Diskussion: Schulpflicht - ja oder nein

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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Jörg75
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Beitragvon Jörg75 » 12.11.2018, 11:13

Moin,
jonasb hat geschrieben:Eine Schülerin hat sich von einem Balkon gestürzt, weil sie zum Jugendarrest sollte, weil sie die Schule geschwänzt hat.

schon diese kurze Sachverhaltsdarstellung halte ich für nach dem derzeitigen Stand der Ermittlungen fraglich. Woher weißt Du, dass das Mädchen sich hinuntergestürzt hat?
Die Polizei schreibt, dass die Umstände des Balkonsturzes ermittelt werden und unklar ist, ob das Mädchen gesprungen oder ausgerutscht ist. Hast du genauere Erkenntnisse?

jonasb hat geschrieben:Gerade nicht einmal volljährig und in den Tod geflohen, weil die Schule so grausam war und keine S verstehen konnte. Weil unsere Gesetze die Kinder in die Schule zwingen.

Woher hast Du deine Erkenntnisse, dass in diesem Fall die Schule so grausam war und keine S(au) die Schülerin verstehen wollte? Das entnehme ich jedenfalls aus den Berichten auf der mdr-Webseite nicht - hast du nähere Erkenntnisse zu diesem Einzelfall?


Nur zum Verständnis: Es geht mir nicht um die Frage, ob Jugendarrest bei Schulschwänzern hilfreich ist oder nicht - m.E. ist er das nicht!
Es geht mir nur darum, dass hier - jedenfalls nach erstem Lesen - etwas unterstellt wird, was ich jedenfalls den öffentlich zugänglichen Quellen nicht entnehmen kann. In den Mitteilungen, die ich gelesen habe, steht nichts über die Ursache der Schwänzerei ... und ja, es gibt sehr hartnäckige Schulschwänzer, die nicht deswegen schwänzen, weil die Schule für sie grausam ist oder sie gemobbt werden, sondern weil sie das cool finden, keinen Bock zur Schule haben, sich alles weggekifft und weggesoffen haben ... nicht jeder Fall der Schwänzerei ist ein Symptom dafür, dass Schule grausam ist!

Gruß
Jörg
K., *2013, Extremfrühchen (27. +3 SSW), ICP, GdB 100 G aG H B, PS II+/ PG 4
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Lisaneu
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Beitragvon Lisaneu » 12.11.2018, 11:33

jonasb hat geschrieben:Guten Morgen. Eine Schülerin hat sich von einem Balkon gestürzt, weil sie zum Jugendarrest sollte, weil sie die Schule geschwänzt hat. Da sieht man, dass Zwang Menschen sogar wortwörtlich in den Tod treiben kann. Armes Mädchen. Mir fällt dazu nichts mehr ein. Gerade nicht einmal volljährig und in den Tod geflohen, weil die Schule so grausam war und keine S verstehen konnte. Weil unsere Gesetze die Kinder in die Schule zwingen.
https://www.mdr.de/sachsen-anhalt/halle ... z-100.html


Hallo jonasb,

ich bin GEGEN die Schulpflicht, aber so Einzelbeispiele, wo nicht mal klar ist, was wirklich und vor allem WARUM passiert ist, bringen in der Diskussion gar nichts.

Hätte das Mädchen dem Jugendarrest aufgebrummt gekommen, weil es wiederholt nicht zur Extrernistenprüfung (Pflicht bei homeschooling) erschienen wäre, hätte es genau dieselbe Kurzschluss-Reaktion geben können (falls wirklich selbstmörderische Absicht dahinter war).

Mit Schulpflicht (oder nicht) hat diese Sache - so traurig sie auch ist - nichts zu tun. Wenn, dann eher mit der Gesetzesgebung, welche Jugendarrest als Strafe für Schule schwänzen vorsieht.

Oder ganz einfach mit der Verzweiflung eines jungen Menschen, der offensichtlich NIRGENDS (nicht in der Schule, nicht zu Hause, nicht im Freundeskreis) jemanden gehabt hat, der gesagt hat "Komm mit, scheißegal, was besseres als keinen Ausweg findest du allemal" (aus dem Lied "Kathi und Sandy" von Reinhard Mey).
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS
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TatjanaR
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Beitragvon TatjanaR » 12.11.2018, 11:35

Hallo!

Ehrlich gesagt, ich bin überrascht, wie man aus diesem Nachrichtenartikel einen Pluspunkt für die (und darum geht es ja in diesem Thread ;-)) für die Befreiung der Schulpflicht finden kann.

Ich empfinde das so wie Jörg, betrachtet man diesen Link ganz sachlich, wird der Grund warum dieses Mädchen auf dem Balkon war, NICHT erwähnt.
Da kann man ganz viel hinein interpretieren :roll:
Tatsächlich Suizid?
Wollte sie über den Balkon einen anderen Weg nach draußen finden?
Oder gab es einen Streit?
Wo waren die Eltern?
Warum wurde geschwänzt?
Das Gericht hat alles durchleuchtet?

