Ab wann beschäftigt man sich mit dem Thema Beruf?

Unsere Kinder werden älter, verlassen die Schule und auch oft das Elternhaus. Wie sehen die Perspektiven für behinderte Jugendliche und junge Erwachsene aus? Wo können sie arbeiten? Wo finden sie geeignete Wohnformen? Hier können sich Eltern austauschen und informieren!

Moderator: Moderatorengruppe

Elixia
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 53
Registriert: 03.12.2007, 10:09
Wohnort: Bergkirchen

Ab wann beschäftigt man sich mit dem Thema Beruf?

Beitragvon Elixia » 11.09.2018, 18:27

Hallo Ihr Lieben,
mein Sohn ist jetzt 13 und ist leicht geistig behindert und hat eine unilaterale Zerebralparese Arm und Bein betont. Er geht seit er 7 ist in eine Förderschule mit Schwerpunkt geistige Behinderung. Er hat ein heterogenes Intelligenzpotenzial mit einem IQ 68.

Seit er in die 5. Klasse geht kommt beschleicht mich immer wieder das Gefühl das die Schule nicht mehr ganz das richtige ist. Immer wieder zu Schulanfang krieg ich einen Rappel so wie jetzt. Jetzt ist er in der 7. Klasse.
Ist es die richtige Schule, könnte er einen Abschluss machen, könnte er eine Ausbildung machen und wenn ja, wie.
Gibt es die Möglichkeit einer begleiteten Ausbildung? Wäre es besser jetzt den Weg in eine Schule zu finden die auf sowas vorbereitet?
Er will viel mit Autos machen da Papa ja KFZ-Service Techniker ist. Aber ist das möglich mit geistiger Behinderung. Er ist sehr fit körperlich fährt Fahrrad, Rollerblades, Eislaufen, schwimmen.
Er liebt Gartenarbeit und ist da sehr fleißig. Vor kurzem standen wir bei Landschaftsgärtner und da sagte er spontan. Das könnte er sich auch gut vorstellen. Er ist ein Bastler und Tüftler und Macher und hat immer Hummeln im Hintern. Das schlimmste wäre glaube ich Küchenarbeit oder in der Werkstatt ohne die Natur oder Luft um sich rum. Wir leben hier sehr abgeschieden und ländlich.
Vielleicht kennt jemand diese Gedanken und kann mir ein bisschen erzählen wie es da so läuft. Ab wann ich mich wirklich verrückt machen muss und ob es vielleicht doch eher eine Schule für Cerebralparesen Kinder sein sollte.
Vielen Dank Euch allen...
Liebe Grüße von Steffi

Tochterkind 1 *29.09.2000
Sohnemann *21.05.05 25. ssw 3. gradige Gehirnblutung, linksseitige uinilaterale Cerebralparese. leichte geistige Behinderung PG3
Tochterkind 2 *21.05.05 25. ssw ADS PG2
Sohnemann 2 *20.09.2013

Werbung
 
Petra62
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 335
Registriert: 11.03.2016, 14:16
Wohnort: Niedersachsen

Beitragvon Petra62 » 11.09.2018, 19:32

Hallo Elixia
Ich kann dir mal meine Erfahrung schildern. Mein Sohn hat die diagnose leider erst erhalten, als er im letzten Schuljahr war. Bis dahin hatten wir nur Stress, weil niemand seine Krankheit akzeptieren wollte und Hilfe von Seiten der Lehrer nicht zu erwarten war. Ich würde immer versuchen, ihn die Schule zu Ende machen zu lassen. Mein Sohn hat keinen Abschluss und es ist dementsprechend schwer. Zum Thema Ausbildung kann ich sagen, wenn er noch nicht ganz sicher im Berufswunsch ist, würde ich ein Berufsbildungswerk empfehlen. Es gibt auch die Möglichkeit einer begleiteten Ausbildung . Das hängt aber davon ab, wie fit dein Sohn ist. Hier hilft der Integrationsfachdienst. Ich kann nur raten, macht zeitig einen Termin bei der Arbeitsagentur, mit dem Rehaberater, oder Beraterin. Wir haben dies zwei Jahre vor Schulende gemacht. Es gibt einige Möglichkeiten. In einem BBW kann man z.B den Beruf des Gärtners erlernen. Schau dich mal auf den Internetseiten um. Für jedes Bundesland gibt es welche. Leider ist mein Sohn bisher an allem gescheitert. Wir haben jetzt einen Termin in einer WfbM. Viel Glück.
Viele Grüße
Petra
Wenn jeder Tag mit einem Lächeln beginnt
ist es ein guter Tag.
Petra ( 1962 )
Sohn (1998) Asperger ( Diagnose 2016 ), ADS Träumer, Scoliose, Rechtsschenkelblock, fehlender Brustmuskel.
Sohn (2002) Fit
Sohn (2004) Fit

Anna Kerpen
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 175
Registriert: 07.06.2012, 20:17
Wohnort: Kölner Raum

Beitragvon Anna Kerpen » 11.09.2018, 21:37

Hallo Steffi,

meine Tochter ist erst 7 Jahre... vermutlich hat sie auch eine leichte geistige Behinderung an der Grenze zur Lernbehiderung.... und tatsächlich mache ich mir da auch jetzt schon Gedanken, wie fit sie am Ende der Schulzeit für das Berufsleben sein wird...
Soweit ich informiert bin, wird sie aber, wenn sie bei dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung verbleibt, nie einen Abschluß machen können... und daher, so glaube ich, auch keine Ausbildung machen können?

Wie fit ist dein Sohn? Was hat er alles in der Schulzeit bisher gelernt? Was sagen die Lehrer? Würde es kognitiv für einen Abschluß reichen?

LG
Lexi (2010), kombinierte Entwicklungsstörung, Autismus-Spektrum-Störung, V.a. AWVS
Leni (2013), Z.n. West-Syndrom (anfallsfrei), kombinierte Entwicklungsstörung

Benutzeravatar
Tanja2014
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 1212
Registriert: 16.10.2014, 12:03
Wohnort: NRW

Beitragvon Tanja2014 » 11.09.2018, 22:24

Hallo Steffi,

hast Du denn mal mit den Lehrern gesprochen, wie sie es sehen? Was würde denn passieren, wenn der Förderschwerpunkt in "Lernen" geändert würde? Rein vom IQ her müsste fällt er ja eh in den Bereich L. Müsste er dann die Schule wechseln?
Viele Grüße
Tanja
mit B. (*2012) - Extremfrühchen, spastische ICP beinbetont GMFCS Level 1
und Wirbelwind (*2013)

r.bircher
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 777
Registriert: 12.09.2005, 09:17
Kontaktdaten:

Beitragvon r.bircher » 12.09.2018, 03:26

Hallo

Eine Schule für Cerebralparese kann ich dir nur abraten in dem Fall. Da wird auf die Körperliche "Behinderung" geachtet, und die werden alles dran setzten, dass er nicht irgendwo als Gärtner oder gar im Bau landet. Also wenn, würde ich versuchen auf Förderschwerpunkt Lernen zu wechseln.

Wie sieht es dann dein Sohn, ist er glücklich wo er gerade ist. Ich bin jetzt böse, aber eigentlich zählt nicht dein Wunsch, sondern der deines Sohnes. Es ist sehr gut möglich, dass dein Sohn mehr kann, und vollkommen unterfordert ist. Die frage ist halt, ob er auch bereit ist, dieses "mehr" zu bringen.

Was hat er denn für Träume? Was für Ziele? Berufe nach der Behinderung auszusuchen ist meiner Meinung ein riesen Fehler. Man hat ein Traum, ein Ziel, und dann schaut man wie man das erreichen kann! Behinderung hin oder her! Das ist keineswegs einfach. Am Anfang kämpfst du bzw. dein Sohn gegen 1000 Windmühlen. Du wirst am Anfang kaum Leute finden die ihn unterstützen. Doch irgendwann dreht sich der Spiess und du wirst bewundert.

In der Schweiz gibt es zum Beispiel einen Geistig Behinderten Mann, der hat seine eigene Bio Hühnerfarm. Alles ausser die Finanzen macht er selbst. Er wollte selbständig sein! 13 ist ein gutes Alter sich Gedanken über die Zukunft zu machen. Ja, alle rund um werden sagen: "Aber du bist behindert." Scheiss drauf! sorry, ich kann es nicht anders sagen. Gerade bei leichten Behinderungen muss man diese einfach mal links liegen lassen und seinen Weg gehen. Alles andere macht unglücklich!

