Schulwechsel gescheitert!

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Autismus austauschen.

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AnnalenaO
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Beitrag von AnnalenaO »

Liebe Simone!

Ich wollte dir nur sagen dass ich dieses Gefühl kenne: und was wenn bei der Untersuchung rauskommt er ist kein Autist sondern die Mutter (ich) ist schuld? Ich hatte diese Angst wirklich so sehr dass ich richtig Angst vor dem Beginn der Diagnostik hatte.
Das war alles völlig unnötig. Tief im Innersten Wusste ich das auch dass ich nichts dafür können kann! Weil ich mir wirklich die allergrösste Mühe mit meinem Kind gebe.
Ich gehe sehr gerne mit meinen Kindern Herbstblätter sammeln und Kastanien sammeln und lauter solche Sachen. Meine Tochter findet das auch ganz toll. Mein Sohn nicht. Der mag am liebsten sein I Pad und seinen PC und er jammert in solchen Situationen oft wann wir heim können. Das nervt. Ich mache es aber trotzdem. Als er klein war habe ich sehr häufig Spielbesuch eingeladen. Bloss hat mein Sohn die ganze Zeit auf meinem Schoss geklebt. Das nervt auch. Ich habe es trotzdem gemacht. Ich habe ihn zu vier unterschiedlichen Schwimmschulen gescheucht damit er eeeendlich mit 9 dann schwimmen konnte (mut 5 haben wir begonnen). Ich bin mit ihm bei der Ergo, bei dr Logo waren weir, Psychosomatik Gruppe, ich hab soooo viel mit ihm gemacht. Mit meiner Tochter nur einen Bruchteil davon. Trotzdem ist er nicht Supermann sondern sitzt am Liebsten am PC oder am I Pad.
Ich bin mir sicher du hast alles richtig gemacht. Wir können unsere Kinder nicht verändern wir können sie nur bestmöglich unterstützen. Und das tust du!
Die TK wird bestimmt gut für euch sein. Was du bis jetzt geschrieben hast klingt sehr gut.
Er will nicht hin, du bringst ihn gegen seinen Willen. Das ist ein doofes Gefühl. Aber es ist in dem Moment das Richtige für deinen Sohn.
Du machst das super, weiter so!
Ich drücke alle Daumen dass dein Sohn erkennt dass ihm dort geholfen wird!
Liebe Grüsse, AnnalenaO
PS Entschuldigt bitte Fehler, ich schreibe vom Handy aus....
Sohn 5/2009 Asperger Syndrom
Tochter 10/2012 Topfit

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Engrid
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Beitrag von Engrid »

Hallo

jetzt möchte ich dazu bitte gerne was schreiben:
GabySP hat geschrieben: habe ich immer mehr das Gefühl, dass N dich ordentlich manipuliert. Er weiß, wie er dich nehmen muss, damit du dich um ihn drehst.
... es gibt genügend kognitiv fitte Autisten, die ganz genau wissen, wie sie sich verhalten müssen, damit sich alles um sie dreht. Es dreht sich alles um das autistische Kind, das Kind registriert das und schafft es, immer mehr zu fordern.. Das ist ein Teufelskreis, der durchbrochen werden muss. ...
Anscheinend gehört deiner auch dazu, meiner übrigens auch, ...
Liebe Gaby, ich kenne Dein Kind nicht, und will und werde dir nicht Deine Wahrnehmung absprechen. Ich wende mich gegen den verallgemeinernden Anteil.

Ich finde die Rede von "Manipulation" und "genau wissen, wie sie sich verhalten müssen, damit sich alles um sie dreht" schwierig, weil drin steckt, dass das reflektiertes kalkuliertes Verhalten sei, dass sie von sich aus Verhaltensalternativen zur Verfügung hätten. Dem ist nicht so.

