4.870 Euro für vollstationäre Betreuung dazu zahlen?!

Eltern, Geschwister, Großeltern - die ganze Familie ist gefordert, wenn es um die Belange des besonderen Kindes geht. Häufig ist das Familienleben durch die besonderen Bedürfnisse von Sohn oder Tochter großen Belastungen ausgesetzt. Ein Austausch mit Familien, die auch ein besonderes Kind haben, tut gut und kann sehr hilfreich sein.

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Rob
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Beitragvon Rob » 08.10.2018, 16:30

Hallo,

Euer Kleiner gehört zum Personenkreis nach § 53 SGB XII. Er erhält Leistungen der Eingliederungshilfe, die sich in § 54 SGB XII ff. und der Eingliederungshilfe-Verordnung wiederfinden. Diese Leistungen müssen einen Nachteilsausgleich herstellen, damit er im Rahmen seiner geistigen Fähigkeiten eine allgemeine Schulbildung erhält und am Leben in der Gesellschaft teilhaben kann. Diese Leistungen beziehen sich auf eine begleitende Arbeit, z.B. Schulbegleitung. Die pädagogische Arbeit ist, soweit es sich nicht um eine Privat-Schule handelt, Sache des Landes und Kosten müsst Ihr dafür nicht übernehmen.

Es gibt aber die Ausnahme, dass Ihr für Euer Kind eine besondere Privat-Schule wollt – also es könnte, aus der Sicht von unvoreingenommenen Dritten, auch eine staatliche Schule in der Region besuchen. Wenn die Gründe für den Internatsbesuch „nur“ bei Euch liegen, seid Ihr voll einstandspflichtig. Wenn es aber behinderungsbedingte Gründe gibt und vielleicht sogar ein Gutachten von ärztlicher Seite, dürfte man Euch nur die häusliche Ersparnis aufbürden; das wäre ja auch nur sachgerecht.

Was dank BTHG nun passiert ist, ist eine Auftrennung der sogenannten Fachleistungen (damit gemeint sind die Eingliederungshilfe-Maßnahmen) und der existenzsichernden Leistungen (das sind der Lebensunterhalt und das Wohnen). Gleichzeitig sind neue Zuständigkeiten entstanden: EGH-Leistungsträger auf der einen Seite, Grundsicherungsamt auf der anderen Seite, und noch viel mehr. Es ist nicht unüblich, dass man als Leistungsberechtigter auf einmal Bescheide von mehreren Behörden bekommt. Wenn jetzt ein Bescheid irgendwie untergangen ist, ergibt sich ein ziemlich gestörtes Bild.

Ich würde mich noch einmal mit § 92 SGB XII befassen, auch wenn das Amt hier etwas geprüft hat. Wenn Ihr tatsächlich ein Netto von knapp 7 Tsd. Euro erzielt, dann wäre die Aufbringung zwar noch immer recht heftig, aber nicht mehr wirklich eine unbillige Härte. Meinem Verständnis nach müsste es genau umgekehrt laufen: den hohen Betrag nach § 85 SGB XII muss man leisten, wenn nicht die Ausnahmen aus § 92 SGB XII bestehen.

Einen schönen Gruß

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Beitragvon Isolde » 09.10.2018, 08:39

Michaela44 hat geschrieben:Vielleicht kommt es durch das neue BTHG. Da werden jetzt die Leistungen zur Eingliederungshilfe von der Sozialhilfe getrennt. Vielleicht ist bei denen dadurch ein Fehler in der Berechnung entstanden?


Hallo Michaela,

was ich noch nicht verstehe - wieso zum jetzigen Zeitpunkt bereits eine Berechnung nach dem neuen BTHG?

Das tritt erst zum 01.01.2020 in Kraft.
Die Länder wissen z.T. noch gar nicht wie alles gerechnet wird und z.T. auch noch gar keine sog. Landesrahmenverträge.
Dazu hätte dann auch die Bewertung des Bedarfs ganz anders laufen müssen.

Insofern glaube ich nicht, dass das schon die Rechnung nach dem neuen BTHG sein kann.

Da lief irgendetwas anderes im Amt schief.

Schöne Grüße
Isolde
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Beitragvon Senem » 09.10.2018, 08:43

Hallo,

mal eine allgemeine Frage.

Was genau bedeutet: Berechnung nach dem neuen BTHG?

Und für wen gilt das??
Gruß

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Beitragvon Isolde » 09.10.2018, 08:47

Hallo Senem,

sorry, aber das würde hier in dem Thread den Rahmen sprengen, das zu besprechen.

Gib mal als Stichwort Bundesteilhabegesetz ein - und dann findest Du sicher schon die ersten Antworten.

Wenn die nicht ausreichen, eröffne bitte einen neuen Thread - dann kann man Dir sicher besser weiter helfen.

Eines kann ich sagen - es betrifft jeden, der Leistungen vom Staat bezieht.
Da Du in einer Wohneinrichtung lebst, wird es auch Dich betreffen, bzw. Deine Betreuung.

Schönen Gruß
Isolde
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Beitragvon Senem » 09.10.2018, 08:59

Hallo Isolde,

ok.

Aber eine verständnis Frage.

Hättest du die selbe Antwort auch einem anderen User gegeben??
Gruß



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Beitragvon Isolde » 09.10.2018, 09:00

Hallo Senem,

ja

Schönen Gruß
Isolde
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Beitragvon Maike_82 » 09.10.2018, 21:09

Hallo Steffi,

es würde mich sehr interessieren, was am Ende dabei rausgekommen ist (also nach dem Widerspruch oder der Neuberechnung oder, oder...), da ich die Summe ebenfalls für utopisch hoch halte und uns das eventuell auch irgendwann mal betreffen könnte. Insofern würde ich mich sehr freuen, wenn du uns auf dem Laufenden halten könntest!
Viele Grüße, Maike

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Beitragvon mariannna » 09.10.2018, 22:17

Ellert hat geschrieben:4870 € im Monat - soviel verdient doch keine Familie dass sie das könnte


Ach das würde ich nicht sagen. Gibt schon Leute, die viel verdienen. Wenn man nur mal an die Politiker und Manager, Banker usw denkt!
Da würde ich es auch nicht einsehen, wenn da die Solidargemeinschaft einspringen sollte.

LG,Marianna

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Beitragvon Schiering » 09.10.2018, 22:34

Maike_82 hat geschrieben:Hallo Steffi,

es würde mich sehr interessieren, was am Ende dabei rausgekommen ist (also nach dem Widerspruch oder der Neuberechnung oder, oder...), da ich die Summe ebenfalls für utopisch hoch halte und uns das eventuell auch irgendwann mal betreffen könnte. Insofern würde ich mich sehr freuen, wenn du uns auf dem Laufenden halten könntest!

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Beitragvon Ellert » 10.10.2018, 06:11

Marianna, ich vermute mal sie gehört nicht zu der Gruppe
und einer schrieb zusammen 7000.- netto wäre die Grenze
da blieben ja nur knapp 2000.- über und wenn ich sehe was Mieten kosten wäre das auch kaum machbar mit der Summe
DAGMAR mit
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