SES/SSES oder doch VED?

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Sprachverzögerung/Sprachstörung austauschen und Erfahrungen bezüglich UK (unterstützter Kommunikation) weitergeben. Logopäden dürfen natürlich auch gerne hier Tipps geben!

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Nina-Vince
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SES/SSES oder doch VED?

Beitragvon Nina-Vince » 05.11.2018, 14:13

Hallo,

Ich möchte mich gerne über meine Sohn und seine Sprachentwicklung austauschen.
S. ist 4,1 Jahre, er war ein sehr rühiges Baby, sein erstes Wort sprach er mit 15 Monaten(Papa) danach kam einer ganze Weile gar nichts mehr. Mit 2 Jahren sprach er 30 Wörter (sehr unverständlich). Mit 3 Jahren sprach er etwa 300 Wörter, allerdings immer noch bis auf wenige ausnahmen völlig falsch und ausschließlich einzelne Wörter. So hat es sich auch bis jetzt fortgesetzt. Sein Wortschatz ist gewachsen, er redet mittlerweile in Sätze ohne Grammatik, man kann ihn sehr schlecht verstehen.
Bis zum 2 Geburtstag hat er sich motorisch ganz normal entwickelt.
Dann viel mir nach und nach auf das mit seinen Bwegungsabläufen unter anderen 2 jährigen schon raus sticht. Er wirkte wie ein zu groß geratenes Baby, tolpatschig, unsicher. So ist es auch jetzt, er macht alles was gleichaltrige auch machen, wirkt dabei aber sehr tolpatschig
Mit der Feinmotirik hat er derzeit größere Probleme. Er hält einen Stift noch in der Faust. Er hat große Schwierigkeiten sich selber an und auszuziehen. Er macht es jedes Mal anders, weiß nicht so recht wo er anfangen soll.
In den letzten 8 Monate sind mir folgende Dinge immer mehr aufgefallen:
Wörter spricht er nicht immer gleich ausspricht, außerdem benutzt er Wörter die er kannte und häufig verwendet hat aufeinmal nicht mehr. Er spricht so gut wie nichts nach, er verdreht Wörter, spricht sie zum Teil (fast) rückwärts (zb Bos(t) statt stop), viele seiner Wörter biginnen mit H. Manchmal überlegt er sehr lange bevor ein Wort ausspricht, dabei versucht er sich zu korigieren und es kommen 3-4 versuche das Wort richtig zu sagen. Manchmal Wink er auch an und sagt dann nichts mehr bzw was anderes.
Manchmal spricht er ein Wort ganz Spontan richtig, schafft es aber nicht nochmal.
Aus meiner Sicht er keine Sprachverständnisprobleme (laut Logopädin hat er das)

Ich muss sagen ich habe das ganze am Anfang ganz locker gesehen, mit 2,7 Jahren wollte ich mit S. dann zur Logopädie, relativ widerwillig bekam ich ein Rezept vom Kinderarzt. Der erste Termin war dann erst mit 2,11 (Diese blöden Wartezeiten werde ich beim nächsten „locker bleiben“ mit einrechnen :shock: :D) Um seinen 3ten Geburtstag wurde noch ein Hörtest gemacht (BERA) der unauffällig war. Mit 3,7wurden seine Rachenmandeln entfernt. Vor dieser OP war die HNO Ärztin immer noch der Meinung „er ist halt ein Spätzündunget“.
Ein Rezept für Ergotherapie wollte der Arzt vor einem halben Jahr nicht ausstellen, in 2 Wochen haben wir die U8 ich ich werde dann etwas hartnäckiger sein. Wenigstens hat er mir vor kurzem den Wisch für eine Sprachreha ausgefüllt und wir haben am Freitag eine Bewilligung für die Eubios Klinik in Thalheim erhalten.
Ich werde heute noch einen Termin im SPZ machen. Bei der letzten Vorsorgeuntersuchungen meinte der Kinderarzt ich solle damit noch bis jetzt warten, mittlerweile Ärger ich mich darüber, auch da wird es sicher noch einige Zeit dauern bis wir den ersten Termin haben.

