Können wird nicht gezeigt - zu sehr behütet?

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mamavonsarah
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Können wird nicht gezeigt - zu sehr behütet?

Beitragvon mamavonsarah » 14.11.2018, 07:47

Hallo,

mir fällt gerade kein passender Titel ein.

Im Moment stellt meine Tochter meine Geduld, die wir mit ihr seit nun mehr 10 Jahren aufbringen und deren Maß ich als übermenschlich beschreiben würde enorm auf die Probe.

Ich bin zu ersten Mal wirklich tief enttäuscht von ihr und ich frage mich, ob der Weg der liebevollen, konsequenten Erziehung die auf gegenseitige Wertschätzung und Annahme des anderen so wie er ist, für eine autistisches Kind überhaupt zielführend sein kann.

Kurz zum Hintergrund:
Sarah hat sich der Schule immer schwer getan. Vieles ist ihr - vermutlich auch auf Grund des unpassenden Montessori Systems schwer gefallen.
Hinzu kam, dass ihr durch Nachteilsausgleiche vorgegaukelt wurde, dass sie auch ohne Anstrengung und mit vielen wirklich falschen Antworten, die dann schön gerechnet worden sind, gute Noten bekam. Zu Beginn der 4. Klasse hat die komplette Lehrerschaft gewechselt. Damit kommt sie gut klar.

Nun hat sie durch liebevolle Unterstützung von zuhause glücklicher Weise aufgeholt. Das bedeutet, dass sie tatsächlich Lesen, schreiben und rechnen gelernt hat. Sie beherrscht den Stoff tatsächlich. Eine 2 sollte locker drin sein.

Das Problem ist aber, dass sie dieses Wissen nicht zeigt.

Sie missachtet in der Klassenarbeit die Aufgabenstellung.
Einfache Dinge, wie das Anfertigen einer Skizze, oder teile durch 10.

Alle Hinweis der I-Kraft ignoriert sie.

Ebenso in Sachkunde. Klare Ansage, eine Sockenmonster mit 3 Knöpfen anzufertigen..
Sie hat sich auch 3 Knöpfe bereit gelegt. Aber nur einen angenäht.
Trotzdem die Lehrerin sie nochmals auf die Aufgabenstellung hingewiesen hat.

Leider zieht sich dieses Phänomen durch alle Lebensbereiche.
Wir hatten auch lange Geduld und Verständnis.
Thema für Thema, Schritt für Schritt...

Aber im Moment will ich einfach nicht mehr.
Ich fühle mich von ihr einfach nur veralbert und vorgeführt.

Es sind so viele Dinge, die sie eigendlich kann.
An sich benötigt sie keine Windel mehr. Sie könnte auf Toilette gehen.
Sie könnte auch mal eine Zeit alleine zu Hause bleibe, sitzt aber bereits unsicher hinter der Tür, wenn ich nur den Müll raus bringe.

Von Außenstehenden wird unser Verhältnis als sehr liebevoll und innig beschrieben. Man spürt wohl sehr deutlich, dass unsere Tochter in Liebe und Vertrauen groß gezogen worden ist.
Mir ist auch klar, dass wir vieles richtig gemacht haben. Sonst könnte sie all die Dinge heute nicht.
Die Prognosen für Sarah waren so düster, dass es keinen Therapeuten gab, der uns helfen wollte.

Aber im Moment fühlen sich all die "Opfer" und all die Zuwendung falsch an. Ich fühle mich durch mein Kind vorgeführt und an der Nase herumgeführt.

Habe ich es ihr nicht zu leichtgemacht?
War ich zu überforsorglich?
Warum habe ich für eine I-Kraft gekämpft, vielleicht wäre sie schon viel viel selbständiger, wenn sie keine gehabt hätte?

Warum kaufe ich ihr noch Windeln? Wäre es nicht vielleicht sogar heilsam, wenn sie vor versammelter Klasse nasse Hosen hat?

Warum bringe ich es nicht fertig, sie einfach mal 10 min alleine zu lassen und mir mal 10 min Ruhe mit dem Hund zu gönnen?
Zuhause kann ihr nichts passieren.

Ich werfe mir gerade so viele Dinge vor und ich finde keine Antworten auf die eigentliche Frage, warum sie einfachen Anweisungen nicht Folge leistet.

Vielleicht kennt das einer von euch aus eigener Erfahrung und weiß Rat.

