Diskussion: Schulpflicht - ja oder nein

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

Moderator: Moderatorengruppe

GretchenM
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 444
Registriert: 26.01.2016, 18:53

Beitragvon GretchenM » 06.11.2018, 18:48

Hallo,

Mal ganz davon ab sind es nicht nur ein paar „Mobber“ die man rauswerfen muss, und dann ist schon alles wieder gut.

Mobbing ist ein Mechanismus, in dem ganze Klassenstrukturen zum Tragen kommen, und an dem sich auch Kinder oder Erwachsene beteiligen, von denen man „so etwas“ ja nie glauben würde.

Einfach „den Schuldigen,rauswerfen“ funktioniert bei einzelnen Attacken, aber nicht bei Mobbing (weshalb ja heute auch eher der No-Blame-Approach gefahren wird) und deshalb ist auch wichtig Ärgern von Mobbing zu unterscheiden.

Und dabei wird dann auch klar, dass echt jeder Opfer werden kann und es null am Opfer aber sehr am System liegt.

LG

GretchenM

Werbung
 
GretchenM
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 444
Registriert: 26.01.2016, 18:53

Beitragvon GretchenM » 06.11.2018, 18:48

Hallo,

Mal ganz davon ab sind es nicht nur ein paar „Mobber“ die man rauswerfen muss, und dann ist schon alles wieder gut.

Mobbing ist ein Mechanismus, in dem ganze Klassenstrukturen zum Tragen kommen, und an dem sich auch Kinder oder Erwachsene beteiligen, von denen man „so etwas“ ja nie glauben würde.

Einfach „den Schuldigen,rauswerfen“ funktioniert bei einzelnen Attacken, aber nicht bei Mobbing (weshalb ja heute auch eher der No-Blame-Approach gefahren wird) und deshalb ist auch wichtig Ärgern von Mobbing zu unterscheiden.

Und dabei wird dann auch klar, dass echt jeder Opfer werden kann und es null am Opfer aber sehr am System liegt.

LG

GretchenM

Lisaneu
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 1801
Registriert: 27.01.2017, 08:24

Beitragvon Lisaneu » 06.11.2018, 20:24

GretchenM hat geschrieben:Hallo,

Mal ganz davon ab sind es nicht nur ein paar „Mobber“ die man rauswerfen muss, und dann ist schon alles wieder gut.

Mobbing ist ein Mechanismus, in dem ganze Klassenstrukturen zum Tragen kommen, und an dem sich auch Kinder oder Erwachsene beteiligen, von denen man „so etwas“ ja nie glauben würde.

Einfach „den Schuldigen,rauswerfen“ funktioniert bei einzelnen Attacken, aber nicht bei Mobbing (weshalb ja heute auch eher der No-Blame-Approach gefahren wird) und deshalb ist auch wichtig Ärgern von Mobbing zu unterscheiden.

Und dabei wird dann auch klar, dass echt jeder Opfer werden kann und es null am Opfer aber sehr am System liegt.

LG

GretchenM


Hallo GretchenM,


wo habe ich was von "den Schuldigen rauswerfen" geschrieben??? Ich hatte auch nicht vor, den Thread zum Mobbing-Thema umzupolen, nur ist mir das halt AUCH im Zusammenhang mit homeschooling eingefallen.

Und unabhängig von deinen Theorien zum Mobbing kann ich aus persönlicher Erfahrung sagen: meistens gibt es sehr wohl EINEN Rädelsführer und dazu kommen, je nach Anzahl der Mobber, ein oder mehrere treue Gefolgsleute dieses Rädelsführers und einige "Mitläufer".

Ich hab übrigens die Erfahrung gemacht, dass ein "guter" Mobbing-Rädelsführer so ziemlich in jeder Klasse Gefolgsleute und Mitläufer findet.


Aber die Gründe für homeschooling können viel vielfältiger sein, wie ich es auch ausführlich beschrieben habe. Es kann z.B. gerade bei besondern Kindern sein, dass völlig unabhängig von Mobbing oder sonstigen "mißfits" gar keine geeigete Schule in der Nähe ist. Was dann? Das Kind in IRGENDEINE Schule stecken, nur damit der "Pflicht" Genüge getan wird?

In einem vorangegangenen Beitrag habe ich unter anderem erwähnt, dass es z.B. für meinen 6jährigen Sohn (mit seinen spezifischen Handycaps) im Umkreis absolut keine erreichbare Schule geben würde, würde ich noch in meinem Heimatort leben. Warum geht darauf niemand ein oder hat eine gute Lösung? Homeschooling wäre vermutlich nicht die beste, aber mal über das australische System (Fernschule) nachzudenken, könnte vielen Kindern ungeeignete Beschulung ersparen.

Mit "ungeeignet" meine ich z.B. rein lautsprachlichen Unterricht für komplett gehörlose, nonverbale Kinder. Es gibt aber sicher noch mehr Beispiele.
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS
Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist
Mama und Papa stark kurzsichtig (Kommentar eines Optikers: Wie habt ihr euch überhaupt gefunden?)

HeikeLeo
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 597
Registriert: 18.05.2015, 19:34
Wohnort: Fellbach

Beitragvon HeikeLeo » 06.11.2018, 21:55

Mobbing ist ein Mechanismus, in dem ganze Klassenstrukturen zum Tragen kommen


Das denke ich auch. Es sind nicht NUR die Mobber, die das Problem sind, sondern die ganze Sozialstruktur. In großem Umfang sind die Erwachsenen eine wesentliche Ursache. Die Mobber suchen sich irgendein Ventil. Im Grunde genommen ist schon beinahe die SchulPFLICHT eine dieser Ursachen.

Ich hab übrigens die Erfahrung gemacht, dass ein "guter" Mobbing-Rädelsführer so ziemlich in jeder Klasse Gefolgsleute und Mitläufer findet.


Das passt allerdings auch mit dem zusammen, was ich so gesehen habe. Aber in einer friedlichen Umgebung würden sie eben eher eine friedliche Schar um sich sammeln. Da könnte die Bosheit als positiver Antrieb funktionieren.

sonstigen "mißfits" gar keine geeigete Schule in der Nähe ist. Was dann? Das Kind in IRGENDEINE Schule stecken, nur damit der "Pflicht" Genüge getan wird?

Und das ist das schlagendste Argument überhaupt. Nur bei der Schulpflicht gewinnen da leider ganz klar Internate. Wo sich dann wieder andere merkwürdige Dinge ereignen, wie in den katholischen Klosterschulen.

Liebe Grüße
Heike

GretchenM
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 444
Registriert: 26.01.2016, 18:53

Beitragvon GretchenM » 06.11.2018, 22:35

Hallo Lisaneu,

Das bezog sich auf ein Posting von Grace, sorry!

Und ich glaube ganz einfach, dass es Bedingungen gibt, unter denen Mobbing leichter entsteht - sicher gibt es Rädelsführer, das ist ja klar erkennbar, aber die erhalten auch nur unter bestimmten schlechten Bedingungen Zulauf - sobald sich die Bedingungen ändern, bleibt der Zulauf weg.

Ich bin gemobbt worden (und zum Beispiel auf Krücken eine Treppe hinunfergestoßen worden, konnte mich gerade noch halten) und habe zum Beispiel erlebt wie sich eine Rädelsführerin nachdem wir beide zufälligerweise nach einem Schulwechsel von der 10. zur 11. Klasse einer anderen Schule sehr schnell an eine andere, Mobbing nicht fördernde, Situation angepasst hat. Es gab für diese Art von Fehlverhalten einfach keinen Raum mehr, sondern erntete auch von den anderen Schülern nur Unverständnis. Also kam es zur völligen Verhaltensveränderung.

Insofern ist es für mich deutlich, dass es schon sehr auf die Systematik ankommt,die sowieso schon in einer Gruppe herrscht - bzw einer Schule.

Ich denke, ein System von Fernschulen könnte vielen Kindern einiges ersparen - oder eben insgesamt mehr Möglichkeiten zur alternativen Bildung.

LG

GretchenM

grace
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 259
Registriert: 16.08.2012, 15:27

Beitragvon grace » 06.11.2018, 23:07

Lisaneu hat geschrieben:Und unabhängig von deinen Theorien zum Mobbing kann ich aus persönlicher Erfahrung sagen: meistens gibt es sehr wohl EINEN Rädelsführer und dazu kommen, je nach Anzahl der Mobber, ein oder mehrere treue Gefolgsleute dieses Rädelsführers und einige "Mitläufer


.....und dann gibt auch immer die stillen Zuschauer (meistens die Mehrheit) die das eigentlich total Ablehnen, aber nicht mutig oder stark genug sind um sich für das Opfer einzusetzen, ich war zu meiner Schulzeit eine von denen, als Mobbing noch ‘ärgern’ oder ‘hänseln’ hieß...noch heute fühle ich mich schuldig weil ich damals nichts gesagt habe, mit ein bisschen Hilfe von der Schule wäre das so einfach gewesen...

Es gibt sehr wohl Mittel und Strategien welche die Schule benutzten kann um mobbing zu verhindern und im Keim zu ersticken (zähle ich jetz nicht alle auf, würde den Rahmen sprengen und ich bin auch viel zu langsam im schreiben), die Schule meines Sohnes ist nur eine von vielen welche diese erfolgreich einsetzt; ganz selten ist es übrigens vorgekommen das ein Mobber dann tatsächlich gehen musste, wenn alle, Schüler und Lehrer zusammen arbeiten sehen diese es nähmlich oft schnell ein das sie sich falsch verhalten und/oder verlieren ihr “Publikum” und damit ihr Interesse.

In die Schule meines Sohnes gehen circa 1500 Schüler, überwiegend Jungs von 13 bis 19 Jahren, circa 130 haben einen l-Status und 20% hat einen Migrations Hintergrund, also keine einfache Mischung.

Ich finde übrigens gar nicht das Mobber immer ein schlechtes familiäres Umfeld haben oder als Kind selbst gemobbt worden sind, ganz im Gegenteil! Gemobbte Kinder und Jugendliche dagegen benehmen sich als erwachsene meistens sehr korrekt und würden niemals anderen Menschen das antun was ihnen selbst wiederfahren ist.

Solche allgemeinen Aussagen wie ’Täter sind auch Opfer’ oder ‘Das kommt weil Alle sich in der Schule nicht wohlfühlen‘ verharmlosen das Problem und man muss sich dann nicht wundern wenn es immer schlimmer wird.

LG

Grace

Silvia & Iris
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 3576
Registriert: 20.03.2007, 18:32
Wohnort: Österreich

Beitragvon Silvia & Iris » 07.11.2018, 09:09

Hallo ihr Lieben,

da ich gestern mit einer Psychologin gesprochen habe, komme ich jetzt auch mal mit einem anderen Gesichtspunkt. - Meistens haben die gemobbten Kinder ein schwaches Selbstwertgefühl. - und das bemerken die anderen und picken dann darauf rum. - Also muss man das Selbstbewusstsein aufbauen und auch immer wieder auf die Stärken hinweisen! - Leider stoße auch ich immer wieder auf Unverständnis und Ablehnung, da sich die "Normalos" naturgemäß mit dem Thema behindertes Kind gar nicht beschäftigen möchten - das überträgt sich natürlich auf ihre Kinder! - Ein Teufelskreis, den einer alleine gar nicht so ohne weiteres durchbrechen kann...


LG

Silvia
Liebe Grüße
Silvia
Tochter *03/2003, PCH, HG-versorgt, ein Sonnenschein
Sohn *03/2006 AVWS + was so dazu gehört

Lisaneu
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 1801
Registriert: 27.01.2017, 08:24

Beitragvon Lisaneu » 07.11.2018, 09:24

HeikeLeo hat geschrieben:

sonstigen "mißfits" gar keine geeigete Schule in der Nähe ist. Was dann? Das Kind in IRGENDEINE Schule stecken, nur damit der "Pflicht" Genüge getan wird?

Und das ist das schlagendste Argument überhaupt. Nur bei der Schulpflicht gewinnen da leider ganz klar Internate. Wo sich dann wieder andere merkwürdige Dinge ereignen, wie in den katholischen Klosterschulen.

Liebe Grüße
Heike


Selbst wenn man nicht so negativ denkt ist ein Internat eine sehr einschneide Sache für ein Kind. Mein Mann war mit 6 Jahren für ein Jahr im Internat, weil er damals in der Wohnnähe keinen Schulplatz bekommen hätte. Er hat in diesem Jahr (laut seiner Mutter) wirklich gelitten wie ein Hund. Es muss fürchterlich für ihn gewesen sein. Dabei hat er alles konkrete davon verdrängt und erinnert sich an nichts mehr.

Für meinen jüngeren Sohn ist Körperkontakt extrem wichtig. Er kann nicht alleine schlafen, er MUSS die Wärme eines Körpers ganz nah spüren. In der Nacht "wandert" er zu Hause von Bett zu Bett und kuschelt sich abwechselnd an meinen Mann, mich oder seinen Bruder. Wenn er jemanden nicht in seinem Bett findet bekommt er einen nächtlichen Schreikrampf.

