Wer kennt sich aus? Vorhandenes Vermögen und Volljährigkeit

Unsere Kinder werden älter, verlassen die Schule und auch oft das Elternhaus. Wie sehen die Perspektiven für behinderte Jugendliche und junge Erwachsene aus? Wo können sie arbeiten? Wo finden sie geeignete Wohnformen? Hier können sich Eltern austauschen und informieren!

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Sandra B.
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Beitragvon Sandra B. » 06.09.2018, 15:19

Hallo Kaja,

da sage ich doch noch einmal danke für Deine Mühe!

Ich verstehe das trotzdem noch nicht. Wie soll ich das Vermögen von Nina denn für sie einsetzen, wenn ich in ihrem Namen keine Verträge abschließen darf? Wir haben nun einen neuen Rehabuggy bestellt, weil der alte fast auseinander fällt und die Kasse uns den Buggy nicht bezahlt hätte. Hätten wir das nicht gedurft? Es kann doch nicht sein, dass wir von ihrem Geld für sie nichts kaufen dürfen?

Diese ganzen Rechtstexte sind mir echt zu hoch, obwohl ich Abitur und Studienabschluss habe....

Liebe Grüße
Sandra
Sandra (47) und Max (48) mit Nina, 17, geistig und körperlich schwer behindert nach Frühgeburt. 25.SSW, 530g, sehr starke Sehbehinderung, keine Sprache, autistische Züge, infektabhängige Anfälle und vieles mehr
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Kaja
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Beitragvon Kaja » 06.09.2018, 21:30

Hallo Sandra,

ich wollte dich nicht verwirren - tut mir leid. Natürlich darfst du wie bisher Verträge in Ninas Namen abschließen.

Du wolltest ja ursprünglich wissen, was du von der Erbschaft kaufen kannst, ohne dass das Sozialamt Nina später die Grundsicherung verweigert. Und ich wollte dir den Weg zeigen, den man auf der Grundlage der genannten Entscheidung gehen könnte:

1. Du bist bei den Ausgaben NICHT auf den Regelsatz beschränkt.
2. Du kannst von dem Geld Ausgaben tätigen, die ihr bei eurer Einkommens- und Vermögenslage ohne die Erbschaft bisher auch gemacht hättet, also z. B. Reiten und Buggy. Diese Verträge kannst du m.E. bedenkenlos auch in Ninas Namen abschließen.
3. Kritisch wird es bei Ausgaben, die nicht zu eurem bisherigen Lebenstandart passen (drei Delphintherapien im Jahr, Luxusauto ...). Hier habe ich - außer der Entscheidung - nichts konkretes finden können.
a) es kommt auf Ninas Einsichtsfähigkeit an. Da sie die Finanzen nicht überblicken kann, kann sie selbst eigentlich nicht aktiv Vermögen verschleudern
b) die Ausgaben sollten nicht durch Nina und in Ninas Namen vorgenommen werden, weil im Urteil explizit ausgeführt wurde, dass das Handeln der Eltern nicht dem Grundsicherungsempfänger zugerechnet werden kann. Deshalb kann es besser sein, größere Ausgaben nicht in Ninas Namen zu machen.

Jetzt besser verständlich?

Viele Grüße Kaja

Michaela44
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Beitragvon Michaela44 » 07.09.2018, 00:07

Ist es aber nicht so, dass Eltern generell das Vermögen der Kinder sorgsam verwalten müssen und nicht "verschleudern" dürfen? Wenn die Eltern das Geld einer Erbschaft ausgeben, kann es dann nicht passieren, dass sie vom Amt in Regress genommen werden?

Ich denke es kommt sehr auf die Höhe der Erbschaft an. 5000 € oder auch etwas mehr kann man sicherlich als Normalverdiener im Sinne seines Kindes kurzfristig ausgeben, bei 50000 € wird das schon schwieriger (und das Interesse des Amtes größer).
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Sandra B.
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Beitragvon Sandra B. » 07.09.2018, 07:50

Guten Morgen,
@ Kaja: Nun habe ich es verstanden - danke!

@ Michael: Du hast recht, vor allem vor dem 18 Geburtstag kann das zum Problem werden, habe ich gestern auch erfahren...

Darf ich hier verlinken :?: (ansonsten bitte löschen)

https://www.test.de/Kinderkonto-Wann-El ... 5293761-0/

Verschleudern wollen wir das Geld ja nicht. Es soll sinnvoll für Nina eingesetzt werden und so lange sie bei uns lebt, brauchen wir auch keine Sozialhilfe für sie beantragen, da es uns finanziell gut geht. Etwas anders sieht das aus, wenn sie mal in eine Einrichtung zieht. Das selbst zu finanzieren ist tatsächlich unmöglich....
Uns ging es in erster Linie darum zu wissen, ob ihr Vermögen allein durch den Tagesförderstättenbesuch gefährdet ist. Das scheint ja nicht so zu sein, wie ich es verstanden habe, da es zur Teilhabe zählt und die vermögensunabhängig gewährt wird. Somit haben wir also vermutlich einige Jahre Zeit, um das Vermögen "abzubauen" und sinnvoll für Nina einzusetzen.
Die Befürchtung war, dass uns nur noch die Zeit bis zum 18. Geburtstag bleibt....

Danke an alle, die mir geholfen haben!

Liebe Grüße
Sandra
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Beitragvon ***Ariane*** » 07.09.2018, 11:31

Hallo Sandra,

ich würde dir ganz dringend empfehlen dich mit einem Fachanwalt für Behinderten Erbrecht zusammen zu setzten.
Wir haben im Frühling unser Testament bei Herrn Luitwin Kiefer aus Schwetzingen machen lassen.
Der hat uns die ganze Materie haargenau erklärt und es ist uns dabei sehr deutlich geworden, dass, wenn auch nur eine Formulierung nicht richtig ist, das ganze Geld futsch (Sozialamt) ist.
Wenn du seine Kotaktdaten haben möchtest, schick mir einfach eine PN.

Mit "Ich hab da schon ganz viel zu gelesen" und " Ich hab schon viele tolle Tips bekommen" würde ich mich bei diesem schwierigen Thema nicht zufrieden geben.
Wir hatten, bevor wir Herrn Kiefer kennengelernt haben, einen Termin mit einem "normal auf einfaches Erbrecht" spezialisierten Anwalt, der hatte aber von behinderten Erbrecht keinen Plan. Er hätte aber, nur um Geld zu verdienen, uns ein prächtiges Testament geschrieben und uns, und unseren Sohn im Ernstfall direkt in den Ruin getieben...

Viele Grüße
Ariane
Ariane*78 mit Levin*03/09, Frühchen aus der 31SSW 1130g, mit partieller Translokation Chromosomen 2 und 21. (Sagittalnahtsynostose, Hydrozephalus, Aortenstenose, muskulerer Hypothonie, Balkenhypoplasie, stark Entwicklungsverzögert, Epilepsie) und immer fröhlich und lachend, ein absoluter Sonnenschein

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Beitragvon Anne_mit_2 » 07.09.2018, 14:03

Hallo Sandra,

bzgl. des Testaments kann ich Ariane nur zustimmen, aber soweit ich es verstanden hatte, hatte Eure Tochter ja bereits etwas geerbt -- und das wohl nicht von einem Elternteil. Es geht also nicht um ein Testament, das aufgesetzt und dann in der Regel spätestens alle 5 Jahre erneut auf Passgenauigkeit auf die gegenwärtige Situation geprüft werden muss.

Einen Punkt solltet Ihr in jedem Fall aus Arianes Post mitnehmen: Sicher kann Euch ein auf solche Themen spezialisierter Anwalt auch im Umgang mit dem durch Eure Tochter geerbten Geld beraten. Insbesondere ist da auch die Dokumentation wichtig, wie es verwendet wurde für den Fall, dass es später einmal Zweifel/Rückfragen geben sollte.

Viele Grüße,
Anne

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Sandra B.
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Beitragvon Sandra B. » 08.09.2018, 19:20

Hallo,

nein, ein Testament haben wir vor 3 Jahren gemacht und dabei sind wir auch professionell durch einen Fachanwalt und Notar beraten worden.
Es geht um ein Vermächtnis der Oma...

Dass die Dokumentation aller Ausgaben und überhaupt der Finanzen wichtig ist, ist mir klar. Es gibt hierfür bereits einen extra Ordner mit allen Unterlagen :wink: - trotzdem danke für den Hinweis!

Liebe Grüße Sandra
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