Einstellung auf Medis nur stationär oder auch ambulant?

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BettinaDA
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Einstellung auf Medis nur stationär oder auch ambulant?

Beitragvon BettinaDA » 30.10.2018, 21:54

Hat mein Sohn einfach mal wieder nur Pech gehabt, oder ist es üblich, daß erwachsene Autisten mit Intelligenzminderung ausschließlich im Rahmen eines stationären Psychiatrieaufenthaltes auf Medikamente eingestellt werden? Zugegeben, mein Sohn ist ein besonders harter Brocken, aber das, was ich nach einem 4-wöchigen Aufenthalt in einer Klinik zurück bekommen habe - wohlgemerkt einer, die sich mit dem Titel 'Diagnose- und Therapiezentrum für Menschen mit Intelligenzminderung' schmückt - kommt kaum noch vom Sofa bzw. vom Bett hoch.

Man bezeichnet dies üblicherweise als 'abschießen, aber das kann es doch nicht gewesen sein, oder?

Viele Grüße
Bettina
Sohn 8/90 atpischer Autismus, Hypogonadismus.

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 30.10.2018, 22:14

Hallo Bettina,

ich kann jetzt inhaltlich nix beitragen. Aber ich möchte Dir beipflichten: Nein, das kann es nicht gewesen sein, absolut nicht. Warum sollte man jemanden nicht ambulant einstellen können, bloß weil er eine geistige Behinderung hat??
Ich habe ja auch so einen potentiellen Kandidaten...

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

Susanne 61
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Beitragvon Susanne 61 » 30.10.2018, 22:25

Hallo Bettina,
davon weiß ich nichts!
Ich konnte eine sationäre Unterbringung egal in welcher Klinik bis jetzt vermeiden.
Ging und geht alles ambulant...
LG,
Susanne
Susanne mit Dorothea, 18 Jahre, frühkindlicher Autismus und drei gesunden Geschwistern 26, 29 und 30 Jahre

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LasseUndJohannes
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Beitragvon LasseUndJohannes » 31.10.2018, 08:08

Hallo,
Was du schreibst finde ich krass. Das kann doch nicht das Ziel gewesen sein.

Wir haben sowohl stationär als auch ambulant Medis eingestellt. Hier kommt es sicherlich auf das Kind bzw den jungen Erwachsenen an. Und auch auf das Medikament. Bei uns waren es Risperidon und später Ritalin. Ich würde es jetzt immer ambulant machen. Dann ist das Kind in seinem gewohnten Umfeld und ich sehe viel genauer die Auswirkungen der Medikation. Letztlich, so meine Erfahrung, stellen nicht die Ärzte die Medis ein, sondern die Person, die die ganze Zeit mit dem Kind zusammen ist und alles beobachten kann. Mit dem Arzt spielt man dann "Stille Post". Ganz so war es bei unserem stationären Aufenthalt zugegeben nicht. Auch Schwestern und Therapeuten haben meinen Sohn stundenweise betreut und beobachtet.

Ich denke, optimal ist ambulant mit kompetenten Ansprechpartner, der zuhört und nachfragt um sich ein genaues Bild zu machen. Das kostet Zeit.
Johannes 2008, extremes ADHS, Fehldiagnose (?) Autismus
Benedikt 2014, non verbal, auto aggressiv, ADHS, atypischer Autismus

HeikeLeo
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Beitragvon HeikeLeo » 31.10.2018, 14:54

Hat mein Sohn einfach mal wieder nur Pech gehabt

...würde ich so sehen..
Diagnose- und Therapiezentrum für Menschen mit Intelligenzminderung
so etwas hat uns auch schon ziemlich enttäuscht. Aber das ging schon ambulant nicht.

Liebe Grüße
Heike

BettinaDA
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Beitragvon BettinaDA » 03.11.2018, 22:23

Bei uns waren es Risperidon und später Ritalin.
Mein Sohn wurde mit Risperidon, Levomepromazin und Dipiperon als feste Medikation entlassen, Bedarfsmedikaton: 1 mg Tavor (Bekommen habe ich übrigens eine Packung mit 50 Stück und da dies als Bedarfsmedikation gilt, könnte ich nun für unendlichen Nachschub sorgen :oops: ) Dipiperon habe ich umgehend wieder abgesetzt, denn mein Sohn verschlief bereits am ersten Abend zu hause seine abendliche Medikation.
Letztlich, so meine Erfahrung, stellen nicht die Ärzte die Medis ein, sondern die Person, die die ganze Zeit mit dem Kind zusammen ist und alles beobachten kann.
Nachdem ich den Beipackzettel von Levomepromazin und Risperdal gelesen hatte, wunderte ich mich nicht mehr über die anhaltende bleierne Müdigkeit meines Sohnes, denn beide Arzneistoffe werden über das selbe Leberenzym (CYP2D6) verstoffwechselt, welches zu erhöhten erhöhten Konzentrationen im Blut und somit zu Wirkungsverstärkungen führt.

Ob ich vielleicht Medizin studieren sollte? Bei meinem Lerntempo dauert es höchstens ein halbes Jahr, und ich werde als Oberarzt arbeiten können und Patienten wie meinem Sohn bei seiner Entlassung einen 'guten Allgemeinzustand' bestätigen können. [IronieOFF] :icon_pale:
Sohn 8/90 atpischer Autismus, Hypogonadismus.

JennyK
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Beitragvon JennyK » 04.11.2018, 06:36

Es tut mir im Herzen weh, sowas zu lesen. Ich hoffe, du findest einen kompetenten Arzt, der deinen Sohn ambulant richtig einstellen kann.

Unser Sohn bekommt Medikinet retard und die Einstellung lief ambulant. Wir hatten einen Plan bekommen, wann wir erhöhen sollten und mussten alle zwei Tage in der Praxis anrufen und berichten, wie es ihm geht und was wir beobachten, dazu auch regelmäßige Rückmeldungen aus der Schule. So ging es echt gut und recht schnell haben wir die passende Dosis gefunden. Ich weiß von einer anderen Praxis, dass dort Eltern einfach das Medikament in die Hand bekommen und dann auf sich gestellt sind, was dann zu zu hohen Dosen und zu Abbrüchen der Medikation führt.
Sohn 1 (06), ADS und Asperger Autismus; PG 3; SBA 50 mit B, G, H
Sohn 2 (13), Asperger Autismus, leicht ausgeprägt

nina-st
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Beitragvon nina-st » 04.11.2018, 14:33

Wir haben vom KJP die Aussage daß Risoeridon (=Risperdal) ODER Dipiperon gehen. Niemals nicht beides zusammen - weil beides über die Leber verstoffwechselt wird und müde macht.

Und Risperidon nur gaaaaanz langsm aufdosieren höchstens 0,5 mg pro Woche hoch gehen.
Pflegesohn ,traumatisiert, blind, 6. Klasse Blindenschule

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BettinaDA
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Beitragvon BettinaDA » 11.11.2018, 19:33

Wir haben vom KJP die Aussage daß Risoeridon (=Risperdal) ODER Dipiperon gehen. Niemals nicht beides zusammen - weil beides über die Leber verstoffwechselt wird und müde macht.
So wie ich das verstanden habe, werden die meisten Medikamente über die Leber verstoffwechselt.

Juniors Medikation wurde letzte Woche umgestellt auf Risperidon und Quetiapin (=Seroquel). Seit dem Absetzen von Levomepromazin ist die bleierne Müdigkeit, deutlich besser geworden aber das ist leider der einzige Fortschritt. Genau so wie vor seinem stationären Aufenthalt sitzt er nur noch auf dem Sofa herum und jammert, daß ihm langweilig ist, gleichzeitig verweigert er jedoch sämtliche Beschäftigungsangebote. Seine Interessen konzentrieren sich fast ausschließlich auf kleinkindhafte Vergnügen wie Einkaufen oder ähnliches und selbst da hat er nur wenig Ausdauer. Auch verliert er an jeglichen Spielsachen, die er unbedingt haben wollte, umgehend nach dem Kauf das Interesse.

Nunja.... vielleicht bin ich ja einfach nur zu ungeduldig und die volle Wirkung der Medikation hat noch gar nicht eingesetzt, aber es kommt mir trotzdem so vor, als seien die wenigen erwachsenen Anteile in ihm fast vollständig verschwunden.

:cry:
Sohn 8/90 atpischer Autismus, Hypogonadismus.


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