Ich könnte mir im Moment absolut nicht vorstellen, ihn in ein Internat zu geben, auch wenn dort keine "komischen Dinge" passieren. Aber was tun, wenn es in 150km Entfernung passende keine Schule gibt?

Ich kenne unpassende Beschulung von einigen Beispielen aus dem Gehörlosenbereich. Zum Beispiel ein gehörloser Bub, mit CIs versorgt und verständlicher Sprache, der als I-Kind aufs Gymnasium ging. Dort waren trotz FM-Anlage die Hintergrundgeräusche einfach zu laut. Der Bub bekam so gut wie nichts vom Unterricht mit, musste aber natürlich trotzdem in der Schule anwesend sein. 1:1 Unterhaltung (in leiser Umgebung) mit ihm war gut möglich, er war in der Klasse akzeptiert, hatte aber keine Freunde.

Da er aber zu Hause alles, was er in der Schule nicht mitbekommen hatte, nachlernen musste (mit Unterstützung der Eltern und Mitschriften von Schulkollegen) war die Nachmittage und Wochenenden mit lernen und Hausübung verplant. Daher hatte er auch keine Zeit und Möglichkeit für Freundschaftspflege außerhalb der Schule.

Ja, der Bub hat mittlerweile erfolgreich maturiert. Das hat er dank seiner engagierten Eltern und seiner eigenen Strebsamkeit, nicht weil er rein körperlich täglich in der Schule anwesend war. Er hat viele Jahre großteils umsonst in der Schule verbracht, was auf Kosten der Lebensqualität gegangen ist.

Hier favorisiere ich nicht homeschooling als perfekte Lösung, aber es wäre zumindest eine weiter Möglichkeit gewesen. Und darum geht es: klar zu sehen, dass zwar für den Großteil der Kinder weiterhin ein regulärer Schulbesuch die beste Möglichkeit ist, dass es aber auch Fälle gibt, wo das nicht der Fall ist.
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS

Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist

Mama und Papa stark kurzsichtig (Kommentar eines Optikers: Wie habt ihr euch überhaupt gefunden?)

HeikeLeo
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 597
Registriert: 18.05.2015, 19:34
Wohnort: Fellbach

Beitragvon HeikeLeo » 07.11.2018, 09:40

Liebe Lisa,

mein Sohn ist zwar nicht gehörlos, aber wir haben aktuell genau das Problem, dass Du schilderst:
Der Bub bekam so gut wie nichts vom Unterricht mit, musste aber natürlich trotzdem in der Schule anwesend sein.

Und es ist ein Elen, das begleiten zu müssen, besonders, wenn von der Schule noch ein gewisser zäher Widerstand geleistet wird, der sich aus purem Unverständnis ableitet.

Und Homeschooling muss ja auch nicht für immer sein. So wie es aber im Moment in Deutschland angelegt ist, ist es ein Weg ohne Wiederkehr. Wenn man sich sehr, sehr, sehr auf die Hinterfüsse stellt und das Kind eine lange Leidensgeschichte an Regelschulen durchlaufen hat, dann kann Web-Schule gemacht werden. Von der Web-Schule aber wieder ins Regelsystem zurückzukehren ist aber nur auf dem Papier vorgesehen.

Da scheint mir das österreichische Modell viel besser.

Liebe Grüße
Heike

Werbung
 
jonasb
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 338
Registriert: 23.02.2018, 18:24

Beitragvon jonasb » 12.11.2018, 10:30

Guten Morgen. Eine Schülerin hat sich von einem Balkon gestürzt, weil sie zum Jugendarrest sollte, weil sie die Schule geschwänzt hat. Da sieht man, dass Zwang Menschen sogar wortwörtlich in den Tod treiben kann. Armes Mädchen. Mir fällt dazu nichts mehr ein. Gerade nicht einmal volljährig und in den Tod geflohen, weil die Schule so grausam war und keine S verstehen konnte. Weil unsere Gesetze die Kinder in die Schule zwingen.
https://www.mdr.de/sachsen-anhalt/halle ... z-100.html
VG, Jonas mit Söhnchen:Periventr'ikuläre Leukomalazie, ICP, Z.n. West-Syndrom mit BNS, Button, Resektion links Parietal, Entwicklungsstörung, Epilepsie... ein heller Stern am Himmel sei 30. Dezember 2018
Vorstellung


Zurück zu „Kindergarten und Schule“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast