Diagnostikergebnis in Anlehnung an DSM 5

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Autismus austauschen.

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AnnalenaO
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Beitragvon AnnalenaO » 17.11.2018, 16:04

Hallo Engrid!
Ich hab mich missverständlich ausgedrückt. Natürlich meinte ich nicht dass die Diagnosen ihre Gültigkeit verlieren könnten. Alexandra hat weiter oben 6 Unterteilungen aufgezählt. Meine Frage war eher: werden alle Kinder die die Diagnose f84.5 haben dann der Kategorie 1 zugeteilt? Denn es gibt ja auch die Kategorie 3 in die ja bestimmt auch einige Asperger Kinder fallen. Oder nicht?
Vielleicht macht meine Frage auch gar keinen Sinn. Ich hab mich noch gar nicht zum icd11 informiert. Wenn es keinen Sinn macht dann die Frage bitte einfach vergessen :oops:
Liebe Grüße
Sohn 5/2009 Asperger Syndrom
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Engrid
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Beitragvon Engrid » 17.11.2018, 17:19

Hallo Annalena,

ich weiß gar nicht, wo Alex diese Unterscheidungen her hat. Für mich sind sie völlig widersinnig, sie unterscheiden nur noch nach intellektuellen Fähigkeiten (die gewöhnlich schwer messbar sind, außer vielleicht bei kooperativen Aspergerkindern), und nach „Ranking“ der funktionalen Sprache. Das macht überhaupt keinen Sinn, da wäre ja die alte Dreier-Aufteilung noch besser.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
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rena99
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Beitragvon rena99 » 17.11.2018, 17:25

Engrid hat geschrieben:ich weiß gar nicht, wo Alex diese Unterscheidungen her hat. Für mich sind sie völlig widersinnig, sie unterscheiden nur noch nach intellektuellen Fähigkeiten (die gewöhnlich schwer messbar sind, außer vielleicht bei kooperativen Aspergerkindern), und nach „Ranking“ der funktionalen Sprache. Das macht überhaupt keinen Sinn, da wäre ja die alte Dreier-Aufteilung noch besser.


Die Diskussionsfassung des ICD 11 kann man sich bereits anschauen:
https://icd.who.int/browse11/l-m/en

Ich finde das auch ein wenig unübersichtlich, muss ich zugeben. Bislang dachte ich, dass man mehr darauf abziehlt, wie starkt die Einschränkungen im Alltag sind.

LG
Rena
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Engrid
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Beitragvon Engrid » 17.11.2018, 17:35

Hallo Rena,

hab’s auch grade gefunden. Eins zusätzlich gibts dann noch: 6A02.Z Autism spectrum disorder, unspecified

Das hat so aus meiner unpsychiatrischen Sicht gar keinen Sinn mit dieser Aufteilung. Das ist allerhöchstens rein äußerlich beschreibend.

Die funktionale Sprache entwickelt sich ja sehr dynamisch bei vielen Kindern, und es ist dann ja noch zweierlei, ob ein Kind technisch normal spricht wie meins, aber pragmatisch extrem beeinträchtigt ist, oder ob ein Kind über Talker zb spricht, das wirkt sich natürlich auch aus auf die Anwendung der Sprache. Ist ja auch ein großer Unterschied, ob ein Kind zb nicht spricht wegen verbaler Dyspraxie (die noch gar nicht überall bekannt genug ist) oder wegen Mutismus ...
Und wie gesagt, die Messbarkeit der Intelligenz, da möchte ich doch mal ein ganz fettes Fragezeichen setzen.
Ist für mich und mein Autismusverständnis jetzt allerdings genauso wenig wichtig wie die alte Aufteilung (Wobei ich mir inzwischen schwant, dass tatsächlich vielleicht doch ein bedeutsamer Unterschied zwischen dem Idealtypus „Asperger“ und dem Idealtypus „FKA“ besteht, und der hätte dann massiv mit dem Sprachempfinden zu tun, mit Aneignung und Umgang mit Sprache - das führt aber hier wahrscheinlich zu weit)


