4.870 Euro für vollstationäre Betreuung dazu zahlen?!

Eltern, Geschwister, Großeltern - die ganze Familie ist gefordert, wenn es um die Belange des besonderen Kindes geht. Häufig ist das Familienleben durch die besonderen Bedürfnisse von Sohn oder Tochter großen Belastungen ausgesetzt. Ein Austausch mit Familien, die auch ein besonderes Kind haben, tut gut und kann sehr hilfreich sein.

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BettyB
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Beitragvon BettyB » 19.10.2018, 15:42

Hallo Steffi,

ich habe mir den Thread gerade durchgelesen und wundere mich doch sehr darüber, wie unterschiedlich Bundesgesetze in den Ländern ausgelegt werden. Unsere Familiensituation ist eurer sehr ähnlich. Unsere Tochter lebt jetzt seit 2 Jahren in einer Wohngruppe. Die Einrichtung ist nicht mal 10 min von uns entfernt, sie hat bei ihrem "Umzug" also nicht einmal die Schule gewechselt.
Der Landschaftsverband (in NRW der überörtliche Sozialhilfeträger) handhabt das so, dass sobald Beschulung mit im Spiel ist, greift § 92 SGB XII. Also trägt man nur die häusliche Ersparnis.
Ich weiß allerdings nicht, inwieweit man damit argumentieren kann, aber eigentlich kann ein Gesetz doch nicht so unterschiedlich ausgelegt werden?!
Tochter(05), Cri-du-chat-Syndrom

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Michaela44
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Beitragvon Michaela44 » 19.10.2018, 16:27

BettyB hat geschrieben:Hallo Steffi,

ich habe mir den Thread gerade durchgelesen und wundere mich doch sehr darüber, wie unterschiedlich Bundesgesetze in den Ländern ausgelegt werden. Unsere Familiensituation ist eurer sehr ähnlich. Unsere Tochter lebt jetzt seit 2 Jahren in einer Wohngruppe. Die Einrichtung ist nicht mal 10 min von uns entfernt, sie hat bei ihrem "Umzug" also nicht einmal die Schule gewechselt.
Der Landschaftsverband (in NRW der überörtliche Sozialhilfeträger) handhabt das so, dass sobald Beschulung mit im Spiel ist, greift § 92 SGB XII. Also trägt man nur die häusliche Ersparnis.
Ich weiß allerdings nicht, inwieweit man damit argumentieren kann, aber eigentlich kann ein Gesetz doch nicht so unterschiedlich ausgelegt werden?!


Doch, passiert, und manchmal halten sich die die Ämter nicht an die Gesetze. In der Wohngruppe meines Sohnes ist ein Junge mit geistiger Behinderung und über das Jugendamt untergebracht anstatt über das Sozialamt! Die WG-Leitung meinte zu mir, das handhabt jeder Landkreis anders :shock:

Ich weiß auch von einem Landkreis in meinem Bundesland, da hat das JA mit EINEM Träger einen Rahmenvertrag geschlossen, über den ALLE ambulanten Hilfen laufen, dabei ist das JA verpflichtet, für eine Trägervielfalt zu sorgen und die Betroffenen auf ihr Trägerwahlrecht hinzuweisen!
Asperger Autistin
mit neurodiverser Familie

mariannna
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Beitragvon mariannna » 20.10.2018, 09:23

Biancamit2 hat geschrieben:
Ellert hat geschrieben:wir verdienen sicher zusammen nicht schlecht, dennoch könnten wir diese Summe nicht tragen - was soll man den dann als Alternative machen, daheimlassen bzw welche Alternative hättet Ihr ?


Naja, wenn diese Summe 70% des Einkommenüberhangs sind, dann ist sicher trotzdem noch mehr als genug zum Leben da. Um einen solchen Einkommenüberhang zu haben muss man schon sehr gut verdienen.
Das ist halt ähnlich wie bei Kindertagesstätten die dann eben nach Gehalt gehen. Und das jemand der 10.000 Euro im Monat verdientmehr zahlt als jemand der 3.000 Euro hat ist auch klar.


Hi,
das habe ich mir auch gedacht!

Und grundsätzlich fnde ich es auch nicht fair, wenn die Solidargemeinschaft (deren Durchschnitt ja bestimmt weniger verdient) IMMER einspringen soll und fast alle Kosten tragen soll. Da kein ein Sozialsystem nicht lange funktionieren. Es sollte bei den wirklich Bedürftigen einspringen.

LG,Marianna

Senem
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Beitragvon Senem » 20.10.2018, 09:28

Hallo Michaela,

Michaela44 hat geschrieben:Doch, passiert, und manchmal halten sich die die Ämter nicht an die Gesetze.


das ist mir in anderen Bereichen auch schon aufgefallen und ist unmöglich!!

Hallo mariannna,

der Meinung bin ich auch. Das sollte allerdings in allen Bereichen zutreffen!
Gruß

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Beitragvon Leni Ella » 20.10.2018, 09:35

Hallo,
die Gut- und Besserverdiener zahlen mit Steuern und Sozialabgaben die Gelder, die andere mit verbrauchen. Das ist ok so, Sozialprinzip eben.
Hier ist es eher andersherum. Was Steffi und ihr Mann verdienen, wissen wir nicht. Sie werden aber wohl auch einiges zu leisten haben dafür. Ein bisschen klingt hier auch ein gewisser Sozialneid-Häme mit an, nach dem Motto, wer SOVIEL hat....

