Diskussion um schwarze Pädagogik im Film „Elternschule“

Eltern, Geschwister, Großeltern - die ganze Familie ist gefordert, wenn es um die Belange des besonderen Kindes geht. Häufig ist das Familienleben durch die besonderen Bedürfnisse von Sohn oder Tochter großen Belastungen ausgesetzt. Ein Austausch mit Familien, die auch ein besonderes Kind haben, tut gut und kann sehr hilfreich sein.

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anke505
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Beitrag von anke505 »

Hallo ,

lustig das Beispiel mit dem Spinat, obwohl das Thema alles andere als lustig ist.

Ich sehe es genauso, warum muss man ein Kind zwingen , etwas zu essen , was es nicht mag, käme uns nie in den Sinn.

Wir Erwachsene haben doch auch Dinge , die wir nicht essen mögen.
Meine Schwiegermutter isst keine Tomaten und keinen Fisch, dann ist das so.

Ich kenne den Film nicht, aber bei der Aussage , ein Kleinkind lernt schlafen , wenn man es verabschiedet , in einen dunklen Raum legt , es mit sich allein lässt und dann konsequent den Raum nicht mehr betritt, gruselt es mir .

Diese Methode bei älteren Kindern mag noch gehen, würde ich persönlich aber auch nicht praktizieren, aber bei Babys und Kleinkindern empfinde ich es als grausam.

LG Anke

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Alexandra2014
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Beitrag von Alexandra2014 »

Doris77 hat geschrieben:
Alexandra2014 hat geschrieben: Allerdings finde ich es zweifelhaft, Zwang als Gewalt zu interpretieren. Gewalt hat für mich immer den Aspekt, dass jemandem mutwillig Schaden zugefügt wird.
:shock:

Gewalt und Zwang gehören sehr wohl in eine Familie. Siehe:

https://www.jurawiki.de/DefinitionGewalt
Genau sowas meine ich! Komplett aus dem Kontext gerissen... was für ein Unsinn!

Wenn ich mein Kind zur Blutentnahme zwinge, weil der Blutspiegel des Antiepileptikums überprüft werden muss, dann hat das nichts mit Gewalt zu tun. Trotzdem ist es Zwang.

Wenn ich mein Kind gegen seinen Willen auf dem Bürgersteig am Arm festhalte, damit es nicht vors Auto läuft, dann ist das Zwang - tut vielleicht sogar weh - ist aber keine Gewalt ggü. dem Kind.

Ich kopiere mal aus deinem Link:
Der sog. "klassische Gewaltbegriff":
Danach war Gewalt dadurch gekennzeichnet, dass der Täter durch körperliche Kraftentfaltung einen Zwang ausübt, indem er auf den Körper eines anderen einwirkt, um geleisteten oder erwarteten Widerstand zu überwinden.


Und jetzt zur Definition von „Täter“:
Nach § 25 Abs. 1 1. Alt. StGB ist Täter einer Straftat, wer die Straftat selbst begeht. In § 25 Abs. 1 2. Alt StGB ist die mittelbare Täterschaft geregelt, bei der der Täter sich zur Tatausführung eines anderen Menschen als Werkzeug bedient.

Nun bin ich aber kein Täter, der eine Straftat zu seinen Gunsten begehen will, sondern eine Mutter, die das Beste für ihr Kind möchte. Und dazu gehört auch, dass ich aufpasse, dass das Kind nicht vors Auto läuft und wichtige Untersuchungen durchgeführt werden.

Es geht also definitiv um den Kontext, denn sonst säßen wir Eltern nahezu alle im Gefängnis. :wink:
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral

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Alexandra2014
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Beitrag von Alexandra2014 »

anke505 hat geschrieben:Hallo ,

lustig das Beispiel mit dem Spinat, obwohl das Thema alles andere als lustig ist.

Ich sehe es genauso, warum muss man ein Kind zwingen , etwas zu essen , was es nicht mag, käme uns nie in den Sinn.

Wir Erwachsene haben doch auch Dinge , die wir nicht essen mögen.
Meine Schwiegermutter isst keine Tomaten und keinen Fisch, dann ist das so.

Ich kenne den Film nicht, aber bei der Aussage , ein Kleinkind lernt schlafen , wenn man es verabschiedet , in einen dunklen Raum legt , es mit sich allein lässt und dann konsequent den Raum nicht mehr betritt, gruselt es mir .

Diese Methode bei älteren Kindern mag noch gehen, würde ich persönlich aber auch nicht praktizieren, aber bei Babys und Kleinkindern empfinde ich es als grausam.

