Diagnostikergebnis in Anlehnung an DSM 5

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Alexandra2014
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Diagnostikergebnis in Anlehnung an DSM 5

Beitragvon Alexandra2014 » 13.11.2018, 16:14

Hallo!

Wie in meinem anderen Thread schon beschrieben, haben wir seit gestern den detaillierten Befund.
Die KJP sagte uns im Gespräch bereits, dass sie in Anlehnung an DSM5 nicht mehr in atypisch, frühkindlich oder Asperger unterscheidet, sondern es „nur noch“ Autismusspektrumstörung nennt.

Dies hat natürlich auch zur Folge, dass sie weder F84.1 oder F84.5 etc. als ICD nutzen kann, denn dann würde sie ja wieder klassifizieren.
Sie hat nun ICD F84.8 vergeben, es aber auch ganz klar Autismusspektrumstörung genannt, inklusive aller Testergebnisse und dazugehörigen Cut-offs.
Kind war überall deutlich drüber.

Ich hoffe, dass das bei der Bewilligung der Autismustherapie beim Amt keine Probleme bereitet.
Hat noch wer schon die F84.8 bekommen und Erfahrung damit?

Gruß
Alex
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral

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Juli2014
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Beitragvon Juli2014 » 14.11.2018, 06:08

Hallo Alex,

ja, wir haben das auch bzw. mein Sohn.
Die Psychiaterin hat es mir so erklärt, dass Julian (noch) nicht eindeutig klassifiziert werden kann und es jetzt sowieso ASS sei. Am ehesten hätte sie ihn zwischen atypischen und Asperger eingeordnet, aber wegen seiner Sprachverzögerung und seinem Zick-Zack-IQ sei es halt schwer :wink: Wir haben 2020 wieder eine Testung, bevor er in die Schule kommt. Mal sehen, was sich da verändert hat! Für die Ämter wäre es schon besser gewesen, noch das alte ICD-System zu nehmen, da die sich wahrscheinlich noch weniger auskennen!
Autismustherapie haben wir noch nicht beantragt, von daher kann ich Dir da noch nichts sagen. Ich muss in der Praxis nochmal anrufen und fragen, wie das abläuft mit der Kostenübernahme (bei uns die KK, nicht das Amt).

Ich habe überall den Diagnosebericht mit beigelegt, wenn ich etwas beantragt habe. Die werden sich dann schon melden, wenn´s nicht passt!

Liebe Grüße,
Stephy
Stephanie (1976), Autistin und Julian (2014),Autist, ADHS; PG 4, SBA 80 mit B, G und H; Vorschulkind mit großer Zahnlücke...ein begnadeter Sänger und ein süßes Riesenkind mit einem tollen Lachen!

Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar. (Antoine de Saint-Exupéry)

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Alexandra2014
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Beitragvon Alexandra2014 » 14.11.2018, 08:32

Hallo Stephy,

danke Dir.
Bei uns ist es eigentlich schon recht eindeutig, Kind ist ja auch schon 10 Jahre alt.

Demnächst soll ICD 10 ja von ICD 11 abgelöst werden und angelehnt an das amerikanische DSM 5, soll ab da ja sowieso keine Einteilung in die verschiedenen Autismusformen mehr stattfinden.
Deswegen meinte die KJP, wäre es sinnig, diesen Weg auch jetzt schon zu gehen und es einfach ASS zu nennen.

Das macht sie nicht nur bei uns so, sondern grundsätzlich bei allen Neudiagnosen.
Sie sagte, dass die Unterteilung in Asperger, frühkindlich etc. einfach nicht allen Kindern gerecht wird.

Naja, warten wir es ab. Wir hatten mit dem Amt wegen Schulbegleitung schon öfter zu tun. War nicht immer schön...

Warum läuft es bei euch über die KK?
Autismustherapie gehört zur Eingliederungshilfe und die läuft eigentlich über das Sozial- oder Jugendamt.

Gruß
Alex

EDIT: hier ist es sehr gut beschrieben...
https://autismus-kultur.de/autismus/icd ... erien.html
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rafima
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Beitragvon rafima » 16.11.2018, 08:53

Hallo,
wir haben vor zwei Wochen Befundbesprechung gehabt in der Ki und Jug.Psychiatrie.
Unser Sohn wurde noch ganz klassisch eingeteilt in frühkindl. Autismus.
Das er sicher kein Aspergerautist ist war mir so oder so klar.
Aber für mich hätte es auch atypisch sein können, er ist aber wohl absolut klarer Fall frühkindl. autistisch laut Psychiatrie :wink:

Ich sehe es so, dass es nur eine Richtung angibt in einem großem Spektrum.
Und dazu ist es gut.
Rafima mit Rasselbande

R. *06, M. *08, B.*12,
N. *13, (frühkindlicher Autismus, Verdacht auf syndromale Entwicklungsstörung, GB 70 mit G,B,H, PG 4) und D.*16

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Alexandra2014
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Beitragvon Alexandra2014 » 16.11.2018, 14:07

Hallo Rafima,

noch dieses Jahr (warten wir es ab, ob es sich nochmal verschiebt) soll ja ICD 10 durch 11 ersetzt werden. Und in 11 findet diese Unterteilung, die „die Richtung angibt“, nicht mehr statt.
Viele Kinder- und Jugendpsychiater, vor allem an größeren psychiatrischen Kliniken, richten sich schon jetzt danach, manche eben auch noch nicht... Kommen wird es aber so oder so, in den USA wird schon seit 2013 angewandt.

