Wohin mit dem Kind?

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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MelSch
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Beitragvon MelSch » 12.11.2018, 19:39

Hallo!

Wir würden die Regelgrundschule evtl. mit Schulbegleitung anpeilen.

Die Kindergärten im Umkreis haben alle eine Gruppenstärke von 25-28. Das wäre zu viel. Dann lassen wir ihn lieber im.Wald mit 17 Kindern.

Beim.Heilpädagogischen KiGa müßte er ewig fahren. Ich arbeite dann 60 km in.die andere Richtung. Abgesehen davon nehmen sie keine Autisten mehr... :cry:

Ach menno....

LG, MelSch

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Lisaneu
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Beitragvon Lisaneu » 12.11.2018, 20:01

Hallo,

mein Sohn war mit 4Jahren ähnlich: kognitiv extrem fit, aber sozial-emotional deutlich "hintennach". Für ihn was die wirklich weitaus beste Lösung ein ganz "normaler" privater Kindergarten. Es war nicht mal ein I-Kindergarten, weil damals hatte er noch keinerlei Diagnosen.

Die haben meinen Sohn einfach dort abgeholt, wo er stand. Sowohl seine Stärken als auch seine Schwächen wurden aktzeptiert und ihm gegenüber nie besonders thematiert. Er wurde weder besonders gelobt, wenn er mit 4,6 Jahren sinnerfassend gelesen hat, noch wurde besonders mit ihm geschimpft, wenn er mit anderen Kindern öfter aus nichtigen Gründen Streit hatte. Er bekam alles auf SEINEM NIVEAU immer wieder erklärt. Das war halt einmal, dass es andere als unangenhm empfinden, wenn sie abgleckt werden (war auch mal so eine Phase). Und dann wieder wurde mit ihm besprochen, was er selbst in einem Buch aus dem KIGA gelesen hatte.

Mein Sohn war bist zum letzten Tag gerne im Kindergarten, auch wenn er (als einziges Kind dort) zum Zeitpunkt des Austritts bereits 2 Jahre sinnerfassend lesen konnte.

Ich würde einfach die Kindergärten in der Umgebung abklappern, mit den PädagogInnen und LeiterInnen sprechen, den Sohn berschreiben, und dann aus dem Bauch heraus entscheiden, welchen Kindergarter für ihn passend sein könnte. Was ändern wenn es gar nicht klappen sollte kann man dann immer noch.

Was ich nicht unbedingt als relevant sehe ist die Gruppengröße. Ein Kind mit Problemen beim Sozialverhalten wird nicht automatisch sozialer wenn die Gruppe kleiner ist. Viel wichtiger ist da die Gruppenkonstellation: ist die Gruppe ein eingespieltes "Team", das Neuankömmlingen eher skeptisch gegenübersteht? Wer gibt (unter den Kindern) den Ton an? Gibt es kleine Freundschafts-Grüppchen unter den Kindern und könnte dein Sohn da wo dazu passen? In wie weit werden die Kinder sich selbst überlassen und in wie weit gibt es gemeinsames Tun nach Anleitung der PadagogInnen. Werden Kinder, die in machen Punkten schon "weiter" sind als andere akzeptiert oder wird das nicht gerne gesehen? Worauf liegt der Fokus: auf den Schwächen oder den Stärken der einzelnen Kinder? Wie wird mit Konflikten umgegangen?

Du selbst kennst dein Kind am besten. Wenn du über all das halbwegs im Bilde bist (ev. mal in den in Frage kommenden Gruppen hospizieren) kannst du deine Entscheidung danach treffen.
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS
Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist
Mama und Papa stark kurzsichtig (Kommentar eines Optikers: Wie habt ihr euch überhaupt gefunden?)

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Alexandra2014
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Beitragvon Alexandra2014 » 12.11.2018, 20:34

Hallo MelSch,

nachdem wir dieses Jahr zweimal die Schule gewechselt haben, würde ich aus heutiger Sicht sagen: lass das Kind bloß im gewohnten Umfeld, also im Waldkindergarten.

Mein Kind tat sich mit den Schulwechseln extrem schwer, es war der Horror für alle Beteiligten. Sie hat die ganze Zeit in der Schule geweint, hat morgens Zuhause geweint, abends schon Panik geschoben, bis wir die Beschulungszeit pro Tag deutlich gekürzt haben.
Auch an der jetzigen Schule gab es anfangs Probleme, obwohl ich sie von vornherein mittags abgeholt habe.
Sie war so sehr mit den neuen Umständen befasst, dass für das Lernen nicht mehr viel übrig blieb.
Will sagen: bis sich dein Kind eventuell im neuen Kindergarten eingewöhnt hat, ist das Jahr vielleicht schon zur Hälfte rum. Ob das besser ist?