Solche schlaflosen Nächte, wie Steffi und ihre Familie jetzt haben werden, wird wohl keiner den Leistungsbezieher nachvollziehen können. Die soziale Hängematte ist doch was tolles!

Ich habe das auch bemerkt, als wir für meine Mutter ein Pflegeheim gesucht haben. Die Nixhaber konnten fröhlich lächelnd ins von der Allgemeinheit bezahlte Einzelzimmer einziehen. Da müssen andere schon echt zirkeln und rechnen.

Wer arbeitet, spart und fürs Alter vorsorgt, ist hier echt der A.... gegenüber denjenigen, die alles verprassen oder nie arbeiten. Damit meine ich explizit NICHT diejenigen, die es nicht können/konnten. Es gibt aber noch eine ganze Reihe andere.

Schöne Grüße.

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Beitragvon LasseUndJohannes » 20.10.2018, 10:18

Wenn ich es richtig erinnere ist der einkommensüberhang der Betrag, der über Hartz Niveau liegt. Davon 70 Prozent einsetzen zu müssen finde ich auch recht heftig. Natürlich kann man vom Rest noch leben. Aber es bedeutet auch, das eine ganze Familie durch ein behindertes Kind unvorhersehbar und unverschuldet auf knapp über Sozialhilfe runter gedrückt wird. Die Auswirkungen in der lebenssituation dürften heftig sein. Und genau das hat Steffi gesagt und zu Rechtslage gefragt. Die Frage was gerecht oder ungerecht wäre stellt sich hier gar nicht. Eigentlich interessiert nur, was das geltende Recht sagt.
Johannes 2008, SBA 50% B H, PG3, extremes ADHS (nach Fehldiagnose (?) Autismus)
Benedikt 2014, PG 3, SBA 80% B H G, non verbal, auto aggressiv, ADHS, atypischer Autismus

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Beitragvon mariannna » 20.10.2018, 11:08

LasseUndJohannes hat geschrieben:Wenn ich es richtig erinnere ist der einkommensüberhang der Betrag, der über Hartz Niveau liegt. Davon 70 Prozent einsetzen zu müssen finde ich auch recht heftig. Natürlich kann man vom Rest noch leben. Aber es bedeutet auch, das eine ganze Familie durch ein behindertes Kind unvorhersehbar und unverschuldet auf knapp über Sozialhilfe runter gedrückt wird.


Hi,

naja, 2087€ ÜBER dem Hartz 4 Satz zu leben finde ich jetzt nicht sooo heftig, bzw würde ich jetzt nicht als "knapp über Sozialhilfe" bezeichnen. Ist aber vll Ansichtssache. Das Alg2 für eine 3-köpfige Familie inkl. Miete kann man ja ergooglen.

Die Rechtslage wird das Amt bzw die beauftragte Anwältin schon klären....
LG, Marianna

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Beitragvon Leni Ella » 20.10.2018, 11:16

Jaja, der Sozialneid.....
Warum arbeiten? Die Häme der “anderen“ ist dir gewiss....

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Beitragvon Lotte und Dennis » 20.10.2018, 13:51

Hi!

Die Diskussion zeigt deutlich, welche Probleme Deutschland hat! Ganz ehrlich, wir verdienen auch viel, mehr als der Durchschitt. Und natürlich hat man dann einen anderen Lebensstandard.

ABER wir tun auch sehr viel dafür! 7 Tage Woche, , wenig Urlaub, wenig Schlaf und viel Verantwortung! Wir reißen uns den Arsch auf, um trotz Arbeit ganz viel Zeit für die Kids zu haben, sitzen oft bis spät in die Nacht im Büro, weil der Abend den Kids gehört. Wir fahren sie selber zur Schule, sind bei jeder Schulveranstaltung, Sport usw.

Wir zahlen eine Menge Steuern und Spenden nebenbei für viele soziale Projekte. Ständig gibt es Anfragen und natürlich wird es auch erwartet, dass wir immer schön zahlen. Und wenn wir dann plötzlich nichts mehr geben könnten, WEIL wir enorme Kosten wegen der Behinderung der Kinder haben, dann kräht kein Hahn nach uns.

Warum wird bei Besserverdiener erwartet, dass sie sich einschränken, andere aber gar nicht daran denken ihren Lebensstil zu ändern?

In der Klasse meines Sohnes sind Eltern die wohl aufgrund der Behinderung ihres Sohnes nicht mehr arbeiten könne. Die gleiche Behinderung wie mein Sohn! Wo ist der Unterschied? Sie bekommen für alles Zuschüsse! Wir nicht.

Ohne uns zu kennen, kommen Sprüche bezüglich der Behinderung nach dem Motto: na da trifft es ja die Richtigen.

Leute was soll das? Sitzen wir denn nicht mehr oder weniger alle im gleichen Boot?

Warum immer und überall der Neid und die Vorurteile?..

Das macht mich unendlich traurig!

Lotte :(

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Leni Ella
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Beitragvon Leni Ella » 20.10.2018, 14:01

Ja, bei Mitte kann ich voll unterschreiben.
Und auf einmal schreibt hier kaum einer mehr mit. Warum wohl?


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