Es gibt dann nur noch diese Unterscheidung hier:

1) Autismus-Spektrum-Störung ohne Störung der intellektuellen Entwicklung und mit milder oder ohne sprachliche Beeinträchtigung der funktionalen Sprache

2) Autismus-Spektrum-Störung mit Störung der intellektuellen Entwicklung und mit milder oder ohne sprachliche Beeinträchtigung der funktionalen Sprache

3) Autismus-Spektrum-Störung ohne Störung der intellektuellen Entwicklung und mit beeinträchtigter funktionaler Sprache

4) Autismus-Spektrum-Störung mit Störung der intellektuellen Entwicklung und mit beeinträchtigter funktionaler Sprache

5) Autismus-Spektrum-Störung ohne Störung der intellektuellen Entwicklung und dem Fehlen von funktionaler Sprache

6) Autismus-Spektrum-Störung mit Störung der intellektuellen Entwicklung und dem Fehlen von funktionaler Sprache

und das Ganze dann noch unterschieden in:

* mit Verlust zuvor erworbener Fähigkeiten
* ohne Verlust zuvor erworbener Fähigkeiten

Gruß
Alex
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral

Annileinchen
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Beitragvon Annileinchen » 16.11.2018, 15:27

Für die Autismustherapie wäre es wahrscheinlich egal, wichtig aber ist der korrekte Schlüssel für Langzeitverordnungen. Von daher würde ich drauf bestehen.

AnnalenaO
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Beitragvon AnnalenaO » 17.11.2018, 08:32

Hallo Alexandra!

So ganz befriedigend finde ich die Vorgehensweise nicht.
Momentan gibt es eben icd10 und nicht icd11. Solange das so ist sollte auch so diagnostiziert werden. Komplett allen Kindern die Diagnose f84,8 zu geben bis der icd11 in Kraft gritt kann es ja irgendwie auch nicht sein.
Wir waren zur Diagnostik in der Uniklinik in Frankfurt und dort wird noch nach icd 10 unterteilt. Ich vermute so lang wie es icd10 gibt. Über die Änderung haben wir auch gesprochen, trotzdem wurde die Diagnose f84,5 gestellt.
Was passiert eigentlich wenn der icd11 in Kraft tritt mit den bestehenden Diagnosen? Weiss das jemand? Wird da neu begutachtet? Oder werden erstmal pauschal alle Kinder mit f84,5 diese Kategorie 1 zugeordnet und die Kinder bei denen trotzdem die Sprache betroffen ist aus welchen Gründen auch immer müssen nochmal zur Nachbegutachtung? Ich kann mir das gerade ganz schwer vorstellen.

Liebe Grüsse, AnnalenaO

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Beitragvon lisa08 » 17.11.2018, 13:13

Hallo Alexandra,

ich kann dir nur von mir berichten: bei mir wurde auch vom "Autismusspektrum" gesprochen aber in meinem Bericht steht F. 84.5, dort wurde es genauer spezifiziert, auch in aktuellen Berichten (u.a. von einer Autismusambulanz).

Was mich bei euch wundert ist das F. 84.8 doch “sonstige tiefgreifende Entwicklungsstörungen" bedeutet, ist das auch eine Autismus-Diagnose?

LG,
Lisa
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Beitragvon Engrid » 17.11.2018, 13:32

Hallo,

die aktuelle S3 Leitlinie zur Diagnostik gilt bis (mindestens) 2021, also schon noch ein paar Jährchen - an der neuen wird gearbeitet. In der aktuellen steht der ICD 10 (siehe Punkt A.2.2)
https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/028-018.html
Wenn als Diagnose im Diagnoseschreiben F84.8 steht, dann muss zumindest der Autismus als diagnostisch gesichert ausformuliert im Gutachten stehen, ist ja bei Euch so. Gut wäre vielleicht sogar der schriftliche Bezug auf ICD11.

Kann natürlich sein, dass so auch keiner Anstoß nimmt, und alles genehmigt wird. Könnte aber vielleicht auch ein willkommener Punkt sein, Kostenübernahmen zu verweigern oder aufzuschieben.

@Annalena: Mit Sicherheit verlieren Diagnosen nach ICD10 mit Wechsel zum ICD11 nicht ihre Gültigkeit, das wäre weder sinnvoll noch organisatorisch machbar. Und es gehört ja sowohl frühkindlicher, als auch atypischer und Asperger-Autismus ins Autismusspektrum, insofern gibt es da auch keine Brüche. Da gehen einfach die jetzigen drei F84er-Autismus-Störungen in einer F84er-Autismusspektrumstörung auf.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

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AnnalenaO
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Beitragvon AnnalenaO » 17.11.2018, 15:57

Hallo Engrid!
Ich hab mich missverständlich ausgedrückt. Natürlich meinte ich nicht dass die Diagnosen ihre Gültigkeit verlieren könnten. Alexandra hat weiter oben 6 Unterteilungen aufgezählt. Meine Frage war eher: werden alle Kinder die die Diagnose f84.5 haben dann der Kategorie 1 zugeteilt? Denn es gibt ja auch die Kategorie 3 in die ja bestimmt auch einige Asperger Kinder fallen. Oder nicht?
Vielleicht macht meine Frage auch gar keinen Sinn. Ich hab mich noch gar nicht zum icd11 informiert. Wenn es keinen Sinn macht dann die Frage bitte einfach vergessen :oops:
Liebe Grüße
Sohn 5/2009 Asperger Syndrom
Tochter 10/2012 Topfit


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