Gruss Raphael
-------------------------------------------------------------------
Meine Vorstellung
Mein Blog
100m Sprint in Regensdorf (CH)

IlonaN
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 2368
Registriert: 07.01.2015, 10:52
Wohnort: Land Brandenburg

Beitragvon IlonaN » 12.09.2018, 07:43

Hallo Elixia,
Gibt es die Möglichkeit einer begleiteten Ausbildung? Wäre es besser jetzt den Weg in eine Schule zu finden die auf sowas vorbereitet?

Diese gedankengänge kenne ich nur zu gut. Meine Mittlere hat auch diese Schulform besucht und war auch immer Grenzgänger zur anderen Schulform.
Dein Sohn kann ja ab Berufschulteil Praktika machen und das kann er auch in der freien Wirtschaft machen. Kann also schauen was ist machbar, was nicht.Selbst ein Wechsel in den Werkstattbereich ist kein Dogma auf ewig, auch dort wird geschaut, was kann er. Meine Tochter war in selbst gesuchten Arbeitsbereichen auf dem ersten Arbeitsmarkt und wurde von den Fachleuten der Werkstatt super dabei betreut. Leider war das auf dauer für sie doch nicht machbar, aber sie hat ihre Erfüllung gefunden und arbeitet in einem Laden der Werkstatt und steht da sogar an der Kasse.
Du kennst deinen Sohn am Besten. Einige Klassenkameraden meiner Tochter haben auch auf dem 1. Arbeitsmarkt eine Ausbildung gefunden, trotz dieser Schulform.
Ich 1961 Ösophagusatresie
Großfamilie mit leibl.Kindern/Ado-Kind und Pflegekindern mit FASD, ADHS, Autismus, Bindungsstörung mit Enthemmung ,Asthma, Neurodermitis u.v.m.

Schiering
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 91
Registriert: 20.10.2012, 21:33
Wohnort: Fürstenzell

Beitragvon Schiering » 12.09.2018, 09:16

Hallo Elixia,
bei uns ist es noch eine Weile hin und ganz anders gelagert weil unser Sohn blind ist. Aber aus dem Bauch heraus würde ich auch sagen, laß ihn so viel begleitend probieren und eigentlich hast du schon geschrieben, was er für sich gefunden hat > das mit Garten und Landschaftsbau. Das klingt auch für mich nicht so abwägig. Und wenn er das sogar selber sagt, ihr ggf. den Förderschwerpunkt noch wechselt und er Ehrgeiz entwickelt, wenn er das als Ziel hat... schließe mich somit meinen Vorrednern an. Schaut doch mal öfter in einer Gärtnerei vorbei, vielleicht kann er ja auch in den Ferien mal ein Schnupperpraktikum machen, vielleicht habt ihr auch auch wenn im Bekanntenkreis der dort arbeitet....

Grüße aus Niederbayern

Benutzeravatar
Inga
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 7208
Registriert: 18.03.2005, 20:14
Wohnort: RLP

Beitragvon Inga » 12.09.2018, 09:29

Hallo, ich möchte dir die Angst vor der Werkstatt nehmen! Fast jede Werksatt hat auche ien Gartengruppe. Gerade Gartenarbeit ist eine Arbeit, welche gut von kognitiv etwas eingeschränkten Menschen gelernt werden kann.
Mein subjektiver Eindruck ist, dass aus der Gartengruppe der Werkstatt fast noch man meisten Klienten irgendwann auf den ersten Arbeitsmarkt wechseln. Naja, vielleicht noch aus der Küchengruppe, aber die anderen eher selten.

Mein Schwager hat lange eine "Gartengruppe" betreut, sie haben in einer größeren Stadt einige städtische Gartenanlagen gepflegt, die kompletten Außenanlagen der Werkstatt und auch privat Aufträge angenommen. Also sehr abwechslungsreich, wobei natürlich auch langweiliges Fegen dazu gehört. :wink:

Kann man auf eurer Förderschule den Hauptschulabschluß machen? Das geht auf unserer Förderschule nicht, aber es gehen in jedem Entlass-Jahrgang immer ein paar Fitte dann auf eine weiter weg gelegene Förderschule wo sie den Abschluß dann machen können.