Achja, was wären wir ohne unsere Schubladen ... :drunken_smilie:
Engrid
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Alexandra2014
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Beitragvon Alexandra2014 » 17.11.2018, 20:45

Hallo Engrid,

ja, als oberste Diagnose im Gutachten steht Autismusspektrumstörung. Im weiteren Verlauf sind auch alle durchgeführten Tests aufgedröselt mit sämtlichen erreichten Skalenwerten und den entsprechenden Cut-offs. Vom Asperger-ABC erfüllt sie fast alle Kriterien, bis auf zwei oder drei. Und auch bei der Marburger Beurteilungskala zum Asperger liegt der Gesamtscore bei 134 (Cut-off 103). Ebenfalls kleinschrittig aufgeführt sind die Ergebnisse und Beobachtungen vom ADOS. Und es handelt sich um eine Autismus-Ambulanz einer kjp Klinik. Die Ärztin hat über 20 Jahre Erfahrung in dem Bereich. Ich denke eigentlich, dass es an der Diagnose nichts zu rütteln gibt. Durch die Epilepsie als zusätzliche Körperbehinderung gibt es auch keinen Zweifel an der Zuständigkeit. Hoffe ich... :?

Sowohl KJP, als auch der Psychloge im ATZ sprachen vom Wechsel auf ICD 11 ab nächstem Jahr. Da die ICD 11 inhaltlich angelehnt an die DSM 5 ist und diese schon seit 5 Jahren in den USA verwendet wird, möchte man sich wohl jetzt schon (ganz fortschrittlich :lol: ) daran halten. Vermutlich weil man auch hierzulande inzwischen der Meinung ist, dass die „alten“ ICD 10 Einteilungen nicht allen Kindern im ASS gerecht werden.
So hat es uns die KJP zumindest begründet. Da ich vorher schon mehrfach davon gelesen hatte, fand ich das nicht besonders verwunderlich.

Hier auch nochmal ein Auszug:

„Mittelfristig erscheint eine grundlegende Änderung der Kodierverfahren notwendig

Das Zi geht davon aus, dass sich Kodierprozesse mit der weltweiten Neuauflage der Internationalen Klassifikation von Krankheiten (ICD) strukturell verändern werden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) arbeitet derzeit an einer Revision der ICD. Sie soll bis 2018 verabschiedet werden; danach beginnt weltweit die Umstellung auf die ICD-11. „Wegen der hohen Komplexität der ICD 11 wird das Jahre dauern.“

Hier kopiert: https://www.zi.de/presse/archiv/pressem ... aerz-2017/

Hier recht aktuell:
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/ ... uessel-vor

Dass die Umstellung nicht von Heute auf Morgen geht, ist nachvollziehbar.

Gruß
Alex

EDIT: die Aufteilung der neuen Kriterien habe ich von hier (ganz runter scrollen zu ICD 11)

https://autismus-kultur.de/autismus/icd ... erien.html
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral

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Beitragvon Engrid » 17.11.2018, 23:18

Hallo,

genau, da steht ICD11 soll offiziell ab 2022 gelten.

Ich wollte weder Deine KJP noch die Diagnostik kritisieren.
Ich finde bloß die Unterschubladen nach ICD11 doof. Sie sagen nichts über das Wesentliche bei Autismus. Das macht aber nicht viel, es ist eben der „medical gaze“.

Grüße
Engrid
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Beitragvon Alexandra2014 » 17.11.2018, 23:31

Engrid hat geschrieben:Hallo,

genau, da steht ICD11 soll offiziell ab 2022 gelten.

Ich wollte weder Deine KJP noch die Diagnostik kritisieren.
Ich finde bloß die Unterschubladen nach ICD11 doof. Sie sagen nichts über das Wesentliche bei Autismus. Das macht aber nicht viel, es ist eben der „medical gaze“.

Grüße


Ja, es gilt erst ab 2022, weil die Überleitung von 10 auf 11, aufgrund der Komplexität, so lange dauert. Der Wechsel von 10 auf 11 beginnt jedoch ab 2019.

