Diskussion: Schulpflicht - ja oder nein

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

Moderator: Moderatorengruppe

Lisaneu
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 1747
Registriert: 27.01.2017, 08:24

Beitragvon Lisaneu » 04.11.2018, 14:27

Lisaz hat geschrieben:
Hallo Lisa,

Anrede und Gruß wären nett, und du kannst davon ausgehen, dass ich nachdenke.

Möglicherweise haben die Behörden geschlampt, möglicherweise haben die Eltern durch Umzüge etc. ihr Tun verschleiern können. Näheres habe ich dem Artikel nicht entnehmen können.

Zuallererst sind die Eltern in der Pflicht, denn diese haben sich für das Freilernen entschieden und sich verpflichtet, das Kind jährlich prüfen zu lassen. Das haben sie unterlassen. Eltern, die sich für diese Unterrichtsform entscheiden, sollte schon bewusst sein, dass sie eine besondere Verantwortung tragen.

Ich behaupte auch nicht, dass das Freilernen an sich das Kindeswohl gefährdet, aber wenn Menschen involviert sind, die mit dieser Freiheit nicht umgehen können, leiden die Kinder.

Lg Lisa


Hallo Lisaz,

ich gebe dir insofern recht, dass die Eltern in der Pflicht sind. Das sind sie aber unabhängig davon, ob Schul- oder Bildungspflicht besteht.

Es gibt nun mal leider Eltern, die ihrer Verantwortung NICHT nachkommen. Das hat aber nichts damit zu tun, ob das Kind in die Schule geht oder zum Heimunterricht angemeldet

Ein Kind kann auch auf dem Papier an einer Schule angemeldet sein, aber nicht oder nur sporadisch hingehen. Und gerade bei sozial schhwierigen Kindern sind es oft die Eltern, die ihre Kinder eben einfach nicht in die Schule bringen. Es ist auch gar nicht so selten, dass die Eltern dann eben einfach Entschuldigungen schreiben.

Hier obliegt es der Schule, erst mal Kontakt zu den Eltern zu suchen und sie nachdrücklich auf ihre Verpflichtung, den Kindern den Schulbesuch zu ermöglichen, hinzuweisen. Funktioniert das nicht gibt es erst mal Verwaltungsstrafen (in Österreich bis Euro 660,-) und wenn es dann immer noch nicht klappt kann das Jugendamt eingeschaltet werden. Im Extremfall können solchen Eltern die Kinder sogar vorübergehend oder dauerhaft weggenommen werden.

Bei der Unterrichtspflicht ist es dasselbe. Wenn ein Kind zum homeschooling angemeldet ist, aber (unentschuldigt) nicht zur Externistenprüfung erscheint, müssen die Eltern erst mal auf ihre Verpflichtung hingewiesen werden. Sollte das trotzdem nicht funktionieren ist der übliche Weg, dass der Bezirksschulrat auf einem erfüllen der SCHULpflicht besteht.

Dasselbe passiert übrigens auch wenn ein Kind die Externistenprüfung nicht bestehen sollte. Eine Möglichkeit zur Nachprüfung (wie sie in der Schule besteht) gibt es nicht. Prüfung nicht bestanden bedeutet - dieselbe Schulstufe AN EINER ANERKANNTEN SCHULE zu wiederholen.

Warum in einem Einzelfall geschlampt wurde lässt sich im Nachhinein schwer feststellen, vor allem dann, wenn man die Info nur aus einer Zeitung hat.

Aber es war definitiv nicht der häusliche Unterricht, der das Kindswohl gefährdet hat, sondern die Tatsache, dass die Eltern ihren gesetzlich klar geregelten Pflichten nicht nachgekommen sind.

Menschen, die mit ihrer Freiheit nicht richtig umgehen können, gibt es überall. Das ist aber kein Grund, für alle die Freiheiten abzuschaffen. Es gibt schließlich auch keinen "Kinder-Führerschein" (wo doch so häufig vom möglichen Hunde-Führerschein die Rede ist), und immer noch ist in vielen Familien Gewalt und Vernachlässigung an der Tagesordnung.

Doch während im Fall von Gewalt Hinweise von Außenstehenden kommen müssen (z.B. durch Anzeige beim JA), damit die Behörden eingreifen können, lässt sich in Sachen Schul- oder auch Bildungspflicht leicht nachweisen, ob alle elterlichen Pflichten korrekt erfüllt wurden.
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS
Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist
Mama und Papa stark kurzsichtig (Kommentar eines Optikers: Wie habt ihr euch überhaupt gefunden?)

Werbung
 
Lisaneu
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 1747
Registriert: 27.01.2017, 08:24

Beitragvon Lisaneu » 04.11.2018, 14:53

Andrea5 hat geschrieben:Natürlich passiert es, dass Kinder von der Schulfplicht befreit werden, weil sie angeblich nicht tragbar sind für die Schule. Und bei Bildungspflicht denke ich können diese Fälle noch viel mehr häufiger auftreten. Und im Normalfall können sich Eltern so etwas überhaupt nicht leisten. Zeitlich und auch finanziell (weil man sich beruflich sehr einschränken muss oder seine Arbeit komplett aufgeben.

Was ich damit sagen möchte, Bildungspflicht darf nicht als Hintertür von den Schulen missbraucht werden und alles auf die Eltern abzuladen.
Schulpflicht muss natürlich verbessert werden, da gibt es zuviele Defizite, dass sehe ich auch so.

LG Andrea


Hallo Andrea!

Das ist etwa so, als würde man nicht mehr erlauben, dass Ärzte privat ordinieren, weil dann die Kassenärzte Patienten ablehnen und zu Privatärzten schicken könnten.

Tatsächlich kommt so etwas in der Praxis bestimmt ein vielfaches häufiger vor, als dass Eltern mit dem Argument des homeschoolings von Seiten der Schule die Aufnahme ihrer Kinder verweigert wird.

Ich kenne keine Schule, die aktiv für Homeschooling wirbt. Das wäre auch kontraproduktiv, damit würde sich die Schule ja selbst ein Armustzeugnis ausstellen. Was durchaus vorkammen kann (auch wenn Schulpflicht besteht) ist, dass bestimmte Schüler aus bestimmten Gründen (über deren Nachvollziehhbarkeit man streiten kann) abgelehnt werden.

Wie gesagt, ich wohne in Österreich, wo homeschooling erlaubt ist, und da ist mir so was überhaupt (Schule lehnt Kind ab und schlägt homeschooling vor) noch nie untergekommen, nicht mal vom hören-sagen.

Ich bin aber auch die Mutter eines besonderen Sohnes, für den Beschulung alles andere als einfach ist. Es gibt EINE EINZIGE Schule im Umkreis von ca. 150km, welche für meinen Sohn in Frage kommt. Wir haben das riesige Glück, nur 6km von dieser Schule entfernt zu wohnen :D .

Würden wir z.B. 140km entfernt (in meinem Geburtsort) wohnen, wäre die einzige Möglichkeit, meinen Sohn in einer passenden Schule unterzubringen, ein Internat. Und das bei einem Kind, für das Körperkontakt und körperliche Nähe essenziell sind!

Häuslichen Unterricht darf ich für meinen Sohn aber nicht in Anspruch nehmen, weil klar geregelt ist, dass die Exxternistenprüfung aus einem schriftlichen und einem mündlichen Teil besteht und der mündliche Teil in deutscher Lautsprache absolviert werden muss. Mein Sohn ist aber komplett gehörlos und kann deutsche Lautsprache weder verstehen noch sprechen.

Rein theoretisch könnte er eine I-Klasse mit einer Schulbegleitung besuchen. Praktisch ist das aber nicht machbar, weil mein Sohn ständig lautiert (ohne sich dessen selbst bewusst zu sein) und somit den Unterricht ständig stören würde. Außerdem ist praktisch unmöglich, eine Schulbegleitung zu finden, deren Gebärdensprachkompetenz ausreicht, um den Unterrichtsstoff zu übersetzen.