Ich habe bei uns auch nicht damit gerechnet, dass es so heftig kommt. Die Eingewöhnung im Kindergarten war damals total easy... :?

Vielleicht wäre es hilfreich, zügig die Autismusdiagnostik anzustoßen und dann die entsprechende Autismustherapie anzustreben, unabhängig von Kindergarten und Schule.

Gruß
Alex
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral

MelSch
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Beitragvon MelSch » 12.11.2018, 21:07

Hallo!

Die Eingewöhnung war sehr schwierig. Es hat fast 8 Monate gedauert, bis mein Kind angekommen ist und Vertrauen hatte.

Ein RegelkiGa scheidet aus, da er in einer Gruppe von 25-28 Kindern ja noch mehr untergeht, wie bei 17 Kindern im Moment.

Am Besten ich eröffne selbst eine Gruppe für besondere Kinder...

LG,
MelSch

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Alexandra2014
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Beitragvon Alexandra2014 » 12.11.2018, 22:08

Da macht ein Wechsel für ein Jahr echt keinen Sinn!
:?

Gruß
Alex
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral

melly210
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Beitragvon melly210 » 12.11.2018, 23:24

Also wenn er sich so schwer tut beim Eingewöhnen würde ich einen Wechsle auch unterlassen und das eben auch dem Kiga als Argument nennen warum ihr wollt daß er bleibt.

Ansonsten bin ich aber bei Lisa. Mein Sohn geht auch als ganz normales Regelkind in den Kiga, in eine Gruppe mit 25 Kindern. Ist ein bekannt guter, privater Kiga. Aber eben kein I-Kiga. Sie sind super lieb zu ihm und er ist vom ersten Tag an gern hingegangen. Er ist jetzt 3,5 und hat mit 2,5 Bücher für Kinder ab 4 bevorzugt, konnte mit etwas über 3 die analoge und die digitale Uhr sinnerfassend ablesen (also so daß er auch gewusst hat wie spät es ist und sich daran orientiert hat). Mengenverständnis ist da und einfache Rechnungen gehen auch. Die Buchstaben hat er alle quasi im vorbeigehen gelernt bevor er 3,5 war. Daß er in einem Jahr lesen kann sehe ich absolut im Bereich des Möglichen. Aber so wie deiner hat er nachwievor rund um die Uhr eine Windel, Feinmotorik ist grottig, eine visuelle Wahrnehmungsstörung hat er auch. Kinder mag er zwar, aber so richtig findet er noch keinen Zugang, dh Freunde hat er aktuell noch keine. Auch ist er sehr ängstlich, hat zb große Angst vor Kerzen/Feuer/Taschenlampen und Hunden.

Ob er jetzt "nur" eine Muskelhypotonie plus Wahrnehmungsstörung hat, oder ob Autismus oder ADS bei ihm dahintersteht ? Keine Ahnung und wir sehen aktuell auch keine Veranlassung die Diagnostik vornazutreiben. An den Therapien (Logo + gute, auf SI und Autismus spezialiserte Ergotherapeutin) würde es aktuell nichts ändern, im Kiga ist er sehr gut aufgehoben und arbeitet an seinem Sozialverhalten. Da der Kiga an eine Privatschule angeschlossen ist und da auch fast alle Kinder weiter bleiben, wird er auch mit denselben Kindern weiterhin im selben Gebäude bleiben. Auch der Übergang zwischen Schule und Kiga ist im letzten Kiga Jahr dort sehr fließend und seine zukünftige Lehrerin wird er dann auch schon eingehender kennenlernen.

Anjali
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Beitragvon Anjali » 13.11.2018, 08:27

Hallo MelSch,

ich kann mich noch gut an deine früheren Beiträge erinnern, in denen es darum ging, deinen Kleinen überhaupt gut in einem Kindergarten unterzubringen.

Was möchtest du denn?
Würdest du ihn gerne in dem jetzigen Kindergarten belassen?

Falls ja, mag ich dich in diesem Wunsch bestätigen.

So, wie du deinen Sohn noch vor Kindergartenbeginn geschildert hattest, finde ich es einen erheblichen Entwicklungsschritt, dass er überhaupt (anscheinend) zufrieden in den Waldkinderkindergraten gehen kann bzw. sich dort einigermaßen wohlzufühlen scheint.

Dein Sohn ist ja gerade erst 4 Jahre alt geworden.
In diesem Alter hat sich mein Sohn im (Regel-) Kondergarten auch noch nicht für die anderen Kinder interessiert. Das Interesse kam erst nach und nach.

Nun ist mein Sohn natürlich nicht das Maß aller Dinge.
Ich möchte nur darauf hinaus, dass man auch in der Förderzielen Prioritäten setzen kann.
Mir war damals das wichtigste, dass mein Sohn gerne in den Kindergarten geht, dass er sich dort wohl fühlt. Eine spezielle Förderung war mir nicht so wichtig.