Ähhhh bevor ich den Faden verliere nochmal zur Logopädie.
Er bekam dort die Diagnose SES/SSES.
Erst in den letzten Wochen ist mir beim lesen VED auf den Browser gekommen (wo hat sich das in den 1,5 Jahren vorher nur Versteck, dieses Wort ist bei allem was ich über Sprachstörungen gelesen habe nie aufgetaucht :roll: )
Und ich dache sofort das es genau zu S. passt.
Alls ich die Logopädin darauf ansprach wiegelte sie ab und meinte er habe ja aber schon Probleme mit dem Sprachverständnis.
Richtig getestet wurde sein Sprachverständnis allerdings auch noch nicht.
Ich habe auch gelesen das Eltern das Sprachverständnis oft falsch bewerten und habe versucht sehr darauf zu achten.
Wir hatten in diesem ganzen Jahr 17 Logopädiestunden. Ist das normal? Ich denke da hätte man doch mehr machen können. Die Termine waren auch sehr unregelmäßig. 5 Stunden war er in Vertretung bei einer Angestellten, mit ihr hat er Brettspiele am Tisch gespielt, die andere sagt das wäre nicht sein Ding.

Jedenfalls habe ich einer anderen Praxis eine Mail geschrieben und trotz vor Vorhandener Warteliste haben wir einen Termin bekommen. Ich hatte zum ersten Mal das Gefühl das mich jemand ernst nimmt und nicht so tut als wäre das alles hab so schlimm und in 2 Jahren merkt schon keiner mehr was davon.
S. geht übrigens in einen Regelkindergarten und kommt dort sehr gut klar. Das einzige was immer mal angesprochen wird ist sein an und auszieh Problem.

Ich bin froh das ich einhändig, mit schlafendem 1jährigen auf dem Arm bis hierhin gekommen bin.

LG Nina

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Alexandra2014
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Beitragvon Alexandra2014 » 05.11.2018, 14:50

Hallo Nina,

mein Kind hatte 6,5 Jahre Logopädie, ohne dass auch nur einmal der Verdacht auf eine Dyspraxie aufkam. Auch als ich es ansprach, hieß es, dann müsste aber auch dieses oder jenes vorliegen, worauf ich erwiderte, dass das ja so sei, sie mich aber nie danach gefragt hätte.
6 Wochen nach Wechsel der Logopädin hatten wir die Diagnose „verbale Dyspraxie“!

Der Wechsell, den du vollzogen hast, ist genau das richtige. Und wechsel ruhig wieder, wenn du denkst, dass es noch nicht passt.

Gruß
Alex
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Beitragvon kati543 » 05.11.2018, 14:55

Hallo,
willkommen im Forum.
Geht dein Kind wirklich als Regelkind in einen Regelkindergarten? Mein Ältester hatte schon „nur“ mit der Diagnose SES einen I-Platz im Regelkindergarten. Ich würde hier dranbleiben. Erstmal musst du aber eine Diagnose haben. Eine Logopädin, die wild darauflos therapiert nützt gar nichts. Da verschwendet ihr nur eure Zeit. Jede Diagnose braucht ihre spezielle Art der Therapie. Zu der Stundenanzahl muss ich dir leider sagen, dass dem Kinderarzt da die Hände gebunden sind. Ohne eine entsprechende Diagnose, darf er euch nur ganz wenige Stunden verordnen. Ihr müsstet schon langsam das Limit erreicht haben. Bei uns steht als Begründung für die Verordnung immer Autismus drauf. Dadurch können die Kinder durchgehend Therapien bekommen.
Habt ihr mal drangedacht einen Schwerbehindertenausweis und einen Pflegegrad zu beantragen?
LG
Katrin
Katrin (Epilepsie)
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D. (geistige Behinderung, Frühk. Autismus, Epilepsie, Esstörung, Trigonoceph., Hypertonie, Opticushypoplasie, Amblyopie, Mikrodeletion 3p26.3, Vd. Valproatembryopathie, Z.n. Schädelbasisfraktur)