Gruß, Inga
Michelle 02 Apert-Syndrom & Epi
Josephine 05 Albinismus
Emma 07
Nico 09 ADHS,...
"Joshua" 14 Epi, Hemi, Blind
Joleen 16 Schinzel-Giedion-Syndrom

Betreuer von Danielo '96 und Steven '98

Unsere Vorstellung: http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic2393.html
Unsere Galerie: http://www.REHAkids.de/phpBB2/album_per ... er_id=1278

Petra62
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 335
Registriert: 11.03.2016, 14:16
Wohnort: Niedersachsen

Beitragvon Petra62 » 12.09.2018, 09:54

Anna@ Man kann in einem Berufsbildungswerk eine Ausbildun ohne Schulabschluss machen. Manchmal finden sich auch Betriebe, die das unterstützen.

Inga@ Ich denke, auf der Förderschule geht nur der Förderschulabschluss.
Den Gedanken mit der Werkstatt finde ich gut. Es gibt ja genug Jugendliche, die dort mehr als zufrieden sind.

Leider gibt es in diesem Forum keinen Danke Button ;-)
Viele Grüße

Petra

Wenn jeder Tag mit einem Lächeln beginnt

ist es ein guter Tag.

Petra ( 1962 )

Sohn (1998) Asperger ( Diagnose 2016 ), ADS Träumer, Scoliose, Rechtsschenkelblock, fehlender Brustmuskel.

Sohn (2002) Fit

Sohn (2004) Fit

Werbung
 
Mellie
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 1941
Registriert: 22.04.2013, 19:04

Beitragvon Mellie » 12.09.2018, 11:11

Hallo Steffi,

ab der achten Klasse wird sich verstärkt damit beschäftigt, was nach der Schule für Möglichkeiten in Betracht kommen können. Ich weiß nicht, wie es in Bayern abläuft, aber hier in NRW kommt die Arbeitsagentur für Arbeit in die Schule und auch der Integrationsfachdienst und spricht mit den Kindern/Lehrern/Eltern. Sehr oft wird ein Kind mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung in die WfbM kommen, wenn man nichts anderes findet. Die Schulen arbeiten eng mit der WfbM zusammen. Von der letzten Abgangsklasse (GB) kenne ich einen jungen Mann, der nicht in die WfbM gekommen ist. Seine Eltern haben eine Firma hier vor Ort gefunden, wo er in der Autobranche als Hilfsarbeiter arbeiten kann. Wie das genau abgelaufen weiß ich nicht, aber sobald sie mir mal über den Weg läuft, werde ich mich danach erkundigen.

Wenn Du über einen Schulwechsel nachdenkst, dann wäre vielleicht eine Schule für Körperbehinderte eine Überlegung wert. Der Förderschwerpunkt wäre dann "motorische Entwicklung". Man könnte auch überlegen, ob aus dem GB eine LB werden könnte. Dann könnte er den Förderschulabschluss machen.

Einen Hauptschulabschluss kann man auch auf der Lernbehindertenschule bekommen. Leider schaffen es dort die wenigsten Schüler. Bei uns an der Schule wurde auch vorher sehr ausgesiebt, d. h. es gab spezielle Klassen dafür, wo der Unterricht extra auf den Hauptschulabschluss ausgelegt wurde. Da kamen nur sehr wenige Schüler rein. Geschafft haben es am Ende auch nur ein kleiner Teil der Klasse.

Die Gartengruppe bei uns in der WfbM ist auch immer im Einsatz öffentlicher Plätze, z. B. Parkanlagen, Friedhöfe,etc. Ich finde teilweise, dass sie besser arbeiten als die Leute von der Stadt. Alles sieht immer sehr ordentlich aus und man sieht, dass es ihnen Spaß bringt. An Aufträgen mangelt es auch nicht. Außer in den Wintermonaten kann es schon sein, dass sie andere Arbeiten innerhalb der WfbM machen müssen. Ich kenne jemanden, der diese Arbeit seit Jahren macht und sehr zufrieden ist.

Hier wurde es auch schon angesprochen, dass es Berufsbildungswerke gibt. Da findest Du innerhalb der Suchfunktion schon einige Beiträge.
Viele Grüße,
Mellie


Zurück zu „Erwachsen werden: Leben, Arbeit, Wohnen“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast