"Ampelsystem" in der Schule

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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Michaela.Sandro
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"Ampelsystem" in der Schule

Beitragvon Michaela.Sandro » 19.09.2018, 09:36

Guten Morgen zusammen, gestern war Elternabend mit neuen Lehrern/neuer Klasse (Förderschule für geistige Entwicklung). Es wurde uns dort ein Ampelsystem vorgestellt und ich weiß noch nicht, was ich davon halten soll. Es ist so, dass Fotos von den Kindern per Klett auf eine Ampel angebracht werden, grün für "normales" Verhalten, gelb bei leichten Auffälligkeiten und rot bei groben Auffälligkeiten. Die Kinder, die auf rot kommen, bei denen werden die Eltern angerufen, weil es dann schon krass zugegangen sein muss. Die Kinder auf gelb haben im Laufe des Tages die Möglichkeit, auf grün zu kommen, aber auch von grün auf gelb oder rot usw.. Ich hoffe, ich habe das ist einigermaßen verständlich erklärt. Ich kenne dieses System nicht und war im ersten Moment total irritiert bis schockiert, weil ich das Gefühl hatte, die Kinder werden "vorgeführt", aber lt. der Lehrer ist das eine gute Methode, um Regeln zu verdeutlichen und Regeln sind natürlich bei einer Klasse mit 11 Kindern zwischen 11 und 13 J. schon wichtig. Wie empfindet ihr das System (egal, ob ihr es kennt oder nicht)? L.G. Michaela
Michaela alleinerziehend, Teilzeit berufstätig (Bj. 12/67) und Sohn Sandro (19.01.07.) Herz-OP nach Geburt, geistige Behinderung, Diagnose, evtl. ein unbekanntes Syndrom. Er kann laufen, einigermaßen sprechen, PG 4 , 100% SB aber ein Schatz!

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Anne_mit_2
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Beitragvon Anne_mit_2 » 19.09.2018, 09:53

Hallo Michaela,

Ich kenne das System als Verhaltensblume mit 4 Farben. Bei meinem Sohn gab es das in der KiGa-Zeit eine kurz Zeit lang. Für ihn war rot allerdings ein Zeichen, dass er sich jetzt den Rest des Tages an gar keine Regel mehr halten muss, weil ihm ja nichts mehr passieren kann. Da nicht nur er es so verstanden hatte, geriet die Gruppe immer völlig aus den Fugen, wenn 2 Kinder in rot waren. An solchen Tagen waren dann eigentlich fast alle hinterher auf rot und die Erzieherinnen und alle Kinder der Einrichtung (auch in den anderen Gruppen wegen der Lärmbelastung) mit den Nerven am Ende. Das war auch der Grund, warum es ganz schnell wieder abgeschafft wurde.

Viele Grüße,
Anne

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Beitragvon RikemitSohn » 19.09.2018, 09:58

Hallo,

ich finde dieses System schrecklich. Gab es bei meinem Sohn im Kindergarten auch. Das Problem war, dass ein Adhsler natürlich eher im roten Bereich landet. Die jeweiligen Bewertungen waren für alle sichtbar. Mein Sohn wurde gleich gehänselt. Ich bin dann zur Erzieherin und habe ihr untersagt meinen Sohn öffendlich zu bewerten. Ich habe mich auf die Schweigepflicht berufen. Und das hat sie auch gleich eingesehen und alle Kinder nicht mehr öffendlich bewertet. Damit war dieses Thema erledigt.
Ich habe ihr noch gesagt, dass sie meinen Sohn gerne bewerten kann, aber das bitte nur mir und meinem Sohn mitteilt.

LG Rike
Mama mit Sohn 2004 ADHS und HB

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Beitragvon Silvia & Iris » 19.09.2018, 10:01

Liebe Michaela,

es kommt natürlich auch auf die Kinder an, aber, Kinder, die Regeln lernen können und einhalten sollen, brauchen auch Unterstützung dabei...

wirklich stark beeinträchtigte Kinder, die keine Regeln einhalten können, brauchen so ein System nicht... - sie werden sowieso keine dieser Regeln brechen, weil sie es nicht können...

Unterstützend sollten auch die Eltern darin mitarbeiten, dass Handys und andere elektronische Unterhaltungsmedien nicht vorhanden sind und auch in der Freizeit sehr sparsam zum Einsatz kommen.

Wenn es zu Problemen kommt, oder Zwischenfällen in der Schule brauchen die Kinder kein Handy, da ist die Schule in der Pflicht diese Infos weiter zu geben!