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Beitragvon SandyErgo » 05.11.2018, 17:03

Wenn in diesem Jahr bisher 17 Therapie-Einheiten waren > dürfte das Limit noch nicht erreicht sein. Das sind bei normalerweise 10 Einheiten pro Verordnung nicht mal 2 Rezepte > wenn ich das richtig im Kopf habe, liegt die Grenze bei 50 oder 60 Einheiten, bevor eine mind. 3-monatige Pause dingelegt werden muss.
Und im Einzelfall gibt es ja noch die Verordnung außerhalb des Regelfalls. Die muss der Arzt aber sehr gut begründen. Da ist es dann manchmal einfacher, wenn man durch ein SPZ betreut wird - die machen das eher als niedergelassene Ärzte.
Mama 12/77
mit Tochter 11/06 FG 30+6 (nach HELLP-Syndrom) Kombinierte umschriebene Entwicklungsstörung mit noch leichter Sprachentwicklungsstörung, Hämochromatose (homozygot C282T im HFE-Gen)
und Sohn 08/09 FG 34+1 ADHS und kombinierte umschriebene Entwicklungsstörung mit starker Betonung der aktiven Sprache

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Beitragvon kati543 » 05.11.2018, 20:29

Hallo,
früher war das bei uns auch anders. Bei uns sieht das erst seit letztem Jahr so aus. Schau mal hier:
https://heilmittelkatalog.de/files/luxe ... /index.htm
Katrin (Epilepsie)

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Beitragvon UrsulaK » 05.11.2018, 20:30

Hallo,
von der VED war hier im Forum schon öfter die Rede.
Hier ist ein Link von einem Thread:
https://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic132018.html
Falls das Kind eine VED hat, wäre das wichtig zu wissen, weil die Therapie dafür, sich von der herkömmlichen Logo unterscheidet.
Gruß, Ursula
Eric, (März 2005), Autismus Spektrum Störung, Verbale Dyspraxie, Dysgrammatismus

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Beitragvon Angela61 » 06.11.2018, 10:46

Hallo,
wir haben auch seid kurzem die Diagnose V.a.VED
Zuallererst würde es bei der bewegten Logopädie wo wir zur Intensivwoche waren erwähnt. Jetzt waren wir für 2,5 Wochen im KBO in München. Dort wurde es erneut benannt und wir werden dort im Frühjahr zur speziellen VED Therapie gehen.
Danach ist dann eine Sprachheilreha angedacht...
Wir würden bis dato nach Zollinger therapiert, was eben keinen Erfolg brachte.
Grüßle
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Beitragvon UrsulaK » 06.11.2018, 11:25

Hallo Angela,

das ist genau das Problem. Meistens wird bei kleinen Kinder mit Sprachentwicklungsverzögerungen nach Zollinger therapiert. Bei einer VED bringt das aber überhaupt keinen Erfolg.

Gruß, Ursula
Eric, (März 2005), Autismus Spektrum Störung, Verbale Dyspraxie, Dysgrammatismus

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Alexandra2014
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Beitragvon Alexandra2014 » 06.11.2018, 11:30

UrsulaK hat geschrieben:Hallo Angela,

das ist genau das Problem. Meistens wird bei kleinen Kinder mit Sprachentwicklungsverzögerungen nach Zollinger therapiert. Bei einer VED bringt das aber überhaupt keinen Erfolg.

Gruß, Ursula


Das kann ich bestätigen! :?

Gruß
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Beitragvon Angela61 » 06.11.2018, 15:57

Ja,so war es bei uns ja eben. Zuerst Castillo Morales und dann Zollinger...
Bei der Intensivwoche in Bad Wurzach gab es eine Künftige, dann Elemente nach Padovan und nach ein paar Wochen zeigten sich klein. Erfolge, was uns dann in München auch bestätigt wurde. Dass die Hauptursache nicht das sozial-Mann emotionale ist, sondern die mangelnder Sprachfähigkeit. Sprachverständnis ist nämlich vorhanden.
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