Diskussion um schwarze Pädagogik im Film „Elternschule“

Eltern, Geschwister, Großeltern - die ganze Familie ist gefordert, wenn es um die Belange des besonderen Kindes geht. Häufig ist das Familienleben durch die besonderen Bedürfnisse von Sohn oder Tochter großen Belastungen ausgesetzt. Ein Austausch mit Familien, die auch ein besonderes Kind haben, tut gut und kann sehr hilfreich sein.

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rena99
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Beitragvon rena99 » 16.11.2018, 13:26

Engrid hat geschrieben:die Staatsanwaltschaft hat die Ermittungen eingestellt.
https://www.zeit.de/gesellschaft/ze.... ... ingestellt
Was anderes wäre, wenn Selbstbetroffene klagen/anzeigen würden (Verjährungsfrist läuft erst ab Erwachsenenalter) ...


Vielleicht bin ich ja naiv. Aber wenn die Staatsanwaltschaft aufgrund des Filmmaterials und der Untersuchungen vor Ort zum Ergebnis kommt, dass da kein rechtlich zu ahnendes Verschulden vorliegt, was soll dann eine Anzeige von Betroffenen bringen?

Natürlich kann man schauen, ob man einen Ärztefehler nachgewiesen bekommt (Behandlung, die nicht den Leitlinien entspricht) und dann auf Schmerzensgeld klagen, aber strafrechtlich wird das wohl schwierig sein.

Gruß

Rena
Rena mit Tochter (V.a. Autismusspektrumsstörung, Zwangsstörung)
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MamaPina
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Beitragvon MamaPina » 16.11.2018, 14:02

Hallöchen,

die Sichtung von 200 Stunden Filmmaterial scheint im Turbotempo abeschlossen worden zu sein.

Die Staatsanwaltschaft muss Verfahren einstellen, wenn die Beweislage nicht ausreicht. Das allerdings muss nicht bedeuten, dass die Kritiker sich getäuscht haben.
Jeder von uns kennt es, wenn Verfahren eingestellt werden. Es gibt genügend Beispiele, dass neue Anzeigen, neue Beweise liefern und die Staatsanwaltschaft dann doch weiter ermitteln muss.

Die Kritik ist berechtigt, wenn die Ermittlungen auch mangels Beweisen eingestellt wurden. Die Stellungnahmen, stammen vom Kinderschutzbund und angesehen Fachleuten. Das darf niemand einfach vergessen.

LG

rena99
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Beitragvon rena99 » 16.11.2018, 15:25

Hallo MamaPina,

es geht nicht um ein Vergessen und die Einschätzung der Fachleute. Sondern die Staatsanwaltschaft hat keinen genügenden Anlass, wegen der Misshandlung von Schutzbefohlenen weiterzuermitteln.

Damit ist, denke ich, der Vorwurf einer Straftat vom Tisch und man kann sich hoffentlich der wichtigen inhaltlichen Diskussion in einer weniger aufgeregten Atomosphäre widmen. Denn zumindest das hat der Film erreicht, dass die Diskussion in breite Kreise der Öffentlichkeit getragen wird.

Gruß Rena
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Beitragvon Engrid » 16.11.2018, 15:47

Hallo Rena,

Vielleicht bin ich ja naiv. Aber wenn die Staatsanwaltschaft aufgrund des Filmmaterials und der Untersuchungen vor Ort zum Ergebnis kommt, dass da kein rechtlich zu ahnendes Verschulden vorliegt, was soll dann eine Anzeige von Betroffenen bringen?
Nun, das ist dann ja ein konkreter Fall, mit konkret zu ermittelnder, anderer Beweislage, mit Aussagen von Betroffenen, und mit „Längsschnitt“, der Spätfolgen, wie sie auch die kritischen Stellungnahmen angesprochen hatten, sichtbar macht. Das ist jetzt ja aber erstmal hypothetisch, führt also nicht weiter.


Du hast natürlich recht, wir brauchen mehr und bessere ambulante Hilfen. Da Langer und Lion offenbar in Gelsenkirchen auch die Schreiambulanz des SPZ übernommen haben, habe ich da so meine Bedenken ...
Wenn die ambulanten Hilfen auch so ein problematisches Kidnerbild verbreiten, dann wird das nicht helfen ...
Was wir brauchen, sind GUTE ambulante Hilfen, UND eine gesellschaftliche Diskussion über Gewaltfreiheit in der Kindererziehung, über die geistigen Altlasten in der Kindererziehung, über den Unterschied von Grenzen setzen und Härte zeigen.

Grüße
Engrid
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Beitragvon rena99 » 16.11.2018, 15:52

Engrid hat geschrieben:über den Unterschied von Grenzen setzen und Härte zeigen.


In der Tat. Und zu fördern gehört auch behutsames fordern. Immer eine Gratwanderung und nicht einfach.

Foren wir diese zum Austausch und zum Lernen werden immer seltener (man hat eher Chat-Gruppen u.ä.). Schade eigentlich.

LG
Rena
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Beitragvon Engrid » 16.11.2018, 15:58

Ja, da hast du recht.

Ohne den Austausch hier wäre bei uns auch einiges schwieriger.

Und davor:
Hätten wir als Familie zu Juniors Kleinkindzeit weniger Ressourcen gehabt (wir hatten: Platz, keine Geldsorgen, intakte Elternbeziehung, Familienverbund zur Entlastung, „passende“ und hilfreiche Vorbildung von mir als Mama durch meine Ausbildung, perfekter HPK ab 3 1/2, ...), dann wäre ich vielleicht auch schon auf Grund gelaufen, als Junior drei, vier, fünf Jahre alt war. Ambulante Hilfen, die ich damals durchaus gesucht hätte: KiA komplette Fehlanzeige (keine Vermittlung an Frühförderung, oder an kompetente Therapeuten, ...). Ich wäre wohl - völlig ohne Diagnose - ans Münchner Kinderzentrum geraten, und habe mehrfach schon gehört, die arbeiten dort auch mit Schlaftraining, Extinktion, Trennung von den Eltern, (immerhin: Ohne gezieltes Unter-Stress-setzen“ und BTT) ... Regulationsstörung, Schlafstörung, Essstörung, aggressives Verhalten, Verweigerung - hätte alles zugetroffen damals :?

Grüße
Engrid
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Beitragvon Silvia & Iris » 16.11.2018, 18:44

Hallo Dario,


keine Ahnung wie das geregelt wird, aber Kinder, die Jahrzehnte im Kinderheim misshandelt wurden haben nun auch kollektiv etwa 15000 Euro als Abschlagszahlung erhalten (für Zeiträume länger als 4 Jahre...) ... nachdem diese Misshandlungen ja nur kurzfristig waren... - viel wird da nicht rausschauen, wahrscheinlich...

https://kurier.at/chronik/wien/kinderhe ... ft/733.814

um das ging es damals...

Liebe Grüße

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Beitragvon jonasb » 16.11.2018, 23:37

Hallo,
ich finde keine Worte darüber, dass dieses Verfahren so schnell eingestellt wird. Ich finde keine Worte. Ich bin einfach enttäuscht. In welchem Land leben wir? In welchem Jahr? Sind Kinder wirklich gar nichts mehr wert?
Kann man 200 Stunden so schnell anschauen und analysieren? WEr hat sich das angeschaut? Hat die Person, die das angeschaut hat Ahnung?
VG, Jonas mit Söhnchen:Periventr'ikuläre Leukomalazie, ICP, Z.n. West-Syndrom mit BNS, Button, Resektion links Parietal, Entwicklungsstörung, Epilepsie... ein heller Stern am Himmel sei 30. Dezember 2018
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Beitragvon Silvia & Iris » 17.11.2018, 10:08

Lieber Jonas,

was ist ein Leben wert?
Nicht viel... Friss Vogel oder stirb... Entweder du passt dich an, oder du stehst neben der Gesellschaft... - zumindest das, was als jenes bezeichnet wird...

- Soweit ich das gelesen habe scheitert es daran, dass sich kein Elternteil beschwert hat und daher die Therapie nicht untersucht wird...

Beim Sichten des Filmmaterials ist scheinbar nichts aufgefallen, das nicht legal ist...

Tja, wehe man würde das zu Hause machen - oder vielleicht sollen wir gerade das zu Hause machen??

- und dann bräuchte nirgendwo mehr ein JA einschreiten, weil alle Kinder angepasst erscheinen und nicht (mehr) aufmüpfig sind?
Liebe Grüße

Silvia

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Beitragvon MamaPina » 17.11.2018, 10:59

Hallöchen, es ist leider so , dass Kindesmisshandlung immer dann verfolgt wird, wenn Spuren sichtbar sind. Es ist traurig , dass die Klinik ihr Konzept nicht überdenken muss.Die Staatsanwaltschaft muss auch nicht prüfen, ob es wissenschaftliche Belege für das Konzept gibt. LG


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