Diskussion um schwarze Pädagogik im Film „Elternschule“

Eltern, Geschwister, Großeltern - die ganze Familie ist gefordert, wenn es um die Belange des besonderen Kindes geht. Häufig ist das Familienleben durch die besonderen Bedürfnisse von Sohn oder Tochter großen Belastungen ausgesetzt. Ein Austausch mit Familien, die auch ein besonderes Kind haben, tut gut und kann sehr hilfreich sein.

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Dario
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Re: Diskussion um schwarze Pädagogik im Film „Elternschule“

Beitragvon Dario » 14.07.2019, 23:32

Es war schon immer meine These, dass Gewalt gegen Kinder keineswegs abgenommen hat, seit es das Recht auf gewaltfreie Erziehung gibt. Sie hat sich nur auf andere Ebenen verlagert und sucht stetig neue Nischen. Man versucht das Gesetz mit allen möglichen Tricks zu umgehen, aber viele Pädagogen und Therapeuten sind bis heute nicht zum wirklichen Gewaltverzicht bereit.

Die gewaltfreie Erziehung bleibt bis heute ein unerreichtes Ideal, was eine ziemlich ernüchternde Feststellung ist. Ich glaube nicht, dass sich das Problem allein auf gesetzgeberischer Seite lösen lässt, denn Empathie für für Kinder lässt sich nicht verordnen, sie muss von innen kommen und authentisch sein, anders bringt es nichts.
Heimerziehung ist ein Verbrechen. Kinder gehören in die liebevolle Geborgenheit einer Familie und nicht ins Heim!

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jonasb
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Re: Diskussion um schwarze Pädagogik im Film „Elternschule“

Beitragvon jonasb » 15.07.2019, 22:44

Hallo Silvia,
also meine Alternative zum Kind wäre:
ich gehe sie holen.
Ganz einfach.
Man muss ein Kind nicht zu irgendwas zwingen. Ein Kind hat auch Gründe, etwas nicht zu tun.
Und ganz im Ernst, wenn wir wollen, dass die Mütze geholt werden soll, dann können wir uns auch selbst bewegen.
Denn es ist ja unser Wunsch.
VG, Jonas mit Söhnchen:Periventr'ikuläre Leukomalazie, ICP, Z.n. West-Syndrom mit BNS, Button, Resektion links Parietal, Entwicklungsstörung, Epilepsie... ein heller Stern am Himmel sei 30. Dezember 2018
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jonasb
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Re: Diskussion um schwarze Pädagogik im Film „Elternschule“

Beitragvon jonasb » 15.07.2019, 22:47

Hallo Dario,
ja, durch Gesetze kann man leider nicht viel verändern.
Aber ich behaupte, dass die Empathielosigkeit vieler Erwachsener dadurch kommt, dass sie genau so erzogen wurden, wie sie weiter machen. Es ist ein Teufelskreis. Aus diesem auszubrechen, das können die wenigsten.
Sie geben das weiter, was sie erfahren und erlebt haben. Und sie haben kaum noch ein Gespür für Gefühle oder Empathie. Denn das wurde ihnen auch nicht entgegengebracht.

Wenn man das auf die Klinik bezieht, sind diese erwachsenen Menschen Schwerst traumatisierte Menschen, die jeglichesgefühl der Realität verloren haben, weil sie höchstwahrscheinlich genauso gewaltsam erzogen wurden.
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MarinaH
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Re: Diskussion um schwarze Pädagogik im Film „Elternschule“

Beitragvon MarinaH » 16.07.2019, 08:18

Hallo!

Der Film hätte nicht gedreht werden sollen. Ich habe ihn im Kino gesehen. Mir ist die Absicht des Autors nicht klar. Was will er damit sagen? Soll das einfach nur eine Beobachtung sein, weil wir uns alle gern ansehen, dass andere Kinder noch viel schlimmer sind? Soll das ein Beispiel sein, wie man Kinder erzieht? Oder wollte der Autor die Diskussion lostreten? Mal abgesehen davon, dass es für die gezeigten Kinder entwürdigend ist, ist der pseudoneutrale Stil sehr verwirrend. Man bekommt nur Schnipsel ohne Erklärung und muss sich den Rest zusammenreimen. Was dann für Schlussfolgerungen gezogen werden, sieht man ja. Ich kann keinen Nutzen sehen, weder für Betroffene, noch für die Allgemeinheit.
Was die Klinik angeht- es geht auch anders. Mich haben die Schwestern irritiert, die gar nicht auf die Kinder eingingen. Einfach ohne eine Miene zu verziehen danebensitzen- wer macht denn das? Man kann doch mit dem Kind freundlich reden, ihm ein gutes Gefühl geben.
Zum Beispiel beim Untersuchen: ich mache das auf dem Schoß der Eltern. Wenn das Kind dann weint, sind Mama und Papa da. Dass Kleinkinder weinen, ist normal- wer läßt sich schon von Fremden anfassen. Man kann dabei aber ruhig und freundlich bleiben und es so schonend wie möglich machen, dann lernt das Kind auch, dass es nichts Schlimmes ist. Wenn Mama und Papa dabei ruhig und gefasst sind, ist das für das Kind gut. Dann lassen sich auch unangenehme Situationen besser ertragen- wer kennt die nicht, schließlich musste jedes Kind schonmal geimpft werden...
Das hat mir gefehlt, dass den Eltern Sicherheit vermittelt wurde. Dass sie gestärkt werden, damit sie dem Kind wieder Sicherheit geben. Dass man mit ihnen daran arbeitet, wie es soweit kommen konnte- gerade bei dem Herzkind haben die Eltern einiges durchgemacht! Das wurde im Film nicht gezeigt. In so einer Ausnahmesituation sind die Eltern doch stark verunsichert und sehr verzweifelt. Man kann Verhaltensprobleme nicht vom Kind allein aus betrachten- Familie ist ein System.
Aber vielleicht ist es ja genau das, was viele wollen- schnelle Lösungen für Probleme. Nur klappt das im wahren Leben nicht.

LG Marina
Kinderärztin im SPZ

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Re: Diskussion um schwarze Pädagogik im Film „Elternschule“

Beitragvon jonasb » 16.07.2019, 11:54

Hallo Marina,
doch es ist gut, dass der Film gedreht wurde. Denn jetzt können diese Methoden in der Klinik öffentlich diskutiert werden. Stell dir vor, es wurde nicht gedreht, die Kinder würden stumm leiden. Jetzt können wir darüber diskutieren, aufklären, und versuchen etwas zu verändern.
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Beitragvon Engrid » 16.07.2019, 13:41

Hallo,

nein, es ist absolut nicht gut aus meiner Sicht, dass der Film gemacht wurde, er wird Schäden anrichten, über die Klinik hinaus. Ich habe schon erste Berichte, dass der Film bzw Ausschnitte davon zu „Fortbildung“ genutzt wird.
Es sieht übrigens auch ganz und gar nicht so aus, als ob die Klinik ihre Arbeit einstellt oder ihre Methoden ernsthaft ändert.
Der öffentliche Protest wurde als bloßer Shitstorm diskreditiert, es hat sich nicht genug öffentlicher Druck entwickelt.
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
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Re: Diskussion um schwarze Pädagogik im Film „Elternschule“

Beitragvon Sheila0505 » 16.07.2019, 14:55

Hi, Beispiel: unser SPZ hat Flyer/Werbung für „Elternschule“ (allein der Titel: schrecklich!) ausgelegt.
Ich kann also keineswegs sagen: gut dass der Film gedreht wurde. Das Einzig „Gute“ was ich daran finde, sind die Stimmen und Stellungnahmen von Fachleuten gegen diese Praxis, welche aber leider bei Weitem nicht ausreichten. Schlimm.

LG

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Re: Diskussion um schwarze Pädagogik im Film „Elternschule“

Beitragvon jonasb » 16.07.2019, 17:05

Hallo, noch mal zur Aufklärung: es ist mir bewusst, dass viele Leute diesen Film nutzen werden, um das in ihrem Alltag umzusetzen. Es ist auch bekannt, dass der leitende Klinik Psychologen das nun auch für Fachpersonal ausweiten möchte. Die dürfen dann auch bald ein Führerschein machen. Ich finde, es gut in der Hinsicht, dass gezeigt wird, was mitten in Deutschland passiert. Und dass so etwas immer noch 2019 praktiziert wird. Ich sehe selbstverständlich, dass die Presse gerne alles dreht wie sie möchte, ich sehe aber auch, dass das Thema gewaltfreie Erziehung noch mal hoch kommt und noch mal diskutiert wird.
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Re: Diskussion um schwarze Pädagogik im Film „Elternschule“

Beitragvon jonasb » 16.07.2019, 17:12

Sheila0505
Ich würde den ganzen Stapel einfach mitnehmen. Vielleicht würde ich sogar einen anderen Stapel mit einer anderen, bedürfnisorientierten Klinik Hinlegen.
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Re: Diskussion um schwarze Pädagogik im Film „Elternschule“

Beitragvon Sheila0505 » 16.07.2019, 19:17

Hallo Jonas, es steht mir als Patient (Mutter) nicht zu, dort irgendwas auszulegen.
Und alle Flyer zu entfernen (die Damen vom Empfang sitzen übrigens direkt davor), was ich unbemerkt/heimlich machen müsste, würde so ziemlich gar nichts bringen, außer dass es für Nachschub sorgen würde.

LG Sheila


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