IQ Test

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Autismus austauschen.

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JasperJaspie
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Beitragvon JasperJaspie » 01.11.2018, 23:19

Hallo Simone,

das ist bei meinem Sohn genauso gewesen.

Sprachlich und Logisches Denken = hochbegabt.
Arbeitsgeschwindigkeit 85...

Wie ich später erfuhr, ist dieses Ergebnis bei einem Asperger typisch.

Im nachhinein ließen sich da manche Dinge auch erklären... z.B. dieses
STUNDENLANGE Rumhängen bei den Hausaufgaben... er konnte es, ganz im Gegenteil, es war zu einfach für ihn, aber... Stunden über Stunden saß
er dabei...

So viele Gedanken würde ich mir darüber aber dann auch nicht machen.
Der Test könnte bei einem anderen Mal wieder anders ausfallen, das ist
sicher wirklich Tagesform.

VG
Ann *1969 mit Tochterkind *1991* sowie mit Sohn Jasper *2001* Asperger-Syndrom (Diagnose Februar 2014)

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Lina Mare 67
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Beitragvon Lina Mare 67 » 02.11.2018, 07:30

Hallo Simone,

wir haben mit unserem Sohn auch ein halbes Dutzend IQ Tests durch. Immer mit dem mehr oder weniger gleichen Ergebnissen , irgendetwas zwischen 70 und 74, wobei gerade beim letzten Test die Verarbeitungsgeschwindigkeit ganz deutlich unter den anderen Werten lag, ca 20 Punkte drunter.
Bei uns wurden dann aber seine besseren Werte nicht weiter beachtet, sondern es wurde weiter von einer massiven Lernbehinderung ausgegangen.
Eigentlich war mir das bei diesem Test schon egal, denn er war an einer super Förderschule, die seinen Förderbedarf schon lange im Bereich Sprache festgelegt hatten und nicht den Förderbedarf Lernen.
Hinderlich war die Aussage vom SPZ nur für den Wechsel von der 4.Klasse in die 5.Klasse auf die Sprachheilschule. Die hatten Bedenken, dass sein Förderschwerpunkt woanders läge, er wurde auf Warteliste gesetzt - bekam aber dann tatsächlich einen Schulplatz.
Das liegt alles viele Jahre zurück, inzwischen hat er den mittleren Bildungsabschluss gemacht, den Führerschein auf Anhieb geschafft (allerdings fast 70 Fahrstunden gebraucht), einen misssglückten Schulversuch auf der FOS hinter sich und seit August einen Ausbildungsplatz zum Kaufmann für Büromanegement gefunden. Ausserdem eine Autismusdiagnose, die den Wert der ganzen IQ Tests in ein anderes Licht rückt.
Ich bin überzeugt, dass die richtigen Schulen für ihn die Bausteine zu einer erfolgreichen und glücklichen Schulzeit waren. Allerdings hängt der richtige Umgang mit den Schülern von dem Können & Engagement der Lehrer einer jeden Schule ab, egal, wie die Schule heißt.
Seine Lehrer haben immer seine Fähigkeiten gesehen und ihn entsprechend seiner Fähigkeiten unterrichtet, dazu kam, dass er von einigen Lehreren ganz unbürokratisch einen Zeitzuschlag gewährt bekommen hat, obwohl ihm der laut Gutachten gar nicht zustand.
Aber diese Lehrer haben klipp und klar gesagt, sie sehen einfach, dass er die Aufgaben kann, aber es einfach nicht schafft es in der Zeit zu lösen. Diese Lehrer haben das ganz richtig erkannt, denn seit seiner offiziellen Autismusdiagnose steht ihm ein Zeitzuschlag von 30% zu.

Mein Tipp, schau dir die Schulen an und höre dich um, was die Eltern bzw. ehemaligen Schüler berichten und wenn das passt, dann spielt es keine Rolle ob es eine Förderschule, eine Waldorf - Montessorri oder normale Grundschule ist.

Eventuell wäre auch eine Schule für Körperbehinderte eine Option, schließlich ist die langsame Verarbeitungsgeschwindigkeit auch ein körperliches Handicap.

Ich drücke Euch die Daumen eine gute Schule zu finden

Liebe Grüße Lina

Michaela44
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Beitragvon Michaela44 » 02.11.2018, 07:43

Kann es sein, dass ihr oder die Prüfer eine niedrige Arbeitsgeschwindigkeit mit Antriebsschwäche verwechselt? Das Ergebnis ist nämlich das selbe: man benötigt lange für eine Aufgabe. Der Weg bis zum Beenden der Aufgabe bzw. das Problem ist jedoch ein anderes.

Bei einer niedrigen Arbeitsgeschindigkeit arbeitet man langsam, aber man arbeitet.
Bei einer Antriebsschwäche hat man Probleme, mit der Arbeit anzufangen. Wenn man dann aber anfängt, arbeitet man in normaler oder gar schneller Geschwindigkeit.

Bei einem hohen IQ und Autismus ist meistens das zweite der Fall. Mir geht es auch so. Im Büro sitze ich oft an meinem Schreibtisch und schaffe es nicht anzufangen. Mir fehlt die Konzentration, Motivation oder was auch immer. Ich kann mich nicht auf die Aufgabe fokussieren. Wenn ich es aber schaffe, bin ich ruckzuck fertig. Meine Arbeitsgeschwindigkeit ist sehr hoch, wenn ich denn arbeite. Es kann auch passieren, dass ich es mittendrin nicht mehr schaffe, meine Konzentration zu halten. Dann fällt es mir schwer, wieder anzufangen. An manchen Tagen schaffe ich es gar nicht, mit einer Aufgabe anzufangen. :oops: Eine Lösung habe ich leider noch nicht gefunden.
Asperger Autistin
mit neurodiverser Familie

rena99
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Beitragvon rena99 » 02.11.2018, 09:45

Kann es sein, dass ihr oder die Prüfer eine niedrige Arbeitsgeschwindigkeit mit Antriebsschwäche verwechselt? Das Ergebnis ist nämlich das selbe: man benötigt lange für eine Aufgabe. Der Weg bis zum Beenden der Aufgabe bzw. das Problem ist jedoch ein anderes.

Bei einer niedrigen Arbeitsgeschindigkeit arbeitet man langsam, aber man arbeitet.
Bei einer Antriebsschwäche hat man Probleme, mit der Arbeit anzufangen. Wenn man dann aber anfängt, arbeitet man in normaler oder gar schneller Geschwindigkeit.
Hallo Michaela,

da unterscheiden die IQ-Tests durchaus. Gerade in den Tests zur Verarbeitungsgeschwindigkeit gibt es Untertests, die auch berücksichtigen, wie spannend/anspruchsvoll eine Aufgabe ist bzw. wie langweilig. Und auch der Tester beobachtet.

Hier klang es ja so, als hätte Simone ein durchaus detaillierte Rückmeldung bekommen (u.a. Hinweis auf Auge-Hand-Koordination).

Es ist tatsächlich nicht selten, dass Autisten gerade in der Verarbeitungsgeschwindigkeit ihre niedrigsten Teilwerte haben.

LG
Rena
Rena mit Tochter (V.a. Autismusspektrumsstörung, Zwangsstörung)
"Jeder Zwang ist Gift für die Seele." (Ludwig Börne)

HeikeLeo
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Beitragvon HeikeLeo » 02.11.2018, 14:27

Bei einer Antriebsschwäche hat man Probleme, mit der Arbeit anzufangen. Wenn man dann aber anfängt, arbeitet man in normaler oder gar schneller Geschwindigkeit.


Uii, schön beschrieben. Das sehe ich hier auch immer wieder seeehr eindrucksvoll.

Das führt bei uns dazu, dass in der Schule gar nicht gearbeitet wird. ALLES muss zu Hause erledigt werden. Deshalb lege ich dann auch die ganze Wochenarbeit auf einen Tag, damit ich den Anstart nur einmal machen muss. Die Lehrerin findet das nicht gut. Trotz vielen Gesprächen, schriftlichen Festlegungen uä. verteilt sie das Material dann doch immer wieder über die Woche - ohne Notwendigkeit - und damit wird bei uns die Arbeit erheblich erschwert.

Es kommt eben auf einzelne Lehrkräfte an.
Gerade bei Woldorfschulen bleiben die einzelnen Lehrkräfte in aller Regel länger bei einer Klasse als in den Regelschulen. Deshalb ist da der Aspekt Lehrer oder Lehrerin besonders wichtig.

Liebe Grüße
Heike

AnnalenaO
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Beitragvon AnnalenaO » 03.11.2018, 10:23

Hallo!

@Michaela: Ich war bei der IQ Testung meines Sohnes im Raum. Der Tester hat erst angefangen die Zeit zu nehmen als mein Sohn angefangen hat zu arbeiten.
@all: Bei meinem Sohn waren folgendes die Probleme: er hat allein feinmotorischen schon Schwierigkeiten die Kreuze in die Kästchen zu setzen. Zusätzlich war er nicht willens auf Akkuratheit zugunsten von Geschwindigkeit zu verzichten. Die Hand Auge Koordination ist auch sehr schwierig. Im Ergebnis hatte er das was er gemacht hatte alles richtig und relativ ordentlich, es war aber einfach bei jeder der Unteraufgaben viel zu wenig bearbeitet.
Der Tester sagte mir dass eigentlich aus so einem Ergebnis gar kein Gesamt IQ errechnet wird. zwischen den Einzelnen Untertests lagen zum Teil 70 Punkte Unterschied. Er meinte dass das Ergebnis als Mindestwert verstanden werden sollte.
Wichtiger als der Punktwertung an sich war aber die Erkenntnis darüber wo die Stärken und die Schwächen liegen und die Erkenntnis dass keine Lernbehinderung vorliegt.
Wenn eine Lernbehinderung vorgelegen hätte dann hätte daraus eine andere Art der Förderung resultiert.
Die Stärken die bei dem Test erkannt wurden lassen sich nutzen und die Schwächen lassen sich fördern (dazu schrieb ich ja schon etwas).
Das sind die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Test, nicht der Gesamt IQ. Wie erfolgreich ein Kind ist hängt letztendlich nicht nur vom IQ ab sondern von Faktoren wie Motivation, Arbeitseinstellung, Konzentrationsfähigkeit usw.

Liebe Grüße, AnnalenaO
Sohn 5/2009 Asperger Syndrom
Tochter 10/2012 Topfit


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