Sonderpädagogischer Förderbedarf

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Autismus austauschen.

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MajaA
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Sonderpädagogischer Förderbedarf

Beitragvon MajaA » 06.11.2018, 22:45

Hallo,

unser Sohn Nathan ist 9 Jahre alt und Asperger-Autist. Im Moment besucht er ohne Schulbegleiter die vierte Klasse der Grundschule, was funktioniert, weil es eine kleine Schule ist und die Lehrer ihn arg unterstützen.
Im nächsten Schuljahr wird er in die Musikklasse des Gymnasiums wechseln, das auch seine drei großen Geschwister besuchen.
Seine Schulleistungen sind sehr gut, er wird eine Empfehlung fürs Gymnasium bekommen. Ab der 5. Klasse soll er mit Schulbegleiter zur Schule gehen, weil er sehr vergesslich ist und sich nicht immer selbst strukturieren kann, zudem kann er sich bei Konflikten überhaupt nicht wehren, weil er nicht versteht, was da auf der Beziehungsebene passiert.
So weit, so gut.
Was ich allerdings einfach nicht verstehe: was hat es denn nun mit dem sonderpädagogischen Förderbedarf auf sich?
Wofür ist die Anerkennung wichtig?
Wer stellt den Antrag auf Feststellung, und wo?
Bisher habe ich nirgendwo eine definitive Antwort gefunden, irgendwie sagen alle etwas anderes.
Einige meinen, wir bräuchten das nicht, weil Nathan so gut in der Schule ist. Andere meinen, wir bräuchten es unbedingt, wenn wir einen Schulbegleiter wollten. Einige meinen, ohne Förderbedarf keine Nachteilsausgleiche. Und wieder andere, der anerkannte Förderbedarf sei zwingend notwendig, damit der Übergang auf die weiterführende Schule entsprechend geplant werden kann.
Was stimmt denn nun?
Vielen Dank für Eure Antwort!

Liebe Grüße
Maja
Maja (10/1974)
verheiratet mit einem Asperger-Autisten (11/1969)
Tochter (8/2002)
Tochter (8/2004)
Sohn (5/2007)
Nathan (6/2009)- Asperger-Autist

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GretchenM
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Beitragvon GretchenM » 06.11.2018, 23:10

Hallo,

mein Sohn hat auch sonderpädagogischen Förderbedarf, er hat ohne Schulbegleiter die Grundschule besucht und ist jetzt auch ohne Schulbegleiter auf dem Gymnasium (5. Klasse).

Den ersten Antrag hat die Schule mit meiner Zustimmung gestellt. In der Grundschule hatte er eine bestimmte Zahl an Wochenstunden Unterstützung durch eine Sonderpädagogin (ganz unauffällig, sie war eben mit im Unterricht und hat ihn nicht ausgesondert, aber der Lehrerin Tipps gegeben oder ihn gefördert)

Jetzt im Gymnasium ist der Sonderpädagoge jederzeit für ihn ansprechbar.

Das Beste für uns ist aber, dass ihm mit viel Verständnis begegnet wird - es wird nicht von ihm erwartet wie alle anderen zu sein, und wir stoßen auf offene Ohren.

Allerdings nicht überall: wir haben Glück dieses Gymnasium gefunden zu haben. Die anderen Gymnasien, die hier offiziell gemeinsames Lernen anbieten, waren sehr ablehnend (nicht im speziellen Fall meines Sohnes, sondern generell gegenüber allen Kindern mit Förderbedarf).

Um einen Schulbegleiter bewilligt zu bekommen braucht es in NRW übrigens kein AOSF-Verfahren.

LG

GretchenM

Michaela44
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Beitragvon Michaela44 » 07.11.2018, 00:13

Hallo Maja, wir sind auch aus SH. Neben dem schon erwähnten gibt es zumindest in SH einen weiteren Punkt zu beachten: ohne festgestellten Förderbedarf könnt ihr euren Sohn ganz normal in der Schule eurer Wahl anmelden. Mit festgestelltem Förderbedarf legt das Schulamt die Schule im Rahmen eines speziellen Verfahrens zusammen mit der zuständigen Förderschule fest. Der Wunsch der Eltern wird sich zuvor angehört, aber die Eltern entscheiden nicht mit.

Der Förderplan, den mein Kind hatte, war ein schlechter Witz bzw. zeitweise gab es gar keinen. Förderung fand auch kaum statt. Schon deshalb, weil es viel zu wenig Sonderpädagogen gibt.