LG Sandy

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Friedafritz
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Beitragvon Friedafritz » 14.11.2018, 08:23

Hallo Sandy,

darauf muss ich dir antworten, leider ohne Tipps zu haben, wir haben das gleiche Problem.
Fritz hat keinen diagnostizierten Autismus aber deutlich autistische Züge.

Ich stelle mir die Gleichen Fragen, meine Geduld ist auch oft am Ende. Man weiß, er kann es und es kommt: Nichts.
Oft lacht er dann noch. Da er nicht spricht, kann ich auch nicht aus ihm rausbringen, warum oder wie er das sieht.

Viel Kraft und gute Antworten, ich fühle (und grübele) mit Dir !
Viele Grüße, Frieda

mit Fritz (3/11) ohne Diagnose ,mit Syndromverdacht, leichte Gesichtsdysmorphien, Muskelhypotonie, Wahrnehmungsstörungen, läuft wackelig mit Orthesen, keine Sprache aber gutes Sprachverständnis, Epilepsie und der liebe, schlingelige Sonnenschein in unserer Familie...
SBA 100%, alle MZ, PS 2;
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Engrid
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Beitragvon Engrid » 14.11.2018, 08:25

Hallo Sandy,

ich kenne so Fragen auch, und habe für mich auch nicht immer eine Auflösung. Ein Teil des Problems ist darin begründet, dass man soviel auf sich alleine gestellt ist mit den Entscheidungen und Weichenstellungen.

Was mir unglaublich hilft, ist der Austausch mit anderen Eltern, mit „unseren“ Fachleuten. Insbesondere unsere Ergotherapeutin hat sich zu einem Coach für mich ausgewachsen.

Ich schätze mal, Deine Tochter ist auch in der Pubertät, oder nicht weit weg davon? Das löst nochmal vieles auf, die Kinder fühlen sich unrund, sind launisch, scheinbar einfache Dinge lösen Blockaden auf.
Ich halte mich da fürs erste an die Parallelen zu altergleichen nichtautistischen Kindern:
Peergroup wird wichtiger (d.h. hier, mangels echter gleichaltriger Freunde, dass die jungen Leute, die wir als Betreuer haben, noch wichtiger werden, und ihm sehr gut tun).
Möglichst als Eltern nichts persönlich nehmen.
Für Erfolgserlebnisse sorgen.
Der neu erwachten Körperlichkeit Rechnung tragen (für meinen Sohn heißt das: mehr Rangeln, „Raufen“ im Wasser, fest halten, Sport, ...)

Ein anderer Punkt bei uns ist immer, dass Junior extrem feine Antennen dafür hat, wenn ich zweifle, genervt bin, wenn ich etwas persönlich nehme. Das verschlimmert das ungute Verhalten, bringt es eigentlich erst richtig in Schwung. Und war auch schon vor der Pubertät so.

Jedenfalls, ich finde mich da durchaus auch wieder, in dem was Du schreibst. Sind halt auch schon ein paar Jahre, die wir Eltern das machen. Das kostet viel Energie über die Jahre (bei uns; bei unseren Kindern natürlich auch) ... Suche Dir ganz konkret Hilfen beim Zusammenhalten Deiner Ressourcen: Coaching, Betreuer als Entlastung, ...


Dass sie Sachen nicht fertig bekommt: Kann das an der Handlungsplanung liegen?

Viele Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

mamavonsarah
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Beitragvon mamavonsarah » 14.11.2018, 08:43

Danke für eure Antworten.

Ja die Pubertät naht mit Riesenschritten, weshalb das Thema Windeln auch eine zusätzliche Brisanz erhält.

Es ist wie du schreibst Engrid, wir werden aus mangel an Freunden für sie immer wichtiger.
Das habe ich auch immer im Hinterkopf und versuche, uns gemeinsame schöne Momente im Spiel, Sport etc. zu verschaffen.

Erstaunlich viel bringt da auch unser Dobermann (vom Verhalten einem Austisten sehr ähnlich)
Mit unserer Hündin hat sie "Erfolge" und auf dem Hundeplatz täglich erwachsene Gesprächspartner, was sie sehr gern mag.

Handlungsplanung ist eigendlich gut.
Seit klein auf Backen und Kochen wir zusammen.
Sie bekommt auch von Externen gespiegelt, wie erstaunlich es ist, dass ein Kind schon alleine Rouladen und ähnliches machen kann.

Kriegt sie tatsächlich hin. (auch wenn ich hinterher aufräumen muss)

Ich frage mich, ob es nicht an diesem Ursache- Wirkung Konflikt liegen kann.

