Diskussion um schwarze Pädagogik im Film „Elternschule“

Eltern, Geschwister, Großeltern - die ganze Familie ist gefordert, wenn es um die Belange des besonderen Kindes geht. Häufig ist das Familienleben durch die besonderen Bedürfnisse von Sohn oder Tochter großen Belastungen ausgesetzt. Ein Austausch mit Familien, die auch ein besonderes Kind haben, tut gut und kann sehr hilfreich sein.

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jonasb
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Beitragvon jonasb » 30.11.2018, 17:51

Hallo Engrid
Ja, eine gute Bindung, und es gibt keine zu enge Bindung, ist Grundlage für vertrauen zwischen Kindern und Eltern und bietet Raum für Unterhaltungen, gemeinsames Festlegen von Familienregeln, Respekt zu einander...

So sind in Familien mit Basis der Kommunikation auf Augenhöhe und der Gleichwertigkeit, Verbote kaum nötig, weil die Kinder offen Kommunizieren, besprechen mit den Eltern, Ideen und Lösungen mit den Eltern entwickeln. Es gibt ein gutes Bindungsverhältnis und Vertrauen auf beiden Seiten.

Meiner Meinung ist es genau das, was wir brauchen und keine Trennung der Verbindung und kalte Erziehung, die Kinder nachhaltig schädigt, Verbote aufstellen lässt, kein Vertrauen aufbaut, so das Kinder oft auch hintenrum verbotenes machen, weil sie wissen, sie werden nicht angehört.

Ich kenne viele Familien, die auf Erziehung verzichten, starke Bindung zu den Kindern haben, es kaum Verbote gibt, weil das einfach nicht nötig ist, weil man mit den Kindern reden kann und sie selbst ganz tolle Vorschläge entwickeln.

Es gibt Grenzen. Jeder mensch hat seine eigenen persönlichen Grenzen, die werden eingehalten, weil die Kinder erfahren: „Meine Grenzen werden auch eingehalten. Ich werde gesehen. Ich will die anderen auch sehen.“

In diesen Familien wird ohne gewalt kommuniziert... Es gibt natürlich auch mal krach, aber das ist super selten.
VG, Jonas mit Söhnchen:Periventr'ikuläre Leukomalazie, ICP, Z.n. West-Syndrom mit BNS, Button, Resektion links Parietal, Entwicklungsstörung, Epilepsie... ein heller Stern am Himmel sei 30. Dezember 2018
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Engrid
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Beitragvon Engrid » 30.11.2018, 19:36

Hallo Jonas,

ich stimme nur teilweise zu.

Ich habe einen Sohn, der stetig und vehement Grenzen testet,einfordert, nachprüft. Oder sie einfach nicht versteht.
Und da, wo Grenzen schwer durchzusetzen sind („Die Frau X hat gesagt, ich darf bei ihr immer (!) klingeln“ oder „Du hast Lachverbot!!“), wird gnadenlos weiter gebohrt, solange, bis mir eine Auflösung einfällt.

Ich habe eine Tochter, mit der ich, seitdem sie auf der Welt ist, noch nicht einmal wirklich geschimpft habe - also nicht mehr, und nicht anders, als mein Mann und ich uns gegenseitig anmotzen bei Bedarf. :mrgreen:
Die Tochter braucht also keine „Erziehung“, auch keine Verbote, da kann man immer auf Augenhöhe sein. Funktioniert sicher mit sehr vielen, aber nicht mit allen Kindern.

Mein Sohn braucht Erziehung. Aber eben mit Wohlwollen. Als ich ihm erstmals erklärt habe, dass ich ihn IMMER lieb habe, also auch dann, wenn ich sauer auf ihn bin, hat er sehr erstaunt geguckt. Er will das seitdem immer mal wieder hören. Und „Schimpfen“ heißt bei uns weit überwiegend: klarmachen, ohne Anschreien, ohne Wut, noch wichtiger: ohne Kälte. Sonst spürt man, wie ihm komplett die Felle wegschwimmen. Und dann wird er erst RICHTIG schwierig.
Und das, denke ich, kann man auch auf andere Kinder übertragen, die aus dem Lot sind, die die Elternliebe nicht mehr spüren. Weil die Eltern sie vielleicht selber nicht mehr spüren.
Auch das kenne ich noch, von ganz schwierigen Phasen der Kleinkindzeit, und das führt zu nichts Gutem. Im Verein damit dann die Sicht aufs Kind als potentieller Tyrann, als strategischer Egoist, wie von Langers Elternschule vermittelt, das ist eine ganz falsche, fatale Haltung.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

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Beitragvon Engrid » 14.12.2018, 17:38

Keine guten Nachrichten:

https://www.deutscher-filmpreis.de/vorauswahl/

Grüße
Engrid
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Beitragvon rena99 » 16.12.2018, 20:38

Rena mit Tochter (V.a. Autismusspektrumsstörung, Zwangsstörung)
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Beitragvon RikemitSohn » 16.12.2018, 21:00

Hallo,

für mich wird da bei Spiegel.de ein ziemlicher Rundumschlag gegen alle Kritiker des Films gemacht und Langer und Co werden hofiert. Der Kinderschutzbund und viele andere Kritiker sind ernstzunehmende Institutionen, die hier eher zu der Gruppe betüddelnder Eltern gesteckt werden. Ausserdem war bei dem Großteil des Protestes klar, dass es nicht um eine generelle Ablehnung von Erziehung geht, sondern um diese Art der Erziehung. Ich finde den Artikel nicht gut.

LG Rike
Mama mit Sohn 2004 ADHS und HB

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Beitragvon Sheila0505 » 16.12.2018, 22:44

Bin da ganz bei Rike.

LG Sheila

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Beitragvon Engrid » 17.12.2018, 08:15

Hallo,

ich wundere mich auch immer noch: Für diesen Artikel, wie schon so viele davor, ist nicht sachlich recherchiert worden. Stattdessen ein Stimmungsbild aus der Klinik, samt Umarmung Fliess/Langer. Die Kritik am Film wird pauschal als Shitstorm abgetan, und zitiert wird dann nicht, was die Fachleute (das sind doch eine ganze Menge, und ihre Kritik ist sachlich, wissenschaftlich, pointiert) dazu sagen, sondern einzelne Fetzen aus den Internetkommentaren, die schön reißerisch klingen.
Es geht doch gar nicht um Attachment Parenting, oder ums elterliche Aufopfern. Die fachliche Kritik postuliert doch nicht, dass keine Grenzen gesetzt werden sollen, sondern kritisiert, dass Grenzen SO nicht gesetzt werden dürfen.

Fast noch erschreckender als die Klinik und den Film finde ich den Zustand unserer Presse, den die ganze Sache offenbart hat. Schlampig, auf billigen Schlagworten aufbauend, einseitig, einfache journalistische Grundregeln machen offenbar schon zuviel Arbeit in der Einhaltung ... windiger Praktikantenjournalismus, pseudoaufgeklärter Feuilleton-Sprech ... *kopfschüttel*


Übrigens hier eine sachliche konstruktive Diskussion, mit vielen interessanten Aspekten. Und endlich scheint auch auf, wo die verbreitete elterliche Überforderung und Verunsicherung herkommen, die in dem Kontext so oft erwähnt werden: politische Rahmenbedingungen, gesellschaftliche Anforderungen, strukturelle Probleme, darunter nicht zuletzt fehlende Wertschätzung von Erziehung.
https://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendunge ... e1544.html

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
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Beitragvon Bika » 17.12.2018, 10:46

Wer schreit hat unrecht.

Diese moralisch, polemisch und selbstgerechte Kritik durch entrüstete Übereltern, wie sie über die sozialen Netzwerke verbreitet wurde, hat mehr geschadet als genützt und diente vielen nur der Profilierung.
Allen voran die ganzen B-Promis, die madonnenhaft und seelig blickend mit Baby im Arm das perfekte Familienidyll zelebrieren und damit unterschwellig überforderte Eltern anklagen.

Ich, z.b, reagiere auf vermeintliche oder offensichtliche Selbstgerechtigkeit sofort ebenfalls polemisch und bin dann Sachargumenten gegenüber kaum noch zugäglich.

Das ist das Problem in einer in einer emotional derart aufgeladenen Diskussion.

Was sehr schade ist, weil es (vielleicht) die Möglichkeit verschenkt, wirklich eine flächendeckende Solidarität mit denen zu entwickeln, die in unserer Gesellschaft den meisten Schutz benötigen.
Und nicht nur Solidarität, sondern bedingungslosen Respekt.

Das sehe ich als Kernproblem, die fehlende Bedingungslosigkeit.

Die Kinder im Film wurden teilw.respektlos behandelt, da sind sich (fast) alle einig.
Nach der ganzen Aufregung, wird genau das , als legitimes Mittel zum Zweck, wieder relativiert.

Wir sind doch keinen Schritt weiter gekommen.

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Beitragvon Engrid » 17.12.2018, 16:07

Wer schreit denn?
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Beitragvon Silvia & Iris » 20.01.2019, 09:52

Gibt es hier eigentlich Neues?
Liebe Grüße
Silvia
Tochter *03/2003, PCH, HG-versorgt, ein Sonnenschein
Sohn *03/2006 AVWS + was so dazu gehört


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