Probleme mit Versorgungsamt / ärztliche Stellungnahmen

In dieser Kategorie geht es um rechtliche Dinge, Fragen zur Krankenversicherung, Pflegegeld etc.

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Michaela44
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Probleme mit Versorgungsamt / ärztliche Stellungnahmen

Beitragvon Michaela44 » 12.09.2018, 08:46

Hallo,

ich hatte eine Erhöhung meines GdB beantrag, da Beschwerden dazu gekommen waren. Diesmal hatte ich keine langen Erklärungen zu meinen Problemen mitgeschickt, sondern nur den Antrag ausgefüllt. Ich dachte, andere machen es auch so, und außerdem werden sie Stellungnahmen meines Facharztes und meiner Therapeutin einholen, die hätten dann eh mehr Gewicht als meine Darstellung (außerdem war ich zu erschöpft für lange Ausführungen).

Pustekuchen. Sie haben nur meinen Hausarzt angeschrieben, der meine Probleme aber kaum beurteilen kann und sie kaum kennt. Er ist die Fragen vom Versorgungsamt mit mir durchgegangen und hat mehrfach hingeschrieben: bitte bei Facharzt / Therapeutin anfragen. Das hat das Versorgungsamt aus Kostengründen nicht getan und deren Gutachter nicht bemängelt.

Derzeit gibt es keine Gutachten meines Facharztes oder meiner Therapeutin, die ich vorab einreichen könnte, und ich möchte sie auch nicht selbst in Auftrag geben und bezahlen.

Ich hatte bisher einen GdB von 30, der jetzt auf 40 erhöht wurde. Mein Ziel ist 50.

Hat das Versorgungsamt hier eine Sorgfaltspflicht verletzt? Gibt es dazu irgendwelche Paragraphen? Ich finde nichts. Widerspruch habe ich eingelegt und Akteneinsicht gefordert. Was kann ich noch tun? Wie kann ich erreichen, dass sie die anderen Stellungnahmen anfordern?

Könnt ihr mir helfen?

Viele Grüße
Michaela
Asperger Autistin
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Anjali
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Beitragvon Anjali » 12.09.2018, 09:32

Hallo Michaela,

aus familiären Gründen befasse ich mich aktuell mit der Beantragung von SBA. Auf entsprechenden Ratgeberseiten im Netz wird immer darauf hingewiesen, den Anträgen gleich ärztliche
Befunde beizulegen.

Wie die Rechtslage ist, weiß ich leider nicht.

Du könntest dir doch den aktuellen Befund deines Facharztes aushändigen oder zuschicken lassen. Hierbei dürften höchsten Kopier- und/oder Versandkosten entstehen.
Der Hausarzt könnte sich ggf. auch den aktuellen Facharztbefund zufaxen lassen.
Viele Grüße
Anja


Mutter mit Sohn (17 Jahre / Asperger-Autist)

Michaela44
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Beitragvon Michaela44 » 12.09.2018, 10:13

Die Diagnosen selbst sind nicht das Problem, die hat der Hausarzt auch und die erkennt das Versorgungsamt auch an. Es geht um die Einschränkungen im Alltag, die ich dadurch habe. Es fällt mir (autismusbedingt) schwer , die zu beschreiben, zumal ich den "Sollzustand" noch nie erlebt habe und nicht kenne. Von daher reicht ein Befund meines Facharztes bzw. meine Therapeutin nicht. Beide kennen es auch so, dass sie vom Versorgungsamt mit gezielten Fragen angeschrieben werden (wie beim Hausarzt geschehen).
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helena_muc
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Beitragvon helena_muc » 13.09.2018, 04:21

Liebe Michaela,
die Versorgungsämter haben aufgrund ihrer Arbeitsüberlastung interne Anweisungen. Eine davon lautet, dass in möglichst vielen Fällen nur ein Arzt angeschrieben werden soll, mit diesem Vorgehen sparen die Ämter Kosten. Immer wenn im Antrag ein Hausarzt genannt ist, geht das VA davon aus, dass dieser alle wesentlichen Unterlagen vorliegen hat, was natürlich in vielen Fällen gar nicht zutrifft.
Hättest Du keinen Hausarzt angegeben, sondern nur mehrere Fachärzte, dann wäre der Erstgenannte angeschrieben worden oder aber einer der genannten, dessen Disziplin mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit diejenige Behinderung behandelt, welche voraussichtlich zu dem höchsten GdB führen würde.

Ich rate Dir zu einem Widerspruch. Es war richtig, dass Du Akteneinsicht beantragt hast. In Deiner Begründung führe am besten folgende Punkte aus:
1. Das VA hat die wesentlichen Ärzte nicht angehört und hat daher keine Kenntnis von folgenden antragsbegründenden Behinderungen erlangt: (Aufzählung der betreffenden Behinderungen). Beantrage, dass diese Ärzte angehört werden oder dass eine versorgungsämtliche Untersuchung veranlasst wird.
2. Du solltest die betroffenen Behinderungen und deren Auswirkungen auf Dein Leben und auf Deine Teilhabe selbst beschreiben und ausführen, welche Aspekte das VA nicht bewertet hat.
Bei der Beschreibung der einzelnen Auswirkungen der einzelnen Behinderungen auf Deine Teilhabe solltest Du für jede einzelne Behinderung folgende Ebenen beschreiben:
-Auswirkung auf Deine gesundheitliche Situation (dies können etwa sein: Schmerzen, Bewegungseinschränkungen, Diätmaßnahmen, Ängste, Leiden, Nebenwirkungen, Therapien und Behandlungen etc.)
-Auswirkung auf Deine Lebensführung (Haushalt, Privatleben, Mobilität)
-Auswirkungen auf Deine berufliche Teilhabe
-Auswirkungen auf Deine alterstypische gesellschaftliche Teilhabe (Besuch von Freunden, öffentlichen Plätzen wie Kirche, Konzert, Sport usw.)

Künftig solltest Du immer schon im Erstantrag die o.g. Ausführungen zu den Auswirkungen Deiner Behinderungen auf einem Beiblatt mit dem Titel "Anlage zum Antrag auf...." vornehmen, auch wenn es schwer fällt und viel Arbeit ist. Du ersparst Dir damit womöglich den Widerspruch.

Viele Grüße
von
helena
Oldie, but goodie

Michaela44
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Beitragvon Michaela44 » 13.09.2018, 19:49

Hallo Helena, danke, die Liste ist top!
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