4.870 Euro für vollstationäre Betreuung dazu zahlen?!

Unsere Kinder werden älter, verlassen die Schule und auch oft das Elternhaus. Wie sehen die Perspektiven für behinderte Jugendliche und junge Erwachsene aus? Wo können sie arbeiten? Wo finden sie geeignete Wohnformen? Hier können sich Eltern austauschen und informieren!

Moderator: Moderatorengruppe

Lotte und Dennis
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 426
Registriert: 07.05.2013, 19:28

Beitragvon Lotte und Dennis » 21.10.2018, 19:41

Hi!

Tut mir leid, wenn ich jemanden zu Nahe getreten bin. Das war überhaupt nicht meine Absicht! Deswegen schrieb ich ja, die typischen Klischees werden auf beiden Seiten bedient.

Und es gibt IMMER und ÜBERALL Ausnahmen! Auch in meinem Umfeld habe ich beide Seiten vertreten und wurde häufig ausgenutzt. Das lässt einen vielicht etwas verbittert werden. Außerdem ging es nie um die Geringverdiener die sich den Allerwertesten aufreißen. Für die habe ich absolut großen Respekt, da ich lange so gelebt habe.

Also nochmal, sorry für alle, denen ich evt. auf den Schlips getreten bin!

LG

Werbung
 
Jörg75
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 2251
Registriert: 23.10.2014, 21:17
Wohnort: NDS

Beitragvon Jörg75 » 21.10.2018, 20:36

Hallo senem,

Senem hat geschrieben:meinst du zusätzliche Betreuungsleistungen oder so ähnlich??

die Überlegung war, glaube ich, eher eine andere.

Wenn die Threadstarter für die angedachte Unterbringung/ Betreuung fast 5.000,- Euro im Monat zahlen sollen, dann kann man sich überlegen, was man mit fast 5.000,- Euro im Monat anderweitig sich an Betreuung "einkaufen" kann.

Es gibt im Altenpflegebereich Angebote, wo man sich eine Pflegekraft 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche nach Hause holt - da ist man oft mit (deutlich) weniger als 5.000,- Euro dabei.

Gruß
Jörg
K., *2013, Extremfrühchen (27. +3 SSW), ICP, GdB 100 G aG H B, PS II+/ PG 4
J., *2016, aktuell keine Besonderheiten

Unsere Vorstellung

Lotte und Dennis
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 426
Registriert: 07.05.2013, 19:28

Beitragvon Lotte und Dennis » 21.10.2018, 20:41

Hi!

Es wäre tatsächlich mal interessant zu wissen, was ein Platz in einer Wohngruppe überhaupt kostet?

Das schwankt wahrscheinlich auch?

LG

Biancamit2
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 824
Registriert: 27.03.2009, 20:34

Beitragvon Biancamit2 » 21.10.2018, 22:30

Jörg75 hat geschrieben:Hallo senem,
Senem hat geschrieben:meinst du zusätzliche Betreuungsleistungen oder so ähnlich??

die Überlegung war, glaube ich, eher eine andere.

Wenn die Threadstarter für die angedachte Unterbringung/ Betreuung fast 5.000,- Euro im Monat zahlen sollen, dann kann man sich überlegen, was man mit fast 5.000,- Euro im Monat anderweitig sich an Betreuung "einkaufen" kann.

Es gibt im Altenpflegebereich Angebote, wo man sich eine Pflegekraft 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche nach Hause holt - da ist man oft mit (deutlich) weniger als 5.000,- Euro dabei.

Gruß
Jörg


Genau.....
Da ist es wieder. Man nimmt sich eine 24h Pflegekraft die dann für ihre Arbeit nichtmal 5.000 Euro bekommt. Und dann wundert ihr euch, wenn wir Pflegekräfte keinen Bock mehr auf unseren Job haben? Wir sollen rund um die Uhr arbeiten und möglichst billig sein, ne?
Das ist der Grund warum ich nicht weiter geschrieben habe. Es geht mir so auf den .... Diese Superverdiener, die alles wollen, aber ja nix dafür zahlen. Und wir gering oder normalverdiener sollen möglichst viel leisten für möglichst umsonst. Und wenn ich dann mit 70 als Nixhaber im Altersheim sitze und das Amt meinen Pflegeplatz zahlt, dann kommt ihr Superverdiener wieder und beschwert euch noch dass ihr von euren Zigtausenden, die ihr deshalb habt, weil ihr nicht bereit wart uns Geringverdienern mehr für unsere Leistung zu zahlen, den Pflegeplatz selbst zahlen müsst.
Die Supervierdiener verdienen nur so gut, weil wir Geringverdienerdeppen es euch möglich machen... Wenn wir mal alle geschlossen streiken würden, bis wir den doppelten Lohn haben, den ihr Superverdiener dann eben auch mit zahlt, dann vererbt ihr nachher weniger an eure Kinder, aber wir können unsere Pflegeplätze selbst zahlen. Nur leider schafft ihr Superverdiener es ja immer, uns schön unten zu halten. Wenn man einem Geringverdiener nur damit droht er könnte den Job verlieren, hält man ihn schön klein damit und vom streiken ab....

Vielleicht solltet ihr da mal drüber nachdenken, und dann eure Pflegeplätze bezahlen und euch bei den Pflegekräften bedanken dass sie euch die Arbeit abnehmen die ihr selbst nicht tun wollt.
Bianca mit Sohn (2004, Skoliose, LRS) und Tochter (02.2009 Frühchen 29+0, ICP, PVL, spastische Diparese, und manch anderes) und zwei Sternchen *2003 *2008 fest im Herzen

Lotte und Dennis
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 426
Registriert: 07.05.2013, 19:28

Beitragvon Lotte und Dennis » 21.10.2018, 23:18

Hi Bianca!

Nochmal, keiner sagt etwas gegen Geringveediener! Es wurde auch zuerst gegen die andere Richtung geschossen aber egal. Und warum stellst du gleich alle „Superverdiener" an den Pranger? Schade!

Dieses Konzept der Altenpflege kenne ich auch, aber nicht so, dass die Pflegekraft dann 24h/7 Tage die Woche arbeitet. Aber es gibt wohl Fälle, wo die Pflekraft tatsächlich mit im Haus wohnt, aber nur stundenweise pflegt. Z.B. morgens und abends.

LG

Lotte

Jörg75
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 2251
Registriert: 23.10.2014, 21:17
Wohnort: NDS

Beitragvon Jörg75 » 22.10.2018, 09:10

Hallo Bianca,

ob man das gut findet, dass man Pflegekräfte für unter 5.000,- Euro findet, ist eine andere Frage.

Das man sich als Elternteil, wenn man für eine Betreuung des eigenen Kindes fast 5.000,- Euro im Monat zubezahlen soll, Gedanken um anderweitige Betreuungsmöglichkeiten macht, finde ich vollkommen legitim. Es ist ja auch bei weitem nicht gesagt, dass man dafür etwas adäquates findet - aber Gedanken darüber, was ich mir mit 5.000,- Euro Eigenanteil an Betreuung besorgen kann, das darf ich schon.

Gruß
Jörg
K., *2013, Extremfrühchen (27. +3 SSW), ICP, GdB 100 G aG H B, PS II+/ PG 4

J., *2016, aktuell keine Besonderheiten



Unsere Vorstellung

Benutzeravatar
Inga
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 7202
Registriert: 18.03.2005, 20:14
Wohnort: RLP

Beitragvon Inga » 22.10.2018, 09:15

Lisaneu hat geschrieben:Mal ganz unanhängig von der viel-haben, viel-leisten - Diskussion: um diesen monatlichen Betrag sollte es doch möglich sein, sowohl eine Wohnmöglichkeit als auch Rund-um-die-Uhr 1:1 Betreuung zu finanzieren. Ich kenne im Altenpflegebereich einige Personen mit Pflegebedarf, die so eine 1:1 Betreuung in Anspruch nehmen und weniger dafür zahlen (ohne Unterstützung durch die Allgemeinheit!). Ich würde mich an Stelle der TE erkundigen, ob es solche Möglichkeiten auch im Behindertenbereich gibt.

Vielleicht ist das, was ich schreibe, jetzt total naiv oder mir ist der echte Pflege- bzw. Betreuungsbedarf nicht bewusst. Wenn es so sein sollte sorry - ich wollte nur diese theoretische Möglichkeit mal in den Raum werfen :wink: .


Ja, das war etwas naiv. :wink:
Um da mal Zahlen in den Raum zu werfen. Ein Heimplatz für Behinderte kosten zwischen 4-8 Tausend Euro, meist so irgendwas in der Mitte also 5-6 T.
Rund um die Uhr 1 zu 1 ist VIEL teurer!
Osteuropäische PFLEGEkräfte betreuen (fast) nie Kinder, zudem ist bei einem Kind nicht nur Pflege, sondern auch Erziehung notwendig.
Rund um die Uhr mit deutschen Fachkräften kostet (wenn man Nachts wach sein muß) +/- 18.000 €, wenn eine Nachtwache reicht, wird es etwas billiger. Wenn auch zeitweise Nichtfachkräfte eingesetzt werden können, noch mal etwas günstiger. Dann kann man je nach Situation noch die Schulzeit abrechnen.
Unser Ältester ist gerade in eine eigene Wohnung gezogen. Er wird außerhalb der Werkstatt-Zeiten (Unterwegs von 6:30-16 Uhr) immer betreut, nachts ist nur eine Nachtwache nötig, welche schlafen kann. Mehr als die Hälfte der Zeiten werden von Nicht-Fachkräften abgedeckt. Unser Model ist NICHT Kostendeckend, heißt wir als ehemalige Pflegeeltern haben Danielo regelmäßig paar Tage bei uns, weil nicht genügend Personal für das Geld was er bekommt zu Verfügung steht. Für uns ist das so okay, wir haben das auch so beantragt, weil wir wissen, dass dies nur eine begrenzte Zeit so ist, bis Michelle in 2 Jahren dazu zieht und dann die Karten neu gemischt werden.
So, nun die Kosten: die Maßnahme kosten rund 7000 € im Monat plus Grundsicherung (also Miete und Lebensunterhalt).

@ all, ich finde es sehr schade, dass es hier mittlerweile 2 Fronten gibt.
Geld ist ein schwieriges Thema, man braucht es zum Leben, aber es macht nicht wirklich glücklich. Die Armen leiden wirklich, weil das Geld an allen Ecken nicht reicht, aber die Reichen sind nicht automatisch glücklich oder haben ein einfaches Leben, nur weil sie Geld haben.
Ich möchte mit vielen Reichen mein Leben nicht tauschen!
Ich glaube mit Neid hatte es jeder schon mal zu tun. Ist halt einfach menschlich. :oops: Man neidet den Armen die Zuschüsse, man neidet den Reichen das viele Geld,...
Uns begegnet auch viel Neid, wir haben ein großes Haus - ja aber auch viele Kinder die Platz brauchen, wir fahren einen Bus - weil wir in kein Auto passen, Wir fahren jedes Jahr 2x in Urlaub, ja aber weil wir Camping machen, im Sommer für 2 Wochen zahlen wir für 8 Personen 800 € ! Die meisten 3 Köpfigen Familien zahlen für eine Woche Hotel im Sommer deutlich mehr.
Was viele Leute aber total ungerecht finden, unseren guten Lebensstandart finanzieren wir mit staatlichen Gelder! Ja, das tuen wir wirklich und wir stehen auch dazu! Wir leben finanziell relativ gut, obwohl wir kaum was verdienen. Ja, wir bekommen das Geld für unsere Pflegekinder, ja wir bekommen wegen der Behinderung auch einen erhöhten Satz. Ja das ist ungerecht gegenüber Familien die ihr leibliches behindertes Kind großziehen ohne diese Unterstützung. ABER: wir leben zwar auf Staatskosten, wenn unsere Kinder aber nicht bei uns, sondern in Heimen leben würden (wir haben ausnahmslos Kinder, die ansonsten ins Heim gekommen wären) würde das den Staat mal locker 20-40T im Monat mehr kosten als das was wir aktuell bekommen! Zudem ist unsere Arbeit nachweißlich besser, als das, was ein Heim je leisten könnte!
Daher finden wir es zwar schade, dass wir so viele Neider haben, sagen aber für uns, dass wir uns nicht vor zu werfen haben! Zumal die Neider unser Leben gar nicht haben möchten, nur gerne unser Geld. :roll:

Gruß, Inga
Michelle 02 Apert-Syndrom & Epi
Josephine 05 Albinismus
Emma 07
Nico 09 ADHS,...
"Joshua" 14 Epi, Hemi, Blind
Joleen 16 Schinzel-Giedion-Syndrom

Betreuer von Danielo '96 und Steven '98

Unsere Vorstellung: http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic2393.html
Unsere Galerie: http://www.REHAkids.de/phpBB2/album_per ... er_id=1278

Lotte und Dennis
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 426
Registriert: 07.05.2013, 19:28

Beitragvon Lotte und Dennis » 22.10.2018, 09:28

@inga

Tolle geschrieben und genau auf den Punkt gebracht! Und mein Respekt für euch was ihr Leistet! Ich hoffe ihr last euch von Neider nicht entmutigen!

Bis auf wenige Ausnahmen ist doch jeder seines Glückes Schmied! Nicht jeder ist mit dem goldenen Löffel im Mund geboren und nicht jeder der mit dem goldenen Löffel im Mund geboren ist, ruht sich automatisch darauf auf!

Natürlich sind die Wege oft seeeehr steinig. Die Frage ist, ob man den Mut hat den unbequemen Weg auch einzuschlagen. Und ich kann diesen Spruch guten Gewissens schreiben, ich kenne mich mit Felsen aus!

Lotte

Biancamit2
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 824
Registriert: 27.03.2009, 20:34

Beitragvon Biancamit2 » 22.10.2018, 12:01

Lotte und Dennis hat geschrieben:Bis auf wenige Ausnahmen ist doch jeder seines Glückes Schmied! Nicht jeder ist mit dem goldenen Löffel im Mund geboren und nicht jeder der mit dem goldenen Löffel im Mund geboren ist, ruht sich automatisch darauf auf!

Natürlich sind die Wege oft seeeehr steinig. Die Frage ist, ob man den Mut hat den unbequemen Weg auch einzuschlagen. Und ich kann diesen Spruch guten Gewissens schreiben, ich kenne mich mit Felsen aus!

Lotte


Das ist auch wieder so ein absoluter Blödsinn. Jeder ist seines Glückes Schmied... da muss ich mal laut lachen! Was wäre denn wenn alle akzuellen Geringverdiener plötzlich nach den Jobs greifen würden bei denen man super verdient? Wenn alle sich plötzlich in florierenden Branchen selbstständig machen? Oder studieren gehen?
Was dann wäre? Wir hätten ne Menge gefallene Selbstständige weil eben die gleiche Geschäftsidee 50 mal pro Stadt nicht genug Kunden hat. Und ne Menge arbeitslose studierte....
Es muss in der Gesellschaft auch die geben, die Putzen, Pflegen, kochen etc.
Nur müsste den Gutverdienern deren Arbeit mehr wert sein.
Habt ihr schonmal beim Essen gehen einfach dem Koch 20 Euro in die Hand gegeben, damit sein Stundenlohn nicht 9 Euro beträgt sondern eben mehr?
Zahlt ihr eurer Putzfrau 20 Euro die Stunde weil ihr froh seid sie zu haben? Nein? Warum ist eure Arbeit so viel wert aber ihre nicht? Sparen wollen sie alle, auf Kosten der Armen.... Und sich dann in so selbstgefälligen Sätzen suhlen „Jeder ist seines Glückes Schmied“. Ist ja selbst schuld, wer so doof ist und putzt, pflegt, erzieht....
Da kann man nur noch mit dem Kopf schütteln...
Bianca mit Sohn (2004, Skoliose, LRS) und Tochter (02.2009 Frühchen 29+0, ICP, PVL, spastische Diparese, und manch anderes) und zwei Sternchen *2003 *2008 fest im Herzen

Werbung
 
Senem
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 3304
Registriert: 23.09.2006, 20:20

Beitragvon Senem » 22.10.2018, 12:34

Hallo Biancamit2,

ich muss dir echt noch mal recht geben!!
Gruß

Selbstbetroffen mit einigen Baustellen


Zurück zu „Erwachsen werden: Leben, Arbeit, Wohnen“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: Anna-Alice und 0 Gäste