Diskussion um schwarze Pädagogik im Film „Elternschule“

Eltern, Geschwister, Großeltern - die ganze Familie ist gefordert, wenn es um die Belange des besonderen Kindes geht. Häufig ist das Familienleben durch die besonderen Bedürfnisse von Sohn oder Tochter großen Belastungen ausgesetzt. Ein Austausch mit Familien, die auch ein besonderes Kind haben, tut gut und kann sehr hilfreich sein.

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Sigrid Zas
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Beitragvon Sigrid Zas » 19.10.2018, 07:30

Hi,

Warum stimmen Eltern zu sich selber und ihre Kinder in so einer für die Familie belastenden Situation gefilmt zu werden?

Wie wird es sich für dir Kinder in 15 ihren anfühlen sich da zu sehen?

Nachdenklich grüße
Sigrid
Sigrid mit Tochter L *2005 geistig behindert, nach umfangreicher Diagnostik immer noch ohne Diagnose

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Anjali
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Beitragvon Anjali » 19.10.2018, 07:46

Schaut euch den Film an, ansonsten könnt ihr nur spekulieren und vorverurteilen.
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (17 Jahre / Asperger-Autist)

Anjali
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Beitragvon Anjali » 19.10.2018, 07:54

Sheila0505 hat geschrieben:Danke Engrid für diesen Thread.

Hingegen der Meinung mancher hier, bin ich fest der Überzeugung: Man muss nicht jeden Mist gesehen haben (gar diesen Mist auch noch mit Kinokarten fördern) um vorher schon zu wissen, dass es Mist ist.
Ich habe mir das hier angesehen

http://youtu.be/hqcL3QM-p0U

und sehe die Betroffenheit. Ich werde sicherlich keinen Cent für eine Kinokarte ausgeben und bin dennoch "mitschockiert" ohne diesen "Film/Doku wie man es auch nennen mag" gesehen zu haben.

Schönen Abend noch, Sheila


Halllo Sheila,
Dies sei dir unbelassen.
Allerdings hatte die von dir verlinkte Kommentatorin den Film selbst nicht gesehen. Dies geht aus der Kommentarspalte hervor.
Betroffenheit anderer ist für mich persönlich keine Urteilsgrundlage, wie Gefühle (alleine) für mich selbst auch keine ausreichende Urteilsgrundlage bilden.
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (17 Jahre / Asperger-Autist)

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 19.10.2018, 08:04

Hallo Anja,

ich bin sicher nicht die Einzige, die es emotional arg belastet, sich das im Kino anzusehen. Zuhause, wo es eine Pausentaste gibt, und eine Leiser-Taste, ginge es vielleicht. Ich habe aber (vor der Trailer-Umschneidung) schon mehrere Filmszenen im Netz gesehen, die für mich eindeutig genug sind.
Es kann aber nicht angehen, dass nur kritisieren darf, wer im Kino war.
Der verlinkte KiA Stenz-Polster hatte zu der fast identischen Erstversion seines Textes eine Unterlassungsklage der Filmfirma auf dem Tisch. Nachdem sein Text nun öffentlich abgedruckt wurde, ist davon auszugehen, dass die Beschreibung der Filmszenen („cry out“ Schlafen mit Beziehungsabbruch, Zwangsfütterung, usw, auch die zitierten Aussagen des Personals dazu) und des ganzen Settings den Tatsachen entspricht.

Ich bin übrigens sehr für Regeln und Konsequenz in der Erziehung (sonst würde mir hier auch alles um die Ohren fliegen), aber das rechtfertigt doch absolut keine Zwangsmethoden.
Kinder zum Essen zu zwingen, das hat doch nichts mit pädagogischer Konsequenz zu tun.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

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Beitragvon betty33 » 19.10.2018, 08:08

Hallo ihr Lieben,

die vielen Kritiken, die ich über diesen Film gelesen habe, schockieren mich total.
So Sätze wie “Kinder müssen die Führung ihrer Eltern körperlich spüren.” erinnern mich stark an meine Kindheitserfahrungen.

Ich selbst (Mutismus in der Kindheit) knabbere heute noch an den Methoden die in staatlichen Einrichtungen der DDR praktiziert wurden und was meine Eltern als "richtige" Erziehung gelehrt bekamen. Das einzige was es bewirkt hat, ist vor lauter Angst bestraft zu werden, das zu tun was der Erwachsene sagt.

Ich habe rein gar keine positiven Erinnerungen an meine Kitazeit, nur solche wie Z.Bsp. stundelang in der Ecke stehen und vor lauter Angst einnässen und einkoten, weil man sich ja nicht wegbewegen durfte um auf die Toilette zu gehen. Oder immer der letzte am Tisch sein zu müssen, weil die Anweisung "iss den ganzen Teller leer, vorher darfst du nicht aufstehen" hart durchgezogen wurde. Oder einsperren in die Betten-Kammer weil ich einfach nicht reden wollte...