Für einen SB benötigst du keinen Förderstatus.
Asperger Autistin
mit neurodiverser Familie

JennyK
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Beitragvon JennyK » 07.11.2018, 06:21

Hallo Maja, unser Sohn war ohne Schulbegleiter ganz normal auf einer normalen Grundschule, ist dann zu einer Gesamtschule gewechselt. Dort wurden seine Probleme immer deutlicher, er sollte, ohne dass wir vorher irgendwie informiert wurden, zu einer Förderschule wechseln. Zum Glück hat eine Lehrerin einer Parallelklasse, die ihn auch aus dem Unterricht kannte, ihn in ihre Klasse übernommen. Ab dem ersten Tag dort lief es deutlich besser. Erst aufgrund dieser schlimmen Zeit haben wir erneut eine Diagnostik gemacht, in der dann neben ADS auch der Verdacht auf Asperger aufkam. Einen Antrag auf sonderpädagogischen Förderbedarf haben wir nicht gestellt, da uns vom ersten Klassenlehrer deutlich gemacht wurde, dass unser Sohn dann nicht an der Gesamtschule bleiben würde. Auch in der Grundschule kam der Vorschlag auf, aber damals sahen wir noch keinen Bedarf. Das war auch gut so, da wir sonst nicht die jetzige Schule hätten nehmen können. Sie liegt in einem anderen Kreis und nimmt keine Kinder mit festgestelltem Förderbedarf aus anderen Kreisen.
Die Schulbegleitung haben wir auch ohne festgestellten Förderbedarf genehmigt bekommen.

Wendet euch an das Jugendamt und beantragt die Schulbegleitung, mit der Diagnose Autismus sollte das kein Problem sein. Viel Erfolg und gute Nerven!
Sohn 1 (06), ADS und Asperger Autismus; PG 3; SBA 50 mit B, G, H
Sohn 2 (13), Asperger Autismus, leicht ausgeprägt

tantethali
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Beitragvon tantethali » 07.11.2018, 06:44

Unser großer geht mit Schulbegleitung auf eine Regelgrundschule. Ein AOSF, also die Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfs habe ich abgelehnt. Er hat keinen klassischen Förderbedarf, hätte ESE (emotional-sozial) als Förderschwerpunkt bekommen und wir hätten ihn an unserer wohnortnahen Schule nicht einschulen können (kein GU).
Schulbegleitung und auch Nachteilsausgleich sind ohne Förderbedarf möglich. §35a muss im Gutachten stehen, dann kann man beantragen.
Er ist viel zu fit für eine KME Schule, würde an einer ESE Schule untergehen. Maximal Sprache wäre noch in Frage gekommen. Die Schule war erst skeptisch, hat sich aber nach einem Kennenlernen entschieden es zu versuchen. Bisher läuft es ganz gut.

Für Autismus gibt es auch genug rechtskräftige Urteile, dass eine Schulbegleitung bewilligt werden muss.
Sohn (2011) Frühchen 28+2, Asperger Autist, überdurchschnittliche Intelligenz (eventuell HB), ADHS
Sohn (2013) fit

Nicole_
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Beitragvon Nicole_ » 07.11.2018, 11:01

Hallo,

der Vorteil von AOSF ist, dass ein Förderplan geschrieben werden muss und so alle Lehrer mit der Nase drauf gestoßen werden.
Es werden Besonderheiten, die nicht ersichtlich sind, erwähnt, um alle Lehrer mit ins Boot zu holen. Bei dem Kind, für das ich zuständig bin, steht genau, wo es zu sitzen hat und warum, wie in mündlichen Prüfungen und schriftlichen Prüfungen vorgegangen werden muss. Ganz wichtig: Sportunterricht und sonstige Mitarbeit. Manche Kollegen lachten mich aus, als ich sagte, dass das Kind sich nicht melde, um den anderen keine Redezeit zu nehmen. Jetzt steht es im Förderplan, weil es eben keine blöde Ausrede ist, sondern die Wahrheit.
Ich habe mich dafür mit Autismustherapeut und Sonderpädagoge zusammengesetzt.

Bei meinem Sohn ist noch kein AOSF eröffnet, aber die Grundschule ist großartig und er ist unglaublich gut dort angekommen. Für die weiterführende Schule werde ich darüber nachdenken, weil dann so viele Lehrer beteiligt sind.

LG

Nicole
Großer (6) Asperger Autist mit Insel Hochbegabungen
Kleiner (nur der normale Wahnsinn)


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