Erfahrungen mit Förderschule für Lernen

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

Moderator: Moderatorengruppe

SimoneD.
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 846
Registriert: 01.02.2016, 17:55

Erfahrungen mit Förderschule für Lernen

Beitrag von SimoneD. »

Betreff steht ja bereits im Titel.


Ich frage nochmal hier einfach rein interessehalber, da ich mir alle Möglichkeiten durchgehe, um eine Beschulung meines Sohnes hinzubekommen. 

N. ist Asperger Autist und Regelschule ist einfach Katastrophe. Er rastet dann viel aus mit wüsten Beschimpfungen und Fremdgefährdung. Mal hat er gute Tage, mal geht gar nichts. Wobei diese Tage überwiegen..
Aktuell haben wir einen schulwechsel nach den Sommerferien hinter uns.....so wie es aber aussieht kommt N. trotz Schulbegleiterin nicht mit dem Montessori konzept zurecht. Es handelt sich um eine Regelgrundschule die Montessori basiert ist.

Mittlerweile bin ich ja soweit, dass ich sage es ist egal Hauptsache N. ist glücklich und geht gerne zur Schule bzw. es kommt Ruhe rein.
Wobei ich mir auch die Frage stelle, ob er tatsächlich nicht lernen kann oder partout nicht will!!
Dann bringt auch eine Förderschule Lernen nix....

Seit der Umschulung nach den Sommerferien hat N. es an 3 Tagen mit seiner I-Kraft geschafft einigermaßen vernünftig Aufgaben zu machen. Und das noch reduziert zu dem was die anderen machen....
Es ist einfach nicht viel möglich, weil er immer wieder in die Verweigerung geht. Oder wenn er ein bisschen gemacht hat wieder eine Pause einfordert.
Seine i-Kraft sieht das auch skeptisch das er so mit den anderen mithalten kann...aber alle sind ja froh, wenn er nicht ausrastet...

Aber was würde es für seine Zukunft bedeuten falls ich es tatsächlich in Erwägung ziehen sollte ihn an o.g. Förderschule anzumelden??

Die Direktorin der Schule meinte, dass sie sich sehr gut vorstellen könnte das N. dorthin passen würde......
Liebe Grüße von Mönchen :-)
Sohn (10 Jahre) Asperger Autist

Angela77
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 9265
Registriert: 02.09.2010, 21:25

Beitrag von Angela77 »

Hallo Simone,

Bene (obwohl zusätzlich nonverbal und kommunikativ extrem eingeschränkt, aber mit sehr gutem Sprachverständnis und guter Schriftsprachenkompetenz) hat große Ähnlichkeiten mit deinem Sohn, was Verweigerungshaltung und schnelles Einfordern von Pause betrifft.


Seine Provokationen besteht in seiner reizarmens KB-Klasse, zehn Kinder, alle auf L oder GE-Niveau beschult, allerdings nicht in Aggressionen, sondern nur im Verweigern von Anforderungen, wobei er entsprechende Konsequenzen (Nacharbeiten zu Hause, ggf. auch Streichen schöner schulischer Verstärker) völlig gelassen akzeptiert.

Sowohl in der reizstärkeren Inklusionsklasse als auch in seiner reizstärkeren KB-Klasse hat er auf die Überreizung mit bewusstem, lang anhaltendem Schreien und teilweise auch Autoaggression reagiert.

Kognitv hat er Inhalte eigentlich nur in der vertrauten Einzelsituation ud auf seine Wahrnehmungssituation angepassten Materialein mit mir erworben. Wir haben in den letzten Schuljahre im Schnitt ca. 1 Stunden/Tag an den Kuturtechniken gearbeitet.

Er ist, so scheint es mir - ohne es von außen wirklich beurteilen zu könne - kognitiv weiter als die Kinder in seiner Klasse, was möglicherweise daran liegt, dass er doch ziemlich intelligent ist....

Jedenefalls ist das große Ziel der Schule nun, dass Bene auch bereit ist, zumindest Teile seiner Fähigkeiten den Lehrern zu zeigen und sich in den Gruppenkontext einzufügen, also auch Dingen zu tun, auf die er eigentlich keine Lust hat.

Letzteres wird er ein Leben lang brauchen, auch und gerade, wenn er auch später auf eine Leben in einer beschützenden Umgebung angewiesen ist.

Diesbezüglich ist das Förderschulsetting - engagierte, autismuserfahrene Lehrer natürlich vorausgesetzt - dem Regelschulsetting definitiv überlegen, so unsere Erfahrung.

Auch ist der Druck an einer FS auf Eltern/Kinder in der Rgel geringer. Alle Kinder haben Probleme. Nicht nur deines wirkt "als Bremsklotzt" bzw. bekommt von besorgten Eltern der gesunder Kinder diese Sündenbockrolle zu geschrieben.

Wenn du also akzeptieren kannst, dass der schulische Weg zu einem Abschluss, der dem IQ deines Sohnes entspricht, unter Umständen länger (aber dafür aber auch entspannter oder überhaupt erreichbar) ist) , ist die L- Förderschule für deinen Sohn vielleicht zum jetzigen Zeitpunkt die bestmögliche Alternative.

Liebe Grüße von Angie, die jetzt nicht mehr zum Korrigieren des Beitrages kommt :oops:
Bene (2008): regressiver Autismus, schwerste expressive Sprachentwicklungsstörung (bei sehr gutem Sprachverständnis!), Bildung von Casiomorphin und Gliadorphin
Vorstellung plus Diäteffekte:
http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic73493.html

Primär nächtliche Epilepsie im motorischen Sprachzentrum (leider erst erkannt im März 2015!!!)

SimoneD.
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 846
Registriert: 01.02.2016, 17:55

Beitrag von SimoneD. »

Mir gibt nur dieser Artikel zu denken:

https://inklusionsfakten.de/die-foerder ... t-sinnvoll


:(
Liebe Grüße von Mönchen :-)
Sohn (10 Jahre) Asperger Autist

HeikeLeo
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 1009
Registriert: 18.05.2015, 19:34
Wohnort: Baden-Württemberg

Beitrag von HeikeLeo »

Liebe Simone,

aus dem von Dir verlinkten Artikel... (Ferdigg, Zeit, 2012). ...Sie meint, „dass die Förderschule aber jedem Schüler ein individuelles Lernangebot macht, ist ein Mythos.

Ich kann das aus der leidvollen Erfahrung meines großen Sohnes nur bestätigen. Bei uns hat die Sonderschule (Allerdings Körperbehinderten- und Geistigbehindertenschule) kolossalen Schaden angerichtet.

Liebe Grüße
Heike

Angela77
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 9265
Registriert: 02.09.2010, 21:25

Beitrag von Angela77 »

Hallo Simone,

das kann ich gut verstehen :cry: Für ein rein und ausschließlich lernbehindertes Kind würde ich wohl auch eher die Inklusion anstreben. Jedenfalls so lange sich das Kind dort wohlfühlt und auch Freunde finden kann.
Aber in Benes Fall ist es ja so, dass er auch an der Inklusion nicht wirklich teilnehmen kann, weil er durch seinen Autismus überreizt ist.
An welcher Schule auch immer: Er käme quasi nie in den Genuss, sein kognitives Potenzial voll asuschöpfen zu können. Ich muss immer "zuarbeiten".

Sozial gesehen wäre an einer L-Schule sicherlich auch eines der schwierigen Kinder, das keine Vorbildfunktion hat. Sozial gesehen kann er sich in seiner aktuellen FS-Klasse eine Menge abschauen und gemobbt wird auch nicht. Den Kindern ist ja bewusst, dass jeder Probleme hat und keiner geärgert werden will.
KB-Förderschule eventuell eine Idee?

Liebe Grüße
Angie
Bene (2008): regressiver Autismus, schwerste expressive Sprachentwicklungsstörung (bei sehr gutem Sprachverständnis!), Bildung von Casiomorphin und Gliadorphin
Vorstellung plus Diäteffekte:
http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic73493.html

Primär nächtliche Epilepsie im motorischen Sprachzentrum (leider erst erkannt im März 2015!!!)

melly210
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 899
Registriert: 19.02.2018, 20:07

Beitrag von melly210 »

Was in dem Artikel steht, stimmt schon. Das ist auch einer der Gründe warum mittlerweile immer versucht wird die Kinder wenn geht inklusiv zu beschulen. Aber: auch die Inklusion ist nicht rosarot. Nicht alle besonderen Kinder kommen mit der Inklusion zurecht, auch wenn man auf kleine Klassen etc achtet. Da muss man trotzdem bei jedem einzelnen Kind abwägen.

SimoneD.
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 846
Registriert: 01.02.2016, 17:55

Beitrag von SimoneD. »

Die KB Förderschule hat hier, was Autisten anbelangt keinen so guten Ruf...und ich hätte wieder das Problem mit der I-Kraft, die keinen Führerschein hat und mit öffentlichen Verkehrsmitteln schlecht in diesen Stadtteil kommt :-(
Liebe Grüße von Mönchen :-)
Sohn (10 Jahre) Asperger Autist

HeikeLeo
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 1009
Registriert: 18.05.2015, 19:34
Wohnort: Baden-Württemberg

Beitrag von HeikeLeo »

Liebe Simone,

das Problem ist auch, dass vom Kind die maximale Anpassungsleistung gefordert wird. Die Schule selbst passt sich ja kaum oder nicht an.

Liebe Grüße
Heike

SimoneD.
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 846
Registriert: 01.02.2016, 17:55

Beitrag von SimoneD. »

Genau so sieht es aus.
Wobei die Schule gewisse Dinge schon möglich macht, jedoch das hat wohl halt Grenzen...
Liebe Grüße von Mönchen :-)
Sohn (10 Jahre) Asperger Autist

Benutzeravatar
Alexandra2014
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 3957
Registriert: 04.12.2014, 14:04

Beitrag von Alexandra2014 »

Hallo!

Das Problem ist doch aber, dass ein Artikel auch nicht pauschal anzuwenden ist.
Was nützen die tollen Vorbilder in der Regelschule, wenn das betroffene Inklusionskind durch permanente Reizüberflutung nicht imstande ist, überhaupt irgendwas zu lernen.
Was bleibt einem übrig, wenn es auf der Regelschule nicht klappt?

Die Klassen sind oft viel zu groß, zu unruhig, es ist nur eine Lehrerin (hier bei uns) in der Klasse, die neben dem Inklusionskind auch noch Integrationskinder, lernschwache, hochbegabte und normalbegabte Kinder unter einen Hut bringen muss. Die Situation der Differenzierung ist also gar nicht so viel anders, als in der Förderschule.
Wenn sich Lehrer engagieren, kann das an jeder Schulform von Erfolg gekrönt sein. Das lässt sich meiner Meiner nach nicht auf eine bestimmte Schulform reduzieren.

Gruß
Alex
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral

Antworten

Zurück zu „Kindergarten und Schule“