WfbM: Spannungsfeld Wirtschaftlichkeit

Unsere Kinder werden älter, verlassen die Schule und auch oft das Elternhaus. Wie sehen die Perspektiven für behinderte Jugendliche und junge Erwachsene aus? Wo können sie arbeiten? Wo finden sie geeignete Wohnformen? Hier können sich Eltern austauschen und informieren!

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marianne
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WfbM: Spannungsfeld Wirtschaftlichkeit

Beitragvon marianne » 21.09.2018, 10:02

Hallo, ich möchte hier mal Erfahrungsberichte sammeln zu den Neuorientierungen der WfbM.

Dazu habe ich Fragen, denn unser Sohn hat gerade in einer WfbM begonnen. Sein Start und die weiteren Pläne schauen bislang gut aus, darum geht es mir an diesem Punkt nicht, sondern um Weichenstellungen für die Zukunft, die ich als Vereinsmitglied des Werkstattsträgers ja auch treffe.

Meine Fragen:

1.) Haben die Geschäftsführer eurer WfbM bzw. auch des Trägers, falls er nicht nur Werkstätten betreibt, berufliche oder private Erfahrungen mit der Bedürfniswelt derjenigen Behinderten, die in der WfbM arbeiten?

2.) Gilt das auch für den Trägervorstand und ist dieser hauptamtlich oder ehrenamtlich?
Spielt es eine Rolle, ob er hauptamtlich oder ehrenamtlich ist? Gibt es bei euch auch einen Aufsichtsrat und wie ist der?

3.) Was hat sich in den WfbM für eure Kinder durch die größere wirtschaftliche Orientierung vieler Werkstätten verändert und in welcher Form? Was ist besser, was schlechter geworden? Oder hat sich nichts verändert bei euch?

Der Hintergrund meiner Fragen ist, dass ich die Angebotsvielfalt der WfbM steigen sehe, dass sie inklusive Cafés u.a. eröffnen und auch die Zunahme von Außenarbeitsplätzen auf dem 1. Arbeitsmarkt in Nischenbereichen zu beobachten sind.

Das bietet mehr Chancen, Vielfalt und sichert den WfbMs schlicht auch ihre Existenz, ihnen blieb wohl gar nichts anderes übrig!

Gleichzeitig musste ich aber auch schon einbremsen, denn mein Sohn kann womöglich mal später auf einem Außenarbeitsplätze arbeiten, aber nicht so holterdipolter wie WfbM und Arbeitsagentur dies von der Schule weg angehen wollten!

Die psychosozialen Bedürfnisse musste ich klar verteidigen, um nicht überrumpelt zu werden!

Das gelang und nun läuft alles momentan rund, nur hätte sich manch anderer garantiert überrumpeln lassen!

Wie sehr also sprechen eure Hauptamtlichen der WfbM die entschleunigte Sprache der Besonderheiten unserer Kids genauso gut wie die Wirtschaftssprache?
Janosch (06/00) Frühkindlicher Autismus, leichte geistige Behinderung, Aufmerksamkeitsstörung, Adoptivkind

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Beitragvon IlonaN » 21.09.2018, 10:22

Hallo marianne,
alle fragen kann ich dir nicht beantworten, jedoch hat sich einiges bezüglich der Wirtschaftlichkeit geändert. Als vor 5 Jahren mein Kind in die Werkstatt kam, war von Wirtschaftlichkeit keine Rede(jedenfalls sage mir das nichts) Seit gut einem jahr jedoch ist das in aller Munde. Beschäftigte die die Leistung nicht bringen werden ganz schnell über ihre gesetzlichen Betreuer "daran erinnert", da sie ja schließlich wirtschaftlich denken müssen und wenn Stillstand, Unpünktichkeit nach den Pausen oder Langsamkeit ein Problem wird, das dann darüber nachgedacht werden muß Arbeitsgelder zu kürzen oder gar in eine Förderstätte zu wechseln
LG
Ilona
Ich 1961 Ösophagusatresie
Großfamilie mit leibl.Kindern/Ado-Kind und Pflegekindern mit FASD, ADHS, Autismus, Bindungsstörung mit Enthemmung ,Asthma, Neurodermitis u.v.m.

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Beitragvon marianne » 21.09.2018, 11:26

👀 Hallo Ilona, das finde ich unsäglich und menschenunwürdig, denn damit wird ja der erste und eigentliche Sinn der WfbM sabotiert! Es können ja dort eben n i c h t Arbeitstugenden des 1. Arbeitsmarktes verlangt werden.

Und was vor allem sollen die Familien daran ändern?

Und was wird in den Förderstätten geboten? Entschuldige, aber alles ist noch recht neu für mich.
Janosch (06/00) Frühkindlicher Autismus, leichte geistige Behinderung, Aufmerksamkeitsstörung, Adoptivkind

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