LG Anke
Sie hat nicht gesagt, dass sie Spinat nicht mag. Sie hat nur gesagt, dass sie nichts isst. Wie gesagt, zog sich das über mehrere Tage und es gab nicht jeden Tag Spinat.
Mein Kind mag auch keinen, muss sie nicht essen.
Ich war selbst ein sehr mäkeliger Esser und haben in diesem Bezug sehr viel Verständnis.

Aber es ist doch selbst Heute noch in den Förderschulen so. Nur wer seinen Teller blitzeblank gegessen hat, bekommt Nachtisch. Es wird von den Kindern erwartet, abschätzen zu können, wieviel sie wovon essen können und wenn sie es dann nicht schaffen, werden sie bestraft. Genauso müssen sie vorher wissen, ob ihnen etwas schmeckt, selbst wenn sie es noch nie zuvor gegessen haben. Und wehe es schmeckt nicht, dann muss es trotzdem gegessen werden...
Habe ich in zwei verschiedenen Förderschulen live miterlebt...
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral

Annileinchen
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Beitrag von Annileinchen »

Heißt ja nicht, dass das in Ordnung ist.
Diese Förderschulen würden von mir aber einen ganz schönen Brief bekommen.

Doris77
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Beitrag von Doris77 »

Und trotzdem ist es Gewalt. Dass du Zwang anwendest, um Eigengefährdung oder Gefahr im Verzug abzuwenden, ist juristisch vertretbar.

Aber ein Kind im Dunkeln ohne Zuwendung einzusperren ist Gewalt und bedeutet nur, den Willen des Kindes zu brechen.

anke505
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Beitrag von anke505 »

Hallo,

da bin ich ja froh, dass unser Sohn eine Realschule besucht.

Was sind das für Methoden?

Da wäre ich aber schon bei der Schulleitung.

Der Teller wird aufgegessen , das sind ja Ansichten aus der ,, Steinzeit ,,.

LG Anke

monika61
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Beitrag von monika61 »

Alexandra2014 hat geschrieben:
Aber es ist doch selbst Heute noch in den Förderschulen so. Nur wer seinen Teller blitzeblank gegessen hat, bekommt Nachtisch. Es wird von den Kindern erwartet, abschätzen zu können, wieviel sie wovon essen können und wenn sie es dann nicht schaffen, werden sie bestraft. Genauso müssen sie vorher wissen, ob ihnen etwas schmeckt, selbst wenn sie es noch nie zuvor gegessen haben. Und wehe es schmeckt nicht, dann muss es trotzdem gegessen werden...
Habe ich in zwei verschiedenen Förderschulen live miterlebt...
:shock: :shock: :shock:

Hallo,

was sind das denn für Methoden, so etwas hätte ich niemals
akzeptiert. :evil:
Meine Tochter (30Jahre) ist ja nun schon eine ganze Weile nicht mehr in
der Schule, aber solche Methoden gab es in ihrer Förderschule nicht.

Entsetzte Grüße
Monika

konik
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Beitrag von konik »

Leider kenne ich eine ganze Latte an Schulen die genau das noch immer praktizieren !
Da wird das Essen in den Himmel gehoben und drum rum geredet .

Regelschulen
Sonderschulen
Privatschulen

Und überall steht der Rektor genau zu dieser Ansicht!
Da wird argumentiert das einem der Kopf wirr wird! Mein Gefühl ist auch es wird überall angezogen weil die Menschen verzweifelt sind und laufen sollen , alle schon schnell und gleichmäßig . Kinder sollen am liebsten schon so geboren werden , Neugeborene sollen schlafen können , 3 jährige sollen lesen und

Aber nicht blos solche Dinge sind es , da gibt es Einiges mehr. Ganz ehrlich es ist doch etwas völlig anderes wenn ich mein Kind am Arm packe aus Schutz vor einem Unglück oder ob es ganz bewusst darum geht einem Kind klar zu machen ich bin der Boss und nur wenn du machst was ich sage hast du Ruhe !!!!

Mir braucht wirklich niemand was erzählen von Schlafproblemen , ich bin heute noch in der Neugeborenenphase was mich nicht erfreut und ich gerne weg hätte . Jedoch weiß ich das meine Jungs nichts dafür können , mir würde nie in den Sinn kommen sie in fremder Umgebung alleine , im dunkein zu lassen und mir noch als gut für das Kind einzureden.
Wie kann man denn glauben das so ein Vorgehen wie es dort ja sicher oft merfach ( solche Kinder haben selten nur ein Problem wenn ich mir jetzt vorstelle ein Kind verweigert das Essen , das Schlafen und die Toilette dann wird mir Angst und Bange was es dort erleiden muss) an jedem Kind durchgeführt wird ! keine Spuren hinterlässt!?