Wie ich es finde? - Man muss auch dem Lehrer die Chance geben sich seine Umgebung so zu richten, damit ER zurecht kommt. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass vor 30 oder 40 Jahren Eltern so viel Einsicht hatten in das was die Lehrer so machen, wie heute - und es ist meistens gelaufen, bei groben Verstößen kam es auch mal zu Disziplinarverfahren - sowohl bei Lehrer, als auch bei Schülern... Der Lehrer will vielleicht auch die Schüler darin unterstützen, dass es gar nicht so weit kommt! - Natürlich sollten auch so Unterrichtsfächer wie "soziales Lernen" daneben angeboten werden, Peer-Gespräche, damit auch die Schüler ihre Eindrücke und subjektiven Empfindungen formulieren können. - Vielleicht auch mal die Schüler die Mitschüler beurteilen, wie sie das Verhalten empfunden und gesehen haben - also die Ampel auf verschiedenen Ebenen... - nicht nur von oben, auch von der Seite...


und natürlich auch Alternativen zu bestimmten Verhaltensmustern anbieten, darüber reden...


LG

Silvia
Liebe Grüße
Silvia
Tochter *03/2003, PCH, HG-versorgt, ein Sonnenschein
Sohn *03/2006 AVWS + was so dazu gehört

UrsulaK
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Beitragvon UrsulaK » 19.09.2018, 11:28

Hallo Michaela,
von einem Ampelsystem habe ich zwar auch schon gehört, finde aber die Handhabung, wie Du sie beschreibst, nicht gerade hilfreich.
Die Vorausetzung wäre, daß die Kinder überhaupt erstmal verstehen, daß das so eine Art Abmahnung ist und da habe ich meine Zweifel, gerade bei Kindern mit einer geistigen Behinderung und/oder Autismus.
Es gibt ein sehr gutes Buch von dem Autoren Elven zum Thema "Herausforderndes Verhalten".

https://www.amazon.de/Herausforderndes- ... +verhalten
Darin geht der Autor auch auf solche Maßnahmen ein und erklärt, daß Belohnungen und Bestrafungen häufig nicht greifen, wenn die Kinder den Zusammenhang nicht verstehen.

Es ist natürlich verständlich, daß man in der Schule will, daß das Verhalten der Kinder in Ordnung ist. Ich selbst habe aber mehr gute Erfahrung mit Förderung der Kommunikation auch mithilfe von Unterstützter Kommunikation gemacht.

VG, Ursula
Eric, (März 2005), Autismus Spektrum Störung, Verbale Dyspraxie, Dysgrammatismus

SandyErgo
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Beitragvon SandyErgo » 19.09.2018, 12:21

In Bezug auf dieses "Bewertungssystem" bin ich etwas zwiegespalten.

Wenn ich sehe, welche Systeme an den Schulen meiner Kinder (FS Lernen und FS Sozio-Emotional) angewendet werden - finde ich dieses System sehr einfach zu verstehen. Die Ampel kennt jeder, und ich denke mal, das Verhalten an einer (Fußgänger)Ampel wird auch in einer G-Schule geübt = alltagspraktisch : rot > Gefahr, gelb > Vorsicht, grün > alles gut. Irgendwelche Stern/oder Strichsysteme sind für Menschen mit geistiger Behinderung denk ich mal nicht zu verstehen. Und irgendwie muss man ja auch visualisieren, an welcher Stelle dass Kind steht >> also die Bilder.
Bei meinen Kids stehen auch die Namen an der Tafel und jedes Kind kann sehen, wie viele Striche er hat. Und bei meinem Sohn gab es in der ersten Klasse auch dieses Farbsystem > weil das mit den Strichen noch nicht verstanden worden wäre.

Was aber wichtig ist, dass der Lehrer dann auch gut vermitteln kann, warum ein Kind gerade auf welcher Farbe steht. Und dass bei rot dann die Eltern angerufen werden > es gibt doch bestimmt auch ein Mitteilungsheft.

LG
Mama 12/77
mit Tochter 11/06 FG 30+6 (nach HELLP-Syndrom) Kombinierte umschriebene Entwicklungsstörung mit noch leichter Sprachentwicklungsstörung, Hämochromatose (homozygot C282T im HFE-Gen)
und Sohn 08/09 FG 34+1 ADHS und kombinierte umschriebene Entwicklungsstörung mit starker Betonung der aktiven Sprache

Mama Ursula
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Beitragvon Mama Ursula » 19.09.2018, 12:31

Hallo,

das System gab es schon zu meiner Schulzeit vor 40 Jahren.

Nur dass grün nicht extra angezeigt wurde.
Bei der ersten deutlichen Verwarnung gab es gelb, bei der 2. rot.
Nur ganz selten konnte man von gelb wieder auf grün kommen. Z.B. wenn man leise und schnell arbeitete und dann noch anderen/ dem Lehrer half.

War der Vorfall gleich so drastisch, dass man in die Klasse nebenan geschickt wurde oder bei der 3. Verwarnung, gab es zur Nachricht an die Eltern noch eine 1-seitige Strafarbeit. Dann gab es noch 2-seitige Strafarbeiten, Nachsitzen 1 dann 2 Stunden.

Wenn man das alles an einem Tag sprengte, müsste man den restlichen Tag und den darauffolgenden Unterrichtstag im Sekretariat oder. beim Schulleiter Arbeitsblätter bearbeiten...

Ihr seht, das ist keine neue Pädagogik, wird aber als Visualisierungs- und Verstärker-System genutzt, genau wie Stempel oder Smiley-Listen...

Manchen Kindern hilft es tatsächlich sehr, andere sprengen es ständig oder erfassen den Sinn nicht, dann muss wieder individuell differenziert werden.

Probiert es aus, bevor Ihr es ablehnt und regt Differenzierung an, wenn es zu häufign Benachrichtigungen an Euch kommt

Der Klassendruck kann auch ohne Ampelsystem entstehen und bei manchen Kids hilft dies tatsächlich auch, das gewünschte Verhalten zu erzielen.

Nur Mut!
Einen Versuch ist es wert.
Die Regeln und Konsequenzen bleiben die gleichen auch ohne Visualisierung...

Grüßle
Ursula
Kinderkrankenschwester mit Fachweiterbildung Palliativ Care und Außerklinische Beatmung.
Pflegemutter von Jessy (16 J., schwerster Hirnschädigung wegen Sauerstoffmangel), kl.Bub (1 Jahr mit schwerster Hirnschädigung, Reflux, Spastisch-steife Knie), 2 gr. Jungs - ausgezogen.

MonikaE
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Beitragvon MonikaE » 19.09.2018, 13:14

Hallo,
unser PS(KB Förderschule) akzeptiert das "Ampelsystem" vom ersten Tag an.
Ist die Ampel auf "Rot" werden die Kinder zusammen mit einer Lehrperson in den sog. Auszeitraum begleitet.Dort wird gemeinsam mit der dortigen Lehrperson die Situation besprochen und die Form der Auszeit überlegt.

Er hat scheinbar zum ersten Mal verstanden, das sein Verhalten Auswirkungen hat, positiv wie negativ, auch wenn er oft von seinem eigenen Verhalten überrascht wird.
Andere Verstärkerpläne konnte/wollte er nicht verstehen bzw. akzeptieren.
Die Lehrpersonen gehen sehr sparsam mit der roten Ampel um und berücksichtigen auch, wie das Kind den gesamten Tag über war.

Ich bin sehr froh darüber,(noch) klappt es wirklich gut.

Viele Grüße

jonasb
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Beitragvon jonasb » 19.09.2018, 13:28

Das ist Dressur und vorführen.
geht gar nicht!
Man sollte bei einem Verhalten, das auffällig ist, was auch immer auffällig heißt auf die Ursache schauen.
VG, Jonas mit Söhnchen:Periventr'ikuläre Leukomalazie, ICP, Z.n. West-Syndrom mit BNS, Button, Resektion links Parietal, Entwicklungsstörung, Epilepsie... ein heller Stern am Himmel sei 30. Dezember 2018
Vorstellung

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SandyErgo
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Beitragvon SandyErgo » 19.09.2018, 14:17

Die Benutzung des Ampel-System heißt ja nicht, dass nicht nachder Ursache geschaut wird. :roll:

Es ist einfach noch mal eine einfache Art der Visualisierung - dass das Verhalten nicht in Ordnung ist.
Und es ist für die Kinder auch ein leicht zu verstehender Anreiz > man will gerne Grün haben. Das chließt aber im Umkehrschluss nicht aus, dass beim Rutschen in Gelb oder eben mal Rot über das Fehlverhalten gesprochen wird und dann gemeinsam nach den Ursachen (wenn das Kind dazu in der Lage ist) geschaut wird und überlegt wird, wie man das ändern kann.
Mama 12/77
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