Diskussion um schwarze Pädagogik im Film „Elternschule“

Eltern, Geschwister, Großeltern - die ganze Familie ist gefordert, wenn es um die Belange des besonderen Kindes geht. Häufig ist das Familienleben durch die besonderen Bedürfnisse von Sohn oder Tochter großen Belastungen ausgesetzt. Ein Austausch mit Familien, die auch ein besonderes Kind haben, tut gut und kann sehr hilfreich sein.

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Michaela44
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Beitragvon Michaela44 » 07.11.2018, 21:57

Engrid hat geschrieben:Was wir übrigens noch nicht diskutiert haben: auch die Dokumentarfilmer als Gruppe haben ethische Ansprüche, Leitlinien quasi. http://www.montage-av.de/callforpapers/ ... Praxis.pdf
https://www.fluter.de/man-kann-nicht-nicht-inszenieren
Zitat:
„Dieses Verständnis spiegelt sich auch in den journalistischen Standards, die sich im Dokumentarfilm durch den Aufstieg des Fernsehens zunehmend durchsetzten. Dazu gehören eine fundierte und nachprüfbare Recherche und die Kennzeichnung der Position des Autors. Seitdem gilt es als unethisch, den Zuschauer über gezielte Inszenierungen im Unklaren zu lassen.“

Wäre eigentlich wünschenswert, wenn die sich positionieren würden.

Grüße


Tun sie doch: pro Langer
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Beitragvon Engrid » 07.11.2018, 22:24

Nicht die beiden Filmemacher der Elternschule, sondern die Gilde der Dokumentarfilmer, meine ich.
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Beitragvon Engrid » 08.11.2018, 08:29

zur Orientierung für alle, hier die wichtigsten fachlichen Stellungnahmen und öffentlichen Reaktionen:

Stellungnahme Deutscher Kinderschutzbund:
https://www.dksb.de/de/artikel/detail/s ... mentarfil/
Interview mit dem Präsidenten des Kinderschutzbundes:
https://mobil.stern.de/gesundheit/-elte ... 34066.html

Stellungnahme Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie:
https://www.dgsf.org/aktuell/news/nicht ... ternschule

Stellungnahme Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie:
http://www.dgkjp.de/aktuelles1/482-stel ... nI0AD7FM_4

Kinderarzt und Autor Herbert Renz-Polster:
https://www.kinder-verstehen.de/aktuell ... erziehung/
https://www.kinder-verstehen.de/mein-we ... ht-weiter/
Inklusive Recherche zur Geschichte der Klinikmethoden

Erstattung von Strafanzeige durch Klinikleiter Michael Schulte-Markwort vom Hamburger UKE:
https://www.welt.de/gesundheit/psycholo ... -Film.html
Zitat: In seine Klinik in Hamburg „kommen Familien, die ähnliche Probleme haben wie die in Gelsenkirchen. Die Behandlung aber unterscheide sich komplett. In Hamburg werden Kinder nie schreien gelassen. Sie werden nicht unter zusätzlichen Stress gesetzt. Sie werden nicht von ihren Eltern ... getrennt, wenn sie diese Trennung noch nicht aushalten.“
Zitat: „Kinder seien ... keine Strategen, Manipulatoren, keine Tyrannen, denen egal ist, ob ihre Eltern leiden. Er kenne einige Tausend Kinder aus seiner Arbeit. Tyrannische Kinder kenne er nicht. Und zwar kein einziges.“

Radiointerview mit KJP Prof. Karl Heinz Brisch, Haunersche Kinderklink der LMU München ua, renommierter Bindungsforscher:
https://ondemand-mp3.dradio.de/file/dra ... 9a7229.mp3
Gibts auch in Schriftform, als Artikel, im Deutschlandfunk Kultur:
https://www.deutschlandfunkkultur.de/um ... _id=432431

Aktualisierung
Interview mit Remo Largo:
https://web.de/magazine/ratgeber/kind-f ... r-33268080
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Beitragvon Michaela44 » 08.11.2018, 09:06

Gibt es eigentlich fachliche Stellungnahmen, die das Vorgehen der Klinik unterstützen, aber unabhängig und nicht direkt von der Klinik oder von mit Langer / Lion verbandelten Institutionen sind?
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Engrid
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Beitragvon Engrid » 08.11.2018, 09:23

Mir ist keine bekannt.
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mamavonsarah
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Beitragvon mamavonsarah » 08.11.2018, 09:50

... mir schießt bei der ganzen Diskussion gerade noch etwas durch den Kopf.

Als wir damals im Krankenhaus waren, wurde unsere Tochter auf der ITS auch stundenlang schreien gelassen. Da war ebenfalls keine Spur von Zuwendung. Da war sie 5 Wochen alt und krank.

Uns hat man ins Elternhaus ausquartiert - würde ich heute so auch nicht mehr mitmachen.

Aber es bringt mich zur grunsätzlichen Fragen: sind alle Krankenhäuser und Institututionen, die sich jetzt derart empören (und deren Empörung ich teile) , im Klinikalltag so viel besser?

Aus leidvoller Erfahrung wissen wir, dass oft anders geredet als gehandelt wird.

Mein ungutes Gefühl sagt mir, dass diese Praktiken viel viel öfter angewendet werden, als uns allen lieb ist. Sei es aus Personalmangel, Zeitmangel... oder warum auch immer.

Kam mir nur gerade beim Hören des Interviews in den Sinn.

LG Sandy

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Beitragvon Jörg75 » 08.11.2018, 10:41

Moin,
mamavonsarah hat geschrieben:Mein ungutes Gefühl sagt mir, dass diese Praktiken viel viel öfter angewendet werden, als uns allen lieb ist. Sei es aus Personalmangel, Zeitmangel... oder warum auch immer.

auch wenn es im Endeffekt vermutlich keinen wesentlichen Unterschied macht - aber ich finde schon, dass es jedenfalls in der Motivation einen Unterschied gibt, ob so etwas aus "Personal- oder Zeitmangel" passiert und daher eigentlich nicht beabsichtigt ist - oder ob es zum Therapiebestandteil erklärt wird.

Ich habe es übrigens bei uns in der Neo-ITS Zeit nicht erlebt, dass die Kinder da lange schreien gelassen wurden ...

Gruß
Jörg
K., *2013, Extremfrühchen (27. +3 SSW), ICP, GdB 100 G aG H B, PS II+/ PG 4
J., *2016, aktuell keine Besonderheiten

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Beitragvon jonasb » 08.11.2018, 11:55

Hallo Engrid
vielleicht magst du die mal anshreiben, diese Gesellschaft für dokus oder was das nochmal war da oben.
Haben einige auch mit Psychologen/ärzten gemacht, die das mit dem Film kaum mitbekommen hatten und ihn sich dann angesehen hanben.
VG, Jonas mit Söhnchen:Periventr'ikuläre Leukomalazie, ICP, Z.n. West-Syndrom mit BNS, Button, Resektion links Parietal, Entwicklungsstörung, Epilepsie... ein heller Stern am Himmel sei 30. Dezember 2018
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Beitragvon MamaPina » 08.11.2018, 13:49

HeikeLeo hat geschrieben:
Die Frage ist doch: sind da Kinderschänder am Werk, denen das Leid der Kinder völlig egal ist, oder gibt es da eine Empathiebasis, auf der man ggf. aufbauen kann. Kann man durch wissenschftlich/fachliche Argumente da etwas erreichen, oder nicht?



Empathie ist ja die eine Seite. Die mangelhafte Empathie ist ja das, was uns hier im Forum auf die Barrikaden treibt.

Die fachlich/wissenschaftlichen Argumente sind davon erst einmal unabhängig. Allerdings fehlen offenbar die wissenschaftlich/fachlichen Argumente.
weil das Konzept von Erfolg gekrönt ist?

Für diese Art von Arbeit ist nicht das Ergebnis der alleinige Messwert, sondern auch der Weg zum Ergebnis. Über das Ergebnis an sich kann man vielleicht noch diskutieren. Über den Weg aber nicht.

Liebe Grüße
Heike


Hallöchen,

Über das Ergebnis an sich kann man vielleicht noch diskutieren. Über den Weg aber nicht.

Das unterstreiche ich.

Multimodale 3-Phasen-Therapie - und Jugendklinik Gelsenkirchen

ist ein Modell, das von keiner anderen Klinik aufgegriffen oder umgesetzt wird. Es wird seine Gründe haben. Es wäre wirklich sehr wüschenswert, wissenschaftliche Belege dazu abzuliefern. Was über die Neurodermitistherapie zu lesen ist, überzeugt mich nicht. Ich möchte auch gern wissen, was die Kinder genau durchmachen? Was bedeutet die Aussage, Kinder dürfen sich auch kratzen, bei der Entlassung kratzen sie nicht mehr.
Eine Ernährungsumstellung schlagen viele Mediziner vor. Es ist auch bekannt, dass Stress ein Auslöser sein kann .

Stressaufbau kann bei Neurodermitis nicht gut sein. Auch wenn dann wieder Stufen enthalten sind, die Stress abbauen sollen.

Spontanheilung oder Salbstheilung, klingt nach esoterischen Elementen.

LG

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Beitragvon Engrid » 08.11.2018, 14:15

Zu dem kleinen Jungen mit der Neurodermitis möchte ich noch was schreiben. In einem Gespräch mit Langer erzählt die Mutter tatsächlich, sie würden tun, was der Kleine will, damit er sich nicht noch mehr kratzt. Den Kontext lässt der Film außen vor, aber nehmen wir mal an, sie meint das tatsächlich allgemein. Das ist natürlich pädagogisch fatal, es erhöht den Stress des Kindes erheblich, wenn es Mama und Papa nicht als Fels in der Brandung erlebt, wenn die Eltern komplett „schwimmen“. Und sich womöglich durch die Androhung von Kratzen erpressen lassen. In dem Kontext hat Langer sogar recht, finde ich, wenn er sagt „Der ist ja der Boss, ne.“ Halt kein Boss, der zufrieden ist, sein strategisches Ziel erreicht zu haben, sondern ein rudernder überforderter verzweifelter Boss.
Logisch wäre dann für mich, dass man die Mutter bestärkt in dem, was sie gut macht (das ist sicher auch einiges) und anleitet, Grenzen wohlwollend aber souverän zu setzen. Zb durch Video-Coaching, dann kann sie selber reflektieren, selber sehen, wie es gut läuft und wie es schlecht läuft.

Also, Grenzen setzen.
Aber Grenzen setzen heißt ja absolut nicht, dem Kind nur noch ein 20-Minuten-Zeitfenster zum Essen zu geben, Grenzen setzen heißt nicht, ein Kind festzuhalten und zwangsweise zu füttern. Grenzen setzen heißt nicht, etwas verbissen durchzuziehen, Grenzen setzen heißt nicht, ein Kind im Dunklen oder in der Mäuseburg zwangsweise alleine zu lassen. Heißt nicht, die „Führung körperlich spüren“ zu lassen.
Grenzen setzen muss deeskalierend sein. Niemals ein Machtkampf. Und, soweit möglich, nicht mit hartem Herzen, sondern souverän und mit Zutrauen ins Kind.

Das gelingt keinem durchgehend, aber wir müssen ja auch nicht perfekt sein.

Grüße
Engrid
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