Als Kritik an der Diagnostik, habe ich deine Antwort nicht empfunden. Du hattest nach der Formulierung im Gutachten gefragt, deswegen hatte ich es erläutert. :wink:

Gruß
Alex
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral

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Beitragvon HeikeLeo » 18.11.2018, 13:21

Engrid hat geschrieben:Ich finde bloß die Unterschubladen nach ICD11 doof.


Aber in den Unterschubladen bzw. Schubladen überhaupt stecken die Werkzeuge drin, mit denen man Behandlung macht. Wenn Autismus auf der Schublade steht, dann gibt es z.B. Schulbegleitung - ob es sinnvoll ist oder nicht. Das ist ja der Thrill an den Schubladen, dass man überhaupt einen Plan hat, was heute als Standard gesehen wird, was man machen soll. Dass mNche Selbsthilfeverbände und Eltern da schon viiiiel weiter sind, ist da ohne Belang.

Liebe Grüße
Heike

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Beitragvon Juli2014 » 20.11.2018, 14:32

Hallo,

also Stand jetzt würde mein Sohn in die 4. "Schublade" fallen bzw. ist er ja schon :wink:
Da sich aber im Laufe der Zeit viel verändern kann, insbesondere an den intellektuellen Fähigkeiten, ist es möglich, dass er in eine andere Unterschublade rutscht. So wie viele andere autistische Kinder auch, die halt einfach älter weerden und sich der IQ verändert bzw. besser messbar wird. Verstehe ich das so richtig, Alex?
Wenn ja, dann finde ich es so besser! Ehrlich gesagt, war ich auch überrascht, dass mein Sohn diesen ICD-Code bekommen hat und nicht 84.1 (atypischen AS), denn dieser hätte auch gepasst. So nach und nach passt er aber eher in die Schublade des Aspergers, wenn er nur die Sprachverzögerung nicht hätte :lol:

Gruß Stephy
Stephanie (1976), Autistin und Julian (2014),Autist, ADHS; PG 4, SBA 80 mit B, G und H; Vorschulkind mit großer Zahnlücke...ein begnadeter Sänger und ein süßes Riesenkind mit einem tollen Lachen!

Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar. (Antoine de Saint-Exupéry)

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Alexandra2014
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Beitragvon Alexandra2014 » 29.11.2018, 09:06

Hallo Stephy,

ich weiß nicht, ob es so gedacht ist, wie du es schreibst... Wäre aber gut, wenn.
Mein Kind hat auch vieles, fast alles, vom Asperger.
Vom Asperger ABC hat bis auf 3 Items alles gepasst, was ich auch mit vielen Beispielen spontan beschreiben konnte. Die KJP war sehr amüsiert über meine Ausführungen und fand das natürlich super.

Eine expressive Sprachentwicklungsstörung hat mein Kind auch, evtl. durch den Sauerstoffmangel bei der Geburt oder aber sekundär durch die Epilepsie.
Es ist im Nachhinein schwer zu sagen, was jetzt genau wovon kommt.

Die KJP ordnet es dem Autismus zu, da Kind mit 14 Monaten „normal“ angefangen hat zu sprechen und kurz drauf wieder aufgehört hat. Erst mit 3,5 hat sie wieder angefangen. Es könnte aber eben auch die noch „unerkannte“ Epilepsie gewesen sein, die erst mit 6 Jahren diagnostiziert wurde, falls sie tatsächlich schon früher unerkannt vorhanden war. Auch das ist ja nur Spekulation.

Wenn die KJP es dem Autismus zuordnet, wären die Auffälligkeiten bereits im 2. Lebensjahr vorhanden gewesen und damit wäre lt. Differenzierung der Asperger eigtl. raus. Da sie das Vollbild des Autismus erfüllt, ist es somit frühkindlicher und diesen kann man dann noch unterscheiden, ob mit oder ohne Intelligenzminderung (hochfunktional).

Letztlich spielt es aber auch eigentlich keine Rolle, wie man es nun nennt. Wichtig ist nur, dass dem Kind geholfen wird, wie es das braucht, wenn es im AS ist.

Gruß
Alex
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral


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