"Ampelsystem" in der Schule

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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JanaSnow
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Beitragvon JanaSnow » 19.09.2018, 14:43

Hallo Michaela,

ich kenne sowas ähnliches aus meiner Schulzeit. Die auffälligen "Kandidaten" bekamen Striche an die Tafel und je nach Anzahl der Striche folgten dann entsprechende Konsequenzen.

Als Schülerin empfand ich das furchtbar, auch wenn es mich soweit ich mich erinnern kann nie negativ betraf. Irgendwann kippte das System zu Ungunsten des Lehrers. Einige Schüler haben sich einen Spaß daraus gemacht, so schnell wie möglich möglichst viele Striche zu bekommen, um dann als mutiger Klassenheld dazustehen.

Egal wie es ausgeht. Ich empfinde so ein System ein bisschen als Hilflosigkeit der Lehrer. Es gefällt mir nicht, dass mache Schüler auf diese Art und Weise an den "Pranger" gestellt werden. Wenn schon Visualisierung, dann meines Erachtens auf einer persönlichen Karte des Schülers oder ähnliches und dann eben geschaut wird, wie künftig Verbesserungen möglich sind - ganz individuell. So wie Du es beschreibst, gefällt es mir nicht.

Ich wünsche Dir, dass Eure Lehrkraft das System positiv umsetzen kann, ohne einige Schüler dabei lächerlich oder öhnliches zu machen.

LG
Jana

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RikemitSohn
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Beitragvon RikemitSohn » 19.09.2018, 15:23

Hallo,

man kann ein Kind von mir aus mit Farben bändigen, aber es muss doch nicht vor allen passieren. Wenn ein Kind so schlechtes Verhalten zeigt, sollte geschaut werden, wie man dies gemeinsam ändern kann, aber doch nicht vor der ganzen Klasse.
Ich glaube, dass ein ganzer Teil des Erfolgs dieser Systeme darin liegt, dass die öffentliche Demütigung oder das öffentliche Lob folgt. Stellt euch mal vor am Ende des Tages würde ein Erwachsener vor seinen Kollegen stehen und dann ein Rot für seine Tagesleistung erhalten. Ich bin mir sicher, dass man so Produktivität steigert, aber zu welchem Preis.

LG Rike
Mama mit Sohn 2004 ADHS und HB

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 19.09.2018, 15:52

Hallo,

nunja, in der Klasse bekommen die Kinder schlechtes Verhalten ja ohnehin mit oder gar ab, darum geht es ja bei der Ampel wohl auch, um die Gruppenregeln, nicht rumschreien, nicht spucken/hauen, ... Da ist natürlich dann schon interessant und lehrreich, sein Verhalten in Relation zum Verhalten der anderen Gruppenmitglieder eingeordnet zu sehen, und genau das visualisiert die Ampel. An der Förderschule GEnt ist das schon ein großes Thema.
Ich würde auch sagen, wie Ursula, probiert’s aus. Ob das gut ist oder nicht, kommt eher auf die Umsetzung an. (Was ich allerdings pädagogisch schlecht finde, ist der angedrohte Anruf bei den Eltern - was soll das denn bringen).

Was ich besser finde als die Ampel: eine kleine Leiter, wo für jedes Kind sein Männchen rauf oder runterklettert. Das visualisiert genauso deutlich, aber weniger in Schubladen, und da kommt besser raus, dass man selber dabei viel Handlungsspielraum hat und nicht festgelegt wird. (Sanktion war da keine vorgesehen, aber die Kinder der oberen Sprossen durften sich eine kleine Belohnung aussuchen, wenn ich recht erinnere).
Für Junior speziell wäre bei einer Ampel das Negative zu präsent, und er würde wohl eher schwieriger zu händeln sein als leichter. Mit solchen Kindern ist der Versuch mit der Ampel dann eben schnell wieder beendet. Wenn die Kinder der Gruppe aber nicht so gestrickt sind, kann es schon funktionieren.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

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Beitragvon KatharinaSvR » 19.09.2018, 17:49

Hallo zusammen,

jetzt musste ich gerade herzlich lachen 😂. In der Klasse meiner Tochter (2. Klasse Regelschule) gibt es auch solch ein Ampelsystem mit Wäscheklammern und Namen der Kinder drauf. Jedenfalls habe ich vorhin, nach ca 273 maligem Ermahnen, dass sie noch ihre Hausaufgaben machen muss, gesagt, dass ich nun für Zuhause auch solch eine Ampel bastele. Daraufhin machte meine Tochter sich sofort an ihre Hausaufgaben, weil sie unbedingt mithelfen wollte, die Ampel zu basteln (sie sitzt nun gerade daran).

Bei ihr wirkt diese Ampel im Unterricht gut, für sie ist es furchtbar schlimm, auf rot zu kommen (bei rot gibt es eine Hausaufgabe mehr, bei gelb und orange passiert nichts). Nun ist sie aber ein Kind, das sowieso nie auf rot käme. Laut ihrer Aussage sind es immer die gleichen Kinder, die auf rot landen, denen das aber auch egal sei.....

Nachdem die Lehrerin das System nun aber schon das zweite Jahr nutzt, wird es denke ich schon was gebracht haben bisher.

Ich finde ehrlich gesagt, dass die Lehrer (egal ob Regelschule bei "gesunden" Kindern oder Förderschule) schon wissen werden, was sie für Systeme anwenden und ob diese funktionieren. Und ob ein Kind vom Lehrer vor der ganzen Klasse verbal ermahnt wird, oder ob sein Name oder Bild an einer Ampel nach oben rutscht, macht ja eigentlich keinen Unterschied...

So, unsere Ampel ist fertig, habe mal alle Kinder pro forma auf "gelb" gesetzt, kann ja nicht schaden. Verhalten sich lammfromm momentan.... :-)

LG
Katrin
Katrin mit H. (3/2011; Mutation im COL4A1-Gen [c.2716+2T>C; heterozygot] mit Hirn-und Augenfehlbildungen: Mikrozephalie, Balkenmangel, Schizenzephalie und Pachygyrie, Mikrophthalmie, Mikrocornea, bds. Blindheit), schwere symptomatische Epilepsie (Z.n. West-Syndrom), PEG, bds. Augenprothesen; und L. (3/2011) und K. (5/2014)

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Beitragvon JasminsMama » 19.09.2018, 18:52

Hallo,

bei meiner Tochter gab es bisher auf jeder Schule ein System dieser Art.

In der niedrigeren Klassenstufe meist mit Farben und Fotos der Kinder und später dann mit dem Namen der Kinder und Strichen.

Bei 5 Strichen gab es eine Zusatzaufgabe.

Es gab auch das umgekehrte System mit Smileys sammeln.

D.h. es wurde nur "gutes Benehmen" belohnt, schlechtes Benehmen aber nicht extra bestraft.

Wer 5 Smileys erreicht hat hat eine Kleinigkeit bekommen.

Dieses System war sehr beliebt, aber auch die anderen wurden von den Kindern immer gut akzeptiert, soweit ich das beurteilen kann.

LG
Sandra
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Jasmin Marie 05/02 globale Entwicklungsverzögerung, vis. Wahrnehmungsstörung, Lernbehinderung, starke Hyperopie rechts, hochpathologisches EEG (Besserung seit Jan. 12),
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***Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht***

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Beitragvon Michaela.Sandro » 19.09.2018, 20:59

Hallo zusammen, vielen Dank für die vielen Antworten und Einblicke, scheint ein sehr zweischneidiges Schwert mit vielen Meinungen zu sein. Da ich bereits wegen fehlender Infos von Lehrern an Eltern Rabatz gemacht habe, werde ich jetzt mal ruhig abwarten, was die Lehrer über den Erfolg der Ampel am Elternsprechtag im November berichten, weil ich ehrlich gesagt auch überhaupt nicht einschätzen kann, ob/wie Sandro auf die Ampel reagiert. Es ist auf jeden Fall sehr interessant und spannend die unterschiedlichen Meinungen und auch Systeme hier kennenzulernen! L. G. Michaela
Michaela alleinerziehend, Teilzeit berufstätig (Bj. 12/67) und Sohn Sandro (19.01.07.) Herz-OP nach Geburt, geistige Behinderung, Diagnose, evtl. ein unbekanntes Syndrom. Er kann laufen, einigermaßen sprechen, PG 4 , 100% SB aber ein Schatz!

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Ampel zu Hause

Beitragvon cairam2000 » 20.09.2018, 07:58

Die Ampel hat in der Schule (GE)damals gut funktioniert - zudem gab es am Ende des Schultags einen "Klassensmily" wenn alle Schüler auf grün waren. Da wurde dann also auch schon mal untereinander aufgepasst das nicht über die Stränge geschlagen wurde ;-)

Unser Sohn wollte die Ampel zu Hause auch haben - da er Einzelkind ist mit Papa und Mama auch drauf.

Ende vom Lied: abends war ich meistens auf rot (weil die Mama nunmal mehr schmipft als der Papa), mein Mann auf gelb und unser "Unschuldsengel" fast imme auf grün :lol:
Simone mit Ehegatten und Sohnemann *2003, entwicklungsverzögert/geistig behindert, keine Diagnose

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Beitragvon Michaela44 » 20.09.2018, 08:40

Ich könnte mir vorstellen, dass so ein System gut funktioniert, solange es in der Klasse keine "echten" verhaltensauffälligen Kinder gibt, aber ansonsten kontraproduktiv ist. Warum? Deshalb:

Einzelne Schüler stehen am Pranger und rutschen immer mehr aus der Gemeinschaft.
Das Negative wird zu sehr in den Vordergrund gerückt anstatt das Positive zu loben und zu verstärken.
Überforderten Autisten mit entsprechenden Reaktionen hilft man damit überhaupt nicht. Sind die überhaupt "schuld" an ihrem Verhalten? Einen Gehbehinderten würde man im Sportunterricht auch nicht auf "rot" stellen, wenn er nicht schnell genug läuft.
Kindern aus schwierigen Elternsituationen erreicht man damit auch nicht. Die werden eher noch trotziger.
Asperger Autistin
mit neurodiverser Familie

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Beitragvon RikemitSohn » 20.09.2018, 09:13

Hallo,

zu dem gegenseitigen Aufpassen: Ich glaube nicht, dass gleichaltrige Kinder z.B. einen Autisten oder Adhsler vernünftig und passend händeln, wenn er mal wieder überfordert ist. Wissen diese Kinder was zu tun ist mit einem verhaltensauffälligen Kind, das manchmal nicht anders kann und wirklich Hilfe braucht. Das Kind wird eher zum Buhmann, weil mal wieder durch dieses Kind nicht alle im grünen Bereich sind.
Die Aussage, dass es die Kinder im roten Bereich nicht stört, wurde bisher weitesgehend von Aussenstehenden vermutet. Mein Sohn hat darunter gelitten. Er wollte nicht so sein. Konnte leider aber nicht anders und mit der Ampel wurde es ihm und anderen immer wieder vorgeführt.
Diese Ampel ist für ,,liebe" Kinder toll, weil es sie bestärkt.

LG Rike
Mama mit Sohn 2004 ADHS und HB

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GretchenM
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Beitragvon GretchenM » 20.09.2018, 18:25

Hallo,

das kenne ich sowohl aus der Grundschule meines Sohnes als auch anderen Schulen. Vor allem wird aber mit gelben und roten Karten gearbeitet, und ich gestehe, dass ich da echt zwigespalten bin. Ich kann Lehrer verstehen, die so etwas benutzen, einfach weil es gut verständlich und einfach ist.

Auf der anderen Seite beobachte ich, dass vor allem die sowieso schon sehr bemühten Kinder völlig verzweifeln, wenn sie auf gelb oder rot rutschen - und die Kinder, die ich eher als problematisch sehe, dann entweder mit den Schultern zucken oder sogar stolz darauf sind...

Ich finde da in den meisten Fällen ein Belohnungssystem weitaus besser. Zum Beispiel hat eine Lehrerin meines Sohnes mit Wochenplänen (mit Pflicht- und Wahlaufgaben) gearbeitet und wenn jemand diese Wochenpläne komplett mitsamt der Wahlaufgaben ordentlich am Freitag fertig hatte, gab es einen Hausaufgabengutschein: das Kind durfte dann einmal eine Hausaufgabe nicht machen. Meinen Sohn hat das sehr animiert, auch wenn er die Gutscheine selten erreicht und dann nicht eingelöst hat: darauf war er dann viel zu stolz um sie einzulösen.

Genauso auch eine Art Rennen, bei dem Kinder pro Tag einen Schritt weiter vorgehen, wenn sie sich super benommen haben - und beim Erreichen des Zieles eine kleine Belohnung bekommen (wie etwa ein Spiel mit der Klasse)

Ich finde es aber immer wichtig dass dabei auf die Kinder gesehen wird. Ich glaube ehrlich gesagt mehr an den Spruch: „Loben zieht nach oben“


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