Was wird bei der Pädaudiologie-Phonatrie gemacht?

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Sprachverzögerung/Sprachstörung austauschen und Erfahrungen bezüglich UK (unterstützter Kommunikation) weitergeben. Logopäden dürfen natürlich auch gerne hier Tipps geben!

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DiMa
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Was wird bei der Pädaudiologie-Phonatrie gemacht?

Beitragvon DiMa » 22.09.2018, 14:25

Hallo,

Ich habe für meinen Sohn (25 Monate, korr. 23) einen Termin in der Klinik Pädaudiologie-Phonatrie gemacht zum Hörtest. Den Termin haben wir erst im Januar, habe aber schon ein Blatt zum ausfüllen geschickt bekommen wo alles drin steht, also so Sachen wie die Geburt verlaufen ist, ob jemand in def Familie Sprach-, Hörprobleme hat und so.

Das Problem von meinem Sohn ist, die schlechte Sprache. Er hat lange nicht gesprochen, mit 18 Monaten waren es nur 3 Wörter. Danach hat er schleppend neue Wörter gelernt, kurz vor seinem 2. Geburtatag hatte er dann einen Schub und hat endlich die 50 Wort Grenze geknackt und angefangen in 2-3 Wort Sätzen zu sprechen. Aber irgenwie sehe ich seit der U7 (1 Monat her) keine Fortschritte mehr, seit dem hat er vielleicht paar neue Wörter gelernt. Am meisten macht mir Sorgen dass er vieles Falsch ausspricht, so dass nur wir ihn verstehen weil wir wissen was die Wörter bedeuten. Er kann viele Buchstaben nicht aussprechen und lässt sie dann aus oder ersetzt durch andere. Manche Wörter kann er gar nicht aussprechen, Wörter die mehr wie 4 Buchstaben haben kann er nur die erste Silbe richtig sagen und danach irgendwas komisches. Mamchmal müssen sogar wir raten was er haben möchte. Verdreht die Reihenfolge in einem Satz zb statt "Mama auf Arm", "Mama Arm auf" oder so. Oder wenn ich sage geh zum Papa und sag "Papa komm spazieren" geht er hin und sagt "spazieren komm Papa" oder so also verrauscht die Reihenfolge. Bilder, Gegenstände oder Körperteile kann er benennen aber nicht richtig ausgesprochen, nur so dass ich das verstehe. Auch verwechselt er manchmal ja und nein, also zb wenn er was gemacht hat was er nicht machen sarf und in sein Zimmer muss und ich ihn dann frage ob er das noch mal macht sagt er "ja", wenn ich ihn dann aber das noch mal frage und sage er soll gut überlegen sagt er nein. So als ob er die Antworten einfach auswendig gelernt hat.

Wir sprechen zuhause eine andere Sprache, deutsch kann er gar nicht und versteht auch kein Deutsch. Das habe ich aber auch gesagt als ich den Termin gemacht habe und auf dem Blatt angekreuzt. Ist wohl nicht schlimm nur ich muss halt bei der Untersuchung dabei sein. Wie wird dann aber die sprache getestet? Wird er dann auch von einer Logopädin untersucht? Wie findet sie dann raus was er sprechen kann und was nicht?

DiMa

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Jörg75
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Beitragvon Jörg75 » 22.09.2018, 14:54

Moin,

es gibt in der Pädaudiologie auch objektive Messverfahren/ -tests - dafür muss dein Sohn aber ruhig sein und es ertragen, dass man ihm etwas ins Ohr steckt. Diese Tests müssten - so dein Sohn das mitmacht - auch möglich sein bei ausschließlich fremdsprachigen Sprachkentnnissen ... so er denn mitmacht. Unser K. hat das in der Pädaudiologie nicht gemacht und die "objektiven " Tests wurden mit einem "Patient hat keine compliance" beendet. Dafür musste ich da nicht hin.

Bei anderen Tests halte ich sie bei einem Kind, das kein Deutsch spricht, für nicht durchführbar, wenn das Test-Setting auf deutsch ist. Ich weiß nicht, welche Sprache ihr zu Hause sprecht ... zur Not müsst ihr versuchen, eine Pädaudiologie zu finden, die das Testsetting in eurer Sprache/ der Sprache, die euer Knd spricht, machen kann.

Gruß
Jörg
K., *2013, Extremfrühchen (27. +3 SSW), ICP, GdB 100 G aG H B, PS II+/ PG 4
J., *2016, aktuell keine Besonderheiten

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Beitragvon Yvonne und Kjeld » 22.09.2018, 21:40

Hi,
bei unserem Kleinen wurden auch verschiedene Tests gemacht, für die er nicht sprechen können musste, da er mit 2 Jahren noch kein einziges Wort von sich gegeben hat. Die Testergebnisse waren nicht eindeutig, und wir sind alle davon ausgegangen, dass er eine Verarbeitungsstörung hat, oder keine Lust, daraufhin wurde unter Narkose eine Bera untersuchung (EEG Ableitung bezüglich des Hörvermögens) gemacht, dabei kam raus, dass er einseitig schwerhörig ist.
Mitlerweile ist er Hörgerät versorgt und spricht wenige Worte, beim letzten Pädaudiologie Termin habe ich auf ein Rezept zur Logopädie bestanden, daraufhin wurde er auch von einer dort tätigen Logopädin untersucht. Das macht aber nur Sinn, wenn das Kind deutsch spricht, oder eine entsprechende Logopädin da ist, die auch eure Sprache spricht.

Aber wieso spricht dein Sohn kein deutsch, da du es offensichtlich sehr gut kannst. Macht es da nicht Sinn, auch deutsch mit ihm zu sprechen? (Ich weiß, darum dreht sich deine Frage nicht, aber würde mich interessieren).
In Bezug auf euren Termin in der Pädaudiologie würde ich einfach mal anrufen und fragen, was genau geplant ist und die Problematik mit der Sprache erläutern, die können dir sicher am Besten sagen, wieviel Sinn das macht.

LG Yvonne
Enya *08.14 gesund
Kjeld *03.16 globale Entwicklungsverzögerung, Wahrnehmungsstörungen, Brille, Hörgerät, Epilepsie, insgesamt auf dem Stand eines ca 18-20Monate alten Kindes PG4, GdB100
Svea *10.18 gesund

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...

Beitragvon DiMa » 23.09.2018, 08:32

Guten Morgen,

Das Problem ist mein Mann und ich sprechen zuhause russisch, mein Mann ist such nicht in DE geboren deswegen kann er nicht perfekt Deutsch. Wir haben halt beschlossen es ist besser wenn er erst mal eine Sprache lernt und wenn ee gut spricht können wir langsam mot Deutsch anfangen. Damit er nicht irgendwelche Probleme bekommt weil er die Sprachen verwechselt.

DiMa

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Beitragvon Alexandra2014 » 23.09.2018, 12:35

Hallo DiMa,

es wäre zum Beispiel eine Lösung, dass dein Mann nur russisch mit ihm spricht, du aber nur deutsch. Das machen viele so, die ich kenne.

Stell dir vor, dein Kind hat tatsächlich ein Problem mit der Sprache und benötigt Logopädie. Wie soll man ihm hier in Deutschland helfen, wenn er kein Wort Deutsch versteht oder spricht. Eine russischsprachige Logopädin muss man ja auch erstmal finden.
Auf der anderen Seite ist er sprachlich ja auch völlig isoliert, außerhalb der Familie. Wenn ihr im Supermarkt seid und du triffst eine Bekannte, mit der du dich unterhältst, versteht er nichts. Er muss sich ja permanent „fremd“ fühlen, wenn ihr in der Öffentlichkeit unter Menschen seid. Er versteht die anderen Kinder auf dem Spielplatz nicht, kann sich nicht verständigen... Soll er dann bald in den Kindergarten?

Seine sprachlichen Fähigkeiten finde ich für das Alter noch völlig im Rahmen. Aber sofern ihr nicht vorhabt nach Russland auszuwandern, würde ich alsbald mit Deutsch anfangen.

Gruß
Alex
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral

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Beitragvon AgnesH » 23.09.2018, 16:11

Hallo,

ich finde es toll, wenn Familien eine andere Familiensprache als Deutsch haben. Aber trotzdem war es für mich wichtig, dass ein Kind auch mit anderen Kindern und Menschen außerhalb dessen Zuhause sich verständigen kann. Denn es kann nicht immer alleine mit dessen Eltern zuhause leben.

Die Sprachentwicklung des Kindes ist nicht nur von der Kommunikation der Eltern abhängig, sondern auch durch andere Personen, lernt das Kind dazu. Allerdings müsste es mit den anderen Leuten kontinuierlich zu tun haben, um dessen (Fremd oder gleiche) Sprache mitzulernen.

Wenn ihr zuhause weiter nur Russisch sprechen wollt, wie wäre es mit einer Deutsch sprechenden weiteren Bezugsperson? Tagesmutter? Krippe?

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...

Beitragvon DiMa » 23.09.2018, 17:38

Ja, wir wollen natürlich baldmöglichst mit deutsch beginnen. Aber ich habe noch etwas bedenken, da er eh schon solche Probleme mit dem Sprechen hat.

In die KiTa geht er nächstes Jahr.

DiMama

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Beitragvon Annemaries Mama » 23.09.2018, 19:38

Hallo,

Sprachförderkräfte in Kigas sagen, dass ein Kind nur dann zu Hause deutsch neben der Muttersprache lernen soll, wenn min. ein Elternteil gut deutsch spricht.
Im Kindergarten lernen die Kinder, wenn sie sonst keine Schwierigkeiten beim Spracherwerb haben, schnell und richtig deutsch. Falsches Deutsch zu korrigieren ist viel schwieriger.
LG Kerstin

mit Annemarie *2011 (ADS) und Konrad *2015

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Re: ...

Beitragvon AgnesH » 23.09.2018, 20:24

DiMa hat geschrieben:Ja, wir wollen natürlich baldmöglichst mit deutsch beginnen. Aber ich habe noch etwas bedenken, da er eh schon solche Probleme mit dem Sprechen hat.

In die KiTa geht er nächstes Jahr.

DiMama


Es gibt Heilpädagogische Kita bzw. Kita mit Förderschwerpunkt mit Sprache/Hören, die Sprachförderung anbieten, wenn das Kind 1/2/3 Jahre alt ist. Meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass wenn ein Kind Probleme mit der Sprache hat, desto eher in eine solche Kita-Gruppe kommt, desto weniger Probleme mit der deutschen Sprache haben könnte bis zur Einschulung.

Oder vielleicht wäre Frühförderung etwas für Euch? Dazu wäre es gut, wenn die Pädaudiologie eine Diagnose erstellt, wozu auch zT Ergebnis des Sprachtest vonnöten sein kann. Dies ist bei gewissenen Hörstörungen oftmals der Fall.

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Beitragvon melly210 » 23.09.2018, 20:39

Hallo, ich sehe das wie Alexandra und Agnes. Von dem was du beschreibst klingen seine Kenntnisse für einen Zweijährigen jetzt im Rahmen. Die 50 Wort Grenze hat er geknackt, und daß er jetzt in dem einen Monat nicht so extrem viele neue Worte gelernt hat sehe ich jetzt auch nicht so dramatisch. Viele Kinder lernen in Schüben, vielleicht arbeitet er aktuell eher an der Motorik oder sonst was. Verständlich alle Laute sprechen muß er mit zwei auch noch nicht.

Ihm Deutsch beizubringen wäre allerdings wirklich wichtig, am besten in der Form daß du mit ihm nur deutsch und dein Mann mit ihm nur russisch spricht. Bedenken brauchst du keine zu haben. Meine Schwägerin und mein Schwager haben etwas über einem Jahr ein drei Jahre altes Mädchen mit Sprachentwicklungsverzögrung aus Ungarn adoptiert. Dh, sie hat nur um die hundert Worte gesprochen, und das in einer Sprache die absolut keine Ähnlichkeit mit Deutsch hat. Es war aber kein Problem. VErstehen hat sie ganz rasch gelernt. Wir haben sie besucht nachdem sie die Kleine ca 4 Monate hatten und da hat sie schon gut verstanden worum es geht und konnte ihre Bedürfnisse auch ausdrücken. Jetzt, nach etwas über einem Jahr versteht sie absolut einwandfrei und redet auch schon schön in ganzen Sätzen. Noch nicht altersgemäß, klar, die Sprachentwicklungsverzögerung hat sie schon trotzdem noch, aber sie hat bei der Sprache weiterhin gute Fortschritte gemacht und daß sie eine neue Sprache lernen musste hat sie nicht ausgembremst.


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