Strafarbeit

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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HeikoK
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Beitragvon HeikoK » 30.10.2018, 10:00

Hallo Emma,

ich finde prinzipiell auch das Konsequenzen wichtig sind (Wobei dieses "100x schreiben schon so vorsintflutlich anmutet das man nur den Kopf schütteln kann).

Was ich aber an der Sache viel wichtiger finde.... Das Fehlverhalten trat auf, als er OHNE seine SB in der Schule war. Die SB hat er ja nicht ohne Grund, und wenn es an einem tag ohne SB zu Fehlverhalten kommt, sollte man das in meinen Augen nicht dermaßen sanktionieren. Wenn er keine Probleme hätte, bräuchte er ja die SB nicht.... und ich lege mal meine Hand dafür ins Feuer, das seine Probleme nicht mit 100x schreiben gelöst werden.... :twisted:
Vielleicht nochmal das Gespräch mit dem Lehrer suchen?
Gruß
Heiko
Logopäde
Sprachanbahnung, Fachtherapeut für kindliche Schluckstörungen

"Wie hast du den Vogel zum Singen gebracht, Momo? Niemand hat das bisher geschafft!" "Ich denke, man muss ihm auch zuhören, wenn er nicht singt!" (M.Ende)

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Bika
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Beitragvon Bika » 30.10.2018, 11:28

Hallo,

Dein Sohn hat den Tag ohne SB, bis auf das Dazwischenquatschen, einigermaßen gewuppt und wird jetzt dafür bestimmt gelobt und positiv bestärkt, oder?

Ups, neeeeeee,
er soll 100 mal einen Satz aufschreiben, wohlwissend, was für eine Qual das für ihn bedeutet!

In ähnlichen Situationen schrieb und schreibe ich eine höfliche E-Mail an den Klassenlehrer und lege den Sachverhalt aus der Perspektive meines Kindes dar.

Bis jetzt gab es darauf immer ein verständnisvolles Entgegenkommen.

Lehrer reagieren ja auch oft nur aus der Situation heraus, ohne immer den gesamten Hintergrund dabei im Kopf zu haben und sind aufgeschlossen, wenn man neutral und höflich eine andere Perspektive anbringt.

Dein Sohn soll lernen, seine Impulse zu steuern.
Eine Strafaufgabe, die mit einem hohen Frustrationspotential behaftet ist, eigenet sich dafür nicht, kann sogar contraproduktiv sein.
Das wird auch nicht im Interesse der Schule sein.

LG

RikemitSohn
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Beitragvon RikemitSohn » 30.10.2018, 11:59

Hallo,

als Mutter eines ADHSlers würde ich diese Strafarbeit nicht gut finden. Nebendem dass so etwas Stupides für mich nicht mehr in die heutige Zeit passt.
Ich halte so eine Aufgabe nicht für hilfreich, da ein Kind mit ADHS in der Regel weiß, was richtig ist, aber es in der Situation durch die mangelnde Impulskontrolle nicht einhalten kann. Wenn es dann mit so harten Strafen rechnen muss, steigt ja eher der Stresspegel und die Situation eskaliert noch leichter. Zu sagen, dass er da durch muss und er sich das dann schon merken wird, ist kurzsichtig und nicht ganz fair. Das Kind hat die SB ja nicht aus Spaß dabei.
Und unabhängig von ADhs und co finde ich die Strafe auch für ein gesundes Kind übertrieben.

LG Rike
Mama mit Sohn 2004 ADHS und HB

Mama Ursula
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Beitragvon Mama Ursula » 30.10.2018, 13:12

Guten Morgen,

seit gestern schleiche ich um diesen Beitrag.

Ich bin nicht der Meinung, dass "Strafe" sein muss oder gar etwas bringt, weshalb sie eigentlich in der aktuellen (Schul-) Pädagogik auch keine Anwendung mehr findet/ finden sollte!

Sinnvoll wären in meinen Augen 3 Dinge.

1. In der Situation direkt für Abhilfe sorgen:
" Ich sehe, Du kannst Dich auf diesem Platz gerade schwer auf die Einzelarbeit konzentrieren und Lenkstange dadurch auch die anderen ab. Es ist besser, Du setzt Dich einzeln, um rasch mit den Aufgaben fertig zu werden. Du kannst Dich entweder an "diesen" Tisch setzen oder die Aufgaben vor der Tür machen.
Sobald Du fertig bist, kommst Du damit zu mir und wir schauen, was Du herausbekommen/ gemacht hast."

2. Sollte Dein Sohn nicht fertig werden, erledigt er den Rest Zuhause!
Und schreibt evtl. noch eine kurze "Reflektoren", warum er heute so abgelenkt und ablenken war und was er denkt, was IHM beim nächsten Mal in so einer Situation helfen könnte oder wie sich solche Situationen generell besser vermeiden lassen.

Mein Chaot hat so für sich selber erkannt und entschieden, dass er in bestimmten Fächern oder bei bestimmten Aufgabenstellungen besser alleine sitzt oder an einem bestimmten Platz außerhalb des Klassenraums arbeitet. Mit ganz erstaunlich positiven Ergebnissen, die ihn selber, die Klassenkameraden, aber vorallem die Lehrer überrascht haben.

3. Bei uns war das ein längerer Prozess ( mit Höhen und Tiefen :roll: :oops: ), der durch Einzelgespräche zwischen Lehrer und Kind, Lehrer, Kind und ein oder zwei Freunden aus der Klasse, aber auch unterschiedlichem Gesprächsrunden mit verschiedenen Partnern wie Klassenlehrer, Schulsozialarbeiter, uns Eltern, dem Lieblingslehrer, einem "ehemaligen Klassenclown", der inzwischen im Abijahrgang ( meiner war am Gymi) war...

Klar, das ist Arbeit für alle und ein beschwerlicher Weg. Aber Konsequenzen alleine helfen"unseren", aber eigentlich allen Kindern wenig!

Grüßle und viel Gelassenheit und Zuversicht!
Es ist für alle Beteiligten so anstrengend und oft frustrierend. Ich schicke Euch noch ein extra Kraftpaket!
Ursula

Silvia & Iris
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Beitragvon Silvia & Iris » 30.10.2018, 13:19

Liebe Ursula,

ich hatte damals leider keine Möglichkeit der Einflussnahme - da so etwas in einer Art Ganztagsschule passierte... Im nachhinein war alles wie immer - jede Medaillie hat 2 Seiten: Einerseits hat er dort seine Grundschulzeit in einer Klasse verbracht und wurde nicht herumgereicht wie eine heiße Semmel (wie ich es bei mir vor Ort erleben musste!) - andererseits habe ich in der Zeit nicht wirklich viel gesehen, und wenn, dann nicht unbedingt die Realität (habe einen Märchen)

Jetzt hat er ein Jahr Pause eingelegt und muss nun aber doch langsam wieder in die Gänge kommen, da ihn diese Zeit schon überfordert hat...

Aber wie soll man denn immer und überall gleichzeitig sein und alles gleich erkennen, was da so gemacht wird - zumal auch immer wieder die gesamte Klasse gestraft wurde...

LG
Silvia
Liebe Grüße
Silvia
Tochter *03/2003, PCH, HG-versorgt, ein Sonnenschein
Sohn *03/2006 AVWS + was so dazu gehört

Emma1909
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Beitragvon Emma1909 » 01.11.2018, 10:49

Moin ihr Lieben,

ich danke euch für die vielen Antworten.

Hatte mit einer Mitschülerin gesprochen. Die hat mir die Situation etwas anders geschildert. Die Lehrerin hat die Klasse kurzzeitig verlassen und den Kindern gesagt, dass solange sie weg ist, still gearbeitet werden soll. Wurde sogar an die Tafel geschrieben. Sobald sie raus war ging das los, dass alle kinder geredet haben. Die Lehrerin kam wieder und nur mein Kind musste den Satz noch zu ende sprechen. Fast alle anderen Kinder haben, so bald die Tür aufging das Gespräch eingestellt. Wobei die Lehrerin gesagt hat, dass es nicht sein kann, dass man die Klasse bis zur Glastüre hört.

Tja da mein Kind weiter sprach, war die Konsequenz die 100 Sätze. Die Mitschülerin kann sich nicht mehr genau an den Satz erinnern, aber sie meinte der Satz ging anders. Bei einzelarbeit muss ich leise und konzentriert an meinen Aufgaben arbeiten.
L hat jetzt fast die Hälfte seiner Sätze (quasi die Kurzform) geschrieben und war Tränen aufgelöst.
Den Lehrer kann ich nicht erreichen, da er krank ist. Muss mich also noch ein wenig gedulden.


Lieber Heiko,
da wirst du ganz bestimmt mit recht haben. :-) Leider. Es wäre doch eigentlich recht nett, wenn die Kinder 100 Sätze schreiben und alle Probleme damit gelöst werden. Fände ich prima.

Liebe Chantal -Marie,

zu deinem Beitrag habe ich noch eine Verständnisfrage. Weil mein Kind auf der Realschule ist, ist es nicht dumm, wenn es auf einer Förderschule wäre....
hmmm Also ich versteh dich da bestimmt komplett falsch, ohne dass ich das will. Ich bin mir relativ sicher, dass du damit nicht das gemeint hast, was ich irgendwie daraus lese.

Konsequenzen sind richtig und wichtig. Da dürften wir alle einer Meinung sein. Mehr oder weniger.... Ich kann es halt schlecht einschätzen, ob das noch verhältnismäßig ist. Und ja ich bin bestimmt voreingenommen.

Liebe Bika,

da muss ich dir recht geben. Wobei ich auch den lehrer etwas in Schutz nehme. Ich bin mir nicht sicher, ob er weiß was das für eine Anstrengung bedeutet. Sind ja noch nicht so lange an der Schule. Vielleicht ist das seine Konsequenz und er behandelt alle Kinder gleich ?


Liebe Mama Ursula,

das klingt wirklich toll. Ich habe das mal notiert und werde das beim Eltern-Kind-Sprechtag mal mit den Lehrern besprechen. Wobei bei unserem Kind alleine sitzen recht schwierig sein dürfte. So alleine im Flur ohne Aufsicht kann ich mir unser Kind nicht wirklich vorstellen. Aber Versuch macht klug :-D

Das Wort "Strafe" habe ich evtl. falsch gewählt. Aber ich empfinde das irgendwie eher als Strafe. Irgendwie ist eine Konsequenz was anderes für mich.

Lieben Dank nochmal an alle!


VG
Emma

P.S. Die Nachmittagsbetreuung fällt Konsequenzen da komplett anders. L. wurde mit dem handy erwischt. Konsequenz: Die Hausaufgabenbetreuung fiel für ihn komplett aus. L. durfte keine Hausaufgaben machen!.

Als ich mein Kind abholte kam mir ein freudestrahlendes Kind entgegen. Ich durfte heute keine Hausaufgaben machen, aber dafür die ganze Zeit spielen!

:shock: Na das nenne ich mal eine Konsequenz! Völlig auf die Bedürfnisse meines Kindes zugeschnitten. Dafür bleibt das Handy dann jetzt mal zu hause. Das eigentlich nur für den Notfall gedacht ist.

LG

HeikeLeo
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Beitragvon HeikeLeo » 01.11.2018, 12:04

Liebe Emma,

L hat jetzt fast die Hälfte seiner Sätze (quasi die Kurzform) geschrieben und war Tränen aufgelöst.

Schade, dass das der "Strafrichter" nicht gesehen hat....

Bei solchen "Strafen", deren Sinnhaftigkeit für mich unklar bleiben, hätte ich keine Probleme zu "helfen". Der Satz muss doch nur hundertmal da stehen. - Bei meinen Kindern in der Klasse wurden manche Strafarbeiten vor den Augen der Hersteller direkt in den Papierkorb geworfen. Das haben meine Kinder schon nur als Zuschauer schon als Grausamkeit empfunden. - Wenn man nun als Eltern die stupide Abschreiberei übernimmt, hilft man dem Kind und unterhöhlt weiter die Autorität der Lehrkraft, die ihre Autorität durch eine unsinnige Maßnahme auch schon selbst in Frage gestellt hat.
Andere Eltern haben dann bei den Lehrkräften das Gespräch gesucht. Hinterher wurden die Kinder noch schlechter behandelt. Hm. Was lernt man daraus?

Liebe Grüße
Heike

chrissibaer
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Beitragvon chrissibaer » 01.11.2018, 19:15

Als Strafarbeit 100 x einen Satz aufzuschreiben dürfte wohl jeglicher (moderner) Pädagogik und sämtlichen Schulgesetzen widersprechen.

PaulaW
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Beitragvon PaulaW » 01.11.2018, 21:27

Ganz ehrlich ?

Wenn ich das lese muss ich leider feststellen, dass sich überhaupt nichts getan hat.

Waren das nicht die Methoden der 50-er Jahre ?

Echt originell die 100 Sätze. :oops: Armes Deutschland.
Fällt denen nichts Besseres ein ?

Liebe Grüsse von
einer kopfschüttelnden

Paula
Muskelschwäche, Entwicklungsverzögerung, Wahrnehmungsstörung, Feinmotorische Probleme, Konzentration, PG3, 70% GdB, GBH

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itsy
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Beitragvon itsy » 02.11.2018, 06:42

Hi,

ich hätte ihn keine 100 mal einen Satz schreiben lassen. Vielleicht eher warum er geredet hat und was und wie er es hätte anders machen können.

In der Klasse meiner Tochter haben sie gemeinsam mit Lehrerin einen "Zeiträuberplan" entwickelt. Wenn das Kind ich glaube 3 mal anderen die "Zeit" zum lernen ect geklaut hat, muss es einen kleinen Bericht schreiben. Oder falls es sich um Müll handelte 1 Woche Müll räumen. Oder ODer .............. Phantasie sind da keine Grenzen gesetzt. So entwickeln sie jedoch ein Verständnis dafür, dass sie anderen und auch sich nichts Gutes tun.

lg
ines


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