas nicht verstehen will und meist doch eher letzteres zuträfe.
Aber für den 7 Jahre alten Bericht interessiert sich ja kein Mensch. Vor allem, da er „nur“ von einer Logopädin ist. :wink:

Aber du hast Recht.
Man muss schon überlegen, an welcher Stelle es überhaupt lohnt, etwas zu „beweisen“.

Gruß
Alex
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Re: Kind antwortet nicht zielgerichtet auf Fragen...

Beitragvon Alexandra2014 » 14.11.2018, 13:32

Hallo,


Unsere Tochter antwortet bei Fragen durch Außenstehende oft nicht richtig auf Fragen.
Als Beispiel:
Sie wird gefragt, womit sie gerne spielt und sie antwortet „aber unser Hund ist doch tot“.

Und genau das ist momentan das Problem. Ihr werden massive Sprachverständnisschwierigkeiten unterstellt.

Gruß
Alex
Ich finde, dass deine Tochter in dem Beispiel aber durchaus zeigt, dass sie die Frage verstanden hat. Vermutlich ist euer Hund ihr emotional sehr wichtig gewesen und sie assoziiert “Spielen“ sofort mit ihm und da er tot ist, ergibt die Frage aktuell für sie vielleicht wenig Sinn.

Nach dem Motto: „Was für eine doofe Frage, du musst doch wissen, dass mein Hiund tot ist, daher spiele ich zur Zeit nicht!“

Mein Asperger gibt auch manchmal verwirrende Antworten, weil er vergisst, dass sein fragendes Gegenüber seine unausgesprochenen Gedanken (die zur Etklärung nötig wären) nicht lesen kann. :lol:
Für ihn ist sein Denken derart logisch, dass er davon ausgeht, dass andere genauso denken.
Da kommen ein wenig die Defizite im Perspektivwechsel durch, was für viele Autisten typisch ist. Vor allem wenn sie sich nicht konzentriert auf den Gesprächspartner einlassen.
LG
Hallo Bika,
danke auch Dir.
Das Problem ist glaube eher (hatte ich vergessen zu schreiben), dass der Hund schon über ein Jahr tot ist. :?
Ich glaube, dass das in der alten Schule sehr intensiv thematisiert wurde und es sie deshalb so beschäftigt. Sie haben in jedem Morgenkreis über Gefühle gesprochen und ihr immer wieder gesagt, dass sie sei, weil ja der Hund tot ist.
Sie fährt auch oft mit dem Rad zum Grab und fragt oft nach dem Hund.
Es ist für sie sehr schwer zu akzeptieren, dass er nicht mehr da ist und fragt auch viel, ob und wann wir sterben, wann sie stirbt.
Manchmal sagt sie sogar, sie möchte sterben, um im Himmel beim Hund und beim Opa sein zu können. :?

Gruß
Alex
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Lisaneu
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Beitragvon Lisaneu » 14.11.2018, 13:49

Hi Engrid,

danke Dir, ich weiß was Du meinst. Diese bemitleidenden Blicke „die Mutter will es nicht wahrhaben“... :roll:
Hallo Alexandra! Ich habe hier zwei Kinder "special edition". Bei Alexander glauben praktisch 100% der Außenstehenden, er sei geistig behindert. Bei meinem älteren Sohn glauben geschätzte 95%, er sei schlecht erzogen.

Bei Alexander wird grundsätzlich davon ausgegangen, dass er NICHTS versteht. Wenn ich mal dementiere oder zu erklären versuchte ernte ich genau diese "die Mutter will es nicht wahrhaben"-Blicke.

Dafür glaubt man beim Bruder (sehr klug und sprachgewandt) er müsse doch verstehen wie "man" sich in dieser oder jener Situation zu verhalten hat. Wenn ich hier zu erklären versuche sagen die Blicke oft "Eh klar, kann das Kind nicht erziehen und rechtfertigt sich daher,..."

Ich mußte lernen mit beiden Sorten Blicke zu leben. Wobei mir persönlich erstere noch lieber sind.
Aber du hast Recht.
Man muss schon überlegen, an welcher Stelle es überhaupt lohnt, etwas zu „beweisen“.

Gruß
Alex
Sehe ich auch so. Beim Freudeskreis hat sich längst schon die Spreu vom Weizen getrennt. Drei von vier "Freundinnen" (auch mit Kindern) waren schon weg, als wir nur die Diagnose "gehörlos" hatten und Alexander erst ein paar Monate alt war. Die, die geblieben sind, kennen durchaus auch seine Fähigkeiten oder sie GLAUBEN sie mir einfach :wink: .

Offene Fragen beantwortet Alexander (in Gebärdensprache) übrigens auch nie "korrekt". Vor allem die Bedeutung des Wortes WARUM ist ihm nach wie vor suspekt. Wenn er wissen will, wohin wir einkaufen gehen, fragt er auch nicht "Wohin?" sondern rät "Zum Billa? Zum Hofer? Zum Bäcker?....".
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS
Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist
Mama und Papa stark kurzsichtig (Kommentar eines Optikers: Wie habt ihr euch überhaupt gefunden?)

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Alexandra2014
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Beitragvon Alexandra2014 » 14.11.2018, 14:38

Hallo Lisa,

das ist sehr interessant. Das Wörtchen „warum“ ist hier auch problematisch.
Ich verstehe das gar nicht, da sie z.B. „Wieso?“ selbst nutzt und es ja die gleiche Bedeutung hat, wie „warum“.

Ich glaube bei uns sind allgemein Synonyme oft problematisch.
Wenn es heißt „ich fege die Straße“, dann heißt es, ich fege die Straße.
Warum, um Himmels Willen, kann man auch „kehren“ sagen und wieso bedeutet es das gleiche, wo es doch ein völlig anderes Wort ist. :lol:

Wobei „Schnabel“ und „Luke“ für den Mund ihr sehr geläufig sind. Ich benutze sie wohl oft genug. „Schnabel auf, Tabletten rein“. :lol:

Gruß
Alex
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral


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