Wie steht es denn um die Motive der Mitarbeiter /Leitung des Kindergartens?
Hast du den Eindruck, man sucht einen Vorwand, um deinen Kleinen loszuwerden oder hat man vielleicht wirklich „nur“ die Befürchtung, ihn nicht genug fördern zu können?
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (17 Jahre / Asperger-Autist)

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Beitragvon Chaosmarie » 13.11.2018, 08:39

Habt Ihr ein Begabtenzentrum in Eurer Reichweite? Dort könnte er seinen Neigungen nachgehen und sich gemeinsam mit Gleichalterigen mit Zahlen und Buchstaben beschäftigen. Und er wird die Erfahrung machen: Du bist so in Ordnung, wie du bist. Die Kurse sind meist samstags, und normalerweise nicht nur für Hochbegabte offen. Mit milderen Formen einer Autismusspektrumstörung werden viele Dozenten vertraut sein.

So lange sich Dein Kind im Waldkindergarten wohl fühlt sehe ich ihn dort nicht völlig fehl am Platz.

lg

Marie
"Scheffin" *2006 gesund und topfit, hochbegabt
"Prinzesschen" *2007 fröhliche und charmante Kannerautistin
"kleiner Bruder" *2011 gesund, quietschfidel, Verdacht auf Hochbegabung.

Was glaubt Ihr, was hier los wäre, wenn noch mehr Leute wüssten, was hier los ist!

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Beitragvon Jakob05 » 13.11.2018, 09:44

Ich vermute, dass der WaldKiga die bessere Förderung darin sieht, dass dein Sohn in einem normalen KiGa schon mal das Leben in geschlossenen Räumen, sitzen und arbeiten am Tisch etc. kennenlernen kann, was ja eher dem Schulalltag entspricht.
Ich habe meinen Grossen (ASS) damals bewusst im letzten KiGa-Jahr den KiGa wechseln lassen. Er besuchte mit der grossen Schwester einen KiGa, der ihn nur wegen der Schwester aufgenommen hatte. Als diese in die Schule kam, wussten sie nix mehr mit ihm anzufangen und verweigerten Ihm z.B. die Abschlussfahrt mit seinen Vorschulkollegen. Da er zurückgestellt wurde, liess ich ihn in einen andern Regel-KiGa wechseln, die ihn gerne aufnahmen und ihn förderlich behandelten. Ich fand es eine gute Idee, auf diese Art Wechsel zu üben und bin überzeugt, dass ihm dies im Jahr darauf für den Schulwechsel durchaus geholfen hat.
Cordula (65) mit I. (86), M. (88 mehrfachbehindert, HF-Autist), J. (†28.07.05,*02.08.05,37.SSW) + K. 10/07 (GS, HD, Rachenfehlbildung,Tracheostoma)

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Bika
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Beitragvon Bika » 13.11.2018, 11:23

Hallo,

Irgendwie verstehe ich die Begründung der Erzieher nicht.

Wie genau, in welchem Umfang/ Intensität soll dein Sohn denn gefördert werden und wer steckt den Erwartungsrahmen fest?
Der KiGa?

Nach allem was du hier schreibst, gibt es doch gar keine Alternative, die nicht risikoreich wäre, da dein Sohn sehr negativ auf Umsgellungen reagiert, oder?

Im Wald hat er frische Luft, ausreichend Rückzugsmöglichkeiten, eine überschaubare Kindergruppe, die er gut beobachten kann
und ( das wäre für mich ausschlaggebend) er geht dort gerne hin.

Selber habe ich damals im KiGa mit meinem Asperger- Sohn die Erfahrung gemacht, dass die Erzieher immer sehr viel mehr Integrationsarbeit leisten wollten als es dem Bedarf meines Kindes entsprach.
Seine Abwehr und sein Desinteresse an den Bemühungen der Pädagogen kamen nicht positiv an und wurden ein wenig persönlich genommen.
Er wollte eigentlich nur beobachten, er wollte daneben stehen, nicht mittendrin, er wollte die Gemeinschaft, aber eher aus der Ferne mit Abstand,
das hatte dort keiner verstanden.
Wir wurden dann gedrängt, ihn mit 5 auf die Vorschule zu schicken, was ich gar nicht wollte und wo er genauso wenig integriert, nur sehr viel weniger freibestimmt war.

An deiner Stelle würde ich nochmal ein Gespräch suchen, um die genauen Beweggründe des Kigas zu erfahren und gegebenfallls zu signalisieren, dass ihr von denen gar nicht so viel erwartet, wie die vielleicht meinen.


LG


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