Egal, ob es um autistische oder nichtautistische Kinder geht: Hilfreich ist immer, ganz neutral zu fragen: Welchen Sinn hat dieses Verhalten? Was ist die Funktion fürs Kind? Warum kann es in der Situation nicht die positive Alternative wählen? Warum - ganz konkret - hat ein Kind zum Beispiel im Einzelfall das Betreben, seine Bezugspersonen "zu etwas zu bringen"?? Da geht es immer um Bedürfnisse. Bei Autisten zum Beispiel viel um Ohnmacht und die Angst vor weiterem Kontrollverlust, um mangelnde Selbstwirksamkeitserfahrungen, um Vermeidungsverhalten (<-- Ängste), usw.
Das die ist doch die Ebene, auf der man das Verhalten der Kinder betrachten muss. Und im Anschluss entsprechend passende Lösungen erarbeiten muss. Und dabei wird Dir, Simone, hoffentlich die Tagesklinik ein gutes Stück weiterhelfen.

Dein Sohn ist offensichtlich ambivalent, wenn er wirklich zu 100% nicht wollen würde, dann hätte er doch bisher auch nicht kooperiert. Der kleine Kerl lässt sich immer und immer wieder aufs neue ein, nimm das bitte wahr, schätze das, und glaube daran, dass auch dein Sohn - in all seiner Überforderung - Hilfe annehmen will.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

rena99
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Beitrag von rena99 »

Hallo Simone,

ich musste mein Kind ja nun schon mal in die stationäre Jugendpsychiatrie schicken. Ich kann mir daher sehr gut vorstellen, wie es dir geht.

Ich war damals auch sehr "dicht dran" am Kind. Das ist einerseits sehr notwendig, wer, wenn nicht die Eltern kennen das Kind? Andererseits ist es nicht immer gut, weil man dem Kind damit Unsicherheit vermittelt: "Ich muss dich sehr eng begleiten, denn in die TK/in die Station habe ich kein Vertrauen". Das ist wirklich nicht einfach, da das rechte Maß zu finden.

Ich denke, die Schreiber, die dir hier Vorwürfe gemacht haben, haben es eher so gemeint, dass du dieses rechte Maß noch nicht gefunden hast. Bei mir hat das überigens auch ziemlich lange gedauert. Wenn ich heute hier so abgeklärt schreibe, ist das das Ergebnis all meiner Erfahrungen. Damals war ich total verunsichert. Und habe sehr mit meinem Kind mitgelitten.

Ich kann dir nur raten, die familientherapeutischen Angebote anzunehmen. Das ist das, was mich selbst am meisten weitergebracht hat. Und als ich weiter war, konnte ich meinem Kind besser helfen.

Ansonsten ist es so, wie von Engrid geschrieben. Kein Kind ist "böse oder berechnend". Das Verhalten ist Folge der Verunsicherung in den jeweiligen Situationen und der Unfähigkeit, die einströmenden Emotionen zu sortieren und zu verarbeiten. Der eine wehrt sich mit Rückzug und Zwängen, der andere reagiert mit Aggressionen. Es ist wichtig, das "System Kind" lesen zu lernen. Und da kann die TK eine gute Chance sein.

Also, so wie geplant, am Montag wieder hin und zu Hause durchatmen. Die Familientherapien "mitnehmen", da gut zuhören und sich nicht gleich angegriffen fühlen.

Ich wünsche euch gute Erkenntnisse!

LG
Rena
Rena mit (mittlerweile erwachsener) Tochter (V.a. Autismusspektrumsstörung, Zwangsstörung)

GabySP
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Beitrag von GabySP »

Hallo Engrid, Hallo Simone,

zum einen möchte ich nochmal zum Ausdruck bringen, dass ich weder Simone noch N kenne und demnach nur meinen Eindruck geschildert habe, den ich durch die vielen Beiträge zu N erhalten habe.

Selbstverständlich braucht N ganz dringend Hilfe aufgrund der Erfahrungen, die er bislang im Schulalltag gemacht hat. Und keinesfalls bin ich der Meinung, dass du, Simone, nicht in der Lage bist, N zu erziehen. Mit meinen Beiträgen wollte ich dir den Rücken stärken, die Entscheidung Tagesklinik durchzuziehen, denn ich glaube, dass das jetzt der richtige Schritt ist. Das habe ich auch bereits in deinem vorherigen Thread zur Tagesklinik geschrieben.

Nichtsdestotrotz Können auch Autisten in der Lage sein, ein kalkuliertes Verhalten an den Tag zu legen. Vielleicht habe ich mit „Manipulation“ nicht das richtige Wort getroffen. Ich wollte mich damit auch nicht auf das Verhalten in der Schule beziehen, sondern eher auf diese Situationen, in den er versucht, Simone unter Druck zu setzen. So z.B. die Weigerung, in die TK zu gehen. Natürlich hat er Angst vor dem Unbekannten, aber er merkt möglicherweise dann doch, dass er Simone mit solchen Äußerungen aus dem Gleichgewicht bringt. OB das so ist, kann ich nicht beurteilen, aber ich kann es mir vorstellen.

Im Laufe der Jahre haben viele Therapeuten meinen Sohn kennengelernt und immer wieder bemerkt, wie er versucht hat, uns durch sein Verhalten zu beeinflussen ( das Wort ist doch besser als manipulieren), wir als Eltern haben das gar nicht mehr gemerkt. Und auch im Laufe der Zeit haben wir viele Autisteneltern kennengelernt und dadurch auch den einen oder anderen Spezialisten, der das auch gut konnte.

Ich will das auch gar nicht verallgemeinern, denn das trifft sicherlich nicht auf alle Autisten zu, das habe ich so auch nicht geschrieben.

Simone, deinem Sohn geht es nicht gut, er braucht Hilfe. Der Weg in die TK ist sicherlich nicht falsch. Vertraue darauf, dass die Therapeuten mit ihm umzugehen wissen und euch helfen. Natürlich wird es in der ersten Zeit schwierig werden und es werden Rückschläge kommen. Und ganz ehrlich, lass die Therapeuten machen, hab Vertrauen und bewerte nicht mehr jeden einzelnen Tag.

LG Gaby
Asperger-Sohn, 01/2000

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nettie75
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Beitrag von nettie75 »

Hallo Simone,

meist lese ich nur mit und schaffe es selten auch zu schreiben. Ich möchte dich aber unbedingt bestärken in dem was du tust. Schicke dir ein extra dickes Kraftpaket und Drahtseile als Nervenverstärker ;-) (Könnte das ebensogut selber gebrauchen, daher kann ich mich so gut hineinversetzen in deine/eure Situation)

Gut ist, dass für dich der Besuch der TK gar nicht erst zur Diskussion steht und klar ist, dass N. Montag geht. Ich selber kämpfe auch jeden Tag dafür, dass meine Tochter die Schule besucht (nicht immer gewinne ich, bzw. nicht immer sehe ich, dass sie es schaffen kann)

Ich glaube wir Mütter und Väter autistischer Kinder müssen ständig entscheiden, welches sch.. gerade angezeigt ist; SCHÜTZEN oder SCHUBSEN
Fakt ist, dass N. sich noch eine Weile gegen die TK wehren wird und es bestimmt einige Zeit dauern wird, bis er sich so weit gewöhnt hat, dass er "gerne" gehen kann (bei meiner Tochter dauerte es während der Reha mehrere Wochen, so dass sie auch nach 6 Wochen noch nicht alleine mit allen (vier) Stunden gehen konnte. ). Du wirst also noch eine Weile SCHUBSEN müssen. Schubsen da wo es notwendig ist (und das wäre für mich die TK bzw der Schulbesuch), dafür so viel wie möglich schützen da wo es geht. (wenn viel Tablet angezeigt ist für diese für ihn so anstrengende Zeit, dann ist das halt so) . Gin ihm in den Bereichen wo es geht ruhig so viel Kontrolle zurück wie möglich!

Halte durch! Ihr schafft das schon.

GLG Nettie
N *1975 mit Mann *1974
T1 *2005 und
T2 *2008, Asperger, leichte LRS, Laktose- und Fruktoseintoleranz, ADS und Angststörung
Schreibe am Handy, daher gilt: Wer Fehler findet, darf sie behalten☺

AnnalenaO
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Beitrag von AnnalenaO »

Das denke ich auch. Lass ihm ruhig sein I Pad. Das I Pad ist nicht schuld daran wie er ist und du bist nicht schuld dran wie er ist.
Mein Sohn ist auch sehr viel am PC/IPad. Das ist sein Spezialinteresse. Solang er sonst alles gut macht darf er das. Und wenn dein Sohn mit in die TK geht dann kannst du ihm das IPad ruhig lassen danach. Die TK ist anstrengend genug...
Nochmal liebe Grüsse :)
Sohn 5/2009 Asperger Syndrom
Tochter 10/2012 Topfit

SimoneD.
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Beitrag von SimoneD. »

Ich möchte mich noch einmal ganz herzlich für eure hilfreichen so wie aufbauenden Worte und Unterstützung bedanken. Auch die Kritik nehme ich an, da ich eben nicht alles richtig mache und bestimmt muss ich mir auch den Schuh anziehen einige Baustellen selbst verursacht zu haben.
Belasten tut es mich aber schon, es so schwarz auf weiß um die Ohren geknallt zu bekommen.

Ich muss jetzt vertrauen zur TK haben, dass weiß ich. Es macht auch einen guten Eindruck dort.
Auch wenn die strengen Regeln für N. erstmal schwierig sein werden und er rebellieren wird.
Die erste Woche starten wir mit 7:45 Uhr bis 12:15 Uhr.....
Sollte etwas sein melden die sich bei mir. Ich werde in alles mit einbezogen auch wenn es Schwierigkeiten gibt halten sie Rücksprache mit mir indem sie mich anrufen, ob ich die angedachte Vorgehensweise unterstütze...

Ich habe auch nochmal nachgedacht und denke schon, dass er Montag freiwillig mitgeht. Er ist ja auch immer wie ein "Steh-auf-Männchen" zur Schule gegangen.
Vielleicht sagt er; ich will nicht - weil er schauen will, wie standhaft ich wirklich bin???

Verunsichert in Bezug auf die TK bin ich ja nur, weil ich sorge habe das sie meinen N. sei kein Autist! Ich krieg das ja oft genug unterschwellig mitgeteilt. Zuletzt noch in der Schule - also "so einen" Autisten hatten sie noch nie. Kennen wir auch nicht so....
Er hat beim Aufnahmegespräch einen Witz erzählt....(was ist rot und hüpft aus der Küche? Die Flummate).....da guckten die sich schon so komisch an.
Wie erklärt man ihm dann, dass er doch kein Autist sei?? Er weiß es ja, das er Autist ist. Es wurde ja schon auch im ATZ mit ihm thematisiert. Allerdings hat er sich da noch nicht groß darauf eingelassen.
Ich weiß, ich denke schon wieder viel zu weit voraus.....trotzdem lässt mich dieser Gedanke nicht los.
Liebe Grüße von Mönchen :-)
Sohn (10 Jahre) Asperger Autist

GabySP
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Beitrag von GabySP »

Hallo Simone,

kurz zum Schmunzeln :

Kennst du einen Autisten, dann kennst du einen Autisten!

In diesem Sinne, mach dich nicht verrückt und genießt das Wochenende,

LG Gaby
Asperger-Sohn, 01/2000

SimoneD.
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Beitrag von SimoneD. »

GabySP, den Spruch kenne ich :wink:

Es ist trotzdem nervig, immer damit konfrontiert zu werden; der ist doch kein Autist....
Von den meisten ist es mir ja mittlerweile egal. Da stehe ich drüber....aber vor einer Klinik, die sich mit dem Störungsbild wohl auskennt habe ich Respekt..und wenn die sagen, autistisch ist N. nicht dann kann ich da nicht so leicht drüber stehen.
Liebe Grüße von Mönchen :-)
Sohn (10 Jahre) Asperger Autist

GabySP
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Beitrag von GabySP »

Mensch Simone, mach dich bitte nicht länger verrückt. Warum sollte die Klinik die Diagnose denn umwerfen? Und mal ganz ehrlich, wenn es sich wirklich herausstellen sollte, dass er doch kein Autist ist sondern sie mit einer ganz anderen Diagnose daherkommen, dann wäre es doch gut, damit er nicht länger „falsch behandelt“ wird. Das glaube ich aber nicht.
Ich habe vielmehr in der TK die Erfahrung gemacht, dass die Diagnose zweitrangig war. Wichtig waren die Probleme des Kindes und der Umgang damit.
Denke nicht mehr darüber nach, genieße das Wochenende und lasse die nächste Zeit einfach mal auf dich zukommen.

LG Gaby
Asperger-Sohn, 01/2000

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