Kind antwortet nicht zielgerichtet auf Fragen...

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Autismus austauschen.

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 14.11.2018, 16:24

Wir haben hier auch NoGo-Wörter, zb „morgen“. Ich habe manchmal den Verdacht, die Wörter triggern eine vergangene Situation, in der etwas Belastendes mit dem Wort einherging. Das taucht quasi automatisch wieder, zum Greifen nah, mit Geruchs- und Tonspur, vor seinem inneren Auge auf.
(Ich benutze die Wörter teils trotzdem, die Triggerwirkung schleift sich mit der Zeit beim Junior ab, wird quasi halbwegs gelöscht)
Es gibt andererseits Wörter, über die er sich tierisch freuen kann. Das dürfte teils auch mit Erinnerungen zusammenhängen. Teils scheinen die Wörter aber etwas anzuknipsen, könnte mit Synästhesien zu tun haben.
Das sind alles so Sachen, die Sprache weitaus vielschichtiger machen, und sehr individuell sind sie auch. Dann kommt noch dazu, dass autistische Kinder ja nicht wissen, dass das bei anderen anders ist. Sehr kompliziert alles. 😳

Autistische und ganz besonders frühkindlich autistische Kinder, bzw sprachlich auffällige autistische Kinder haben einen gänzlich anderen Bezug zu Sprache als NT, dämmert mir langsam. (Junior hat das ganz sicher, und man merkt, wie ihm jetzt der Schriftspracherwerb da ganz neue Türen aufmacht.)
Das wirkt sich natürlich auch aufs Sprechen extrem aus.

Mir wurde hier mal von einer autistischen Userin geraten, in der Kommunikation aufs Schreiben als wichtigem Kanal zu setzen, da fällt vieles leichter - weil es per se zeitverzögert ist, ohne unmittelbaren sozialen Kontext - ist also viel weniger verwirrend, viel klarer.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

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Kaati
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Beitragvon Kaati » 14.11.2018, 21:58

Also bei unserem Sohn ist es auch so wenn viel los ist kommen Fragen nicht mehr an. Alleine zu Hause können wir uns prima unterhalten.
Allerdings hat L. Auch immer wieder mit der so genannten „Kontextblindheit“ zu tun.
Er filtert sich aus Fragen oder auch aus Erzählungen den falschen Inhalt als wichtig herraus. Z.B. Wo mit spielst du gerne im Winter? Antwort : der Winter ist kalt..... er hat auf spielen und Winter reagiert und hat sich gedacht das es im Winter draußen zum Spielen kalt ist... dabei war die Frage auf was spielt du gerne gerichtet .... (Das ist dann Gehirnjoking für die Eltern :lol:)
Da kommen dann auch ganz Wundersamme Dinge bei raus :lol:

Vielleicht ist das bei euch auch ein Mit... Problem
Lg kaati
L. 2.4.13 Autismus Spektrum
Frühkindlicher Autist
________________________
Nicht alle Kinder lernen das Gleiche zur gleichen Zeit auf die gleiche Weise
(Kath Walter)

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Alexandra2014
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Beitragvon Alexandra2014 » 15.11.2018, 09:20

Also bei unserem Sohn ist es auch so wenn viel los ist kommen Fragen nicht mehr an. Alleine zu Hause können wir uns prima unterhalten.
Allerdings hat L. Auch immer wieder mit der so genannten „Kontextblindheit“ zu tun.
Er filtert sich aus Fragen oder auch aus Erzählungen den falschen Inhalt als wichtig herraus. Z.B. Wo mit spielst du gerne im Winter? Antwort : der Winter ist kalt..... er hat auf spielen und Winter reagiert und hat sich gedacht das es im Winter draußen zum Spielen kalt ist... dabei war die Frage auf was spielt du gerne gerichtet .... (Das ist dann Gehirnjoking für die Eltern :lol:)
Da kommen dann auch ganz Wundersamme Dinge bei raus :lol:

Vielleicht ist das bei euch auch ein Mit... Problem
Lg kaati
Hallo Kaati,

danke für deine Anregungen.
Das trifft es ziemlich genau, tatsächlich haben wir das auch öfter.
Obwohl ich gerade das Buch „Autismus als Kontextblindheit lese“, habe ich diesen Zusammenhang noch gar nicht gesehen.

Ich denke mir dann aber, dass eine KJP mit jahrelanger Erfahrung in der Autismus Ambulanz, das doch eigentlich erahnen müsste/sollte... :?
Denn sie interpretiert es als „schwerere kognitive Beeinträchtigung“.

Eine Sonderpädagogin, die mit meiner Tochter vor zwei Jahren diagnostisch gearbeitet hat, antwortete auf meine Frage, ob mein Kind geistig behindert sei, mit „um Himmels Willen!“.

Also je nach Setting sagt es der eine so, der andere so. :roll:

Man muss vielleicht dazu sagen, dass sie in der Zeit während der Testung in der KJP, epilepsietechnisch schlecht eingestellt war. Sie hatte alle paar Tage einen Anfall, jedesmal mit Notfallmedikament, und das merkte man natürlich auch. Allerdings wusste die KJP dies auch.

Ich werde es beim nächsten Termin nochmal ansprechen, völlig emotionslos und wertfrei.  8)

Gruß
Alex
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral

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Alexandra2014
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Beitragvon Alexandra2014 » 15.11.2018, 09:47

Wir haben hier auch NoGo-Wörter, zb „morgen“. Ich habe manchmal den Verdacht, die Wörter triggern eine vergangene Situation, in der etwas Belastendes mit dem Wort einherging. Das taucht quasi automatisch wieder, zum Greifen nah, mit Geruchs- und Tonspur, vor seinem inneren Auge auf.
(Ich benutze die Wörter teils trotzdem, die Triggerwirkung schleift sich mit der Zeit beim Junior ab, wird quasi halbwegs gelöscht)
Es gibt andererseits Wörter, über die er sich tierisch freuen kann. Das dürfte teils auch mit Erinnerungen zusammenhängen. Teils scheinen die Wörter aber etwas anzuknipsen, könnte mit Synästhesien zu tun haben.
Das sind alles so Sachen, die Sprache weitaus vielschichtiger machen, und sehr individuell sind sie auch. Dann kommt noch dazu, dass autistische Kinder ja nicht wissen, dass das bei anderen anders ist. Sehr kompliziert alles. 😳

Autistische und ganz besonders frühkindlich autistische Kinder, bzw sprachlich auffällige autistische Kinder haben einen gänzlich anderen Bezug zu Sprache als NT, dämmert mir langsam. (Junior hat das ganz sicher, und man merkt, wie ihm jetzt der Schriftspracherwerb da ganz neue Türen aufmacht.)
Das wirkt sich natürlich auch aufs Sprechen extrem aus.

Mir wurde hier mal von einer autistischen Userin geraten, in der Kommunikation aufs Schreiben als wichtigem Kanal zu setzen, da fällt vieles leichter - weil es per se zeitverzögert ist, ohne unmittelbaren sozialen Kontext - ist also viel weniger verwirrend, viel klarer.

Grüße
Danke auch Dir nochmal, liebe Engrid!
Dank eurer Beiträge hier, dämmert mir auch ganz viel. Muss ich erstmal sortieren. :lol:
Ich finde, man kann noch so viel „Fachliteratur“ lesen, konkrete Beispiele aus dem Leben, sind einfach anschaulicher und lassen ganz andere Rückschlüsse auf das eigene Kind zu.

Ich finde es nur schade (auch für sie), dass andere mein Kind nicht so erleben, wie wir das Zuhause tun. Sie ist so ein fröhlicher, permanent redender „Sabbelkopp“ und sobald wir woanders sind (sogar bei meiner Mutter, die sie regelmäßig sieht), fällt sie in Schockstarre.

Ja, und dann die Gedankensprünge. In der einen Minute redet sie über den toten Hund und im nächsten Moment über irgendeine Figur aus einem Film, den sie gesehen hat... :wink:

Ich hoffe, dass es mit dem Schriftspracheerwerb nun etwas voran geht, nachdem sie sich in der Schule inzwischen ganz wohl fühlt (keine Tränen mehr morgens, nicht mal nach dem Wochenende). Die Lehrer bemühen sich wirklich sehr, ihr alles zu visualisieren und gehen sehr strukturiert vor. Vor allem kommt sie immer sehr ausgeglichen aus der Schule zurück. Das hatten wir so noch nie... :D

Gruß
Alex
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral

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Beitragvon Ronja-und-Mini » 28.11.2018, 16:22

Unser antwortet auch komplexer bzw. einen Schritt weitergedacht und oft nicht so, wie man es erwarten würde. Ich hatte das auch schon mal thematisiert.

Frage ich, was er im Buch sieht und da sind dann drei Hühner, dann sagt er z.B. sowas wie "keine Hunde!". Was ja durchaus korrekt ist. Nur nicht auf die spezielle Frage. Autisten haben oft eine eigene Denkweise, die, sso meine ich, zumindest bei unserem, manchmal kreuz und quer springt... seine Gedanken sind oft so vielfältig und erstaunlich. Er kommt auf Dinge, auf die ein gleichaltriges Kind nicht kommt, ist aber zeitgleich nicht in der Lage eine Frage "korrekt" zu beantworten...
Mama (39) mit Mini-Asperger (6, Vorschulkind)

Silvia & Iris
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Beitragvon Silvia & Iris » 28.11.2018, 21:35

Hallo ihr Lieben,

ich wollte jetzt kein neues Thema öffnen, auch aus dem Grund, weil dieser Link nicht lange abrufbar sein wird

https://www.msn.com/de-at/nachrichten/h ... dhp#page=1


Jetzt verstehe auch ich, warum es gewisse Ausdrücke nicht mehr verwendet werden!

Und die Diagnosen neu tituliert werden...

LG
Silvia
Liebe Grüße
Silvia
Tochter *03/2003, PCH, HG-versorgt, ein Sonnenschein
Sohn *03/2006 AVWS + was so dazu gehört

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Beitragvon Alexandra2014 » 28.11.2018, 22:02

Danke Silvia,

wirklich schrecklich!
Wie am Ende des Artikels beschrieben, fällt die Differenzierung aus wissenschaftlichen Gründen weg.
Trotzdem gut, wenn der Name nicht mehr in Lehrbüchern und Fachliteratur auftaucht!

Gruß
Alex
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral


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