Mein Kind ist behindert... oder doch nicht?

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Autismus austauschen.

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Nicole_
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Beitragvon Nicole_ » 26.10.2018, 11:11

Liebe Jenny,

in meiner Klasse war es letztes Jahr lustig zu fragen: "ey bisse Autist oder was?" Oder auch "Bisse behindert?" Ich war so unfassbar hilflos in dem Moment vor der Klasse. Dann habe ich mich hingesetzt und habe leise angefangen, von meinem Patenkind zu erzählen. Es war absolut still.sie waren total geschockt, wie sehr es mich berührte. Ich erzählte ihnen die ganze Geschichte ab der Geburt in der 24. Woche mit allen Facetten und allen Problemen. Dabei habe ich geweint. Das würde ich eigentlich nie vor einer Klasse tun, aber ich mochte sie sehr und wollte, dass sie kapieren, wie unlustig das ist.
In dieser Klasse wurde nicht nur in meinem Unterricht nicht mehr so gesprochen. Wenn also deinem Kind sowas passiert, ist es glaub ich sinnvoll, die Klasse schonungslos mit der Wahrheit zu konfrontieren.
In meiner anderen Klasse war ein ungeoutetes Kind. Seine Eltern entschieden sich dann für ein Outing in einer Stunde, wo das Kind nicht da war. Ich räumte 2 Stunden alles Vorurteile auf, erklärte und machte und dann sagte ein Kind: "Aber eigentlich ist xy doch wie wir! Ich kann gar nicht glauben, dass xy schwerbehindert ist"
Seit diesem Zeitpunkt gibt es auch in dieser Klasse keine solchen Witze mehr. Die Klasse muss den Schmerz und die Not dahinter spüren, dann hört es auf und sie schämen sich.

Such das Gespräch mit der Lehrerin.

Zu behindert oder nicht: In meiner letzten Therapiesitzung erzählte ich meinem Therapeuten, welches Glück mein Sohn in seinem Leben hat, denn während der Frühschwangerschaft bis zur 25. ging man davon aus, dass er es nicht in eine überlebensmögliche Woche schafft. Dass mir immer gesagt wurde, dass er viel zu früh kommen wird und evtl. schwerbehindert ist.
Und dann erzähle ich ihm strahlend, dass das ja alles nicht eingetreten ist, es laut Ärzten ein Wunder sei und er nicht schwerbehindert sei. Der Therapeut guckte mich komisch an. Dann fiel mir auf, wie absurd die Aussage war und sagte: Ja klar ist er schwerbehindert, aber anders. Nicht so, wie sie prognostiziert haben. Und dafür darf ich doch dankbar sein.

Ich hab es trotz Pflegegrad 3 nicht ständig vor Augen. Anderen sage ich meist nur, dass er sehr reizoffen ist und nenne keine Diagnose.

LG

Nicole
Großer (6) Asperger Autist mit Insel Hochbegabungen
Kleiner (nur der normale Wahnsinn)


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