Gehörlose Kinder haben es im Schulsystem generell schwer. Sie müssen jeden Tag etliche Stunden in Klassen sitzen, wo sie den Großteil des Unterrichts nicht verstehen, und alles dann mühsam (und mit viel Unterstützung der Eltern) zu Hause nachlernen. Gerade einzeln inkludierte Kinder tun sich in der Schule auch mit sozialen Kontakten schwer. Meistens werden sie von den Mitschülern akzeptiert, Freundschaften bilden sich aber selten. Bis sie einen Schulabschluss in Händen halten haben sie tausende von Stunden sinnlos in Klassenzimmern verbracht.

Homeschooling ist zwar hier auch nicht die optimale Lösung (die wenigsten Eltern verfügen über die zeitlichen und intellektuellen Ressourcen), aber gerade hier wäre durchaus sinnvoll, sich mal das australische Modell näher anzusehen. Ein gebärdensprachkompetenter Lehrer, der zeitgleich mehrer Kinder über Bildschirm unterrichtet und auch für Fragen zur Verfügung steht, könnte den Alltag dieser Kinder wesentlich erleichtern. Nur muss man eben bereit sein, über solche möglichen Wege nachzudenken und darf nicht gleich vorweg alles verteufeln, was es "bis jetzt nicht so gegeben hat".
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS

Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist

Mama und Papa stark kurzsichtig (Kommentar eines Optikers: Wie habt ihr euch überhaupt gefunden?)

HeikeLeo
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 539
Registriert: 18.05.2015, 19:34
Wohnort: Fellbach

Beitragvon HeikeLeo » 04.11.2018, 16:25

Aber ich kann die Schulpflicht auch einklagen, wenn mein Kind nicht mehr zur Schule darf.
Weil es ein Grundrecht ist.


Da hilft die Schulpflicht leider nicht.

[url]https://www.zvw.de/inhalt.waiblingen-inklusion-im-system-so-nicht-vorgesehen-page1.ea2931d3-b49a-4aad-bcd4-3802cfb7a6c1.html
[/url]

Liebe Grüße
Heike

HeikeLeo
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 539
Registriert: 18.05.2015, 19:34
Wohnort: Fellbach

Beitragvon HeikeLeo » 04.11.2018, 16:29

Andrea5 hat geschrieben:Aber ich kann die Schulpflicht auch einklagen, wenn mein Kind nicht mehr zur Schule darf.
Weil es ein Grundrecht ist.


Da hilft die Schulpflicht leider nicht.

[url]https://www.zvw.de/inhalt.waiblingen-inklusion-im-system-so-nicht-vorgesehen-page1.ea2931d3-b49a-4aad-bcd4-3802cfb7a6c1.html
[/url]

Liebe Grüße
Heike

HeikeLeo
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 539
Registriert: 18.05.2015, 19:34
Wohnort: Fellbach

Beitragvon HeikeLeo » 04.11.2018, 16:31

Andrea5 hat geschrieben:Aber ich kann die Schulpflicht auch einklagen, wenn mein Kind nicht mehr zur Schule darf.
Weil es ein Grundrecht ist.


Da hilft die Schulpflicht leider nicht.



https://www.zvw.de/inhalt.waiblingen-inklusion-im-system-so-nicht-vorgesehen-page1.ea2931d3-b49a-4aad-bcd4-3802cfb7a6c1.html

Liebe Grüße
Heike

Benutzeravatar
Andrea5
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 5262
Registriert: 12.10.2006, 10:47

Beitragvon Andrea5 » 04.11.2018, 18:11

Lisaneu hat geschrieben:Hallo Andrea!

Tatsächlich kommt so etwas in der Praxis bestimmt ein vielfaches häufiger vor, als dass Eltern mit dem Argument des homeschoolings von Seiten der Schule die Aufnahme ihrer Kinder verweigert wird.

Ich kenne keine Schule, die aktiv für Homeschooling wirbt. Das wäre auch kontraproduktiv, damit würde sich die Schule ja selbst ein Armustzeugnis ausstellen. Was durchaus vorkammen kann (auch wenn Schulpflicht besteht) ist, dass bestimmte Schüler aus bestimmten Gründen (über deren Nachvollziehhbarkeit man streiten kann) abgelehnt werden.




Hallo Lisa,

Homeschooling ist in Deutschland eh verboten:

https://www.focus.de/familie/schule/rec ... 29373.html

Es gibt aber eine absolute Ausnahme, wenn Kinder länger als 6 Wochen krank sind. Dann kommt ein Lehrer von der Schule nach Hause und unterrichtet.

https://www.wp.de/region/sauer-und-sieg ... 32545.html

Ich denke nur wenn in Deutschland aus der Schulpflicht in Deutschland Bildungspflicht werden würde, dann könnte sich für unsere besonderen Kinder vielleicht vieles zum negativen ändern. Da könnte die Bildungspflicht eventuell vermehrt auf die Eltern abgewälzt werden. Da meine ich mit dem Hintertürchen.

Übrigens besucht mein Autist eine Waldorfförderschule. Bei uns gibt es keine Schulen für Autisten.



Mein Sohn Ben ist frühkindlicher Autist und besucht eine Waldorfförderschule und dort gibt es nur indirekte Inklusion, d.h alle Förderbereiche werden zusammenunterrichtet, Und da auch noch eine geistige Behinderung vorliegt, gibt es nur die Alternative Waldorfförderschule oder die staatliche Schule für geistige Entwicklung. Auf
der GB-Schule gibt es auch keine direkte Inklusion.

Da kann ich leider nicht mitreden. Ich glaube dort geht es eher um Asperger
Autisten. Und da lese ich leider häufiger solche Sachen mit Unbeschulbarkeit.

LG Andrea
Andrea Bj.1965/ Jan 11/98 KISS(KIDD), Legasthenie mit kormobide AVWS
/Ben 01/04 KISS(KIDD)2 Jahre blockadefrei , frühkindl. Autismus, Wahrnehmungsprobleme, expressive Sprachstörung , Hyperakusis
"WAS NICHT PASST, WIRD PASSEND GEMACHT" (von Peter Thorwarth)

Lisaneu
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 1747
Registriert: 27.01.2017, 08:24

Beitragvon Lisaneu » 04.11.2018, 19:25

Andrea5 hat geschrieben:
Hallo Lisa,

Homeschooling ist in Deutschland eh verboten:

https://www.focus.de/familie/schule/rec ... 29373.html

Es gibt aber eine absolute Ausnahme, wenn Kinder länger als 6 Wochen krank sind. Dann kommt ein Lehrer von der Schule nach Hause und unterrichtet.

https://www.wp.de/region/sauer-und-sieg ... 32545.html

Ich denke nur wenn in Deutschland aus der Schulpflicht in Deutschland Bildungspflicht werden würde, dann könnte sich für unsere besonderen Kinder vielleicht vieles zum negativen ändern. Da könnte die Bildungspflicht eventuell vermehrt auf die Eltern abgewälzt werden. Da meine ich mit dem Hintertürchen.

Übrigens besucht mein Autist eine Waldorfförderschule. Bei uns gibt es keine Schulen für Autisten.


Ich weiß, dass in Deutschland Schulpflicht besteht. Daher spreche ich in meinen Beiträgen für Österreich, wo diese nicht besteht. Und auch hier habe ich NOCH NIE, nicht einmal über 10 Ecken gehört, dass eine Schule ein Kind abgewiesen hat, mit der Begründung, es könne zu Hause unterrichtet werden. Da wird gar nichts abgewälzt. Viele Österreicher wissen nicht mal, dass hier keine Schul- sondern nur Bildungspflicht besteht.

Spezielle Schulen für Autisten gibt es in Österreich auch nicht. Die meisten Autisten, die ich kenne, besuchen I-Klassen in ganz "normalen" Schulen. Waldorfschulen und Waldorfförderschulen gibt es bei uns natürlich auch. So gesehen hätte ich eine ganze Menge Alternativen, wenn mein älterer Sohn (ADHS und Asperger Autist) - aus welchen Gründen auch immer - seine Schule nicht mehr besuchen dürfte.

Beim jüngeren Sohn schaut es ganz anders aus. Der ist gehörlos, verweigert autismusbedingt seine Horchis zu tragen, und kommuniziert ausschließlich in österreichischer Gebärdensprache. Er ist sehr verhaltenskreativ und hat außerdem Fluchttendezen (vor 6 Wochen hat ihn die Polizeit 3 Stunden gesucht :shock: !). Daher braucht er unbedingt eine Kleinklasse mit gutem Betreungsschlüssel. Selbst bei Gehörlosentreffen mit Kinderbetreuung ist es ihm immer wieder gelungen, in einem unbeobachteten Moment abzuhauen.

Er braucht außerdem Lehrer, die sich mit Autismus auskennen und wissen, was z.B. bei einem Meltdown-Anfall zu tun ist. Und da er normal intelligent ist braucht er auch gebärdensprachigen Unterricht auf einem hohen Niveau.

Es wäre absolut sinnlos, ihn in irgendeine Schule zu geben, wo keiner seine Sprache versteht und wo ihm der Unterrichtsstoff nicht vermittelt werden kann. Und gebärdensprachige Schulbegleiter gibt es einfach nicht. Wer täglich 4 Stunden Unterrichtsstoff von Deutsch in ÖGS dolmetschen kann, arbeitet nicht als Schulbegleiter sondern als professioneller Dolmetscher, wo er ein vielfaches verdient.

Allein die Anforderungen Kleinklasse UND gebärdensprachig erfüllt im Umkreis von 150km genau EINE Schule. Dass sich hier sogar eine Autisten-Klasse ergeben hat war reines Glück. Würde diese Schule morgen schließen - ich wüßte nicht, was ich tun sollte!

Homeschooling gibt es in diesem Fall nicht, weil SPF besteht und die Externistenprüfung nicht in deutscher Lautsprache abgelegt werden kann.

Einzige Möglichkeit wäre ein Internat an einer weit entfernten Schule. Oder, dass wir unsere Eigentumswohnung verkaufen, unsere Jobs aufgeben und dort, wo es eine passende Schule gibt, noch mal komplett neur anfangen.
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS

Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist

Mama und Papa stark kurzsichtig (Kommentar eines Optikers: Wie habt ihr euch überhaupt gefunden?)

UrsulaK
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 711
Registriert: 10.03.2007, 11:06

Beitragvon UrsulaK » 05.11.2018, 10:33

Hallo Zusammen,

es gibt eine Umfrage vom Bundesverband Autismus zum Thema Schule.
Hier ist der Link:
https://www.autismus.de/fileadmin/RECHT ... mfrage.pdf

Nach dieser Umfrage ist schon mal jeder 5. Schüler mit Autismus vom Schulunterricht zumindest zeitweise ausgeschlossen worden. Und das trotz Schulplicht!

Nach unseren jetzigen Gestzen müssen die Schüler eben physisch in der Schule anwesend sein, um zu Bildung zu kommen. Es herrscht eben Schulpflicht nicht Bildungspflicht!
Eltern haben keine Wahl z.B. eine Webbeschulung zu wählen, wenn dies für das Kind besser passen würde.

Gruß, Ursula
Eric, (März 2005), Autismus Spektrum Störung, Verbale Dyspraxie, Dysgrammatismus

Benutzeravatar
itsy
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 3020
Registriert: 08.08.2006, 07:56

Beitragvon itsy » 05.11.2018, 11:07

Hallo ich kopiere mal meinen Beitrag von Seite 5 hier ein: Vielleicht hat ja doch Jemand Erfahrung oder kann etwas dazu sagen.

lg ines





BeitragVerfasst am: 31.10.2018, 06:29 Titel: Antworten mit Zitat
Hi,

vorab ich kenne den Film nicht, ich habe hier jetzt nur einige Beiträge gelesen. Ich mache mir jedoch seit einiger Zeit Gedanken Eure Meinungen, Erfahrungen zu erbitten, hab mich aber trotzdem zurück gehalten. Als ich die Überschrift gelesen habe, dachte ich ok ! Nun vielleicht doch.

Vorab ich habe einige Zeit in Belgien gewohnt , dort gibt es z.b. die Bildungspflicht und nicht die Schulpflicht. In meiner näheren Umgebung gab es niemanden der zu Hause unterrichtet wurde, die Kinder gingen zur Schule:-)

In Deutschland gibt es auch die Möglichkeit der Hausbeschulung.

Aber nun zu dem "Schule/Gewalt" Punkt.

Unser Sohn GB , 15,5 Jahre alt. Leidet in der Schule, wir haben Gutachten, das Jugendamt eingeschaltet, Gespräche geführt usw.....( würde zu viel werden ) die Rektorin / Lehrer sehen ein komplett anderes Kind. Nachdem nun alle Gespräche mit Schulamt und einer Testphase ( in der der Junge mit SB alleine in einer Trainigswohnung war Sad ) haben wir nach einer Alternative gesucht, wie er dennoch Teilhabe haben kann. Da wir bereits einen Sohn in einer WfbM haben , habe ich mit den dortigen Fachleuten gesprochen, wir hätten die Möglichkeit ihn sehr schnell in eine Heilpädagogische Gruppe dort zu geben.

Antrag auf Ruhen der Schulpflicht gestellt /Ausschulung ( NRW ) nach §40/2 bei einem weiteren Gespräch verweigerte man seitens Rektorin dies, an die Schulrätin gewandt auch sie will nicht.

Jetzt Bezirksregierung eingeschaltet, es bewegt sich etwas Smile

Die Quälerei des Kindes geht über Jahre in denen wir kämpfen. Das Kindeswohl wurde seitens Schule komplett ignoriert.
Da wurden SPZ Gutachten als " Gefälligkeitsgutachten" usw. abgetan.

Als es jetzt eng wurde, hatte man uns Hausbeschulung angeboten. Leider haben sie immer noch nicht verstanden, das sie Anforderungen an den Jungen stellen die er nicht erfüllen kann.

Meine Frage hat jemand von Euch schon einmal in NRW diese Ausschulung durchgesetzt??
Für Erfahrungen wäre ich sehr dankbar.

lg
Ines
p.s. die Auswirkungen des Leides sind, Selbstverletzung, Einkoten, Einnässen, usw....

Insofern, zu dem Thema ja es für manche Kinder/Situationen Gewalt am Kind.
Wer kann den Schaden, der hier bei dem Kind vorsätzlich gelegt wurde je gut machen?
Alles aus "Schulpflicht" Bildungsauftrag heraus.

Werbung
 
HeikeLeo
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 539
Registriert: 18.05.2015, 19:34
Wohnort: Fellbach

Beitragvon HeikeLeo » 05.11.2018, 14:28

Liebe Ines,

p.s. die Auswirkungen des Leides sind, Selbstverletzung, Einkoten, Einnässen, usw....

Das berührt mich sehr. Wir hatten genau das Gleiche - auch vom vorherigen Verlauf. Mein Sohn wurde dann mit 15 in Baden-Württemberg ausgeschult.

. Leider haben sie immer noch nicht verstanden, das sie Anforderungen an den Jungen stellen die er nicht erfüllen kann.


Die Schule bzw. die Schulbehörden haben daraus aber keine Erfahrungen gezogen. Mein Sohn hat sich dann in 1-2 Jahren komplett zu Hause etwas erholt. Wir haben ihn dann erneut sehr langsam in eine Waldorfschule für Schwerstmehrfachbehinderte eingewöhnt.
Dort waren die Bedingungen erheblich besser, aber es war für ihn trotzdem zu anstrengend. Mit 21 wollten sie dann auch eine Schulbegleitung für ihn. Das Amt hat ihm für sein Kind (?!!) keine Schulbegleitung gewährt und wir haben ihn dann abgemeldet. Mit 21 gibt es ja keine Schulpflicht mehr. Halleluja.
Später habe ich dann erfahren, dass er in der zweiten Schule auch ständig geschlafen habe (zu Lasten meines Nachtschlafes).

Dadurch, dass Schulpflicht an physische Anwesenheit gebunden ist, wird Bildung in solchen Fällen verweigert.

Lesen und Schreiben hat er nach der Schule (ab 21) zu Hause gelernt. Inzwischen kotet er auch nicht mehr durchgehend ein!!! Das Einkoten war bei uns nur eine Reaktion auf das Toilettentraining in der Schule.
Durch die Schule ist ein ohnehin vorbelastetes Kind sehr schwer beeinträchtigt worden.

Mit Bildungspflicht hätte er früher etwas lernen können und er hätte nicht so tiefe Elendstäler durchwandern müssen.

Liebe Grüße
Heike


Zurück zu „Kindergarten und Schule“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste