Komplette Schulverweigerung, was tun?

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eli
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Komplette Schulverweigerung, was tun?

Beitrag von eli »

Hallo,

in den letzten zwei Jahren hat sich die Schulunlust meines Sohnes massiv verschlechtert. Er hatte noch nie große Lust aufs Lernen, aber jetzt ist es zur absoluten Katastrophe geworden. Er will gar nicht mehr am Unterricht teilnehmen. Er tut alles, um aus dem Unterricht zu kommen. Er stört und hat ein ziemlich destruktives Verhalten. Ich komme auch gar nicht mehr wirklich an ihn ran. Er kann mir auch nicht wirklich erklären, warum er nicht mehr am Unterricht teilnehmen kann oder will. Die letzten Wochen des letzten Schuljahres war er nicht mehr im Unterricht, sondern wurde außerhalb des Klassenraumes betreut. Das war aber nur eine Notlösung. Ich dachte im neuen Schuljahr wird es sich vielleicht wieder bessern, aber es fing schon katastrophal an. Er ist in einer komplett neuen Klasse mit neuem Lehrer. Sofort hat er sich so daneben benommen, dass er erst wieder zur Schule kann, wenn ein Schulbeleiter da ist, den ich leider momentan nicht finde. Es gibt keinen. Er kann aber auch nicht bei jeder Veränderung völlig überreagieren.
Was mir noch viel größere Sorgen bereitet ist seine Schulverweigerung, seine massive Abwehr am Unterricht teilzunehmen, aus welchen Gründen auch immer. Er ist nicht beschulbar. Er will nichts lernen, macht komplett zu. Er will nicht in die Klasse, er will den Raum erst gar nicht betreten.

Ich weiß nicht mehr, was ich tun soll? Er kann doch jetzt nicht jahrelang zuhause sitzen und nichts tun, weil er es in der Schule nicht aushält. Das Thema Medikamente wird auch immer wieder diskutiert, aber die mögen ihn vielleicht ruhiger machen, aber die Lust aufs Lernen wird es auch nicht zurückbringen. Er wird damit auch nicht am Unterricht teilnehmen wollen! Ich weiß nicht, was ich noch tun soll? Was habe ich für Möglichkeiten? Er hat vielleicht eine massive Lebenskrise, die mit der Pubertät zu tun hat, aber ich weiß keine Lösung mehr. Er rebelliert gegen die Schule, gegen die Schulbegleitungen, aber hier zuhause kann er jetzt auch nicht seine Lebenszeit absitzen.

Viele Grüße Petra
"Ein besonderes Kind ist ein Geschenk, das uns jeden Tag daran erinnert wie wertvoll das Leben ist"

Sohn: Panayiotopoulos-Rolando-Epilepsie, Autismus, einfache Aufmerksamkeitsstörung

Vicki
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Beitrag von Vicki »

Hallo Petra,
puuuh..... ich kenne das ja alles.
Was sagt denn das Schulamt/Bezirksregierung dazu? Wenn er nicht mehr beschulbar ist wie Du schreibst, werden die sich doch schon eingeschaltet haben, oder?
Was ist das denn für eine Schule?

Gruss Vicki

eli
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Beitrag von eli »

Hallo Vicki,

die Schulbehörde ist schon länger involviert, aber trotz vieler Gespräche hat sich nichts geändert. Im Gegenteil es wurde immer schlimmer bei meinem Sohn. Jetzt verweigert er sich komplett.

Mein Sohn geht auf eine Körperbehindertenschule.

Wie war es bei Euch? Welche Lösung hat sich gefunden? Ist überhaupt was passiert?

Grüße
Petra
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Angela77
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Beitrag von Angela77 »

Hallo Eli, könnte er Depressionen haben? Die äußern sich oft in Unlust und Aggressionen und da könnte ein Medikament vielleicht nicht nur ruhiger machen, sondern auch lernbereiter. Ansonsten fühl dich gedrückt und verstanden... Bene bewegt sich immer wieder auf ähnlich dünnem Eis wie Elias. Undie Pubertät kommt erst noch :? Lg Angie vom Handy
Bene (2008): regressiver Autismus, schwerste expressive Sprachentwicklungsstörung (bei sehr gutem Sprachverständnis!), Bildung von Casiomorphin und Gliadorphin
Vorstellung plus Diäteffekte:
http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic73493.html

Primär nächtliche Epilepsie im motorischen Sprachzentrum (leider erst erkannt im März 2015!!!)

eli
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Beitrag von eli »

Hallo Angie,

es könnte sein, dass er Depressionen hat. Aber er kann das trotz Sprache nicht kommunizieren. Es ist wohl ohnehin schwierig, das so etwas bei Autisten erkannt wird. Aber abwegig finde ich es nicht.

Ich habe auch schon den Kontakt zu den Ärzten aufgenommen. Es muss irgendwas passieren.

Ich bin echt ratlos und am Ende meiner Kräfte.

LG Petra
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Karina H BS
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Beitrag von Karina H BS »

Er hat Handicaps,
aber wie ist er denn von der Intelligenz her ausgestattet?
Vielleicht ist er einfach nur noch vollkommen abgenervt von den deutlich schwächeren Kindern und langweilt sich?
Eine Schulbegleitung auf einer schon Förderschule ist natürlich auch quatsch. Dort ist ja eben extra kleine Klassen viele Pädagogen. Bei 8 Kindern zwei Pädagogen und dann noch einige Schulbgleiter- was soll das denn?

Hatte mir für unseren auch die Schule für Körperbehinderte angesehen mit ihm und war entsetzt. Dort waren nur Kinder die nicht nur motorische sondern auch erhebliche andere Schwierigkeiten hatten- was meiner da sollte als Normal intelligenter Junge war mir ein derartiges Rätsel, dass wir ihn in eine Regelschule geschickt haben. Dort sind zwar mittlerweile auch viele schwierige Fälle mit Schulbegleitung aber er hat auch ganz normale Kinder um sich an denen er sich messen und orientieren kann. Klar geht es da nur mit Schulbgleitung die ihm seinen Schultag strukturiert und ihn dauernd erinnern muss, aber er hat ein einser /zweier Zeugnis im Sommer bekommen. Was will ich denn noch mehr?
Unlust, gerade in der Pubertät kommt natürlich dann erschwerend hinzu- meiner hat letzte Woche auch mal einen Auszeittag genommen und sich gründlich ausgeschlafen. Wenns nur die Ausnahme ist kann ich das durchgehen lassen.

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Engrid
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Beitrag von Engrid »

Hallo,

eine Schulbegleitung an der Förderschule ist natürlich kein Quatsch, sondern die gibt es ziemlich häufig, und sie ist auch ziemlich häufig nötig. Junior wäre ohne auch auf Dauer nicht beschulbar, und er würde ohne Schulbegleitung nichts lernen, weil er nicht zentriert wäre, völlig überfordert wäre, und sich verlieren würde in allerlei.

Für mich klingt es so, als würde Elias eventuell absichtlich stören, DAMIT er nach Hause darf. Und du schreibst es ja auch selber.
Er tut alles, um aus dem Unterricht zu kommen.
Sowas sollte eigentlich rechtzeitig erkannt werden, und dann eben so reagiert werden, dass das Ziel (heimgeschickt werden) eben NICHT erreicht wird. Dazu braucht es aber Lösungsansätze, und dass die für Elias in jüngerer Zeit keiner hat, zeichnet sich ja in deinen Posts schon länger ab. Da hat sich offenbar viel Frustration angesammelt :?
Könnte ein Aufenthalt samt Beschulung in der Tagesklinik eine Lösung sein? Gibt es irgendwelche konstruktive Vorschläge von Therapeuten, vom KJP, von Pädagogen?

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

eli
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Beitrag von eli »

Hallo Engrid,

bisher wurde immer versucht, alles mit der Schule zu lösen bzw. es wurde auf mich abgewälzt. Es wurden diverse Themen auch immer wieder in der Therapie aufgearbeitet, aber die Therapeutin sagt, dass er die Situation dann nicht auf die Schule übertragen kann. Also ist der Erfolg fraglich. Bisher waren immer wieder Phasen in denen er wieder in der Schule mitgemacht hat. Aber seit längerer Zeit geht gar nichts mehr. Ich bin gerade dabei, medizinischen Rat einzuholen. Aber Temine gibt es dann in weiter Zukunft.

Er stört, damit er aus dem Klassenraum kommt, aber nicht, um nachhause zu kommen, sondern in den Schulhort zu gehen oder um spazieren zu gehen. Wird er nachhause geschickt, ist das eine Bestrafung für ihn. Er möchte aus einer Situation raus, wenn er destruktiv ist.

Aber ich glaube es wird auch nichts mit einer neuen Schulbegleitung ändern. Das Problem liegt tiefer. Irgendetwas hat ihn traumatisiert in der Schule oder ihn so verändert, dass er da nur noch raus möchte. Aber wie kann ich dem auf den Grund gehen, wenn er es nicht äußern kann? Eine besondere Form der Therapie, eine Klinik, aber da läuft es wieder auf zusätzlich Medikamente hinaus, was nicht so einfach bei uns ist und das Problem Schulverweigerung nicht löst.

Es könnte Frust den, es könnten Ängste sein, es könnte ein Trauma sein. Pädagogen, die näher an ihm dran sind, sind auch ratlos. Sie sehen nur wie problematisch es immer weiter wurde und jetzt ist es ganz schlimm.

Eine Tagesklinik würde das Problem noch verschärfen, da er so heftig auf die Veränderung reagieren würde, dass er wahrscheinlich ruhig gestellt werden müsste.

LG Petra
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HeikeLeo
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Beitrag von HeikeLeo »

Hallo Eli,

wie kooperativ ist die Schule? Wenn keine Schulbegleitung verfügbar ist, könnte man den Unterricht für ihn auch in kleine Häppchen aufteilen - also irgend eine Form der Kurzbeschulung, bzw. die Spaziergänge oder den Hort planmäßig einbauen. Das ist die pädagogische Methode, um die Störung nicht mit der gewünschten Reaktion zu "belohnen". Das funktioniert aber nur, wenn die Schule solche Anregungen annehmen kann und in der Lage ist, sie angepasst umzusetzen. Zu Hause kann man so etwas immer umsetzen, aber in Schulen habe ich bisher vernünftige Ansätze leider nicht erleben dürfen.

Wenn ich es richtig verstanden habe, verweigert die Schule im Moment auch die Beschulung. Es gibt aber die Schulp0flicht. Die gilt nicht nur für die Kinder. Das heißt, wenn der Staat Schulpflicht verhängt, dann muss der Staat auch dafür sorgen, dass diese Pflicht erfüllt werden kann. In dem Fall ist das Schulamt in der Pflicht. Die Schulpflicht ist in den Schulgesetzen der jeweiligen Bundesländer formuliert. Das wäre ein möglicher Ansatz. So wie ich es sehe, wälzt die Schule die Verantwortung auf Dich ab. Da Schule ein hierarchisches System ist, müsstest Du in dem Fall dann eine Stufe höher gehen und die Verantwortung zurück geben.

Liebe Grüße
Heike

Vicki
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Beitrag von Vicki »

Hallo Petra,
wir - vor allem natürlich unsere Tochter - haben wirklich ganz schlimme Jahre hinter uns.
Jugendamt, Schule Beziksregierung haben alle arg gegen uns "geschlossen."

Im Endeffekt haben wir eine Schulbefreiung erwirken können, erst fü rein Jahr. Dann musste unsere Tochter nochmals zur Amtsärztin, danach wurde sie von der Schulpflicht befreit bis sie nicht mehr schulpflichtig ist.

Unsere Tochter besucht die Web-Individuialschule. Die sind wirklich super. Viele Kinder lernen hier wieder das lernen.

Es war die beste Entscheidung mit allerdings vielen vielen Steinen im Weg.
Wir klagen jetzt immer noch wegen der Kostenübernahme, da unser JA die Kosten nicht übernehmen will. Unsere Tochter ist schon über ein jahr auf der Schule ohne bisher irgendwelche Probleme gehabt zu haben.

Im Oktiober macht sie ihre erste Prüfung, dann - wenn sie die schafft - geht es weiter bis zum Realschulabschluss.

Ich weis nicht, wie Euer Jugendamt so "tickt". Einen Versuch wäre es allemal wert, allerdings braucht man dafür eine Dauerkrankmeldung oder die Befreiung von der Schulpflicht, die wird in dieser Schule nicht erfüllt. Die wollen sich bewusst nicht den Regeln des staatlichen Systems unterordnen, dann könnten sie nicht so erfolgreich arbeiten wie sie es jetzt tun.

Gruss Vicki

die Schulbehörde ist schon länger involviert, aber trotz vieler Gespräche hat sich nichts geändert. Im Gegenteil es wurde immer schlimmer bei meinem Sohn. Jetzt verweigert er sich komplett.

Mein Sohn geht auf eine Körperbehindertenschule.

Wie war es bei Euch? Welche Lösung hat sich gefunden? Ist überhaupt was passiert?

Grüße
Petra[/quote]

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