Sicherheit und Geborgenheit waren da wahrlich Fremdwörter.
Die Praktiken die in diesem Dokumentarfilm zu sehen sein sollen, sind in meinen Augen der falsche Weg, ja die komplett falsche Richtung ein selbstbewusstes und selbstsicheres Kind zu formen.

Meine beiden Kinder genießen Gott sei Dank eine andere Art der Erziehung und ihr Lächeln bestätigt mir jeden Tag aufs Neue, dass sie glücklich damit sind.

LG
Tochter: ADS, Dyskalkulie
Sohn: Gehörlos, vis. Wahrnehmungsstörung, F82.1, F83, V.a. ADS/ASS

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Beitragvon RikemitSohn » 19.10.2018, 08:23

Hallo,

ich bin ganz bei Engrid. Ich denke nicht, dass man den Film sehen muss und ich werde dies auch nicht tun, weil ich es nicht ertrage.
Allein die Beschreibung, wie ein Kind in einem dunklen Raum zum Schlafen gezwungen wird, schmerzt mich. Mein Sohn hat auch ganz schlecht geschlafen und war ein Schreikind. Aber in all meiner Verzweiflung, hätte ich ihm dies nie angetan.
In den Kritiken und Ausschnitten wird der Arzt als sehr fürsorglich und harmlos in seinen Ideen dargestellt. Er hat recht, dass Kinder Konsequenz und Grenzen brauchen. Doch der Weg ist in meinem Weg absolut der falsche. Gewalt wie eine Zwangsfütterung sollten wir hinter uns gelassen haben.

LG Rike
Mama mit Sohn 2004 ADHS und HB

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Beitragvon monika61 » 19.10.2018, 08:25

Sigrid Zas hat geschrieben:Hi,

Warum stimmen Eltern zu sich selber und ihre Kinder in so einer für die Familie belastenden Situation gefilmt zu werden?

Wie wird es sich für dir Kinder in 15 ihren anfühlen sich da zu sehen?

Nachdenklich grüße
Sigrid


Hallo Sigrid.

das habe ich mich auch schon gefragt :?



Hallo zusammen,

hier findet man Kommentare zu dem Film:

…."Nein, ich wollte den Film nicht sehen, mein Beruf zwingt mich dazu."....

Kompletter Kommentar von
Mathias Voelchert
Gründer und Leiter familylab – die Familienwerkstatt in Deutschland

https://www.facebook.com/notes/familyla ... 612292257/


kopfkusshöhe.
Elternschule - Mein Kommentar..
Triggerwahrnung: Gewalt an Kindern


…"Vor dem Film im Vorraum des Kinos:"....


Kompletter Kommentar:
https://www.facebook.com/kopfkusshoeheb ... ?__tn__=-R

LG
Monika

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Beitragvon betty33 » 19.10.2018, 08:25

Und übrigens gilt die Kritik im Prinzip nicht dem Film an sich, sondern den Therapiemaßnahmen die in dieser Klinik praktiziert werden. Daher finde ich die Aussage auch total irrelevant das man keine Kritik äußern kann, wenn man den Film noch nicht gesehen hat.

Eine logische Folge, wäre sich den Film tatsächlich ansehen und danach öffentlich Sturm laufen gegen diese Art Therapie. Also sind die gefragt, die sich das emotional antun können oder wollen. Ich für meinen Teil bin da leider raus.

LG
Tochter: ADS, Dyskalkulie

Sohn: Gehörlos, vis. Wahrnehmungsstörung, F82.1, F83, V.a. ADS/ASS

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Beitragvon Anjali » 19.10.2018, 08:29

Engrid hat geschrieben:Hallo Anja,


Es kann aber nicht angehen, dass nur kritisieren darf, wer im Kino war.


Grüße


Kritisch diskutieren „darf“ man ja. Allerdings käme es für mich nie in Frage, gegen einen Film, den ich selbst überhaupt nicht gesehen habe einen Shitstorm loszutreten (damit ist nicht unser Thread gemeint) und sogar eine Petition für die Absetzung des Films zu unterschreiben.
Ich müsste mir erst selbst ein Urteil bilden. Dazu gehört für mich z.B., einzelne fragliche Szenen im Kontext zu sehen bzw. zu beurteilen.

Damit möchte ich den Film gar nicht verteidigen. Wie geschrieben, habe ich ihn nicht gesehen.
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (17 Jahre / Asperger-Autist)

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monika61
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Beitragvon monika61 » 19.10.2018, 08:44

Hallo zusammen,

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Kurze Stellungnahme zu dem umstrittenen Film "Elternschule" der
momentan in den Kinos anläuft:
(Stellungnahme des Bindungsexperten Univ-Prof. KH Brisch, Begründer
des SAFE®-Elternkurses)

https://www.facebook.com/13805019964207 ... =3&theater

https://www.khbrisch.de/zur-person/



Der Bindungsforscher Karl Heinz Brisch hat sich den Film "Elternschule"
inzwischen angeschaut. In der Zeitung "Die ZEIT" wird es ein Interview mit
ihm dazu geben:

Komplette Info:
https://www.facebook.com/permalink.php? ... &__tn__=-R


LG
Monika


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