Zuschuss zum Führerschein und Beschaffung/Umbau PKW

In dieser Kategorie geht es um rechtliche Dinge, Fragen zur Krankenversicherung, Pflegegeld etc.

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Peter
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Zuschuss zum Führerschein und Beschaffung/Umbau PKW

Beitragvon Peter » 05.09.2018, 19:35

Hallo zusammen, ich wäre sehr dankbar, wenn mir jemand helfen könnte.

Kann man irgendwo einen Zuschuss zum Führerschein sowie einen Zuschuss zum Kauf eines PKW´s beantragen sowie einen Umbau des Fahrzeuges (wahrscheinlich müssen aufgrund der rechtsseitigen Hemiparese einige Dinge auf die linke Seite im Fahrzeug umgebaut werden) bezuschussen lassen??

Meine Tochter ist nun 17 Jahre und besucht seit letzte Woche ein Berufskolleg und möchte Kinderpflegerin werden. Es ist eine schulische Ausbildung von 2 Jahren und umfasst insgesamt 16 Wochen Praktikum in einem Kindergarten.

Zur Schule kommt sie im Moment noch mit dem öffentlichen Bus. Jedoch wird es mehr als problematisch, den Praktikumsplatz mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen, da hier auf dem Dorf die Verbindungen sehr schlecht sind.

Zum Beispiel in einem Ort, wo eine Kita für ein Praktikum zur Verfügung stehen würde, ist nur 9 km entfernt. Sie muss von unserem Ort aber in die nächst größere Stadt, dort umsteigen und dann zum Zielort. Dauer der Fahrt ist eine gute Stunde, mit PKW nur rund 10 Minuten.

Ich habe in der Kraftfahrzeughilfe Verordnung gelesen, dass es Zuschüsse gibt,

..... wenn der behinderte Mensch infolge seiner Behinderung .... auf die Benutzung eines Kraftfahrzeuges angewiesen ist, um seinen Arbeits- oder Ausbildungsort oder den Ort einer sonstigen Leistung der beruflichen Bildung zu erreichen.

Wie wird das denn beurteilt, ob es Zuschüsse gibt oder nicht, was ist zumutbar - ist es die Entfernung in km oder ist es der Zeitaufwand??

Sorry für den langen Text.

Ich blicke da ehrlich gesagt, nicht durch. :roll: :oops:

Kann jemand helfen??

Lieben Dank.






:oops:
Sarah. geb. 22.07.01, Hemiparese rechts nach Schlaganfall im Mutterleib

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Peter
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Beitragvon Peter » 05.09.2018, 19:44

.... ganz vergessen zu erwähnen :oops: . Sie hat während den beiden Schuljahren keinerlei Einkünfte.

LG Monika
Sarah. geb. 22.07.01, Hemiparese rechts nach Schlaganfall im Mutterleib

Peter
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Beitragvon Peter » 05.09.2018, 19:51

und noch was vergessen :oops: :oops: :oops: GdB 80, Merkzeichen G, B und H.
Sarah. geb. 22.07.01, Hemiparese rechts nach Schlaganfall im Mutterleib

Kaja
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Beitragvon Kaja » 05.09.2018, 20:58

Hallo Monika,

schau mal hier:

https://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic91472.html

Fahrerlaubnis:

http://www.gesetze-im-internet.de/bshg_47v/__10.html

Als Versorgung kann Hilfe in angemessenem Umfange auch zur Erlangung der Fahrerlaubnis, zur Instandhaltung sowie durch Übernahme von Betriebskosten eines Kraftfahrzeuges gewährt werden, wenn der behinderte Mensch wegen seiner Behinderung auf die regelmäßige Benutzung eines Kraftfahrzeuges angewiesen ist oder angewiesen sein wird.


Umbau:

http://www.gesetze-im-internet.de/bshg_47v/__9.html

Zu den anderen Hilfsmitteln im Sinne des Absatzes 1 gehören auch ...besondere Bedienungseinrichtungen und Zusatzgeräte für Kraftfahrzeuge, wenn der behinderte Mensch wegen Art und Schwere seiner Behinderung auf ein Kraftfahrzeug angewiesen ist

Viele Grüße Kaja

Sandra F
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Beitragvon Sandra F » 05.09.2018, 21:13

Hallo,

meine Freundin hat das bei der Rentenversicherung beantragt.

LG Sandra
Christopher 09/2006 Asperger + ADHS

Sandra F
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Beitragvon Sandra F » 05.09.2018, 21:23

Hi, hier noch mal ausführlicher.
Sie muss es gut begründen. Und es dauert. Hat über ein halbes Jahr gedauert. Sie musste auch Kostenvoranschläge für Autos beschaffen.
Sie hat sich später noch eine Anwältin dazugehört, weil es Probleme gab.
Sie musste zur Amtsärztin. Ihr Orthopäde müsste einen Fragebogen ausfüllen.
Sehr viel Aufwand. Hat sich aber gelohnt.