Die schlechten Noten für nicht gemachte Aufgaben kommen ja erst eine Woche später.

Zuviel Öl im Kuchen oder zuviel Salz in den Rouladen merkt sie halt sofort?

Aber gut zu wissen, dass es nicht mir alleine so geht.

PS. Ergo und Physio reichen uns noch heute weiter wie eine heiße Kartoffel.
Osteophatie war mal ganz gut.... vielleicht sollte ich das mal wieder machen. Das tat Sarah gut.

LG Sandy

AnnalenaO
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Beitragvon AnnalenaO » 14.11.2018, 09:02

Hallo Sandy!
Das gleiche ist hier auch und ich frage mich auch oft ob ich doch zu viel behüte oder warum Sohn ausgerechnet bei mir nichts machen mag. Weil er weiß dass ich es ja eh mache und er sich nicht anstrengen braucht? Ich versuche es positiv umzudrehen und zu sagen weil er sich bei mir sicher fühlt und nicht das Gefühl hat etwas beweisen zu müssen. Aber vielleicht rede ich mir das auch nur schön? Ich weiß es auch nicht. Wir haben auch wie ihr eine sehr enge Beziehung zueinander. Eigentlich finde ich das immer positiv weil er mir wirklich vertraut und sich mir auch mit Problemen anvertraut. Aber trotzdem bleiben die Zweifel. Ich habe noch eine Tochter die 3,5 Jahre jünger ist. Auch zu ihr habe ich eine ganz enge Beziehung. Aber sie macht alles von sich aus, sie will (!) selbständig sein. Während jeder cm Selbständigkeit bei meinem Sohn wirklich hart erarbeitet ist. Mit der Windel hatte ich das "Glück" dass er Taktik sehr empfindlich ist und die Windel unangenehm fand und sie von einem auf den anderen Tag nicht mehr anziehen wollte schon sehr früh. Also wirklich partout gar nicht mehr. Das hat uns zwar andere Probleme beschert (Urin und Stuhl einhalten in Extremform), aber die Windel ist weg. Und die Probleme mit Einhalten jetzt auch schon lang. Er ist jetzt 9,5 Jahre alt. Wäre das nicht gewesen dann hätte es ganz sicher auch große Probleme gegeben die Windel los zu werden. Er hat an allem ewig gehangen. Hat sich mit 5 noch im Buggy kutschieren lassen. Und ich hab es gemacht :roll: und ihn mit 3 noch gefüttert zB. Ich dachte immer ein Machtkampf bringt doch auch nichts. Und letztendlich hat sich alles auch irgendwann erledigt, nur halt seeeeehr viel später als bei anderen.
Also wirklich helfen kann ich dir nicht. Aber ich glaube eigentlich schon dass es der richtige Weg ist zu unterstützen. Wenn der Zeitpunkt gekommen ist wird es auch bei deiner Tochter ohne Windel klappen. Bisher war der Zeitpunkt einfach noch nicht. Ich könnte mein Kind auch nicht vor anderen blossstellen.
Liebe Grüße, AnnalenaO
Sohn 5/2009 Asperger Syndrom
Tochter 10/2012 Topfit

Anjali
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Beitragvon Anjali » 14.11.2018, 10:34

Hallo Sandy,

wie begründet deine Tochter denn, dass sie z.B. nur einen Knopf statt 2 Knöpfe an die Handarbeit genäht hat?
Die Begründung wäre interessant.

Eine liebevolle, konsequente Erziehung auf Augenhöhe schließt ja nicht aus, dass an Kinder auch gewisse Anforderungen gestellt werden und dass man sich mal aneinander reibt.

Ebenso sollten wir unseren autistischen Kindern auch zugestehen, dass ihre Persönlichkeit viele Facetten haben kann und dass sie, wie andere Kinderer auch, mal faul oder bequem, bockig oder unmotiviert sein können, ohne dass diesem Umstand gleich ein Krankheitswert (inklusive Entschuldigung) zugeschrieben wird.
Letzeres stellt ja auch wieder eine (gutgemeinte) Bevormundung dar.
Ich sehe jetzt (von außen betrachtet) keinen Grund, deiner Tochter nicht das Annähen weiterer zwei Knöpfe zuzumuten. Mit Zumuten meine ich auch, dass (in der Familie) auch kein „Drama“ daraus gemacht werden sollte, falls die Benotung entsprechend schlechter ausfallen sollte. So ist es dann eben.