Nach wie vor geschockte Grüße

Konik

HeikeLeo
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Beitrag von HeikeLeo »

Das Schlimme daran ist, dass es als fachgerecht angesehen wird. Es wird von einer Institution praktiziert. Wenn Eltern mal zur Abwendung von Gefahr das Kind fest am Arm packen, damit es nicht vor ein Auto läuft, das ist ja wohl etwas ganz anderes. In Einrichtungen wird sehr vieles auch heute noch gemacht, was ganz klar Gewalt ist. Und schockierenderweise wird es ständig schöngeredet und als wichtig und richtig angesehen. Das ist das Schlimme. Dass diese Gewalt mit voller Überzeugung gemacht wird und die Täter sich auch noch gut fühlen dabei.

Natürlich muss man keinen Spinat essen müssen. Aber in Schulen werden Kinder auch heute noch dazu gezwungen. Und wehe, dass Kind verträgt keinen Spinat. Dann liegt der Fehler beim Kind.

Auch geschockte Grüße
Heike

Silvia & Iris
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Beitrag von Silvia & Iris »

Ja liebe Konik,

man wird heute schon so irr gemacht... wenn Babys im Alter von 6 - 8 Monaten nicht aussehen wie Barockengel, dann steckt doch 100 % eine Gedeihstörung dahinter, oder? - Dass es eben auch normbedingte Abweichungen zu diesen Vorgaben gibt, das wird gerne übersehen...

… und wenn ich mir dann so überbesorgte Mütter anhöre, wenn sie ganz entsetzt sind, dass ihr Kind mit 14 Monaten noch nicht frei geht :roll: - aber am gleichen Tisch die Mütter mit dem Kind, das bereits mit 10 Monaten so läuft, dass sie nicht mehr hinterher kommt... - also nichts ist recht...

Und wenn das Kind mit 4 Jahren noch keine 4 Wortsätze schafft, und auch das Wort "schwarz" noch nicht so klingt... - der reinste Weltuntergang... Waschmaschine ein Zungenbrecher ist...


Und der 3-jährige, der nachts noch Windeln braucht...


Allerdings - das Kinder ab 18 Monaten noch Nuckelflaschen haben, (ausgenommen jetzt jene, die wirklich nicht anders können - aber da gibt es sicher nicht viele, da selbst das saugen eine höhere Fähigkeit ist, als aus einem Becher trinken...) - das ist schon auch auf die Bequemlichkeit der Mütter zurück zu führen...


Vieles wird heute auch aus Bequemlichkeit so gemacht, wie es gemacht wird... - egal ob es die Papierwindeln sind, oder anderes... (ich habe bis 14 kg mit Stoffwindeln gearbeitet...) - außer wir hatten KH-Termine...


auch Gläschenkost gab es nur bei KH-Besuchen... Frisch gekochtes schmeckt einfach besser...

Und die Kinder brauchen um sich gesund zu entwickeln nicht wirklich Babyschwimmen, und anderes im ersten Lebensjahr... - natürlich, beschäftigen muss man sich schon mit den Kleinen, aber nicht durch massenweise Programme...


Das mit dem Zwangsessen habe auch ich erlebt als Schüler, nachdem dann meine Mutter mitbekommen hat, dass ich nicht lüge, musste ich dann nachmittags nicht mehr dort bleiben...


Diese Unsicherheit der Eltern rührt auch daher, dass heute nichts schnell genug gehen kann - man "muss" so schnell wie möglich wieder zurück an den Arbeitsplatz - nach Möglichkeit ganztags - und dann MUSS das Kind fremduntergebracht werden, da meist weitere Familienangehörige nicht greifbar sind - entweder die eigenen Eltern sind selbst noch berufstätig, oder sie sind immer auf Achse - oder bereits Pflegefälle... - und bei keiner dieser Varianten sind sie wirklich vorhanden und können dauerhaft helfen...


Es gibt sicher noch Ausnahmen, aber die Entwicklung geht immer mehr zu Menschen, die ohne Rücksicht - auch auf ihre eigenen Kinder - einfach ihr Leben genießen... - tw. kommen sie auch mit Kindern der "anderen" Art auch nicht klar...


Und dann kommen solche Filme auf den Markt … genau aus dieser Konstellation heraus... - Natürlich machen auch Verwandte nicht alles richtig, aber sicherlich mit mehr Herz, als so eine Klinik...


Liebe Grüße

Silvia


… allerdings sind sicherlich nicht alle Dinge immer nur falsch, die solche Einrichtungen machen, und man muss ja nicht alles mitmachen... - aber wenn es auf Druck vom Jugendamt gemacht werden soll, dann kommt man schon sehr in Zwangsmühlen … :roll:
Liebe Grüße
Silvia
Tochter *03/2003, PCH, HG-versorgt, ein Sonnenschein
Sohn *03/2006 AVWS + was so dazu gehört

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