Diskussion: Schulpflicht - ja oder nein

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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itsy
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Beitragvon itsy » 05.11.2018, 16:11

Liebe Heike,

danke für deine lieben Worte..

Wir hoffen, dass alles gut wird.
Aber es ist schon anders wenn man ein Kind hat bei dem Schulpflicht zur Katastrophe wird.

lg
ines

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HeikeLeo
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Beitragvon HeikeLeo » 05.11.2018, 16:18

Liebe Ines,

ja genau!

Und bei unserem Nesthäkchen sehen wir jetzt wieder eine ähnliche Entwicklung, obwohl er nicht GB ist. Aber die Grundschule passt einfach nicht. Trotzdem ist er dazu verdammt.
Bildungspflicht wäre schon etwas Feines, auch wenn hier durchaus ein paar die Schulpflicht mit Verve verteidigen.

Liebe Grüße
Heike

Lisaneu
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Beitragvon Lisaneu » 05.11.2018, 19:34

HeikeLeo hat geschrieben:Liebe Ines,

ja genau!

Und bei unserem Nesthäkchen sehen wir jetzt wieder eine ähnliche Entwicklung, obwohl er nicht GB ist. Aber die Grundschule passt einfach nicht. Trotzdem ist er dazu verdammt.
Bildungspflicht wäre schon etwas Feines, auch wenn hier durchaus ein paar die Schulpflicht mit Verve verteidigen.

Liebe Grüße
Heike


Hallo Heike,

diejenigen, die hier die Schulpflicht so verteidigen, haben keine Ahnung wie es ist, wenn Schule tatsächlich Horror bedeutet. Ich (sehr wahrscheinlich nicht diagnostizierte ADHS) wurde in der Hauptschule extrem gemobbt und auch körperlich angegriffen. Also mit U-Hakerl beschossen, mit dem Kopf voran in den Mistkübel gesteckt, auf dem Heimweg wurde mir aufgelauert, 2 Burschen haben mich festgehalten, der dritte ist mit dem Rad auf meinen Zehen auf und ab gefahren...

...lange habe ich mich nicht getraut, daheim davon zu erzählen. Als ich es doch getan habe war vor allem mein Vater sehr empört und hat sich bei der Direktorin beschwert. Die wollte dann Namen aus mir rauspressen, ich habe mich aber nicht getraut, welche zu nennen. Fazit war trotzdem, dass ich am selben Tag in der Pause Mordpläne gegen mich mitbekommen habe. Darauf hatte ich (kurz vor meinem 13. Geburtstag) einen Nervenzusammenbruch und habe angedroht, lieber Selbstmord zu begehen als noch einmal einen Fuß in diese Schule zu setzen.

Ich habe dann mitten im Schuljahr in ein Mädchen-Internat gewechselt. Dort wurde ich nur gemobbt, aber zumindest nicht mehr geschlagen und mit Mord bedroht. Freunde hatte ich keine.

Wenn ich dann lese, wie gerne Kinder in die Schule gehen und wie wahnsinnig wichtig doch die "soziale Komponente" ist, kann ich dem einfach nicht zustimmen. Ja, für die meisten Kinder mag es passen und es geht ja nicht darum, die Schule abzuschaffen. Aber damals hätte mir vermutlich IN DER ZEIT homeschooling oder Privatunterricht rein psychische viel, viel besser getan als die Schule.

Ich kenne in Österreich einige Leute, die sich für homeschooling entschieden haben. Da ist IMMER ein langer Leidensweg in der Schule vorausgegangen. So aus Jux oder weil es sich selbst für besser als die Lehrer hält, macht das keiner.
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS
Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist
Mama und Papa stark kurzsichtig (Kommentar eines Optikers: Wie habt ihr euch überhaupt gefunden?)

grace
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Beitragvon grace » 05.11.2018, 20:54

Liebe Lisa, Itsy und Heikeleo,

Eure Erfahrungen sind einfach schrecklich und leider keine Seltenheit.

Aber es ist doch nicht die Schulpflicht daran Schuld das du Lisa in der Schule von deinen Mitschülern so gepeinigt wurdest und das dein Sohn Heike in der Schule von Lehrern Gewalt erfahren musste!

Die Mobber müssen gehen, nicht die Opfer! Die schlagende Lehrerin muss einen Verweis bekommen und nicht der behinderte Schüler von der Schule runter!

Wir alle müssen dafür kämpfen das solche Zustände in Schulen nicht mehr vorkommen, Null Toleranz für Mobber, unsere Kinder müssen lernen sich gegenseitig zu respektieren, jeder mit seinen Stärken und Schwächen, das kann man aber nicht nur zuhause lernen. Die Mobber trifft man dann auch auf dem Arbeitsplatz, die hören nähmlich nicht von alleine plötzlich damit auf wenn es in der Schule nicht korrigiert wird.

Ich kann verstehen das eine Flucht erstmals die beste Lösung erscheint, ist es aber nicht.

LG

Grace

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Beitragvon HeikeLeo » 06.11.2018, 10:10

Liebe Grace,

Die Mobber müssen gehen, nicht die Opfer! Die schlagende Lehrerin muss einen Verweis bekommen und nicht der behinderte Schüler von der Schule runter!


Die Mobber sind im weiteren Sinne auch Opfer des Systems. Zu Mobbing kommt es immer, wenn sich ALLE nicht wohl fühlen in ihrer Haut. Das Mobbing-Opfer wird zufällig gewählt. Es liegt NIE am Mobbing-Opfer.
Liebe Lisa, es tut mir so leid, was sie bei Dir angestellt haben. Meine Kinder hatten auch alle Zeiten, in denen sie gemobbt wurden - aber nicht so schlimm.

Deshalb kann man nicht erwarten, dass die Mobber gehen. Das System muss verbessert werden. Wenn aber das System nicht ausreichend schnell verbessert werden kann, müssen die Opfer schnell und und unbürokratisch geschützt werden. Das geht bei der Rechtslage mit Schulpflicht nicht.

Liebe Grüße
Heike

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Beitragvon jonasb » 06.11.2018, 11:26

Guten Morgen,man sieht, das Mobbing ist kein Einzelfall. Auch ich wurde in der Schule ziemlich heftig gemobbt, konnte aber zu Hause nicht darüber erzählen, weil zu Hause nicht wirklich der liebevolle Umgang war.
Ich Bin mir aber heute ziemlich sicher, dass jeder, der einen anderen moppt, entweder selbiges in der Familie erlebt oder irgendwo anders geprägt wird. Vielleicht sogar aus der Not heraus so handelt wie er handelt. Heißt nicht, dass ich das gutheiße. Heißt aber, dass jeder der irgendwelche Handlungen vollzieht, die andere schädigen, es auch aus irgendeinem bestimmten Grund tut, vielleicht um sich selber auch etwas Gutes zu tun. Heißt, man muss immer irgendwie reflektieren.
Für mich war Schule der absolute Horror. Schulranzen aus dem Müll Fischen, Hausaufgabenhefte aus der Toilette Fischen, Grenzüberschreitungen erleben... aber im Vergleich zu dem, was ich zu Hause erleben musste, war das in der Schule noch harmlos.
Wenn du als Kind von allen Seiten gesagt bekommst, sowohl von zu Hause als auch in der Schule, dass du nutzlos bist, dass du unfähig bist, dass du wehrtlos bist, dann prägt dich das.
Ich habe diese Gedanken heute auch noch. Klar natürlich versuche ich daran zu arbeiten, ist aber eben auch nicht so einfach. Manchmal will ich auch gar nicht daran arbeiten.
Fakt ist, meine ganze Kindheit hat etwas in mir ausgelöst, dass sich nicht so einfach behandeln lässt. Einen Therapeuten zu finden, der sich mit meiner psychischen Diagnosen gut auskennt, das ist für mich eine riesengroße Herausforderung. Entweder stehe ich auf Wartelisten oder Verde von vornherein abgelehnt, weil man sich mit dieser Diagnose kaum auskennt.

Ich habe das Gefühl, dass Mobbing immer öfter zunimmt und meiner Meinung nach hat das, wie Kinder mit anderen Kindern umgeehen, aber sehr sehr sehr viel damit zu tun, wie mit Kindern umgegangen wird. Wenn ich zu Hause durch Erziehung unterdrückt werde, meine Grenzen überschritten werden, ich sogar abwertende Worte höre, dann verwende ich das weiter, weil es ist eben ein Vorbild-lernen. Oder meine Eltern machen sich über Behinderte lustig und immer Inklusionsklasse ist ein Kind, welches behindert ist. Also verwende ich das, als kleines Kind, in der Funktion, dass ich von den Erwachsenen lerne, es einfach weiter.
Und ich finde auch, viele Lehrer, die Gewalt verwenden haben diese eventuell auch selbst erlebt.
Meiner Meinung nach ist alles ein Kreislauf. Was ich als Kind lernen gebe ich, sofern ich nicht bereit bin es zu reflektieren, dahin zu schauen, unreflektiert an die nächste Generation weiter, die an die nächste Generation weitergeben, wenn diese nicht reflektiert.
VG, Jonas mit Söhnchen:Periventr'ikuläre Leukomalazie, ICP, Z.n. West-Syndrom mit BNS, Button, Resektion links Parietal, Entwicklungsstörung, Epilepsie... ein heller Stern am Himmel sei 30. Dezember 2018
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UrsulaK
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Beitragvon UrsulaK » 06.11.2018, 11:44

Hallo,
Wir alle müssen dafür kämpfen das solche Zustände in Schulen nicht mehr vorkommen


Bis man ein System wie die Schule verbessert, dauert das im besten Fall Jahre im schlechtesten Fall Jahrzehnte.
Was macht man in der Zwischenzeit?

Bestes Beispiel ist für mich die Entwicklung der Schulen für Sonderpädagogik. Zuerst mußten Eltern dafür kämpfen, daß ihre Kinder überhaupt in die Schulen gehen durften. Weil man sich aber überhaupt nicht vorstellen konnte, daß auch behinderte Kinder zusammen mit nicht behinderten Kindern lernen können, hat man komplett ein Parallelsystem hochgezogen (hier spielt immer auch der Zeitgeist eine Rolle). Jahrzehntelang galt dann die Sonderschulpflicht. Was war aber dann mit den Eltern, die sich für ihre behinderte Kinder keine Sonderschule gewünscht, die eine völlig andere Vorstellung von guter Förderung und Erziehung hatten, als sie auf den Sonderschulen gehandhabt wurde?
Es hat wiederum Jahrzehnte gedauert bis die Sonderschulpflicht endlich aufgehoben wurde.
Aus diesem Grund bin ich eben auch für eine Bildungspflicht statt einer Schulpflicht, damit Eltern im Einzelfall das Recht haben sich für einen anderen Bildungsweg als es die Schule bietet, zu entscheiden.

Gruß,
Ursula
Eric, (März 2005), Autismus Spektrum Störung, Verbale Dyspraxie, Dysgrammatismus

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Beitragvon HeikeLeo » 06.11.2018, 12:01

UrsulaK hat geschrieben:Bis man ein System wie die Schule verbessert, dauert das im besten Fall Jahre im schlechtesten Fall Jahrzehnte.
Was macht man in der Zwischenzeit?


Liebe Ursula, du sprichst mir aus der Seele. Genau für die Kinder, die schnell eine Lösung brauchen wäre eine Bildungspflicht eine perfekte Lösung. Damit höhlt man die Schulpflicht ja nicht aus.

Viele, die sich hier für die absolute Schulpflicht ausgesprochen haben, haben schlechte Erfahrungen zu Hause gemacht. Sie haben sich durch die Schulpflicht einen gewissen Schutz abgewinnen können. Deshalb müsste man in jedem Fall die Kinder nach ihren Präferenzen fragen, so wie es bei familiengerichtlichen Verfahren/Sorgerecht ja auch möglich ist.

Liebe Grüße
Heike

GretchenM
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Beitragvon GretchenM » 06.11.2018, 17:53

Hallo,

Nach den Erfahrungen, die sowohl ich als auch mein Kind in der Schule gemacht haben, wäre ich für eine Bildungspflicht. Mir wäre als Kind einiges erspart worden und meinem Kind auch (meinem Sohn hätte ich das erste Schuljahr erspart, mir ein paar Jahre in der Mittelstufe)

Ich denke auch, dass es generell eine wunderbare Idee ist, dass die Schule das Sozialverhalten trainiert usw. Nur habe ich zu oft erlebt, dass eher das Gegenteil der Fall war und eher Mobbing, Gewalt, Recht des Stärkeren und völlige Ausgrenzung die Regel waren.

Es sollte Angebote geben, die es Kindern erlauben, zusammen zu kommen - ohne Leistungsdruck und viel freier. Und eben auch nicht verpflichtend, sondern eben als Angebote.

Ein Kind sollte das Recht haben, aber nicht die Pflicht.

Ich bin überzeugt, so mancher ehemals ,„Schulunwillige“ ohne Abschluss hätte heute einen (besseren) Abschluss, wenn er nicht zu einer Schule gemusst hätte in der er psychisch und körperlich vor allem damit beschäftigt war, das Mobbing zu ertragen statt zu lernen.

Ich halte die Schulpflicht für einen Anachronismus.

LG

GretchenM

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Lisaneu
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Beitragvon Lisaneu » 06.11.2018, 17:57

grace hat geschrieben:Liebe Lisa, Itsy und Heikeleo,

Eure Erfahrungen sind einfach schrecklich und leider keine Seltenheit.

Aber es ist doch nicht die Schulpflicht daran Schuld das du Lisa in der Schule von deinen Mitschülern so gepeinigt wurdest und das dein Sohn Heike in der Schule von Lehrern Gewalt erfahren musste!

Die Mobber müssen gehen, nicht die Opfer! Die schlagende Lehrerin muss einen Verweis bekommen und nicht der behinderte Schüler von der Schule runter!

Wir alle müssen dafür kämpfen das solche Zustände in Schulen nicht mehr vorkommen, Null Toleranz für Mobber, unsere Kinder müssen lernen sich gegenseitig zu respektieren, jeder mit seinen Stärken und Schwächen, das kann man aber nicht nur zuhause lernen. Die Mobber trifft man dann auch auf dem Arbeitsplatz, die hören nähmlich nicht von alleine plötzlich damit auf wenn es in der Schule nicht korrigiert wird.

Ich kann verstehen das eine Flucht erstmals die beste Lösung erscheint, ist es aber nicht.

LG

Grace


Mobbing ist nur EINE Sache, die einem Kind die Schule unerträglich machen kann. Es gibt auch andere Dinge, gerade bei besonderen Kindern. Das kann z.B. die Unmöglichkeit der Bewegung sein, der (Hintergrund-)Lärm oder auch permanente Unter- oder Überforderung, sei es durch den Schulstoff oder durch soziale Erwartungshaltungen.

Was die Aussage "Die Mobber müssen gehen" betrifft stellt sich die Frage: Wohin? An die nächste Schule, wo sie munter weiter machen? Wohin sonst, es gibt ja Schulpflicht!

Die schlagende Lehrerin kann man immerhin suspendieren.

Bei den Mobbern unterscheide ich grob zwischen 2 Gruppen. Die erste sind Kinder, welche in prämieren Verhältnissen aufwachsen und selbst oft schon (passiv) Gewalt erfahren haben.

Die anderen sind Kinderaus ganz normalen Familien, die einfach sozial- emoptional unreif bzw. überfordert sind oder eine Wahrnehmungsstörung (teilweise verbunden mit fehlender Empathie) haben.

Bei der ersten Gruppe ist homeschooling nicht unbedingt eine Option, bei der zweiten kann es (wenn es die Eltern selbst wollen und sich zutrauen) für alle Beteiligten ein Segen sein - für die lohnenden wie für die gekonnten Kinder!
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS

Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist

Mama und Papa stark kurzsichtig (Kommentar eines Optikers: Wie habt ihr euch überhaupt gefunden?)


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