Alles Wunderkinder?

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PaulaW
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Alles Wunderkinder?

Beitragvon PaulaW » 21.10.2018, 10:14

Gerade im Frühstücksraum des Hotels: Eine Mutter erzählt einer Lehrerin die sie gerade kennengelernt hat dass ihre Tochter (8) sich Lesen selbst beigebracht hat und es von einem Tag auf den anderen plötzlich perfekt konnte.
Das Mädchen sitzt immer mit Stift und Papier dort. Nebenbei liest sie im Stephen Hawking Buch ihres Vaters.

Lehrerin: Dann ist ja klar dass sie aufs Gymnasium geht.

Mein ich das nur oder gibt es immer mehr Wunderkinder ?

Nur mal so.


Liebe Grüsse

Paula
Muskelschwäche, Entwicklungsverzögerung, Wahrnehmungsstörung, Feinmotorische Probleme, Konzentration, PG3, 70% GdB, GBH

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BiancaB1978
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Beitragvon BiancaB1978 » 21.10.2018, 10:43

Hallo Paula,

ich habe auch irgendwie das Gefühl!

Und nicht nur die Eltern möchten das gern und profilieren sich damit, ich finde auch, in der Schule wird tatsächlich mehr verlangt.

Mein gesunder 7 jähriger bspw. ist gerade in die zweite Klasse gekommen.

Vor den Herbstferien haben sie dann in einer Woche Diktat und Mathearbeit geschrieben.
In der Mathearbeit kam eine Zahlenpyramide vor, in der alle innenliegenden Felder frei waren und von den Kindern gefüllt werden musste.
Das bedeutet, eine Gleichung mit drei Unbekannten.

Also, da frag ich mich doch....

Auch konnte er nach 6 Monaten schon lesen und schreiben, und er war nicht der Einzige.
Wenn es Kinder gab, die es nicht konnten, mussten sie halt üben um den Anschluss nicht zu verpassen, das ist von der Lehrerin angeordnet worden.

Auch in den Herbstferien mussten die Kinder arbeiten.

Und nein, mein Sohn ist auf keiner Eliteschule, sondern auf einer stinknormalen Regelgrundschule auf dem Dorf.

Für viele Eltern gibt es quasi gar keine andere Option, außer Gymnasium.

Für mich ist das völliger Irrsinn.

Dann stehen sie da, mit grad mal 10 Jahren, müssen stundenlang Busfahren und am Gymnasium geht es dann richtig rund.

Ich halte Bildung auch für wichtig, sehr wichtig sogar.

Und möchte die Gymnasien auch nicht verteufeln.


Mein Sohn MUSSTE mit noch 5 Jahren eingeschult werden, weil das Land das so vorgegeben hat.

Ganz ehrlich, wo soll das hinführen?

Bei diesem Erwartungsdruck haben die spätestens mit Mitte 20 Born out!

Du merkst, auch für mich ein sensibles Thema.

Viele Grüße schickt Bianca
Bianca mit B. 12/06, traurige Diagnose NCL2
und J. 08/11 bis jetzt gesund

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YvonneE
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Beitragvon YvonneE » 21.10.2018, 10:45

Hallo!

Weiss nicht, ich hab keine....glaub aber schon dass es heut den Kindern leichter ist sich selbst was anzueignen weil sie durch Tabletts und Co unterstützt werden. Meine jüngere kennt auch Zahlen und Buchstaben aus div apps u tipptoi....
LG
Yvonne

Ich glaub dass jedes Kind andere Kompetenzen u Lernfenster hat.Meine können sich toll allein spielen, brauchen kaum was neues, spielen fast nur Rollenspiele, haben sehr viel Phantasie. In der Schule nützen diese Kompetenzen wenig...sie sind einfach Kinder, jedes ein eigenes Wunder...
Lara (11.01.2008 - 2.2.2018), Schwere Peripartale Asphyxie, schwere ICP, kaum Kopf- Rumpfkontrolle, kein Saug- Schluckreflex (PEG), fehlende Primitivreflexe, Tracheostoma

SarahmitFlorian
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Beitragvon SarahmitFlorian » 21.10.2018, 10:50

Hallo,

wenn man mit 8 Jahren Stephen Hawking liest, ist man ein Wunderkind.

LG Sarah

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Beitragvon Tanja2603 » 21.10.2018, 11:20

Hallo,

wenn man mit 8 Jahren Stephen Hawking liest und dann auch noch versteht, könnte man evtl. ein Wunderkind sein.

LG

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 21.10.2018, 11:47

Vielleicht sollten wir mehr zu der Haltung kommen, dass ALLE Kinder Wunderkinder sind. Das sind sie erstens einfach so, ohne dass es dafür herausragende Leistungen zb Intellektueller oder sportlicher Art braucht. Das sind sie zweitens aber auch insofern, als jeder Mensch besondere Fähigkeiten hat, dh Fähigkeiten, die anderen ungewöhnlich erscheinen, weil sie selber halt andere haben.

Das Geheimnis von Mutter Natur ist die unglaubliche Vielfalt. ✌️👍


(Ob man mit den Fähigkeiten der eigenen Kinder angeben muss, und andere sich geringer denkt, denen weniger zutraut, ist dann wieder was anderes ... vielleicht ist wirklich viel mehr Druck heute, Individalität zu betonen, etwas besonderes zu sein ...)

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

RikemitSohn
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Beitragvon RikemitSohn » 21.10.2018, 11:51

Hallo,

ich kenne das Wunderkind-Syndrom auch. Als mein Sohn in die Schule kam, hörte ich von allen Seiten, wie die Kinder sich langweilen in der Schule und das sie ja schon viel weiter sind. Und alle wollten unbedingt ein Instrument lernen und natürlich waren sie gut im Sport. Und was diese Kinder alles konnten.
Also, ich würde da sehr schauen, was von Eltern gemacht ist und von Eltern erträumt. Wenn ein Kind keine besondere Förderung bekommt, versteht es Stephen Hawking nicht. Denn auch bei einer Hochbegabung müssen Dinge beigebracht werden. Sie werden nur schneller erfasst.
Kinder können sich bei Interesse und gerade bei großen Geschwistern sehr gut Lesen beibringen, dass muss aber keineswegs auf eine Hochbegabung hindeuten und ist auch kein Wunder. Das schaffen viele Kinder. Das von heute auf morgen würde ich jetzt mal für Angeberei halten.
Eltern, die nur von der Leistung ihres Kindes berichten, sehe ich als falsch orientiert und diese Kinder tun mir auch oft leid.
Mach dir keinen Kopf, wenn andere angeben. Ich habe dann immer gekonntert und mir aus solchen Situationen eher einen Spaß gemacht.

LG Rike
Mama mit Sohn 2004 ADHS und HB

JennyK
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Beitragvon JennyK » 21.10.2018, 11:55

@Tanja  8) :lol:

Es wird auch viel mehr auf die Kinder geschaut und Begabungen gefördert. Allerdings oft einhergehend damit, dass diese Kinder in einem Bereich überdurchschnittlich gut sind, dafür aber in anderen Bereichen in der Norm oder auch darunter. Und nur, weil ein Kind früh liest, heißt es nicht automatisch, dass es aufs Gymnasium gehen muss... da gehört noch so viel mehr dazu.
Unser Großer hat eine hohe sprachliche Begabung. Er hat mit 8 zwar nicht Stephen Hawking gelesen, aber Harry Potter. Er lernt mittlerweile die zweite Fremdsprache, versteht Liedtexte auf Englisch (was ich nie geschafft habe, Englisch ist nicht meine Stärke) und tut sich sehr leicht mit beiden Sprachen. Vokabeln lernt er einfach so, ohne Mühe. Trotzdem würde ich ihn nicht auf ein Gymnasium schicken, sein Arbeitsverhalten und sein Sozialverhalten passen da einfach nicht.
Sohn 1 (06), ADS und Asperger Autismus; PG 3; SBA 50 mit B, G, H
Sohn 2 (13), gesund

Lisaneu
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Beitragvon Lisaneu » 21.10.2018, 13:10

Mein älterer Sohn konnte an seinem 2. Geburtstag alle Groß- und Kleinbuchstaben benennen und perfekt buchstabieren. Mit 4 1/2 Jahren hatte er sich wirklich SELBST sinnerfassendes lesen beigebracht. Zwei Jahre später, als er regulär eingeschult wurde, hatte er bereits weit über 100 Bücher selbst gelesen.

Ist er ein Wunderkind? NEIN, ist er nicht! Er ist nur in MANCHEN Bereichen seinen Altergenossen deutlich voraus. In anderen Bereichen ist er wieder deutlich hintennach. Damit ist vor allem die sozial-emotionale Entwicklung gemeint. Er hat neben vielen Stärken auch viele Defiziten, vom einnässen (auch tagsüber) über geringe Frusttoleranz bis hin zu sozialen Problemen mit Gleichaltrigen.

Ich habe seine intellektuelle Entwicklung nie besonders gefördert, aber auch nicht gebremst. Sozial-emotional war es genau dasselbe. Wir haben als Familie soziales miteinander vorgelebt, genauso wie wir vorgelebt haben, Bücher zu lesen. Warum hat mein Sohn nur das eine aufgegriffen, aber nicht das andere? Ich weiß es nicht!

Bei meinem älteren Sohn ist mir früher, als sein kognitiver Vorsprung noch auffälliger war, machmal unterschwellig unterstellt worden, "heimlich" mit ihm lesen geübt zu haben oder überhaupt eine "Eislauf-Muter" zu sein. Dabei wäre mir, als er 5 war, viel wichtiger gewesen, mal die Windel wegzubekommen, als dass er in WAS IST WAS Büchern liest, in welcher Reihenfolge die Planeten um die Sonne kreisen :P ! Aber das eine hat eben von selbst geklappt und das andere trotz viel Mühe gar nicht!

Hawking ist übrigens nicht besonders schwer zu lesen. Vor allem seine erstes Buch "eine kurze Geschichte der Zeit" kann von klugen 8jährigen Kindern durchaus zum Großteil verstanden werden - und es ist kurzweilig geschrieben! Meine Lieblingslektüre mit 8 Jahren war auch ein Buch meiner Eltern "Aus der Steinzeit in den Weltraum", in dem es um Weltgeschichte ging. Ich habe aber selektiv nur die Kapitel gelesen, die mich interessiert haben. Aber wer mich mit dem Wälzer zufrieden im Bett schmöckernd gesehen hat, hätte mich durchaus auch für ein Wunderkind halten können.

Mein jüngerer Sohn (gehörlos, autistisch) hat trotz etlicher gewaltiger Defizite in etlichen Bereichen bereits mit 3 Jahren und 3 Monaten etliche Wörter "als ganzes" lesen können. Er konnte das Alphabet vorwärts und rückwärts gebärden und schreiben und außerdem die Namen aller Kindergartenkinder korrekt aus dem Gedächtnis buchstabieren. Nur konnte er und kann er immer noch keine WARUM-Fragen stellen oder verstehen! Er rechnet sicher im 1000er Bereich, weiß aber nicht, dass die Milch von der Kuh kommt, weil seine Aufmerksamkeitsspanne für diese Erklärung bisher noch nicht gereicht hat.

Bevor man also (neidvoll?) auf die Kinder schaut, die offensichtlich so tolle Fähigkeiten haben, und pauschal mal die Eltern in eine Schublade steckt, sollte man sich bewusst sein, dass das, was wir sehen, immer nur ein kleiner, sichtbarer Aspekt einer Persönlichkeit ist. Wo Licht ist, ist auch Schatten. Meiner Beobachtung nach gibt er zwar auch gesunde, neurotypische, kluge und pflegeleichte Kinder, aber sie sind selten :wink: . Nur sind bei manchen Kindern eben die Fähigkeiten auffälliger und bei anderen die Defizite. Wenn mein 4jähriger laut vorgelesen hat, habe ich auch nicht jedem auf die Nase gebunden, dass er immer noch Windeln braucht.
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS
Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist
Mama und Papa stark kurzsichtig (Kommentar eines Optikers: Wie habt ihr euch überhaupt gefunden?)

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RikemitSohn
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Beitragvon RikemitSohn » 21.10.2018, 13:58

Hallo Lisa,

ich wollte mit meinem Beitrag nicht alle Eltern in eine Schublade stecken und ja es gibt Kinder mit besonderen Fähigkeiten. Mir ging es speziell um diese Angebereien von Eltern, die es meinem Umfeld massiv gab. Ausserdem habe ich die Erfahrung gemacht, dass Eltern wie du in der Regel nicht damit hausieren gehen, weil sie sich gar nicht so damit profilieren müssen. Wenn mir eine Mutter nach kurzem Kennenlernen ständig erzählt, was ihr Kind alles leistet, finde ich das anstrengend und ja ich hinterfrage die Glaubwürdigkeit. Nicht weil es Kinder gibt, die etwas gut können, sondern weil kein Kind in allem glänzt.
Leider gibt es auch Mütter, die sich nicht abgrenzen können und anfangen ihr Kind unter Druck zu setzen oder lügen sogar. Ich hatte eine Mutter, die nachher überall erzählt hat , wie beliebt ihr Kind ist und dass es ständig eingeladen wird. Und jeder wusste, dass dieses Kind große Probleme im Sozialen hatte und niemand es mochte.

LG Rike
Mama mit Sohn 2004 ADHS und HB


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