LG Sandra
Christopher 09/2006 Asperger + ADHS

Gesa
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Beitragvon Gesa » 05.09.2018, 21:31

Moin,

die Rentenversicherung ist normalerweise eigentlich erst nach einer bestimmten Zeit der rentenversicherungspflichtigen Tätigkeit zuständig. Vorher müsste das Arbeitsamt zuständig sein, allerdings weiß ich nicht ganz genau, wie das bei einer schulischen Ausbildung ist.

Wenn die Kraftfahrzeughilfe greift, muss einkommensunabhängig alles bezahlt werden, was behinderungsbedingt notwendig ist, also Umbauten an Fahrzeug, Gutachten etc. , evtl auch Automatik oder die Differenz, wenn aufgrund Art und Schwerer der Behinderung zwingend ein größeres Auto erforderlich ist.

Der Führerschein sowie der Grundbetrag für ein Auto (früher waren es 9.500 Euro) sind einkommensabhängig. Bei geringem Einkommen wird es voll übernommen, bei Gutverdienern gestaffelt irgendwann gar nichts.

Für einen Führerschein wird auf jeden Fall eine ärztliche Untersuchung bei einem Arzt mit verkehrsmedizinischer Zusatzausbildung nötig sein, bei einer Hemiparese vermutlich am besten ein Neurologe. Zudem wird ein TÜV Gutachten benötigt, in dem die notwendigen Umbauten festgelegt werden.

Sollte das mit einem Auto (noch) nicht klappen, könntet ihr wahrscheinlich auch mindestens für die Praktikumszeit versuchen, einen Fahrdienst oder Taxi bezahlt zu bekommen. Spätestens bei der ersten eigenen Stelle, die aufgrund der Behinderung nicht selbst mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht werden kann, sollte es dann mit einem Auto klappen.

Es muss wie oben schon erwähnt, jedes Detail gut begründet und belegt sein, wenn Ihr das im Vorfeld schon angeht, kann das viel Zeit im Nachhinein sparen. Mein Antrag auf das erste Auto waren mit Anlagen ca. 50 Seiten, aber das hat sich gelohnt, es wurde recht problemlos bewilligt.

Viel Erfolg beim Finden einer Lösung!

Liebe Grüße

Gesa
Rollstuhlfahrerin mit unklarer Diagnose, vor vielen Jahren Unfall mit Kopf- und Beinverletzungen, über die Jahre Verschlechterung, seit mittlerweile 15 Jahren Rollifahrerin; Erfahrungen in Rollisport, Rollstuhlversorgung sowie behindertengerechtem Autoumbau

Peter
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Beitragvon Peter » 05.09.2018, 22:23

Hallo zusammen, vielen lieben Dank für Eure Antworten. :D

die Begründung ist wahrscheinlich das Problem. Die Praktikumsstelle ist ja mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen, aber mit einem erheblichem Zeitaufwand. Sie wäre ja für nur 18 km über 2 Stunden unterwegs :roll: .

Was versteht denn das Gesetz genau unter .... wenn der Behinderte auf die regelmäßige Benutzung eines Kraftfahrzeuges angewiesen ist ??

Wie begründe ich am besten??


Und wo sie später einmal arbeiten wird, steht ja noch nicht fest. Würde aber ja die Suche nach einer Stelle erheblich erleichtern, wenn Führerschein und PKW vorhanden ist.

Also stelle ich den Antrag bei der Rentenversicherung?


LG Monika
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Kaja
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Beitragvon Kaja » 05.09.2018, 22:29

Hallo Monika,

ich würde den Antrag beim Leistungsträger der Eingliederungshilfe stellen:

https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_12/__54.html

Leistungen der Eingliederungshilfe sind neben den Leistungen nach § 140 und neben den Leistungen nach den §§ 26 und 55 des Neunten Buches in der am 31. Dezember 2017 geltenden Fassung insbesondere ...

Hilfe zur schulischen Ausbildung für einen angemessenen Beruf

Wenn dieser sich nicht zuständig fühlt, kann er den Antrag ja weiterleiten. Nach der Rechtsprechung bedeutet "auf die regelmäßige Benutzung eines Kraftfahrzeuges angewiesen ist", dass der Antragsteller aus behinderungsbedingten Gründen das Auto nahezu täglich nutzen muss.

Viele Grüße Kaja

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Peter
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Beitragvon Peter » 05.09.2018, 22:41

Hallo Kaja,
vielen Dank für Deine Mühe. Dann werde ich dort mal den Antrag stellen.

Ist nur die Frage, ob sie das auch so sehen dass sie auf die regelmäßige Benutzung eines Kraftfahrzeuges angewiesen ist.

Sie kann ja mit dem Bus fahren, jedoch mit erheblichem Zeitaufwand.

Nützt uns das Argument 80 Gdb und die Merkzeichen G B H zur Begründung?

Ich möchte einfach von Anfang an gute Argumente liefern können :oops:  8)

LG Monika
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