Schreibschrift lernen

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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Lisaneu
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Schreibschrift lernen

Beitragvon Lisaneu » 28.10.2018, 08:03

Mein älterer Sohn hat sich bisher in Sachen Schreibschrift-lernen erfolgreich gedrückt. Das hat keine motorischen Gründe (seine Feinmotorik ist mindestens durchschnittlich), sondern liegt eher an seiner Abneigung gegenüber allem "Neuen". Mittlerweile sind die Schwungübungen auch schon so lange her, dass er die richtige Schreibweise teilweise schon wieder vergessen hat. Von der Schule kommt kein Druck, was einerseits positiv ist, andererseits ist mein Sohn aber ein Typ, der MANCHMAL durchaus etwas Druck brauchen würde.

Druckschrift schreibt mein Sohn seit er 3 Jahre und 9 Monate alt ist, mittlerweile schnell und gut leserlich mit sehr guter Rechtschreibung. Aber jedes Mal, wenn er auch nur einen Satz in Schreibschrift schreiben soll, geht das Drama los. Nichts ist ihm selbst gut oder "schön" genug, auch wenn ich der Ansicht bin, dass es in Ordnung ist. Und ständig dieses "Das kann ich nicht!"-Gebrüllt, weil er eben unsicher ist!

Hat wer Tipps für uns? Im Moment bestehe ich pro Tag auf zumindest einem Schreibschrift-Satz mit Füllfeder oder Kuli. Für die Schule schreibt er nach wie vor Druckstift und das mit Bleistift.
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS
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Engrid
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Beitragvon Engrid » 28.10.2018, 08:11

Hallo Lisa,

wenn er schnell genug schreibt mit Druckschrift - ab der fünften Klasse können Sie e schreiben wie sie wollen, Hauptsache leserlich und orthographisch richtig.
Rede doch mal mit der Lehrkraft, vielleicht geht es ohne Schreibschrift?

Ich habe das hier schon öfter gelesen, dass ein autistisches Kind Schreibschrift ablehnt. Zb:
https://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic126449.html
https://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic111478.html

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

AnnalenaO
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Beitragvon AnnalenaO » 28.10.2018, 09:09

Hallo Lisa!
Ich würde auch sagen wenn er wirklich schnell und gut leserlich schreibt dann lass ihn wenn die Schule keinen Druck macht. Ich würde nur versuchen vom Bleistift weg zu kommen. Mein Sohn kommt mit der Füllfeder nicht gut zurecht, aber mit einem Tintenroller schon. Das kann man auch wegkillern.
Liebe Grüsse, AnnalenaO

oy1970
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Beitragvon oy1970 » 28.10.2018, 10:16

Hallo Lisa,

uns hat damals die Schule sehr dazu geraten, dass unser Sohn sich die Schreibschrift aneignet. Die Idee war, dass er dann schneller schreiben könnte.

Leider hat sich das nicht als richtig heraus gestellt. Jetzt schreibt er zwar Schreibschrift, aber nicht schneller als vorher aber dafür kaum leserlich :roll: .

Die aktuelle Lehrerin versucht ihn momentan dazu zu motivieren wieder Druckschrift zu schreiben. Bis jetzt ohne Erfolg.

LG
Sohn ´05 Frühkindlicher Autist, ADHS
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HeikeLeo
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Beitragvon HeikeLeo » 28.10.2018, 11:05

Liebe Lisa,

wir quälen Sohn und uns auch mit der Schreibschrift. Ich denke, es wäre bei uns auch besser gewesen den Spleen Schreibschrift zu lassen. Es ist doch sowieso egal. Ab der fünften Klasse dürfen die Schüler schreiben, wie sie wollen, solange man es lesen kann, wie Engrid auch schon schreibt.

Ich kann sehr schön Schreibschrift schreiben. Trotzdem verwende ich im richtigen Leben Druckschrift. Und ich muss im richtigen Leben sehr viel schreiben. Schreibschrift ist nur wichtig in der Grundschule. Wenn die Schule bei Euch keinen Stress macht damit, dann umso besser.

Und es ist auch egal, warum Dein Großer Schreibschrift ablehnt. Er steckt ja in sich selbst drin. Er wird das schon beurteilen können. Und wenn es von außen keinen größeren Bedarf gibt als sein innerer Widerstand, dann muss man ihn nicht drangsalieren.

Liebe Grüße
Heike

rena99
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Beitragvon rena99 » 28.10.2018, 11:36

Hallo Lisa,

wenn die Schule es nicht verlangt, würde ich da auch nicht weiter drauf bestehen. Es entwickelt sich irgendwann auch aus der Druckschrift ein individuelle Schrift mit für die Person passenden Buchstabenverbindungen.

Auch auf einem Füller würde ich nicht beharren. Ich würde ihn statt dessen verschiedene Gel- und Tintenstifte ausprobieren lassen, bis er einen hat, der sich für seinen Schreibdruck "richtig" anfühlt. Ich kenn sowieso eher Mädchen/Frauen, die gerne mit Füller schreiben als Jungen/Männer. Und auch ich selbst bin mittlerweile bei Tintenstiften angekommen im normalen Alltag. Kugelschreiber hingegen sind meiner Erfahrung nach fürs schreiben lernen nicht so gut geeignet.

Ach ja, und schneller schreibt man mit Schreibschrift nur, bevor man aus der Druckschrift die individuelle Schrift gemacht hat. Die meisten englischen Schulen starten mit Druckschrift und zeisgen später nur mögliche Buchstabenverbindungen zum schneller schreiben. Das scheint mir für deinen Sohn auch der richtige Weg. Beispiele hier:
https://grundschulverband.de/wp-content/uploads/2017/03/grundschrift-spezial.pdf; Übungsmaterial hier:
https://www.amazon.de/Von-Grundschrift-lesbaren-Handschrift-Buchstabenverbindungen/dp/3403210251

Manchmal hilft auch eine bessere Orientierung im Schreibraum, beispielsweise durch ein französische Lineatur: https://de.wikipedia.org/wiki/Franz%C3% ... e_Lineatur
und hier: http://www.clairefontaine-de.com/produkt.php?code=03100202&ref=63161C. Persönlich ist das meine Lieblingslineatur, immer noch. Man kann da super schreiben und auch zeichnen.

LG
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Beitragvon MariaH83 » 28.10.2018, 13:56

Hallo,

bei meinen Kindern in der Schule gibt es zum Glück die Grundschrift. Niemand muss Buchstaben verbinden. Es sind lediglich Angebote. Das hätte mir (selbst autistisch) damals echt geholfen. Die Schreibschrift habe ich als äußerst überflüssig empfunden und meine Schrift wurde dadurch echt schlimm.
Nicht Schreibschrift schreiben müssen wäre mal ein guter Nachteilsausgleich :)

LG Maria
Mama (´83, Asperger-Autistin mit diversen Baustellen) von S. (1/11; Mikroduplikation 2q13, Epilepsie, Asperger-Autismus, PG 3, SBA mit GdB 70 und G B H), J. (7/12, "normal" entwickelt, Asthma nach RSV) und L. (11/17), Z. n. Reflux, Apnoen, infektanfällig und sehr munter
http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic101737.html

AnnalenaO
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Beitragvon AnnalenaO » 28.10.2018, 15:24

Hallo Maria!
Meinem Sohn wurde das Schreibschrift schreiben lernen von der Schule als Nachteilsausgleich erlassen. Zusätzlich darf er bei Klassenarbeiten am PC schreiben damit er sich auf die Inhalte der Klassenarbeit konzentrieren kann und nicht benachteiligt ist weil das Schreiben an sich schon seine ganze Aufmerksamkeit bindet.
Ich dachte diese Nachteilsausgleiche sind gängige Praxis. Ist das nicht so?
Liebe Grüsse, AnnalenaO

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Beitragvon HeikeLeo » 29.10.2018, 17:43

Liebe AnnalenaO,

Ich dachte diese Nachteilsausgleiche sind gängige Praxis.


Es wäre wirklich schön, wenn das gängige Praxis wäre. Leider ist es nirgends verschriftlicht. Man ist da auf Gedeih und Verb auf den Goodwill der Lehrkraft angewiesen. Man muss sehr froh und dankbar sein, wenn man Glück hat. Rechtlich gesehen ist so etwas pädagogische Ermessenssache. Manche Lehrkräfte können ermessen und andere vergeben dann unnachgiebig eine 6, weil sie eben anders ermessen.

Bei Lisaneu scheint die Schule ja kein Problem damit zu haben. Dann ist das Glücksfall. Und dann ist es gut.

Liebe Grüße
Heike

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Lisaneu
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Beitragvon Lisaneu » 29.10.2018, 20:07

Die Lehrerinnen meines Sohnes bestehen nicht auf Schreibschrift. Von der Warte wäre das kein Problem - zumindest im Moment. Ich sehe nur Schwierigkeiten beim Wechsel aufs Gymnasium, weil ich befürchte, dass dort auf Schreibstift bestanden wird oder dass er dann mit Druckschrift zu langsam schreibt. Und wenn mein Sohn dann mit all den Neuerungen, die dort ohnehin auf uns zukommen, schon genug überfordert sein wird, würde ich mir sehr wünschen, dass er jetzt schon Schreibschrift lernt, wo es noch ohne großen Druck möglich ist.

Da noch nicht fix entschieden ist, auf welches Gymnasium mein Sohn mal kommen wird, kann ich dort auch nicht nachfragen. Eventuell bleibt er auch noch ein Jahr länger in der Grundschule (man kann dort die 3. und 4. Klasse auch in 3 Jahren machen) wegen fehlender sozialer Reife. Irgendwie grotesk, bei einem Kind, wo jetzt schon klar ist, dass es im ersten Ziffern-Zeugnis lauter Einser haben wird...was wieder mal zeigt, wie wenig aussagekräftig Ziffern-Noten wirklich sind :roll: .
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS

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