Sicherlich werden noch viel mehr Antworten gesucht.




Keine Frage, es ist eine absolute Katastrophe!!!!!!!!





Andererseits, was sollte man dann im Namen von Sicherheit noch abschaffen?
Internet? Cyber-Mobbing ist ein großes Thema
Eltern? Gewalt in der Familie ist ein großes Thema
Hunde? Beißattacken bei den Tieren ist ein großes Thema
Alkohohl (bereits ab 16)? Jugendliche und die Sucht ist ein großes Thema
Impfungen? Folgeschäden ist ein Thema

Und und und..
Ich bin der Meinung, dass die eigene Lebensführung (die man mit aller Freiheit ausführen möchte) die eine Seite ist.. Sicherheit ein anderer Blickwinkel.

Nur mal ein Beispiel im Straßenverkehr:
So viele Unfalltode, auch Kinder. :? :( Und trotzdem steigen wir in das Auto, die Bahn oder was auch immer.
Ich glaube, dass wir Ängste auch unter den Kindern ganz "schön" schüren können.
Und dafür sind wir als Eltern verantwortlich!!!!

Gruß T.

MamaPina
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Beitragvon MamaPina » 12.11.2018, 11:37

Hallöchen,

lt. Aussagen der Mutter wurde das Mädchen gemobbt.

Es hat auch schon einen Schulwechsel gegeben.

https://www.youtube.com/watch?v=rmkbd3NmzBY

Arrest ist keine Lösung.

Was wäre nun die Alternative, zur Schulpflicht? Hausunterricht oder eine Erlaubnis zu erteilen, der Schule fern zu bleiben?

Es tut mir sehr leid für die Angehörigen.

Ein Kind über einen langen Zeitraum nicht zur Schule zu schicken, ist keine Lösung für Schulschwänzer. So eine harte Maßnahme aber auch nicht.



LG

TatjanaR
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Beitragvon TatjanaR » 12.11.2018, 11:51

Hallo

Man darf nicht vergessen, laut dem Artikel lagen 3 Gerichtsbeschlüsse vor. Also dem ging dann einiges vorraus.
Ich könnte mir gut vorstellen, dass man versucht hat, alle Seiten von dem Jugendlichen zu beleuchten. Eltern, Familie überhaupt, Schule, Mitschüler, Freunde...
Da werden doch sicherlich auch Profis zur Unterstützung dazu geholt..

Gruß T.

Lisaneu
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Beitragvon Lisaneu » 12.11.2018, 11:59

MamaPina hat geschrieben:
Was wäre nun die Alternative, zur Schulpflicht? Hausunterricht oder eine Erlaubnis zu erteilen, der Schule fern zu bleiben?

Es tut mir sehr leid für die Angehörigen.

Ein Kind über einen langen Zeitraum nicht zur Schule zu schicken, ist keine Lösung für Schulschwänzer. So eine harte Maßnahme aber auch nicht.


Naja, da widerspreche ich mal. Homeschooling soll garantiert nicht die favorisierte Lösung bei Mobbing sein, aber gerade mal, um ein Kind aus einer akuten Notsituation raus zu holen, könnte es EIN möglicher Weg sein.

Es ist ein Unterschied, ob ein Kind LERNEN verweigert, oder den SCHULBESUCH. Ich wurde in der Hauptschule gemobbt und als ich darüber nicht mehr geschwiegen habe, mit Mord bedroht. Daraufhin hatte ich (kurz vor meinem 13. Geburtstag) einen Nervenzusammenbruch, wo ich mich im Schul-WC eingesperrt habe. Ich wurde dann gewaltsam rausgeholt und habe laut gebrüllt, ich würde mich umbringen, sollte mich irgend jemand jemals wieder dazu zwingen DIESE Schule zu betreten. Und das habe ich vollkommen ernst gemeint. Ich hatte Todesangst vor meinen Mobbern und für mich schien es wirklich als "bessere Lösung" mich selbst umzubringen, als mich von ihnen umbringen zu lassen.

Gott sei Dank wurde ich da (zum ersten Mal in der ganzen Geschichte!) ernst genommen. Ich durfte die Schule wechseln. In der anderen Schule wurde ich zwar weiter gemobbt (lag wohl an meinen Besonderheiten), aber zumindest nicht mehr körperlich attakiert oder mit Mord bedroht.

Homeschooling stand (obwohl damals schon in Ö erlaubt) nie zur Diskussion. Meine Eltern waren auch beide beruftstätig und ich weiß gar nicht, ob sie von der Möglichkeit überhaupt gewusst haben.

Aber genau in SOLCHEN Situationen kann mal zumindest für ein paar Wochen oder Monate raus aus der ganzen Schul-Situation ganz sicher eine gewaltige Entlastung für ein Kind bringen. In meinem Fall wären bis zum Ende des Schuljahres noch 4 Monate gewesen. Mein Notendurchschnitt war damals besser als 2 - also die 4 Monate Schulstoff hätte ich mit nur ein bißchen Unterstützung locker zu Hause geschafft und dann hätte man sich in Ruhe orientieren können, wie es weiter geht (welche Schule kommt in Frage?).

Ist jetzt rein fiktiv, schon klar. Die Sache ist über 30 Jahre her. Ich bezog mich nur auf die Aussage, es wäre keine Lösung ein Kind über einen langen Zeitraum (was genau ist damit gemeint?) nicht zur Schule zu schicken. Warum eigentlich nicht? Wenn das Kind nicht LEISTUNG sondern nur den SCHULBESUCH verweigert könnte genau DAS die Lösung sein. Nicht unbedingt dauerhaft, aber zumindest bis man eine andere Lösung gefunden hat.
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Beitragvon MamaPina » 12.11.2018, 12:59

Hallo Lisaneu, ich würde bei Mobbing einen Arzt oder- und einen Psychologen aufsuchen. Ein Arzt wird das Kind krank schreiben. Schulschwänzer fehlen unetschuldigt, sonst wäre es kein Schule schwänzen. LG

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Beitragvon HeikeLeo » 12.11.2018, 13:35

Schulschwänzer fehlen unetschuldigt


Da habe ich leider schon anderes gehört. Ich habe schon Fälle sehen müssen, wo die Entschuldigungen einer Ärztin ignoriert wurden und das Ordnungsamt von der Schule zu Hilfe geholt wurde - zum Glück war die Mutter energisch genug und das Ordnungsamt vernünftig genug. Die Geschichte hat man dann auf sich beruhen lassen. In dem Fall hatte allerdings die Schule über ihre Kompetenzen hinausgegriffen. Diese Sache war zum Glück nicht bei uns, wobei ich auch schon einiges an Situationen als Mutter miterleben musste, bei denen die Schule ihre Kompetenzen überschritten hat. Die grundsätzliche Haltung ist IMMER in der Schule arbeiten Beamte, die machen prinzipiell ALLES richtig. - Und dann? Wenn man nicht eine Mutter hat, die solche Dinge abfedert?

Liebe Grüße
Heike

Christiane81
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Beitragvon Christiane81 » 12.11.2018, 13:43

Moin,

Jonasb, ich finde es unerträglich, wie Du diesen traurigen Anlass bzw Artikel dazu frei interpretierst, so wie es in Deine Sicht zum Thema "Schulpflicht" passt.

Ich bin FÜR eine Schulpflicht. Und sehr dafür, Rahmenbedingungen an Schulen zu schaffen, die flexible Möglichkeiten schaffen. Sowohl was die Räumlichkeiten angeht, als auch Lehrpläne und personelle Ressourcen. Genauso bin ich nicht für Inklusion um jeden Preis. Natürlich müssen sich Eltern und Kinder in gewissem Rahmen arrangieren, man wird den Schulbesuch nicht für jeden auf Erdbeereisniveau bringen können. Aber dieser Rahmen könnte ja durchaus flexibler und mehr aufs Kind ausgerichtet sein.
Ohne Schulpflicht würden viele Kinder nicht zu ihrem Recht auf Bildung kommen, und wenn ich manchmal lese/höre dass Eltern ihre Kinder selber unterrichten, packt mich das Grausen. Da werden doch diverse Rollen der Eltern/Lehrer/Sozialpädagogen (jaja, haben alle keine Ahnung....) vermischt, und den Kindern wird meiner Meinung nach vieles genommen. Und wenn die Möglichkeiten, die Rahmenbedingungen anpassbarer wären und die personellen Ressourcen vorhanden, würde sich wohl oft die Frage nach Homeschooling nicht stellen.


Viele Grüße
Christiane

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HeikeLeo
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Beitragvon HeikeLeo » 12.11.2018, 14:32

Christiane81 hat geschrieben:Aber dieser Rahmen könnte ja durchaus flexibler und mehr aufs Kind ausgerichtet sein.


Der gesetzliche Rahmen, den wir haben, der könnte durchaus "Erdbeereisniveau" haben. Aber der Rahmen wird leider nicht verwendet, um die Ressourcen einzelner Kinder zu unterstützen.

Deshalb ist es ja notwendig, den Rahmen zu ergänzen. Gerade, weil die Wächter des Gesetzes in der Schule das Recht nach dem Wort statt nach dem Sinn leben.
Und gleichzeitig gibt es noch viel Wohlwollen für Handlungen, die weder nach Wort und Sinn rechtlich gedeckt sind. Aber Schule ist in großem Umfang offenbar rechtsfrei - wie ich aus trauriger Erfahrung weiß.

Und hier noch etwas, was ich heute gefunden habe:

http://www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/usa-lehrer-verpruegelt-schueler-und-bekommt-spenden-ueber-174-000-dollar-a-1237747.html#ref=recom-outbrain

Liebe Grüße
Heike


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