Trau dir und deiner Tochter auch z.B. einfach mal zu, sie mehr als 10 Minuten alleine zu lassen und übe vielleicht zu Hause, im geschützten Rahmen, das Weglassen der Windel.
Übertrage ihr in diesem Bereich guten Gewissens ein Stück Eigenverantwortung. Du zeigts deinem Kind dadurch auch indirekt, dass du ihm etwas bzw. Entwicklungsschritte zutraust.
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (18 Jahre / Asperger-Autist)

mamavonsarah
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Beitragvon mamavonsarah » 14.11.2018, 11:00

Hallo Anja,

sie kann es leider nicht begründen.
Sie weiß auch nicht, warum sie in Mathe nicht einfach das gemacht hat, was da stand. (obwohl sie es verstanden hat und konnte)
Verstanden hat sie den Arbeitsauftrag jedes Mal.

Ich tippe auch auf Bockigkeit und weil es eben jahrlang trotzdem gute Noten gab.
Sie schaut vielleicht, wie weit sie gehen kann.
Fehlverhalten hat in der Schule keine Konsequenzen.

Glaube mir, zuhause hätte sie die Knöpfe angenäht. Was sie alleine kann, tut sich auch (mit Stolz)
Ich glaube schon, dass ich ihr viel zutraue und auch viel fordere und fördere.
Ich verschaffe ihr für sie sichtbare Erfolge aber sie ist einfach ein in sich sehr zufriedenes Kind.

Es fehlt ihr an innerem Antrieb.

Ich habe sie bereits vor einiger Zeit immer mal wieder allein gelassen und bin mit dem Hund eine Runde gegangen. Leider kam sie mir dann irgendwann in vollkommen unpassender Kleidung hinterher. Sie wusste selbst nicht warum. Ich kam nach Hause und sie war weg. Sie wollte mich suchen. Im Wald. Ohne Orientierungssinn.

Sie hat kein Zeitgefühl und das lesen der Uhr klappt nicht wirklich.

Klar. Ich kann sie zuhause einschließen. Dann liegt sie eben heulend auf dem Boden...
Da wären wir ja dann bei dem Film Elternschule.

Genau das ist es ja, was mich zerreist. Was, wenn die Klinik recht hat, und mein Kind einfach nur ein kleiner verzogener Tyrann ist, der mir auf der Nase herum tanzt?

Ich frage mich in letzter Zeit sehr oft, ob ich mit der harten Gangart nicht schon viel viel weiter wäre. Generationen von Kindern sind so groß geworden. Warum versage ich da?
Andere Mütter können doch auch gleichgültig sein...

Rennt sie halt im Herbs/Winter halb nackt durch den Wald... vielleicht passiert ja nichts und sie lernt daraus? Aber ich schaffe eben nicht und fühle mich deshalb auch in letzter Zeit als Versager.

Sie hat auch von Zeit zu Zeit zuhause die Windel aus. Leider macht es ihr nichts aus, wenn die Hose nass wird.
Auch da... vielleicht muss ihr mal beim Einkaufen ein Missgeschick passieren und sich alle über sie lustig machen. Das wäre sicher auch das, was man in der Elternschule raten würde.

Es frustriert einfach gerade nur.

LG Sandy

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 14.11.2018, 11:07

Hallo Sandy,

Fehlverhalten hat in der Schule keine Konsequenzen
:shock: Da würde Junior sich auch nicht mehr bemühen.

Es fehlt ihr an innerem Antrieb.
Vielleicht kann man dem mal nachgehen? Wo ist der Antrieb da, wo nicht. Hat der Antrieb nachgelassen? Wenn ja ja, warum? Wie kann man den Antrieb antreiben? Unsere Ergo hat da Wunder gewirkt, vielleicht findest Du doch noch eine in Deiner Gegend, die das auch kann?

„Bockigkeit“ ist eigentlich keine Erklärung, sondern nur eine Scheinerklärung bzw negative Zuschreibung zb für „blockiert sein“, oder für vieles andere. Da sollen die in der Schule einfach mal genauer hinschauen.
Was hat es denn für direkte (!) Konsequenzen, wenn sie den zweiten und dritten Knopf nicht annäht? Wenn es keine gibt, warum nicht???
Kann es sein, dass sie die Arbeit sinnlos findet? (Motivationsproblem) Oder sehr anstrengend? Wenn ja warum?
Welche Arbeiten bricht sie ab, welche macht sie fertig?
Ist ihr das Ergebnis selber gut genug? Autisten neigen zu Perfektionismus, und viele brechen lieber ab, wenn sie sehen, dass sie keine 100% erreichen. 99% sind nicht gut genug. Das ist ein häufiges, oft unerkanntes Problem, Junior hat es auch.
Usw.


Für uns Eltern ist es über die Jahre megaanstrengend. Für unsere Kinder, die die Störung ja am eigenen Leib haben, ist es noch viel anstrengender. Da macht sich halt phasenweise hier und da auch Verzagen breit.
Kann es sein, dass Ihr BEIDE eine depressive Verstimmung habt?


Im Grundschulalter können übrigens auch viele ganz normale Kinder noch gar nicht alleine zuhause bleiben.
Und Du würdest Dich wundern, wieviele zumindest nachts noch eine Windel haben.

Das Toilettentraining hat beim Junior - sehr liebevoll und geduldig - die Einrichtung damals übernommen, zuhause ist da oft zuviel „Wollen“, Zuviel Erwartung drin, und es soll bleiben, wie es immer war. So hat uns die Einrichtung (HPK, Förderschule), einige Kühe vom Eis geholt, ich konnte also einige Baustellen abgeben, die auswärts leichter zu bearbeiten sind.

Wenn ich an Leute a la Gelsenkirchener Elternschule abgegeben hätte, wären wir heute nicht weiter, sondern ganz unten. Mit kaputtem Selbstwert und kaputter Bindung lässt sich leider nichts Gutes erreichen. Konsequenz ist wichtig, hat aber nichts mit Härte zu tun.

Grüße
Engrid
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"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

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Beitragvon Anjali » 14.11.2018, 14:50

mamavonsarah hat geschrieben:
Ich habe sie bereits vor einiger Zeit immer mal wieder allein gelassen und bin mit dem Hund eine Runde gegangen. Leider kam sie mir dann irgendwann in vollkommen unpassender Kleidung hinterher. Sie wusste selbst nicht warum. Ich kam nach Hause und sie war weg. Sie wollte mich suchen. Im Wald. Ohne Orientierungssinn.

Sie hat kein Zeitgefühl und das lesen der Uhr klappt nicht wirklich.



LG Sandy


Wenn ich mich nicht irre, war mein Sohn auch schon 9 Jahre alt, als ich ihn endlich mal für längere Zeit (eine halbe bis 1 Stunde ) zu Hause alleine lassen konnte.
Das ging aber nur, weil er in meiner Abwesenheit so abgelenkt war, dass weder Ängste bekam noch sonst meine Anwesenheit und Zuwendung vermisste.
Ich habe ihn vor seinen geliebten Computer „geparkt.“
Anstatt vor dem Computer hätte ich ihn auch vor den Fernseher setzten können und ihn seine damals geliebten Spongebob-Folgen in Dauerschleife schauen lassen (per DVD).
Vielleicht wäre so eine Vorgehenswesie auch eine Option für euch.

Deine Tochter kann zwar die Uhr noch nicht lesen, aber vielleicht könnte sie mit Zeitangaben wie z.B.:“ ich bleibe solange fort, bis die DVD oder das Hörspiel zu Ende ist“, eher etwas anfangen.
Es gibt auch sogenannte Time-Timer, mit denen sich Zeitabläufe optisch darstellen und damit ggf. begreifbarer machen lassen.
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (18 Jahre / Asperger-Autist)

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AnnalenaO
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Beitragvon AnnalenaO » 14.11.2018, 15:30

Hallo Sandy!
Zum alleine lassen: was wäre denn wenn du nicht mit demHund raus gehst sondern wenn du den Hund bei ihr lässt und was einkaufen gehst? Unser Hund ist für meinen Sohn eine ganz grosse Sicherheit. Und er darf I Pad spielen. Und er hat das Telefon wo er nur dieWiederwahltaste drücken muss bei sich liegen. So kann er alleine bleiben. Anders auch eher nicht.
Und ich glaube auch nicht dass die Kinder uns auf dr Nase rumtanzen. Meiner wollte so lang gefüttert werden weil er selber eben oft/ständig gekleckert hat und Flecken für ihn ganz ganz schlimm waren..... das meiste hat irgendeinen Grund. Wenn man den Grund kennt kann man versuchen dran zu arbeiten. Weisst du warum deine Tochter die Toilette nicht benutzt? Ist es Ekel? Angst? Oder wirklich Bequemlichkeit? Wenn man das weiss gibt es vielleicht einennSchlüssel um das Problem angehen zu können.
Liebe Grüsse, AnnalenaO
Sohn 5/2009 Asperger Syndrom
Tochter 10/2012 Topfit


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